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Mamma Mia!

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Mamma Mia! Kritik

Mamma Mia! Kritik

Mamma Mia! Kritik
0 Kommentare - 24.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Mamma Mia!" ist.

Bewertung: 4 / 5

Das junge Paar Sophie (Amanda Seyfried) und Sky (Dominic Cooper) will heiraten. Doch vorher möchte die angehende Braut ihren Vater kennenlernen. Sie liest in den alten Tagebüchern ihrer Mutter Donna (Meryl Streep), die auf der griechischen Insel Kalokairi lebt. Dort findet sie heraus, daß drei Männer für ihre Zeugung infrage kommen: Der Geschäftsmann Sam Carmichael (Pierce Brosnan), der Banker Harry Bright (Colin Firth) und Abenteurer Bill Anderson (Stellan Skarsgård). Um festzustellen, wer nun ihr wirklicher Vater ist, lädt Sophie die drei Herren kurzerhand zu ihrer Hochzeit ein.

Es gibt einen gewissen Eskapismus in Musicals. Schrille, bunte Bilder voller Leben, voller Exzesse und voller Dramatik. Das Musical ist ein Genre, für welches man tatsächlich einen gewissen Zugang braucht. Irritierend ist das immer, wenn Menschen einfach anfangen zu singen und wenn sie das in einem Film tun, ist das noch einmal eine ganz andere Nummer. Tatsächlich aber ist Mamma Mia! in seinem Kern auch extrem konservatives Werk, über die Vaterfrage einer jungen Braut. Das sorgt zumindest auf den ersten Blick erst mal für Unterhaltung oder eine spannende Prämisse. Man sollte aber nicht erwarten, daß es in diesem Werk tatsächlich auch um eine Handlung ginge. Denn das tut es nicht und das ist einer der Gründe, warum der Film auch so gut funktioniert. Denn er schert sich nicht um Konventionen und entwickelt sich auch im weiteren Verlauf zu einem Film, der nicht ganz so das bedient, was jeder gerne gesehen hätte. Gleichwohl ist hier natürlich alles auf Hochglanz poliert und die Figuren erleben nur marginal eine geschichtliche Wandlung. Im Prinzip laufen Filme ja eigentlich von A nach B ab. In diesem Fall, zumindest in Teilen, geht es aber von A über Umwege wieder zu A zurück. Insofern ist das schon recht erstaunlich.

Trailer zu Mamma Mia!

Eine junge, werdende Braut wünscht sich nichts lieber, als ihren Daddy kennenzulernen. Das ist die Prämisse und die Möglichkeiten sind, wenn man sich die alt 68erin Donna anschaut, durchaus weitläufig. Zumindest würden hier jedem Wertkonservativen die Augen aus dem Kopf fallen. Und mit so kleinen Nuancen verankert sich Mamma Mia! in einem Genre, daß zunächst darauf ausgelegt ist, ein wohliges Gefühl zu schaffen. Die wahre Intelligenz liegt aber hier darin, daß der Film die Ausgangslage negiert und damit auch einem postmodernen Zeitgeist Adieu zuruft. Für die Spielberg-Jünger und Darth Vader bleibt das unerklärlich, daß es gar nicht mehr wichtig sein soll, wer hier der Vater ist. Im Kern sucht der Film aber schon die Nähe gewisser Menschen und man kann nicht auslassen, daß die familiären Verhältnisse durchaus Einfluss auf die Figuren haben. Denn klar, es ist schon wichtig, wer der Erzeuger ist, wenn man heiratet. So weit kann man mitgehen. Auf der anderen Seite wird Mamma Mia! dann aber gruselig, wenn sofort während des ersten Liedes über die bevorstehende Hochzeit die Vaterfrage aufkommt. Natürlich ist das für die Figur wichtig, doch die Brücke von der großen, einmaligen Liebe hin zum Vater zu schlagen, klingt in meinen Ohren zumindest so ein wenig wie Sehnsucht und Kompensation. Und dann kann man wirklich pathologisch daran gehen und irgendeinen freudschen Vaterkomplex in Sophie lesen.

Nun ist man hier, gerade wenn man bedenkt, daß der Film ein wohliges Gefühl schaffen will, an einem Punkt, an dem man zumindest Besitzfragen oder Derlei Dinge nicht mehr stellen kann. Mamma Mia! Ist vielleicht systemisch, aber er wirkt in keinem Moment so. Wobei es natürlich durchaus Fragen dieser Hinsicht gäbe. Aber der Zeitgeist, der geatmet wird, der könnte genauso gut auch in einem anderen Kontext und anderem materiellem Rahmen stattfinden. Der Film ist liberal, aber eben nicht neoliberal und das spricht schon mal für ihn. Denn in kleinen Momenten handelt das Werk dann auch die Frage der sexuellen Orientierung ab und mündet zum Schluss ja auch nicht in der Auflösung, die man vielleicht erwartet. Und da steckt eben auch eine große Reife hinter, derer sich die Figuren bedienen und damit den Erwartungen, die die Gesellschaft an Sophie und Sky stellt, trotzt. Denn beide lieben einander, beide sind jung und beide wollen dennoch zunächst nicht heiraten. Und da muss man sagen, entwickelt der Film ein eigenartiges Gespür für Weisheit und Reife, die in konservativen Filmen ja eigentlich kaum gestellt werden. Unterdessen bereitet der Film das so gekonnt auf, indem er eben die Stilmittel seines Genres verwendet, daß von konservativen Urgesteinen wie Walt Disney perfektioniert wurde und damit ein wohliges Gefühl in der Erkenntnis findet, daß man sich der Gesellschaft und ihren Konventionen nicht unterwerfen muss.

Natürlich ist Mamma Mia! nicht frei von eskapistischen Ideen. Es ist auch einfach so, daß das Sommergefühl, daß der Film hier schafft, schon Einfluss auf den Zuschauer nimmt. Mitunter sind manche Sequenzen, gerade wenn Streep auf einem Berg tanzt, so albern, aber mit Bravour gespielt, daß man ihnen das dann letztlich auch verzeiht. Ob Mamma Mia! allerdings eine Bedeutung hat, oder einfach nur Nonsens ist, daß muss man wohl für sich entscheiden. Musikalisch jedenfalls ist ABBA als Band doch deutlich angenehmer als Queen oder Elton John. Die Songs sind Catchy und gehen auch in keinster Weise jemals über reinen Pop hinaus. Doch das macht nichts, weil der Film auch da zumindest gar nicht den Anspruch hegt, den Zuschauer zu belehren. Viel eher feiert sich der Film dafür, braungebrannte hübsche Menschen ins Zentrum zu rücken, bei denen man zwischen purem Neid, absurdem Bestaunen und irritiertem betrachten hin- und herwechselt. Es ist so das, was man wohl einen Sommerfilm nennt. Dieser funktioniert über die Sorgenfreiheit und Zelebrierung des Scheinens und der Idylle. Natürlich ist das manipulativ und sehr simpel gehalten und eigentlich verdient der Film auch schlechteres, aber irgendwie kann man das nur feiern.

Die Qualität, die man ihm anrechnet, hat Mamma Mia! eigentlich nicht wirklich. Es ist ein Film, der pure Unterhaltung darstellt, einfache, konservative und sogar schwierige Themen bedient. Und dennoch verwundert der Film, ob seiner Lebensbejahung und seiner einfachen Weltansicht. Die Probleme sind keineswegs diskutabel, die Metaphern kaum gegeben. Doch als Musical, lässt sich der gesamte Cast so gut fallen, daß man ihn einfach nur von Vorne bis hinten unterhaltsam findet.

Mamma Mia! Bewertung
Bewertung des Films
810

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