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Hannibal

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Hannibal Kritik

Hannibal Kritik

Hannibal Kritik
0 Kommentare - 03.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Hannibal" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Der eloquente Kannibale Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) konnte vor nun mehr sieben Jahren aus seiner Zelle in einem Hochsicherheitsgefängnis fliehen. Nun lebt er sein Leben in vollen Zügen. Unterdessen wird die FBI-Agentin Clarice Starling (Julianne Moore) von Alpträumen geplagt, in denen Lecter mit ihr spricht. Der entstellte Mann Mason Verger (Gary Oldman) hingegen kann Lecter auch nicht vergessen, da dieser ihm einst das Gesicht entstellte. Daher sinnt er nach Rache. Daher setzt er ein Kopfgeld auf Lecter aus, bis dieser von Rinaldo Pazzi (Giancarlo Giannini) in Florenz aufgespürt wird.

Clarice Starling, immer noch beim FBI, wird für eine verpfuschte Drogenrazzia kritisiert. Dabei sterben fünf Menschen, was auch dazu führt, daß Starling nun einen weniger guten Ruf zu sich hat. Diese ersten Minuten in diesem Film stechen sofort heraus, weil sie erahnen lassen, in welche Richtung sich das Werk bewegt. Ridley Scott, der nach Brett Ratner und Jonathan Demme nun der nächste wirklich große Regisseur ist, der einen Teil der Hannibal-Saga inszenieren sollte und vielleicht sogar der fähigste der drei Regisseure ist, liefert mit diesem Werk vielleicht das schlechteste, was er je gemacht hat. Nicht, daß andere Filme von ihm nicht schlechter sein könnten, aber man merkt die Ungewissheit, mit welcher Scott diesen Film inszeniert, der nur zum wirklich plumpen Gore-Schocker taugt. Und das zeigt sich direkt in den ersten Szenen, in denen Spannung mit Gewalt und trashigen Zeitlupen Sequenzen vertauscht werden. In dieser Hinsicht, fügt sich auch Hannibal ganz gut in die Riege der Trilogie, weil auch dieser Film die Verfolgungsbehörden etwas dumm dastehen lässt. Niemals würde es dazu kommen, niemals würde sich eine Spezialeinheit, die tatsächlich auch geschult ist, auf so eine Art und Weise in die Karten schauen lassen.

Und von da an geht es perfekt auf diesem Niveau weiter. Schnell wird klar, daß Hannibal als großes Finale der Reihe eigentlich nur Trash ist. Der Film macht dabei zunächst drei, wenn nicht gar vier Handlungsstränge auf, von denen mindestens einer aufgrund der Irrelevanz auch lange Zeit aus dem Film verschwindet. Da geht es dann zunächst, um den verpatzten Einsatz, den Starling zu verantworten hat. Gerade hier wird dann erneut, wie schon in Das Schweigen der Lämmer (1991) ein Geschlechterkampf darauß. Krendler, der seine eigenen Beweggründe hat, um Starling in Misskredit zu bringen, wird hier komplett verschenkt, weil er natürlich wieder nur das pure böse verkörpert und keinerlei Ecken und Kannten zu sich hat. Dann geht es auch noch um Hannibal, der in diesem Film glücklicherweise mehr zu tun hat und ein relativ ruhiges Leben in Italien pflegt. Der stereotype, kultivierte Mann würde sich natürlich niemals in Las Vegas verstecken. Und vielleicht ist dieser Handlungsstrang auch mit der beste am gesamten Film. Hier werden dann zwei großartige Schauspieler aufeinandertreffen, von denen der eine ein Genie ist und der andere das große Geld wittert. Diese Szenen gehören wirklich zu den ganz großen, weil auch die Chemie zwischen Hopkins und dem großartigen Giancarlo Giannini einfach passt. Man merkt hier sofort, daß etwas auf dem Spiel steht und glaubt vor allem, die Handlung an diesen Stellen.

Dann wiederum ist vor allem das Drehbuch von David Mamet und Steven Zaillian dafür verantwortlich, daß der Film zwischen wankelmütigen Quatsch und cleveren Charakterideen hin- und herwechselt. So wird Hannibal im Film immer dann zu einem knallharten Muskelberg, wann immer die konstruierte Geschichte es von ihm abverlangt. Fast scharenweise scheint er die kräftigsten, trainiertesten und auf solche Einsätze geschulten Menschen im Film einen nach dem anderen körperlich zu unterjochen. Das ist für so einen Mann wie Lecter doch etwas weit hergeholt, zumal auch hier wieder die Behören, beziehungsweise deren Funktionäre etwas dümmlich daherkommen. Das beginnt mit solchen absurden Ideen, wie dem Feind den Rücken zudrehen und endet bei einer absurden Flucht, die der Zuschauer dann glauben soll, weil Gründe. Dann wiederum führt der Film die Beziehung zwischen Lecter und Starling zu einem sehr interessanten Punkt. Das zeigt sich dann vor allem daran, daß die Obsession für das Gegenüber auch auf Gegenseitigkeit beruht. In diesen Momenten zeigt der Film auch erstmals einen anderen und interessanteren Hannibal Lecter, der zwar als Actionantiheld hier durchaus weiterhin die Übermacht über alles hat, aber gerade im emotionalen Bereich deutliche, wirklich gute Schwächen nun hat.

Die großen Themen der Geschichte werden dann als Romanze, Korruption in Behörden und Rache beschrieben. Im Prinzip sind das allzu klassische Aspekte und diese eignen sich natürlich auch für einen Film unter anderem über die Polizei. Nichtsdestotrotz ist das in manchen Aspekten etwas unglaubwürdig und lässt die Figuren somit als unglaublich naiv oder einfach nur dämlich dastehen. Klar hat man somit auch eine klassische Gesellschaftskritik, die in diesem Fall aber wirklich zu direkt agiert. Der Film präsentiert dann in seiner Drastik vor allem Bilder, die irgendwie lächerlich anmuten. Und Scott scheint genau diese Aspekte herausstellen zu wollen, indem er etwa eine andere Art des gemeinsamen Essens unter Bekannten zelebriert. Das sorgt dann wirklich dafür, daß man in diesem Film nicht mehr weiß, ob man ob des schlichten Exploitationkonzeptes lachen oder weinen soll. Überdies scheint der Film auch insgesamt etwas zu lang geraten zu sein und spart sich seine harten Sequenzen vielleicht auch etwas zu lange auf, weil man ja sowieso recht schnell erahnt, daß die Figuren an dem Punkt, wo sie zu Beginn stehen, nicht auf Dauer werden bleiben können.

Insgesamt entsteht aber nicht nur durch die holprige Inszenierung ein wirklich unbefriedigender Eindruck von einem Finale. Auch der Umstand, daß man sich hier jedes Hintertürchen offen lässt und die Figuren zu keinerlei Katharsis führt, lässt den Film schon allein auf dieser Ebene unvollkommen wirken. Nun werden Sachkundige, die die Romane gelesen haben, sicherlich sagen können, ob diese auch so offen enden, oder ob es ein gelungenes Ende ist. Dennoch hört man ja immer wieder, daß gerade ersteres der Fall ist, weil der Film sich wohl auch weniger an die Vorlage hält.

Ein paar tolle Schauplätze und ein toller Cast gehören zu den Highlights in Hannibal. Das ist dann ein sehr konventioneller B-Movie, mit unterforderten Schauspielern. Einige Handlungsaspekte, etwa die um Korruption in der Polizei, aber auch die darauß entstehende Spannung sind gut gemacht. Dann wiederum wiederholt der Film Muster aus den anderen Teilen, was ihm als Teil einer Reihe aber nicht vorzuwerfen ist. Unter dem Strich bleibt Scott mit diesem Werk aber deutlich hinter den Erwartungen zurück, weil er den Fokus falsch legt und auch Handlung, wie auch Ästhetik bei klarem Nachdenken komplett in sich zusammenfallen.

Hannibal Bewertung
Bewertung des Films
510

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