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Strange World

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Strange World Kritik

Strange World Kritik

Strange World Kritik
0 Kommentare - 29.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Strange World" ist.
Strange World

Bewertung: 3 / 5

Zusammen mit seinem Vater entdeckte Searcer Clade (Jake Gyllenhaal) eine wundersame Pflanze, die Elektrizität liefer und das sagenumwobene Avalonia in ein Utopia verwandelt hat. Als die Pflanze zu verrotten beginnt, macht er sich zusammen mit seinem Sohn Ethan (Jaboukie Young-White) und seiner Frau Meridian (Gabrielle Union) auf den Weg in ein seltsames Reich voller bunter Lebewesen.

Wenn man einen Disney-Film schaut, dann geht man einen gewissen Deal ein. Nicht indessen, daß das Leben nun davon abhinge, oder man in irgendwas gezwungen würde, was man nicht verhindern könnte. Sehr wohl aber, wenn es darum geht gewisse Figurenkonstellationen, die Themen Liebe, Familie und das Überkommen des eigenen Egoismus präsentiert zu bekommen. Man weiß gar nicht, wo man da anfangen soll und ob das gezeigte nun inzwischen ein müder Witz, oder einfach ein nicht zu steuernder Mechanismus wie das Schlafwandeln ist. In Strange World soll es um eine Reise in das unbekannte gehen. Dafür orientiert sich der Film stark an der Ästhetik des Steampunk, die auch bereits in den frühen 2000er Jahren in Der Schatzplanet (2002) Einzug in die Welt der Disneyfilme fand. Doch wer nun glaubt, es sei eine ausgeklügelte Welt, die nicht das banalste vom Banalen in den Vordergrund rückte der irrt. Was der Film vermeintlich als kreative Welt verkauft, ist die Knetmassensammlung eines vierjährigen, der sie nun endlich doch nicht mehr in die Nase steckt. Strange World liefert so Aalglatte Bilder, die keinerlei Mut und Relevanz aufweisen und es scheint fast, als stecke Disney vielleicht wieder in einer Art filmischer Krise. Zwar erreicht das noch lange nicht das Niveau der 2000er Jahre, doch der letzte große Wurf gelang Disney wohl wirklich mit Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013). Und das hat wohl einen oder mehrere Gründe, selbst wenn man nur subjektiv von einer Krise sprechen kann. Was aber ganz eindeutig ist, ist das Disney seinem Zuschauer in keinster Weise irgendetwas zutraut.

Trailer zu Strange World

Und das erkennt man sofort. Strange World, der überdies auch zu keiner wirklichen Erkenntnis gelangt, ist ein versöhnlicher Film, weil die Versöhnung eine zentrale Rolle im Film spielt. Wer hoffte eines Tages mal weg von dieser Pseudo-Shakespeare-Dramaturgie, um die nicht liebenden Väter zu kommen, der wird mit diesem Werk eines besseren belehrt. Doch als wäre es nicht genug nur einen Vaterkomplex im Film serviert zu bekommen, schlägt das Werk von Regisseur Don Hall allen ein Schnippchen und präsentiert den Konflikt mit dem Vater über drei Generationen. Sicherlich hatte Opa Jaeger Clade auch einen kleinen Clinch mit seinem Vater. Und dadurch wirkt dieses Werk, daß sonst so darauf bedacht ist, irgendwie revolutionär zu sein, wie ein aus der Zeit gefallenes Produkt vergangener Tage. Mein Rat an der Stelle wäre einen Therapeuten aufzusuchen und nicht jedem mit dem Vater-Trauma zu nerven. Ja, es mag polemisch sein, doch gleichsam ist dieser Film dann auch zum verzweifeln. Es gibt auch abseits dessen keinerlei Mut, was die Gestaltung der Charaktere angeht. Die üblichen Slapstickfiguren, ein Paar Muskelberge, da eine toughe Frau, hier ein schwules Kind und so weiter und so fort. Zugegeben, man muss Disney schon dafür bewundern, daß sie mit Strange World zumindest an diesem Punkt am Puls der Zeit angekommen sind und jetzt nicht mehr nur andeuten, sondern explizit in der Darstellung der sexuellen Orientierung werden. Also, so explizit, wie es eben in einem Disneyfilm von statten geht. Denn tatsächlich ist man hier eben genauso Konservativ, wie in jeder anderen Darstellung von Erotik.

Auf rein inhaltlicher Ebene, also wenn es um die übergeordnete Geschichte, samt ihrer Subtexte geht, ist Strange World dann wiederum aber gar nicht so festgefahren in alten Mustern. Denn im Kern ist dieser Film auch als Parabel auf den Klimawandel und die Hoffnung darauf zu verstehen, vielleicht doch mehr zurück zu den wortwörtlichen Wurzeln der Menschheit zu kehren. Das hat dann nichts verklärendes, indem man so tut, als sei alle technische Errungenschaft der Feind der Gesellschaft. Und selbst wenn dieser Film hier einige Dinge zugunsten jüngerer Zuschauer versimpelt, trifft er indessen den Kern und bietet einen ungewohnt hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft. Man muss sich das nur mal vorstellen, man nimmt eine Pflanze aus einer fremden Region, nimmt diese mit und benutzt sie, um Energie zu beziehen. Das mag in der realen Welt vielleicht weniger ein Problem darstellen, kann aber hier metaphorisch nur als Kritik am Klimawandel, beziehungsweise an der Ausschöpfung natürlicher Ressourcen verstanden werden. Das ist für einen Disney-Film schon erstaunlich progressiv und irgendwie auch für Kinder doch ein recht anspruchsvolles Thema. Insofern erweist sich die Debatte, daß Animationsfilme auch Kinderfilme seien wiedermal als erledigt. Dummerweise ist dieser Film dabei aber auch nicht radikal genug. Er möchte zwar als Plädoyer auf jedes Leben, Dialog und den Artenschutz verstanden werden, ist aber in seiner Ausführung keineswegs überraschend und die grundsätzliche Geschichte ist eher ermüdend, als wirklich spannend.

Erstaunlich ist ja immer wieder, daß Disney sich teilweise sehr intelligente und hochkomplexe Themen nimmt und diese endlos banalisiert. Strange World fühlt sich dabei ähnlich gescheitert wie Alles steht Kopf (2015), welcher auch eine grundsätzliche Prämisse zu sich hatte und die Handlung zugunsten von Verständnis komplett banalisierte. Da nutzt es dann auch nichts, wenn man den ein oder anderen Moment hat, der ganz nett aussieht. Zwar sind die Figuren alle samt recht sympathisch und es stellt sich auch immer wieder die Frage, was nun letztlich die Aufgabe eines Vaters ist, doch damit fängt der Film leider auch nur das erwartbarste an. Zum Glück fühlt sich die Geschichte aber nicht ellenlang an. Der gesamte Film ist so schnell wieder vorbei, wie er begonnen hat. Und daher kann man vielleicht die erzählerischen Mängel noch halbwegs verschmerzen. Nett ist das ja, aber es fehlt eindeutig an vielen Stellen an Mut.

In ein Paar Jahren wird vermutlich kein Hahn mehr nach Strange World krähen, tut ja jetzt schon keiner. Daß der Film von Disney stiefmütterlich behandelt wurde, liegt schlicht und ergreifend daran, daß er blutleer ist. Nichts gibt es zu erzählen und dennoch ist er kurzweilig und sorgt im ein oder anderen Moment durch für ganz nette, aber austauschbare Unterhaltung.

Strange World Bewertung
Bewertung des Films
610

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