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Malcolm & Marie

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Tod eines Kritikers

Malcolm & Marie Kritik

Malcolm & Marie Kritik
2 Kommentare - 27.02.2021 von PaulLeger
In dieser Userkritik verrät euch PaulLeger, wie gut "Malcolm & Marie" ist.
Malcolm & Marie

Bewertung: 4 / 5

Die Dreharbeiten zu "Malcolm & Marie" sorgten im letzten Sommer für Schlagzeilen, weil sie während des Corona-Lockdowns unter den strengen Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie stattfanden. Herausgekommen ist ein Paradebeispiel dafür, wie man trotz solcher Einschränkungen einen Film abliefern kann, dem man diese schwierigen Produktionsumstände, abgesehen von der Beschränkung auf zwei Figuren und nur einen Schauplatz, nicht anmerkt.

Die Handlung sei hier nur grob umrissen: Der Regisseur Malcolm kehrt mit seiner Partnerin Marie von der umjubelten Premiere seines neuen Films nach Hause zurück und ist dementsprechend in Feierlaune, wodurch er zunächst auch nicht registriert, dass Maries Stimmung getrübt ist. Im weiteren Verlauf der Nacht entwickelt sich ein eskalierendes Streitgespräch, das auch nach zwischenzeitlicher Versöhnung immer wieder erneut ausbricht.

Trailer zu Malcolm & Marie

Neben dem im Zentrum stehenden Beziehungskonflikt findet das Drehbuch von Regisseur Sam Levinson ausreichend Zeit, auch die Entstehung und Rezeption von Kunst zu verhandeln, wobei es insbesondere die zunehmende Tendenz in der zeitgenössischen Filmkritik aufs Korn nimmt, alles aus einer Gender/Identity-Perspektive heraus zu interpretieren und damit gerade das Gegenteil von Gleichbehandlung zu erreichen, beispielhaft veranschaulicht am Protagonisten, dessen Film aufgrund seiner Hautfarbe eine politische Komponente zugeschrieben wird, die er gar nicht beabsichtigt hat. Wenn nun wiederum im echten Leben manche US-Kritiker Levinson vorwerfen, er könne als Weißer doch nicht solche Aussagen treffen, merken sie offenbar schon gar nicht mehr, dass sie den Befund des Films damit vollauf bestätigen. Diese prophetisch anmutende Metaebene weckt überdies Erinnerungen an die Rezeption von Martin Walsers "Tod eines Kritikers", die in vielen Punkten genauso ablief wie in dem besprochenen Roman "vorhergesehen".

Im weiteren Verlauf des Films schließen sich daran weitere Seitenhiebe auf in der modernen Filmkritik inflationär gebrauchte Schlagworte wie Male Gaze und Authentizität an. Natürlich kann man das prätentiös finden, schließlich ist es an mehreren Stellen offensichtlich, dass Levinson seinem Protagonisten in Tarantino-Manier seine eigenen Ansichten in den Mund legt, aber da die Befunde oft genug ins Schwarze treffen, tut dies dem Vergnügen keinen Abbruch. Zumal Marie häufig in eine Gegenposition zu den von Malcolm geäußerten Tiraden tritt und diese somit nicht unwidersprochen im Raum stehen bleiben.

Von seiner Machart ähnelt das mitunter Filmen der Nouvelle Vague, so etwa mit der Idee, die Figuren Musikstücke einsetzen zu lassen, über die sie dem Partner etwas nonverbal mitteilen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Kammerspiel trotz des begrenzten Schauplatzes atemberaubend aussieht. Neben der erlesenen Schwarzweißfotografie sorgen dafür einige außergewöhnliche Kameraeinstellungen, die die beiden Protagonisten auf interessante Weise zueinander in Beziehung setzen. So spielt quasi die Architektur des modernen Hauses eine gar nicht mal so geheime dritte Hauptrolle.

Damit kommen wir abschließend zu den beiden Darstellern, die hier naturgemäß viel Raum bekommen. Zendaya besticht dann auch mit einer nuancierten Darstellung ihrer komplexen Figur, wobei sie oftmals viel ausdrückt ohne etwas zu sagen. Eine Oscar-Nominierung ist aufgrund der großen Konkurrenz schwierig zu prognostizieren, wäre aber durchaus verdient. Im Vergleich dazu hat John David Washington die undankbarere Rolle bekommen. Sein Malcolm drückt stets direkt aus, was er fühlt und wird dabei nicht selten laut, was teilweise etwas ins Overacting abdriftet. Insgesamt hinterlässt aber auch Denzels Sprößling einen guten Eindruck.

Was bleibt ist ein virtuoses Werk, das mit seinen Thesen durchaus aneckt und damit sicher nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte.

Malcolm & Marie Bewertung
Bewertung des Films
810
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2 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
28.02.2021 01:28 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.977 | Reviews: 154 | Hüte: 496

Danke. Der hatte mich bisher überhaupt nicht interessiert, jetzt schreibe ich mir den mal auf.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
27.02.2021 00:21 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 808 | Reviews: 7 | Hüte: 111

Nach "Assassination Nation" landet Sam Levinson hiermit für mich den nächsten Volltreffer, der die Gemüter aber erneut spalten dürfte.

So und jetzt schau ich nach wie der Film in der Los Angeles Times besprochen wurde.^^

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