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Die irre Heldentour des Billy Lynn

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Die irre Heldentour des Billy Lynn Kritik

Die irre Heldentour des Billy Lynn Kritik

Die irre Heldentour des Billy Lynn Kritik
0 Kommentare - 22.06.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die irre Heldentour des Billy Lynn" ist.
Die irre Heldentour des Billy Lynn

Bewertung: 3.5 / 5

Der neunzehnjährige Billy Lynn (Joe Alwyn) geht in den Irak. Dort, wo an jeder Ecke der Tod lauert, kann Billy gerade so überleben und wird nach einem Gefecht von seinen Kameraden und der Nation als Held gefeiert. Zurück in den Staaten soll er auf eine landesweite Siegestournee gesendet werden, die jedoch nichts mit den Schrecken des Kriegs zu tun hat. Auch seine Schwester Kathryn (Kristen Stewart) verurteilt diese Herangehensweise und was genau im Irak passiert ist, weiß niemand so richtig. Immer weiter dringen Menschen in die Vergangenheit von Lynn ein.

Unamerikanisch. Das ist so ein Wort, das gerne mal in den Raum geworfen wird, wenn man eine politische Position vertritt, der man nicht ganz folgen kann. Natürlich in den Staaten und es ist fast von Ironie durchtränkt und ohne diese auch gar nicht mehr zu betrachten, wenn man Kritik am Krieg als Unamerikanisch deutet. Mit Die irre Heldentour des Billy Lynn schuf Ang Lee einen Film, der seinerzeit vermutlich recht untergegangen ist und darüber hinaus auch durch die liberale Presse in den Staaten gescholten wurde. Eben, weil er unamerikanisch ist, oder ist es vielleicht ein schlechter Film? Nun, es wäre fatal naiv dieses Werk allein auf einer politischen Ebene zu betrachten, dadurch entstünde nämlich der Eindruck, daß jede Form von politischem Hintergrund oder Subtext im Film, auch filmische Defizite überschattet. Ganz klar kann man sagen, daß der Film vielleicht als Satire besser und bissiger geworden wäre, wobei es auf anderer Seite natürlich irgendwo erfrischend ist, wenn man nicht schon wieder einen ach so ironischen Film präsentiert bekommt. Lee entschied sich das zugrundeliegende Material in ein Drama zu münzen. Man muss sagen, etwas anderes wäre von einem Regisseur der Sinn und Sinnlichkeit (1995) inszenierte auch nicht u erwarten, oder es würde zumindest überraschen. Aber dadurch kann man zumindest verstehen, daß das Werk nicht in die großen Riegen unzähliger Filmklassiker aufsteigt, zumal der Film dafür auch zu sehr das kritisiert, was die Amerikaner – auch im liberalen Lager – nicht so gerne hören. Es ist eben unamerikanisch.

Trailer zu Die irre Heldentour des Billy Lynn

Erzählt wird die Geschichte des Heroen und dazu verklärten Heimkehrers Billy Lynn. Er hat Leben gerettet, als er im Irak war um Leben zu retten. Eine Kamera filmt seine Heldentaten und so kehrt er nachhause zurück, um dort eine Siegestour durch das Land zu machen. Man muss schon allein ob der Prämisse sagen, daß Lee mit Die irre Heldentour des Billy Lynn ein sehr ungewöhnlicher Film gelingt. Der Irakkrieg ist lange nicht so verbraucht wie es andere Kriege sind. Die grundsätzliche Idee bietet viel Raum, um in verschiedene Richtungen gedeutet zu werden. So könnte man schnell dem Fehler erliegen, es handele sich hier um einen Propaganda-Film. Doch das ist er nicht, im Gegenteil und tatsächlich ist es sogar recht clever. Denn wenn Lynn und seine Kameraden in die Staaten zurückkehren, dann werden sie zur Massenbespaßung ausgeschlachtet. Soldaten, die neben einem Auftritt von Destiny’s Child im Gleitschritt marschieren und dem kapitalistischen Treiben frönen. Lee verpasst all dieser Partylaune eine Irritation, weil er immer wieder Bilder aus der Vergangenheit, also aus dem Schlachtfeld einfließen lässt. Dadurch entsteht natürlich ein Kontrast und die Frage, die unweigerlich ab einem gewissen Punkt aufkommen muss, ist, wie sinnvoll das eigentlich ist, was man da macht. Der Film ist ein bitterböser Rundumschlag, der den Krieg in seiner Sinnlosigkeit, aber auch den Zusammenhang zum Frieden in den Staaten und besser gesagt dem Feiern sieht. Etwas anderes als ausbeuterische Dekadenz kann man in diesem Staat nicht sehen.

Immer wieder wird von Kameradschaft und Freundschaft geredet und wie wichtig doch die Aufgabe war. Man hat den Eindruck, als inszeniere Lee seine Soldaten als Marionetten, die nie frei vom System stehen können. Und daraus resultiert einer der Kernkonflikte, mit dem sich auch unter anderem Billy Lynn befassen muss. Er empfindet es nicht als heroisch und als er ausgefragt wird, was er denn initial gedacht hat, als er seinen Vorgesetzten gerettet hat, wird klar, daß der amerikanische Heldenmythos völlig absurd ist. Menschen machen aus Gräueltaten Heroismus, das ist der Sinn und der Sinn der hinter diesen Gräueltaten steckt, ist eben Kapital. Mit einer Lüge in den Krieg zu ziehen, hat in vielen Staaten eine gewisse Tradition und es ist klar, daß der psychische Verfall erst dann kommt, wenn Patrioten ein Land und seine wirtschaftlichen Interessen verstanden haben. Lee bewegt sich hier in einem Milieu, daß unaufgeklärt ist und daher auch ganz anders und de facto falsch auf Dinge blickt. Insofern ist der Film irgendwo auch am Puls der Zeit, weil es nichts Heroisches im Krieg gibt und die ach so hochgepriesenen Helden eben auch nichts davon erzählen dürfen. Wenn sie nämlich von ihrer fehlenden Kontrolle, ihren Ängsten und ihrer eigentlichen Mission erzählen, werden sie vom einen auf den anderen Moment vom Staatshelden zum Staatsfeind. Lee zeigt das nicht unbedingt, aber es ist klar, daß das mitschwingen muss und es ist somit auch zumindest im Raum, daß es so etwas wie richtige Freiheit eigentlich nicht gibt.

Interessant ist dann, daß Die irre Heldentour des Billy Lynn sich irgendwo fast in einem Coming-of-Age oder Highschoolfilm verstrickt. Zuhause angekommen verliebt sich Lynn in die Cheerleaderin Faison Zorn. Man kann es ihm auch nicht übel nehmen. Und Sexualität ist da auch so ein interessantes Thema. Denn was hier vor allem wichtig ist, ist, daß die Soldaten auch die Etikette wahren. Sie werden nicht als Menschen mit Bedürfnissen oder Verlangen dargestellt. Daher darf auch niemand außerhalb der Truppe wissen, daß sie eigentlich täglich masturbieren. Nun klar, reden darüber will man bestimmt auch nicht mit jedem, doch auch das kratzt an dem medialen Bild, daß Lynn und seine Gruppe für die Außenwelt abgeben sollen. Jeder hat eine Rolle, einen Platz, so wie es in Hollywood ja schon immer der Fall war. Lynn wird zum Schauspieler und er hadert mit diesem Konzept, weil er etwas ganz anderes im Krieg gesehen hat. Insofern steht dieser Film auch irgendwo in der Tradition des Vietnamkriegs-Films. Die Lüge eines Staates, das könnte auch Platoon (1986) sein. Wobei Lees Film nicht dessen Qualität erreicht. Tonal fühlt man sich dann auch ein wenig an Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012) erinnert, indem Gewalt und Medien ebenso eine große Rolle spielen. Denn hier geht es nicht um die Wahrheit, oder um traumatische Erlebnisse. Es geht eher darum zu zeigen, wie stark man gekämpft hat und dann wird es gar personalisiert, indem man einen Menschen zeigt, der einem anderen das Leben rettet. Und genau das ist es, woran sie glauben, wofür diese Kinder kämpfen und wofür sie in Wirklichkeit kämpfen, daß musste Billy Lynn schmerzlich erkennen.

Ein zu Unrecht gescholtenes Drama ist Die irre Heldentour des Billy Lynn geworden. Er zeigt die mediale Wirkung von Gewalt und auch, wie spaßig Krieg in Teilen verstanden wird. Nach dem Motto: Brot und Spiele werden Kinder in den Tod geschickt und sollen dann irgendwie bei ihrer Rückkehr mediale Helden werden. Absurd und deshalb so gut.

Die irre Heldentour des Billy Lynn Bewertung
Bewertung des Films
710

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