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Red Sparrow

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Emotionales Tiefdruckgebiet - Red Sparrow

Red Sparrow Kritik

Red Sparrow Kritik
0 Kommentare - 05.03.2018 von ZSSnake
In dieser Userkritik verrät euch ZSSnake, wie gut "Red Sparrow" ist.
Red Sparrow

Bewertung: 2.5 / 5

Sonntag ist mal wieder OV-Tag und heute gab´s Red Sparrow. Der neue von (Francis) Lawrence und (Jennifer) Lawrence (nicht verwandt) läuft seit dieser Woche und mit sehr gemischten Gefühlen bin ich rein. Die Trailer waren okay und auch wenn ich im Kopf immer Johnny Depps Stimme sagen hörte "fehlt da nicht irgendwo ein Captain?" - die Prämisse klang nett und wäre sicherlich in etwa der Ansatz, den sich vermutlich auch viele für einen Black Widow Film wünschen würden. Was der Film ansonsten noch mit ScarJo zu tun haben könnte? Dazu später mehr. Wie gewohnt ist diese Review so weit es geht Spoilerfrei.

Trailer zu Red Sparrow

Inhalt:
Die Primaballerina Dominika Egorova (Lawrence) kann nach einem Unfall nicht weiter tanzen. Um nicht finanziell völlig mittellos zu werden, lässt sie sich von ihrem Onkel (Matthias Schoenaerts) in einen Regierungs-Auftrag hineinziehen, infolge dessen sie Zeugin eines Mordes wird. Als Mitwisserin bleibt ihr nur die Option, sich mit der Regierung weiterhin zusammenzutun und an deren Sparrow-Programm teilzunehmen. Dort wird sie zur gefühllosen und manipulativen Spionin ausgebildet. Doch in ihrem ersten Einsatz gerät sie an den amerikanischen CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton) und schnell entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel zwischen verbotenen Gefühlen, Patriotismus und ganz eigenen Motiven...

Kritik:
Soviel vorab: Das Opening des Films ist phänomenal umgesetzt und zieht einen regelrecht in seinen Bann. Wie übrigens auch das Finale - generell ist die Cinematografie zu weiten Teilen absolut in Ordnung. Untermalt von klassischer Musik werden die zentralen Figuren in einer starken Parallelmontage eingeführt und die Spieler auf dem Brett verteilt. Doch auf die Titelkarte folgt dann leider schnelle Ernüchterung und anstatt an den wirklich gelungenen und gut getakteten Anfang anzuknüpfen zieht Regisseur Lawrence erstmal die Handbremse an und lässt sich im ersten (und zweiten) Akt unfassbar viel Zeit, um jeden Aspekt der - leider nicht besonders tiefgehenden - Spionagegeschichte auszukosten.

Dabei bedient er sich vor allem eines "Stilmittels" sehr häufig: akuten Gewaltausbrüchen, die den ansonsten sehr ruhigen und fast gemächlichen Ton des Films brachial durchbrechen. Dabei wird nicht nur emotionale und körperliche Gewalt thematisiert, auch sexuelle Übergriffe sind immer wieder Bestandteil dieses Werkzeugs. Generell ist Jennifer Lawrence fast schon offensiv oft nackt oder nur leicht bekleidet im Laufe des Films. Nicht, dass sie aufgrund ihrer Rolle nicht hin und wieder sinnvollerweise wenig Stoff am Körper haben sollte, aber viel zu häufig wirken Gewalt und Nacktheit wie ein künstliches Mittel zum Zweck, um einen als Zuschauer aus der einlullenden Lethargie des Plots herauszureißen. Zudem wird dabei leider immer wieder der Fokus auf das Wesentliche vergessen. Die oberflächliche emotionale Motivation Dominikas ist vor allem ihre Mutter (Joely Richardson), welche krank daheim sitzt und um die sie sich sorgt. Doch leider wird abgesehen davon nur selten klar, was in unserer Hauptfigur vorgeht.

Sicherlich, Lawrence kann in einigen Momenten durchaus zeigen, was sie auf dem Kasten hat, den Großteil des Films läuft sie allerdings mit semi-sauertöpfisch-versteinerter Miene durch den Film und lässt selten vermuten, was in ihr vorgeht. Und hier kommen wir kurz auf ScarJo zurück, die nämlich genau mit so einer Miene letztes Jahr durch Ghost in the Shell gelaufen ist und von mir die gleiche Kritik bekam. Zum Teil ist die Ambivalenz der Figur sicherlich dem Skript zu schulden, welches sich weigert klar Stellung zu beziehen, ob Dominika nun wirklich Emotionen abstellen kann, oder auch nicht, oder ob sie schlicht und ergreifend Rache sucht für das, was man sie zwingt zu tun. Relativ früh wird Macht, bzw. die Suche und Gier danach, als Motiv eingeführt. Und Dominika sucht zweifellos nach Macht, oder zumindest danach, der Macht ihrer Hintermänner zu entfliehen. Dabei ist sie jedoch bereits in der Ausbildung eher eine schlechte Kandidatin, welche immer wieder Befehle verweigert und sich als Rebellin mit eigenem Kopf gibt. In einem Umfeld, welches Systemtreue einfordert und verlangt, wie dem das im Film porträtiert wird, würde es sie wohl lange vor ihrem ersten Einsatz selbigen kosten. Aber, dem Plot sei dank, darf sie diese Linie fahren und dabei unangenehm inkonsequent wirken.

Der viel zu schnelle Wandel von der verwöhnten Primaballerina hin zur Spionin, leider ohne echten Selbsterhaltungstrieb, ist problematisch. Zumal immer wieder Männer zur Hilfe eilen müssen, die sie, manipuliert oder nicht, braucht, um überhaupt das Finale zu erleben. Und ja, es gibt Momente, in denen sie als stark und unabhängig dargestellt wird, aber sieht man von ein paar kleinen echten, aber sehr persönlichen, Triumphen ab, führt ihre Spioniererei letztlich zu reichlich wenig echten Ergebnissen. Nachdem man sich durch überlange 141 Minuten Film mäandert hat, steht man im Grunde vor wenig Veränderungen, die diese Laufzeit rechtfertigen würden.Und leider tut sich der Film währenddessen wahnsinnig schwer, irgendwo etwas wie echte Spannung aufkommen zu lassen. Wo sich vor garnicht allzu langer Zeit Criminal Squad mit einer angenehm unaufdringlichen, aber doch stets präsenten Hintergrundspannung hervortat, lässt Red Sparrow diese Möglichkeit zumeist garnicht zu. Sicher, es gibt die erwähnten Gewaltausbrüche körperlicher, emotionaler und sexueller Natur, doch das allein genügt nicht, um einen Spionagethriller aus dem tiefen Mittelfeld hinauszuhiefen, wenn es so offensichtlich und plump als Ablenkung eingesetzt wird.

Schade eigentlich, denn mit mehr Zugang zu seinen Figuren hätte der Film durchaus was werden können. Edgerton macht das Beste aus seinem, leider arg eindimensionalen, CIA-Boy, der Großteil der Nebendarsteller ist solide und es tut gut Jeremy Irons dann und wann - und sei es nur für zusammengenommen vielleicht 10 Minuten - mal in etwas Größerem als nem C-Movie zu sehen, denn er weiß immer noch die meisten Rollen durch schiere Präsenz und Klasse aufzuwerten. Doch alle bleiben sie irgendwie blass und zu selten werden Motivationen oder innere Vorgänge der Charaktere deutlich, wodurch man als Zuschauer fast schon verzweifelt nach Identifikationspunkten sucht; leider überwiegend vergeblich. Ach und weil sein Name im Abspann stand: James Newton Howard durfte den Score beisteuern, der jedoch von ein, zwei netten atmosphärischen Stücken zwischen den bekannten klassischen Musikstücken so gut wie nicht auffällt.

Auffällig übrigens, mal Abseits aller Pros und Cons des Films: bei dem überwiegend englischsprachigen Cast aus vielen US-Amerikanern mutet es sehr befremdlich an, dass 95% der Laufzeit alle Figuren Englisch (mit mehr oder minder gutem Akzent, Lawrence lässt ihn in emotionaleren Momenten durchaus mal fallen) sprechen. Sowohl Russen untereinander, auch in Moskau, wo Russisch nur nachvollziehbar wäre, als auch Russen die mit Amerikanern sprechen, wo es zumindest Sinn macht. Völlig gebrochen wird diese pseudo-Immersion dann jedoch, als im einen Moment zwei Russen mit einer Amerikanerin sprechen, um im nächsten kurz ein paar abfällige Kommentare auf Russisch abzugeben, bevor sie wieder auf Englisch switchen. Da hat sich beispielsweise John Wick wesentlich mehr um eine clevere Integration der verschiedenen Sprachen in seine Handlung bemüht und auch damit gespielt, dass eben nicht jeder immer jeden versteht. Klar, ein Film komplett auf Russisch mit englischen Untertiteln wäre irgendwie albern - aber die im Film präsentierte "Lösung" wirkte trotzdem durch den genannten Moment fast schon lachhaft.

Fazit:
Red Sparrow hat viele Zutaten, aus denen ein toller Spionagethriller hätte werden können. Leider nutzt er diese Chance nur an sehr wenigen Stellen und plätschert für etwa 80% seiner überlangen Laufzeit gemächlich in hübschen Bildern vor sich hin, ohne viel von Relevanz zu zeigen. Lawrence darf kaum etwas tun, Edgerton ist unterfordert aber bemüht, der Score kaum vorhanden und abgesehen vom starken Opening und Finale sind maximal noch die Gewaltspitzen erwähnenswert. Selten war ich bei einem Film so oft gefährlich nah daran einzunicken, bloß um hin und wieder von diesen brachialen Sequenzen aus der Lethargie gerissen zu werden, in die mich der uninspirierte Plot beförderte. Red Sparrow kann man schauen, kann man aber auch getrost lassen. In Lawrence (beide in dem Fall) Filmografie ist es ein reichlich belangloser Beitrag, der weder als echte Talentshow noch irgendwie filmisch herausragend daherkommt. Von mir gibt´s daher - zumindest inszenatorisch - kompetente


5/10 Punkte bzw. 2,5/5 Hüte


und die Empfehlung den Film vielleicht dann zu schauen, wenn er kostenlos bei Prime oder Netflix ist. Ein Totalausfall ist es nicht, den vollen Kinoeintritt ist er, in meinen Augen, allerdings trotzdem nicht wert.

Red Sparrow Bewertung
Bewertung des Films
510
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