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Der Unsichtbare

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Der Unsichtbare

Der Unsichtbare Kritik

Der Unsichtbare Kritik
0 Kommentare - 06.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Der Unsichtbare" ist.
Der Unsichtbare

Bewertung: 3 / 5

Cecilia Kass (Elisabeth Moss) erholt sich von einer gewaltvollen Beziehung mit dem Ingenieur Adrian Griffin (Oliver Jackson-Cohen). Sie verlasst Adrian und sucht Schutz bei ihrer Familie und ihren Freunden Emily (Harriet Dyer), James (Adlis Hodge) und dessen Tochter Sydney (Storm Reid). Daraufhin bringt sich ihr Ex-Freund um, und Cecillia denkt, daß der Schrecken nun ein Ende hat. Doch bald passieren merkwürdige Ereignisse und es kommt zu einem ersten Todesopfer.

Schlafende Löwen sollte man nicht wecken. Oder doch? Die Welt gehört den Männern, vornehmlich den weißen Männern. Und nach etlichen Jahrzehnten der Unterdrückung jedweder vermeintlicher Minderheit im Hollywoodkino scheinen sich Filmemacher nun eines ganz gewiss auf die Fahne geschrieben zu haben: Mehr Repräsentation wagen und Missstände ankreiden. Das gelingt natürlich mal mehr, mal weniger und im Falle von Der Unsichtbare scheint klar, daß es irgendetwas gibt, was vor allem die vermeintlich professionellen Kritiker davon überzeugt, daß dieser Film eine schier unbegreifbare und ungreifbare Größe zu sich hat. Nun gehört Der Unsichtbare der geltenden Meinung nach, zu den wenigen Lichtblicken, die das kinoarme Jahr 2020 hatte. Die Begründung liegt ja wohl klar auf der Hand und so erfreuten sich viele an der Wiedergeburt einer der ältesten Horrorikonen des Kinos. Der Unsichtbare, die Angst vor dem nicht auf der Ebene, wo es zumeist stattfindet, wahrnehmbaren. Da schweben dann Gegenstände durch die Luft, Lichter flackern und irgendwie kommt einem das wie ein Nosferatu-Gag aus einer Serie, die für Kinder konzipiert wurde vor. Kann das wirken? Nun an der Stelle muss man ganz klar sagen, daß es das nicht tut. Für Horror muss man zugänglich sein, man muss die Szenerie glauben, oder auch glauben können. Und im Falle dieser clever konstruierten Ursprungsgeschichte, die in wirklich lächerlich anmutenden Szenen mündet, tut es das nicht.

Trailer zu Der Unsichtbare

Klar ist das ein gut gemachtes Produkt, weil auch die Inszenierung von Leigh Whannell eben auf etwas setzt, was unter anderem sein Saw III (2006) vermissen ließ. Und so kommt es, daß das Werk quasi die Antithese zu dem Whannell darstellt, dessen Werke eben durch explizite, pseudoschockierende und vor allem vergessenswerte Bilder ausgezeichnet werden. Doch in Der Unsichtbare fließt Blut nur dann, wenn es sein muss und die Gewalt spielt auf einer Ebene von Angst, und dem immer wieder aufkeimenden Trauma der Hauptfigur. Gerade zu Beginn wird das Werk eigentlich auch zu einem vielversprechenden Ritt, weil die Prämisse etwas von Erlösung verspricht. Es ist schon harter Tobak, das eigene Leben, in dem Ableben einer nahestehenden Person zu sehen. Für eine genaue Dekonstruktion der Figuren reicht das zwar nicht, weil diese dafür zu schablonenhaft gezeichnet werden. Sehr wohl steckt darin aber eine Ehrlichkeit und auch die Frage der finanziellen Macht wird hier wieder gestellt. Ob es wirklich noch so zeitgemäß ist, daß Frauen sich einem gewissen Ruf, durch das Verlassen einer Person ausgesetzt sehen, sei mal dahingestellt. Da wird dann darüber lamentiert, daß der Mann Macht habe. Wie sich das allerdings auswirkt, wird eher behauptet, als wirklich gezeigt. Klar schafft es der Film dann, die Figur doch noch aus den Fängen von Adrian Griffin zu befreien, doch bis das mal passiert, dauert es schon.

Und das ist ohnehin ein großes Problem in Der Unsichtbare, denn die Geschichte ist eigentlich in zwei Sätzen abgehandelt und dennoch vermittelt das Werk den Eindruck als gäbe es irgendeine Rechtfertigung, den Film eben über zwei Stunden laufen zu lassen. Doch die gibt es nicht, weil abseits der sowieso im Vorhinein mit dem Zuschauer verhandelten Prämisse nichts auf diesen wartet, was die Laufzeit rechtfertigen würde. Show, dont Tell heißt das Kredo, was Filme von Werken wie Büchern abgrenzt. Nun kann man hieraus eben auch einen Meta-Gag spinnen, weil wir hier ja von einem Unsichtbaren reden. Ha ha, genug gelacht. Denn die Wahrheit ist, daß der Film auch zu sehr mit gängiger Inszenierung daherkommt und man etwaige anspannende Szenen, so schnell kommen sieht, daß man schon die nächsten zwei, drei Szenen, in denen Zartbesaitete sich die Augen zuhalten müssen, vorausahnen kann. Und da gibt es nicht etwa den Moment, der einen wirklich ins Staunen versetzt. Dann wiederum kann vor allem Elizabeth Moss in der Hauptrolle überzeugen, denn ihre Stärke liegt vor allem darin, dem Zuschauer ihren psychischen Verfall in Form von Angst und dem ständigen Erklären müssen, um ihren Mann, verständlich zu machen. Insofern spricht der Film hier auch auf einer Meta-Ebene wieder die Problematik der Opfer von häuslicher Gewalt oder Missbrauch an. Denn diesen wird oft kein Glauben geschenkt und auch die Möglichkeit ein Vertrauen zum Gegenüber aufzubauen ist indes recht schwierig.

Auch der Gedanke, den Unsichtbaren mit einer Art technischer Innovationen zu erklären, ist ein guter Gedanke. Denn das verankert den Film in der Realität und gibt vielen der Momente nicht nur eine im Werk innere Logik, gleichsam macht es dieses somit auch wesentlich glaubwürdiger. So muss man an keiner Stelle darum fürchten, daß nun irgendjemand wieder den Teufel beschworen hätte, oder daß es tatsächlich Wunder gäbe. Nein, Der Unsichtbare versucht der Figur eine wissenschaftliche Begründung zu schaffen und reiht sich damit auch in den Kampf der Spätromantik ein, indem der Glaube und die Angst an das Überirdische, zunehmend vom rationalen Denken, wie auch der Technik verdrängt wurde.

Versucht wird hier zudem, den Figuren, besonders der Hauptfigur eine tiefgreifende Tragik und Wärme zu verpassen, indem auch einen Freund und dessen Tochter in die Geschichte einbindet. Gleichzeitig verfolgt der Film hier auch den Leidensweg, der Figur, indem immer währende Fragen nach dem Ableben des Mannes und dem dadurch entstehenden Druck durch den Bruder der Figur aufgegriffen werden. Dabei gelingt es dem Film aber auch zu keinem Zeitpunkt, die Figuren irgendwie interessant wirken zu lassen und ohnehin scheint der Film mehr auf seine Effekt-Schocker zu setzen, als wirklich eine spannende Geschichte erzählen zu wollen. Dabei sind die Ansätze durchaus gegeben und dennoch verliert sich das zu schnell im Nichts.

Eine nette Grundidee und eine solide Inszenierung machen Der Unsichtbare sicherlich nicht zu einem schlechten Film. Der große Wurf ist das aber bei weitem auch nicht, weil die dünne Geschichte und die Prämisse zum einen weder die Laufzeit rechtfertigen, noch irgendeine Form von Verbindung zu den Figuren aufbauten. Dann wiederum ist das Werk dennoch handwerklich großartig gemacht und kommt mit einer Dichte und einem Sinn für Ästhetik daher, die viele Filme vermissen lassen.

Der Unsichtbare Bewertung
Bewertung des Films
610

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