AnzeigeN
AnzeigeN

Everything Everywhere All at Once

Kritik Details Trailer Galerie News
Eine aberwitzige Ode an Familie, Liebe, Michelle Yeoh als filmisches Zitateraten

Everything Everywhere All at Once Kritik

Everything Everywhere All at Once Kritik
1 Kommentar - 04.09.2022 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Everything Everywhere All at Once" ist.
Everything Everywhere All at Once

Bewertung: 4 / 5

Jackie Chan ist eine lebende Legende, dem Mann ist es gelungen, sowohl in Asien als auch in Hollywood Fuss zu fassen und das Beste beider Welten zu einen. Er ist sowohl der legitime Erbe von Bruce Lee als auch von Buster Keaton und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Honk Kong Kino auf der Weltbühne großer Erfolge hatte. Viele seiner Filme gelten heute noch als Meilensteine, die in ihrer professionellen Effizienz noch heute imitiert und gewürdigt werden. Jackie Chan ist auf der anderen Seite aber auch mittlerweile ein extrem systemtreuer Superstar, der nie anecken würde. Daher verwundert es denn auch nicht, dass er die Hauptrolle im vorliegenden Film dann auch aus "Termingründen" absagen musste (ursprünglich sollte der Mann im Vordergrund stehen, was man zumindest dem Anfang des Films noch ansieht, und die Frau nur Zulieferer sein). Aber seien wir mal ehrlich, können wir uns einen Jackie Chan in einem Film vorstellen, wo blutverschmierte Riesengummipenisse als Kampfwaffen und irgendwelche Bürogegenstände als Analsonden mißbraucht werden? Können wir uns Jackie Chan in einem Film vorstellen, wo er völlig okay ist und damit hausieren geht, dass seine Tochter eine Lesbe ist? Wohl kaum.

Alleine schon deswegen ist Michelle Yeoh die bessere Wahl für die Hauptrolle. Denn das ist eine Frau, die sich schon inden 1980ern durch die Fitnessräume Honk Kongs gegen jegliche machistoiden Vorurteile gekämpft hat, und sich eben als Nicht-Chinesin besonders hart durchsetzen musste in einer Kultur, die sehr oft nationalistisch mit fremdenfeindlich gleichsetzt, eben doch ihren Mann bzw. ihre Frau stehen konnte. Mit Würde, Ehrgeiz und Eleganz gelang es ihr eben auch, den von Bruce Lee, und später Jackie Chan vorgelegten Pfad in den Westen ebenfalls zu meistern, und eben im Gegensatz zu den beiden Erstgenannten (oder auch später folgenden wie Chow Yun Fat oder Gong Li) eben einen festen Platz im Hollywood-Pantheon zu ergattern. Seit über 20 Jahren ist sie sowohl hier als auch dort erfolgreich, und ihr nimmt man es eben nicht übel, über den Tellergang - auch ideologisch - zu schauen, eben weil sie nie richtig dazu gehört hat.

Trailer zu Everything Everywhere All at Once

Aber um es anders auszudrücken: Sie ist nicht außerhalb der Norm, sie ist über den Dingen! Und das ist nicht bloß eine Liebesbezeugung für eine Leinwandgöttin, sondern prinzipiell das Thema des vorliegenden Filmes.

Was im Prinzip als eine Multiversumsgeschichte vermarktet wird und deshalb das seltene Glück ist, dass ein Film der es verdient, im Rampenlicht steht (MCU sei ausnahmsweise mal Dank!), ist eigentlich im Kern eine sehr intime Nabelschau und Geschichte einer Frau, die gerade dabei ist, alles zu verlieren, und die lernen muss, wie man mit seinen Familienmitgliedern umgeht, wie man sich gegenseitig die Liebe ausspricht, dass Lieben auch gehen lassen und gleichzeitig niemals loslassen ist.

All das wird kongenial in einem irrwitzigen Panoptikum an allerlei Filmzitaten zusammengeschwurbelt, das weder vor Gonry, Kubrick, noch Kar-Wai halt macht. Und erst recht nicht vor Hollywoodblockbustern und existentialistischem Kunstkino. Und in jeder Szene wird Yeohs Leinwand-Alter-Ego zelebriert, und gelichzeitig so ziemlich jede mögliche Filmperle zitiert, parodiert, imitiert.

Das ist unglaublich herzlich, das ist nerdig, das ist schön.

Aber das ist auch experimentell und das findet sehr oft auch nicht das richtige Ende. Deshalb ist der Film dann auch ziemlich lang und auch langatmig, und er hat viele verschiedene Enden auf einmal. Und jedes einzelne wird bis zum Ende durchgespielt, aber dann geht es eben doch immer weiter, eben weil die beiden Regisseure mit dem bisherigen Ende nicht zufrieden sind, das machen sie so lange, bis sie und wir dann zufrieden sind. Ja, auch das ist eine Art Hollywoodblockbuster. Es wird nicht das intelligente, intellektuelle, bittere Ende angepeilt, auch wenn das auch möglich wäre, sondern komplett anders als zB Funny Games, eben doch das publikumswirksamste, weil herzerwärmendste Finale ausgewählt.

Und das ist auch gut so, denn nichts anderes möchte man, Eskapismus vom Feinsten.

Nur noch zwei sachen: das Prinzip von verschiedenen Realitätsebenen ist nicht erst seit dem MCU gegebn sondern gesitert schon seit Jahrzehnten sowohl durch Lieratur als auch Zelluloid, nur weil es eben modern ist und durch das MCU wieder in aller Munde ist, muss es jetzt nicht alles gleich damit verglichen werden.

A Propos Vergleich: Tatsächlich ist die Action am Anfang und Gestik sehr stark von Jackie Chan inspiriert, da merkt man die ursprüngliche Intention durchaus...

Der Film ist sehr schön, hat das herz am rechten Fleck, ist aber auch etwas zu spleenig und auch nicht wahrscheinlich für jeden was, eben kein typischer Blockbuster. Zu den ganz grßen Dingen fehlt ein kleines bißchen, ich persönlich wäre fast genigt hier 9 Punkte zu zücken, aber irgendwie ist er dann doch nicht ganz so groß wahrscheinlich, daher ganz starke 8 Punkte

Everything Everywhere All at Once Bewertung
Bewertung des Films
810

Weitere spannende Kritiken

Roter Drache Kritik

Roter Drache Kritik

Poster Bild
Kritik vom 01.10.2022 von ProfessorX - 0 Kommentare
Der FBI-Agent Will Graham (Edward Norton) hat sich eigentlich zur Ruhe gesetzt und fristet sein Dasein mit seiner Familie. Als jedoch die berüchtigte Zahnfee (Ralph Fiennes) auf den Plan tritt, die bei Vollmond ganze Familien ermordet, muss Graham noch einmal in Aktion treten. Doch Graham gelin...
Kritik lesen »

Pearl Harbor Kritik

Pearl Harbor Kritik

Poster Bild
Kritik vom 29.09.2022 von ProfessorX - 0 Kommentare
Seit ihrer Kindheit träumen die Freunde Rafe (Ben Affleck) und Danny (Josh Hartnett) davon, einmal tatsächlich Piloten zu sein. Als Amerika Ende 1941 in den Krieg eintritt, verliebt sich Rafe in die Krankenschwester Evelyn (Kate Beckinsale), muss aber dummerweise in den Krieg ziehen, weil ...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Horizont erweitern

Was denkst du?
oder direkt auf MJ registrieren Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!
1 Kommentar
Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
04.09.2022 17:33 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.931 | Reviews: 207 | Hüte: 554

Tatsächlich einer der besseren Sci-Fi-Perlen dieses Jahr :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
Forum Neues Thema
AnzeigeY