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Oldboy

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Oldboy Kritik

Oldboy Kritik

Oldboy Kritik
0 Kommentare - 18.01.2021 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Oldboy" ist.

Bewertung: 5 / 5

Der Geschäftmann Oh Dae-su (Min-Sik Choi) wird auf offener Straße entführt und in ein abgeschottenes, dunkeles Zimmer verfrachtet. Seine einzige Möglichkeit irgendwie mit der Außenwelt zu interagieren, ist ein kleiner Fernseher. Die Jahre ziehen ins Land und so verbringt er volle fünfzehn Jahre in dieser Hölle, bis er schließlich freigelassen wird. In der Zwischenzeit, so hat er erfahren wurde seine Frau ermordert und ihm eben diese Tat angehängt. Nun schwört er auf Rache an seinen Peinigern.

Wenn man über das moderne südkoreanische Kino redet, dann ist Oldboy eigentlich immer das Aushängeschild dieser Nation, die viele gerne mit New Hollywood gleichsetzen. Frisch, neu, gewagt, unvorhersehbar sind nur einige Adjektive die im Zuge einer Besprechung immer wieder fallen. Und Oldboy hat sie tatsächlich alle verdient.

Denn genau das tut dieser Film. Er setzt neue Maßstäbe in Sachen Storytelling und Intensität. Das nicht unbedingt weil die Geschichte so originell ist, sondern wie sie umgesetzt wird. Meistens sind es an Filmen auch nicht immer zwingend ihre großartige Handlung, die sie so einzigartig machen. Sondern deren Inszenierung. Und was soll sagen, Park Chan-wook inszeniert seinen Thriller so kongenial, daß man nach der Ersichtung tatsächlich mal an einem komplett anderen Punkt ist, als nach zu Beginn.

Das fängt schon bei den vermeintlich kleinen Dingen an. So ist das Szenenbild unglaublich dreckig und triste gehalten. Das "Gefängnis" von Oh Dae-su wird mit einer Beengtheit, wenig Licht und Dreckigkeit inszeniert, daß man sofort in eine fast schon melancholische Stimmung verfällt. Hinzu kommt, daß Park die Story immer so vorantreibt, daß er zum einen den Zuschauer die ganze Zeit bei der Stange hält, aber auch nicht so, daß man sich in irgendwelchen M. Night Shyamalan-Twists verlieren würde, die von Absurdität nicht mehr zu übertreffen wären.

Darüberhinaus hat man mit Choi Min-sik einen virtuosen Hauptdarsteller des Ganzen. Denn während gerade Hollywood-Filme auf peinliche Weise oft überdramatisieren, so agiert Choi hier mit wirklich realistischen Charakterzügen. Man bekommt sofort das Gefühl, daß das Gezeigte und der Umgang des Protagonisten mit den ihm gestellten Herausforderungen realistisch ist. Selbst wenn der Schauplatz dann mal wechelt, wird deutlich was den Charakter antreibt und er wirkt dabei so glaubhaft.

Dem Gegenüber steht mit Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae) ein Mann, der ebenfalls einiges durchlebt haben muss. Ein Antagonismus, der so greifbar ist, daß die Grenzen zwischen gut und böse hier verschwimmen wie selten. Der Clou an einem guten Antagonisten ist eigentlich immer, daß er im Prinzip der Held der Geschichte sein könnte. Und auch hier liefert das phantastische Drehbuch eine Motivation, die vielleicht nicht besonders originell ist, aber genau das braucht sie auch nicht zu sein, wenn sie glaubhaft ist.

Dann mutet das Ganze an wie eine Tragödie. Es bewegt sich in Sphären der Mythologie, den mit dramatischten Stoffen und Dramen die die Menscheit je hevorgebracht hat. So simpel, und dennoch Genial. Untermalt wird der Film dabei von klassicher Musik, welche im starken Kontrast zu den expliziten Bildern steht. Hier wird der Irrsinn auf Weisen zelebriert, wie es einst schon Kubrick in seinem Meisterwerk Uhrwerk Orange tat.

Man sollte allerdings nicht erwaten hier eine Gewaltorgie à la Tarantino zu sehen. Im wesentlichen setzt sich der Film dann doch eher mit der Frage nach Schuld und Ambivalenz des Menschen auseinander. Doch wenn es mal zur Sache geht, so steht Park Tarantino in nichts nach. Es erinnert fast ein wenig an die zweite Episode aus Marvels Daredevil. Falls jemand die Referenz versteht. Wie sich Oh Dae-su ermüdet, abmüht und keine Kraft mehr besitzt und dennoch weitermacht ist so bemerkenswert gut gefilmt, daß es mir die Sprache verschlagen hat.

So kann ich gar nicht anders als diesen Film großartig zu nennen. Nicht immer ist das Word of Mouth ernstzunehmen, wenn es um Filme geht. Doch Oldboy ist eben nicht nur der Film wo ein Mann einen lebendigen Fisch isst, sondern ein Film über die Bedeutung des Menschsein, die Frage nach recht oder falsch, gut und böse. Ambivalenzen gehören einfach die große Leinwand, denn sonst verschleiern wir, daß unser Sein eben ein reiner Widerspruch ist, wir nicht gut, oder böse allein, sondern in einem sind. Überdies ist dieser Film eben auch so unvorhersehbar und schafft es auch seine Zuschauer nicht zu lange im Dunkeln zu lassen, wie manch anderer Film. Nein, er verstreut immer genau die richtige Menge an Information, hat zwei großartige Hauptdarsteller, die sich gegenseitig an die Wand spielen. Besonders Choi Min-sik spielt hier Facette über Facette und zieht den Zuschauer sofort in den Bann.

Oldboy Bewertung
Bewertung des Films
1010
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