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Hugo Cabret

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Hugo Cabret Kritik

Hugo Cabret Kritik

Hugo Cabret Kritik
0 Kommentare - 05.04.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Hugo Cabret" ist.
Hugo Cabret

Bewertung: 3.5 / 5

Der zwölfjährige Waise Hugo (Asa Butterfield) lebt in auf dem Dachboden eines Bahnhofes und entdeckt dort das Lebenswerk seines verstorbenen Vaters (Jude Law), der einen rätselhaften Roboter hinterließ. Als Hugo versucht diesen zu reparieren, hofft er darauf, daß dieser eine Botschaft seines Vaters enthält. Unterstützt wird er dabei von der aufgeweckten Isabelle (Chloe Grace Moretz).

Als einer der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit und als eine der Galionsfiguren für das New Hollywood-Kino versteht Regielegende Martin Scorsese zweifelsohne sein Handwerk. Daß er das Kino liebt, wissen alle, die sich mit der Filmografie des US-Amerikaners auseinandergesetzt haben und daß er nicht immer mit dem Kino zufrieden ist, wissen auch alle Fans des modernen Blockbuster-Kinos. Nun schuf Scorsese 2011 mit Hugo Cabret einen Film, der primär auf Kinder zugeschnitten ist und eine Geschichte, die von der Erhaltung der Kunst erzählt. Interessant ist das alle Mal, schließlich ist die Erhaltung der Kunst ein durchaus unübliches Thema für einen Kinderfilm und insofern darf auch bezweifelt werden, daß der Film eben sein Primär-Publikum auch in eben jenen sucht. Zwar tut der Film gut daran, eben gängige Stereotypen moderner Kinderunterhaltung außen vorzulassen und mit seinen Hauptcharakteren eigentlich nur ein Abenteuer erleben zu wollen, auf der anderen Seite ist das Drehbuch von John Logan viel zu sperrig und speziell, um wirklich bei seinem Publikum ankommen zu können. Klar wird hier erklärt wie wichtig die Kunst und Kunstschaffende sind, auch jedem Cinephilen wird das durchaus Freude bereiten. Doch auf der anderen Seite könnte der Film dann auch eine ganz andere Lebenswelt zeichnen, deren Akteure vielleicht dem Verständnis des zu Rettendem auch gerechter werden können.

Trailer zu Hugo Cabret

Das ist dann besonders pathetisch und durch die 3D-Hochglanzoptik auch in extrem gut gefilmten Hochglanzkitsch verewigt. Auch hier darf man ein Lob aussprechen. Dennoch ist das auch ein Lob, welches sich schon seit Jahren erfolgreich durch die Videospielbranche zieht, indem eben etwaige Produkte primär aufgrund ihrer tollen Grafik gelobt werden. Was, wenn nicht Style over Substance ist das bitte sonst. Ja, man darf sich über schöne und gut polierte Bilder freuen, doch sind diese Bilder völlig irrelevant, wenn es um den Kern eines Filmes geht. Apocalpyse Now (1979) ist kein Meisterwerk, weil er so schön aussieht. Fight Club (1999) ist kein Meisterwerk, weil er so schön aussieht. Rainer Werner Fassbinders gesamte Filmografie zeichnet sich nicht dadurch aus, daß sie optisch beeindrucken kann, sondern daß sie unbequem, vielschichtig und aufklärerisch ist und insofern steht Hugo Cabret fast schon in einer Tradition jener Blockbuster, die sein Macher so verachtet. Das führt dann auch im Film dazu, daß sich das Werk zur Mitte hin ein wenig in seinen Bildern verliert. Was für Once Upon a Time in Hollywood (2019) Jahre später auch den Sargnagel bedeutete, ist für Hugo Cabret ebenso von Bedeutung. Denn dafür, daß der Film gerade einmal etwas mehr als zwei Stunden geht, fühlt er sich umso länger an, weil die Geschichte nicht hinterherziehen kann.

Dabei nimmt die Geschichte durchaus aber die ein oder andere unerwartete Wendung und sorgt somit dafür, daß der Zuschauer nicht komplett loslässt. Denn unvorhersehbar ist diese Geschichte trotz ihrer Längen auch und wohl kaum einer hätte zu Beginn, mit jenen Verwebungen der Filmhistorie in diesem Ausmaß gedacht. Dabei spielt der Ursprung des Kinos eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Werk, welches abseits dessen auch Wahrheit, Liebe und Vorstellungskraft dem Medium gegenüber berichtet. Daß man diese natürlich durch die naiven Augen von Kindern in den Hauptrollen zeigt, ist eine gute Idee, nach welcher sich auch die Figuren eben als besonders herzlich entpuppen. Natürlich sind die meisten Figuren dennoch recht eindimensional gehalten und doch ist es der Charme vom gesamten Hauptcast, der die eigentliche Botschaft dahinter so gekonnt transportiert. Ob Ben Kingsley, Helen McCory, Jude Law oder auch Ray Winstone, alle spielen ihre Charaktere souverän und sorgen so dafür, daß der Film sich durch ein großartiges Ensemble auszeichnet.

Hinzu kommt, daß der Film auch das besondere Anliegen hat, daß Kino retten zu wollen. Ob das Kino nun wirklich ausstirbt, ist eine andere Debatte und man könnte dem Film auch durchaus vorwerfen, daß er wie viele Spätwerke von Scorsese eigentlich nur davon handelt, sich in Selbstmitleid ob der voranschreitenden Zeit zu suhlen. Nun sind Scorseses-Werke keineswegs so simpel, dennoch zieht sich auch diese Aussage nun seit Jahren durch seine Werke. Aber auch Hugo Cabret ist nicht nur ein Film, der einfach nur rumjammert und die Magie des Kinos zurückmöchte, sondern eben auch den Tod der Filmkunst prophezeit. So spielt der Film in den 1930er Jahren und die Welt hat gerade erst den 1. Weltkrieg überwunden. Daß nun faktisch wohl belegt ist, daß Kunstschaffende ihre Arbeit zugunsten von Krieg unterbrechen mussten ist etwas, daß wohl stimmen wird. Auf der anderen Seite erinnert der Film dabei auch ein wenig an Der Pianist (2002), welcher auch unter anderem besagte, daß Soldaten die Kunst töteten und insofern bedient der Film hier ein Bedauern um diesen Umstand. Darüber hinaus mutet Scorsese seinen Zuschauern hier keineswegs gängige 2010er-Comicreliefs zu und weiß sogar Künstler wie Sacha Baron Cohen einzusetzen, ohne daß sie dem Gesamtbild akuten Schaden hinzufügen würden.

Es ist ein sehr spezielles Werk, daß sich da mit Hugo Cabret offenbart. Ein unvorhersehbares noch dazu und irgendwie auch ein wenig zu sehr in sich selbst vernarrt und manchmal ein wenig ungreifbar. Dann wiederum sind es aber charmante Einfälle, ein toller Cast und eine starke Botschaft, die sich über den Film erstreckt und ihn so zu einem Erlebnis machen, daß durchaus angenehm in Erinnerung schwelgt.

Hugo Cabret Bewertung
Bewertung des Films
710

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