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Frankenstein Junior

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Frankenstein Junior Kritik

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Frankenstein Junior Kritik
0 Kommentare - 08.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Frankenstein Junior" ist.

Bewertung: 3 / 5

Nachdem Dr. Viktor Frankenstein seit einigen Jahren bereits tot ist, entschließt sich sein Enkel Frederick (Gene Wilder) das Erbe seines Großvaters fortzuführen. Und so plant er, auch weil er bereits ein erfolgreicher Neurochirurg ist, Leben zu erschaffen. Dafür reist er in das alte Familienanwesen nach Transsylvanien und trifft dort auf den Diener Igor (Marty Feldman). Mit seiner hübschen Laborassistentin Inga (Teri Garr) will er ein Experiment ausführen, wird dabei aber von einigen Dorfbewohnern gestört...

Bin ich hilflos, so brauche ich Hilfe. So oder so ähnlich geht wohl einer dieser Schlaumeiersprüche, deren vermeintliche Pathetik irgendwelchen Kalenderspruchsammlern zusagen dürfte. Doch so banal der Spruch auch ist, so sehr passt er auf das Schaffen von Mel Brooks und im besonderen Frankenstein Junior. Da kommt einiges zusammen und es, was die ein oder andere lebenswichtige Arterie im Großhirn zum Platzen bringen mag, ist im Falle dieses Werkes durchaus mal angebracht zu fragen, oder in den Raum zu werfen. Frankenstein Junior ist nicht witzig. Zumindest nicht so witzig, wie ihn die Filmgeschichte gemacht hat. Doch das zu ergründen, bedarf vieler Analysen in vielen gesellschaftlichen, gar lebensentscheidenden Bereich. Zeitgeist, Gesellschaft, Aufklärung, Erwartung, Humor oder auch Verständnis sind Schlagworte, die im Umgang mit Komödien von Bedeutung sind und sicherlich dahingehend auch retrospektiv vielleicht nochmal mehr zum Einsatz kommen, als sie das sowieso schon getan haben. Das ist eine mühselige Sache, doch je näher man sich mit diesem Film befasst, umso weniger kommt man noch darum herum, diese Fragen unweigerlich zu stellen. Im Kulturkampf findet ja immer wieder diese Moralisierung statt. Wenn man von Kunst spricht, muss diese der eigenen Ideologie entsprechen, sonst kann sie gar nicht gut sein. So die steile These von einigen militanten Linken. Gerade Mel Brooks Werke dürften in dieser Hinsicht aber so ziemlich niemanden zufriedenstellen. Denn sie sind nicht divers und moralisch.

Und genau deshalb ist dieser Film so komplex, zumindest für mich. Kunst bedeutet immer, daß man einen gewissen Zeitgeist und ganz sicher eine Ideologie widerspiegelt. Im Falle von Frankenstein Junior geht es darum, aufzuklären. Doch diese Aufklärung ist letzten Endes ein gutes halbes Jahrhundert her. Die Welt war eine ganz andere und die Strukturen auch. Immer wieder bemerkt man, wenn man sich Werke von Mel Brooks ansieht, daß da eben ganz klare Zeitgeistphänome spuken. Im Falle von diesem Film sind das vor allem Themen, die in Zeiten von Me Too sicherlich keinen Platz mehr im Kino finden. Und da ist genau der Knackpunkt erreicht, an welchem Frankenstein Junior Segen und Fluch zugleich ist. Mel Brooks inszeniert einen Humor, der sich vor allem häufig in sexueller Übergriffigkeit widerspiegelt und der weibliche Figuren, wie auch spätere Filme von ihm bestätigen werden, zu absoluten Objekten degradiert. Meist leicht bekleidet, mit einem Hinweis auf die augenscheinliche Weiblichkeit, werden da sexuelle Spannungen in den Raum geworfen, die mehr irritieren, als daß sie wirklich belustigend sind. Gerade wenn es darum geht, daß Frankensteins Monster und Elizabeth im Stroh liegen, reduziert der Film seine Figuren, immer wieder auf die niedersten Triebe. Nun ist es so, daß das gesamte Werk, aber bedingt durch die Zeit, in der wir nun mal leben, ganz klar auch in diesem Bereich an Komplexität gewinnt. Denn betrachtet man das Kino heute, dann scheinen Menschen, wie eben auch Kunstschaffende, verständlicherweise durch Me Too sehr verunsichert, was Sexualität im amerikanischen Kino angeht. Sex ist nicht mehr der Freudenspender und der Unterhaltung wegen gut, sondern viel mehr der Ausdruck von Gewalt. Es gibt ganze Werke, zu diesem Rape-and-Revange-Thema, wie Promising Young Woman (2020) oder auch The Last Duel (2021) zuletzt bewiesen. Dann schaut man in den Mainstream von Hollywood und bemerkt, daß große Filmreihen wie das MCU oder Fast & Furious Sex nicht mal mehr stattfinden lassen.

Aufklärung ist also ein großes Thema, warum Frankenstein Junior in manchen Momenten unangenehm sein kann. Doch nicht nur in sexueller Hinsicht. Denn der Film will ja einerseits eine Hommage an das Horrorkino der 1930er Jahre sein und dies zudem auch parodieren. Und auch in dieser Hinsicht ist das Werk leider ein wenig aus der Zeit gefallen. Man kennt das alles zur Genüge heute. Jedwede ironische Brechung und auch das ernste Aufspielen in teilweise lächerlichen Momenten sorgt heute wohl kaum noch dafür, daß man mehr als ein müdes Lächeln von sich gibt. Dabei sind die Schauspieler bemüht. Gerade beim ersten Auftritt von Marty Felder als Igor sucht der Film seine Komik vor allem in mimischer Übertreibung. Grundsätzlich wäre das auch witzig, weil es den Vorbildern den Charme lässt und dennoch ein wenig zum Schmunzeln brächte, wären diese Witze nur nicht über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder reproduziert worden. Das Problem ist also gar nicht so sehr, daß der Film unendlich doof wäre, sondern einfach ein Problem, daß er nicht mehr mit der Zeit mithalten kann, zumindest nicht in allen Bereichen des Humors. Zudem gelingt es Brooks hier auch nicht, einen in sich stimmigen roten Faden erkennen zu lassen und so wirkt der Film spätestens nach der Geburt des Monsters mehr wie eine Aneinanderreihung von Sketchen, die man beruhigt, auch hätte in ein anderes Format packen können. So etwa in Form von kurzlebigen TV-Witzchen vielleicht.

Natürlich ist der Film dann auch nicht Witzfrei. Und gerade wenn Brooks die in Filmen so häufig dargestellte Meute von Bürgern in Szene setzt, findet sich da schon eine gewisse Kritik am klassischen Opportunismus. Dieser ist dann auch schon wieder ein bisschen mehr am Puls der Zeit und zeigt auf, wie Menschen, selbst wenn das sehr überspitzt dargestellt ist, ticken können. Unterdessen gelingt es Brooks formidabel einige Szenen aus den Vorbildern eins zu eins nachzustellen und diese zu karikieren.

Frankenstein Junior nimmt sich ein Urgestein des Horrorfilms vor und verwandelt es in ein teils unangenehmes Zeitgeistprodukt. Doch dann wiederum muss man dieses auch schützen, weil hier die Moral natürlich eine große Rolle spielt und man sich dann am Ende des Tages auch die Frage gefallen lassen muss, warum man solche Kunstwerke so moralisiert. Inhaltlich ist es halt Klamauk, der mal weniger und mal mehr funktioniert.

Frankenstein Junior Bewertung
Bewertung des Films
610

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