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Ma Rainey’s Black Bottom

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Kulturelle Entfaltung in der Ungleichheit

Ma Rainey’s Black Bottom Kritik

Ma Rainey’s Black Bottom Kritik
1 Kommentar - 24.02.2021 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "Ma Rainey’s Black Bottom" ist.
Ma Rainey’s Black Bottom

Bewertung: 3.5 / 5

Zwei afroamerikanische Männer rennen durch einen Wald, während im Hintergrund Hunde bellen. Üblicherweise würde man annehmen, dass es sich hierbei um zwei entflohene Sklaven handelt oder dass die Männer von einem weißen Mob gejagt werden. Doch dann folgt als erste, partielle Entwirrung das Einblenden der Jahreszahl 1927, es handelt sich zumindest schonmal nicht um Sklaven. Danach sieht man, dass sich die beiden Männer nicht etwa auf der Flucht befinden, sondern so schnell sie können zu einem Blueskonzert Ma Raineys eilen, um dieses nicht zu verpassen.

George C. Wolfe treibt hier ein Spiel mit der Außenwahrnehmung und den Erwartungen, wie leicht geschieht es, dass man benachteiligte Minderheiten in erster Linie über diese Benachteiligungen definiert und dabei den Menschen aus den Augen verliert? "Ma Rainey´s Black Bottom" begreift die afroamerikanische Bevölkerung nicht als Summe dieser Benachteiligungen, sondern ersetzt diese Fehlwahrnehmung im Intro durch die genuin aus der afroamerikanischen Kultur hervorgegangene Musikform des Blues.

Trailer zu Ma Rainey’s Black Bottom

Im Verlauf des Films erfolgt eine Justierung dieser einleitenden Aussage. Levee Green (Chadwick Boseman), der junge und aufstrebende Trompeter der Band ist davon überzeugt, solange sich Afroamerikaner auf ihre eigenen Talente (hier: die Musik) als Beitrag zur US-amerikanischen Gesellschaft und Kultur verlassen, wird es sich schon von alleine richten, zwangsläufig die Weißen überzeugen und ein Umdenken ihrerseits herbeiführen. Sein Bandkollege Toledo ist anderer Meinung und entgegnet, der Fokus auf den individuellen Werdegang reiche nicht aus, vielmehr müsse sich die afroamerikanische Bevölkerung als Gemeinschaft die Gleichberechtigung erkämpfen.

Individuelle und kulturelle Entfaltung sind essentiell menschlich, abseits der Frage nach Gleichberechtigung handelt "Ma Rainey´s Black Bottom" entsprechend ebenfalls von einem Konflikt zwischen Levee Green und Ma Rainey (Viola Davis) bzw. ihrer restlichen Band hinsichtlich der stilistischen Ausrichtung ihrer Musik. Während letztere, die älteren, den traditionellen Blues bevorzugen, schwebt dem jungen Levee eine Modernisierung vor, eine Anpassung an die sich im Wandel befindende Musik- und Tanzkultur der späten 1920er Jahre, er möchte den Blues mit Swing-Elementen anreichern. Individuelle und kulturelle Entfaltung sind allerdings nur solange möglich, bis sie an die durch die strukturelle Benachteiligung gegebenen Grenzen stoßen, was Levee letztendlich schmerzlich lernen muss, während Toledo Recht behält.

Darüberhinaus fördert dieses Kammerspiel noch eine zum Nachdenken anregende Religionsdebatte zu Tage. Sollte Gott tatsächlich existieren, handelt es sich dann um einen rassistischen Gott, weil ihm das Leid der Afroamerikaner offensichtlich scheißegal ist?

Als Plädoyer für Gleichberechtigung der Afroamerikaner gerät der Film in den Monologen und Dialogen dennoch etwas zu predigend, ich vermute mal, das begründet sich unter Anderem durch die Theatervorlage, dieser Aspekt ist (als Adaption) meiner Meinung nach weniger gelungen. Den Verlauf des Finales halte ich auf Basis der Charakterzeichnung Levees in den Grundzügen für nachvollziehbar, insgesamt empfand ich das aber als übertrieben und unglaubwürdig, man hätte es dabei belassen sollen, dass Levee zum Frustabbau wegen unbedeutenden, nebensächlichen Kleinigkeiten in Rage gerät.

Schauspielerisch ist "Ma Rainey´s Black Bottom" klar Chadwick Bosemans Film, er dominiert den Bildschirm mit seinem energischen und emotionalen Mimikspiel, dem Humor sowie dem starken Slang seiner Rolle, er drängt damit sogar Viola Davis fast schon in eine Nebenrolle. Als Filmliebhaber kann man seinen frühen Tod nur doppelt beweinen und dass er in der aktuellen Awardsaison hoch gehandelt wird, liegt weder an einer "Schwarzenquote" noch an einer posthumen Übervorteilung. Zu seiner körperlichen Verfassung, Boseman sieht hier echt ausgemergelt aus, sollte das nicht in der Rollenbeschreibung gestanden haben, litt er hier schon sichtlich kritisch unter seiner Krebserkrankung.

Ma Rainey’s Black Bottom Bewertung
Bewertung des Films
710
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1 Kommentar
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
26.02.2021 23:47 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 944 | Reviews: 8 | Hüte: 130

@ luhp92

Schöne Kritik, in der du die wichtigsten Punkte ansprichst, die ich auch so unterschreiben kann. Lediglich bei der Wertung bin ich nicht ganz so gnädig, mir hat das Finale aus den von dir genannten Gründen zu viel kaputt gemacht.

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