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The Florida Project

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Tristesse in knallbunten Farben

The Florida Project Kritik

The Florida Project Kritik
0 Kommentare - 10.03.2018 von CEl
In dieser Userkritik verrät euch CEl, wie gut "The Florida Project" ist.
The Florida Project

Bewertung: 4 / 5

Ironisch spielt der Filmtitel auf das "Florida Project" Walt Disneys an, das später als "Disneyworld" in Orlando realisiert wurde. Regisseur Sean Baker hat seinen Spielfilm vor den Toren des Themenparks angesiedelt und dokumentiert ein Stück Lebenswirklichkeit von Kindern armer Familien, die in billigen Motels rund um Disneyworld wohnen. In den Unterkünften entlang des Highway 192 übernachten kaum noch Touristen. Ein junges Paar aus Brasilien, das seine Hochzeitsreise online gebucht hat, ist bei seiner Ankunft im "Magic Castle Motel" über die permanent hier lebenden Armen schockiert. Seit der Immobilienkrise 2008 sind die Menschen hier nicht mehr auf die Beine gekommen und das Motel wurde zu einer letzten Station vor dem Leben auf der Strasse. Nur wenige Meter von Disneyworld entfernt zeigt sich die Kehrseite des amerikanischen Traums, die von dessen Glanz nur die knallbunten Farben behalten hat. Es sind die Schattenseiten des Glamour, die den Regisseur interessieren. Gesellschaftliche Aussenseiter wie transsexuelle Prostituierte, die er 2015 in "Tangerine L.A.", einem vollständig mit dem iPhone gedrehten Film, portraitierte, oder die gestrandeten Motelbewohner in "The Florida Project". Diesmal wurde auf 35-mm-Format gedreht, doch die häufig verwendete Handkamera lässt den Film wie einen unter widrigen Umständen gedrehten Dokumentarfilm anmuten, der die Sicht der Kinder einnimmt und eine Fortsetzung der "Kleinen Strolche" ("The little Rascals") von Hal Roach sein könnte. Moonee (gespielt von der erst sechsjährigen Brooklynn Kimberly Prince), Scooty (Christopher Rivera) und Jancey (Valeria Cotto) realisieren die prekären Verhältnisse nicht und machen ihre Umgebung zwischen dem "Magic Castle Motel" und dem "Futureland Inn" zu einem grossen Abenteuerspielplatz. Moonees Mutter Halley (Bria Vinaite) wirkt ausgeflippt und überdreht und versucht dennoch, eine gute Mutter zu sein. Ihren Alltag verbringt sie hauptsächlich damit, die tägliche Miete für ihr Motelzimmer aufzubringen. "Das ist im Grunde nicht weniger als die 1,200 Dollar, die ich für mein Appartement in Los Angeles monatlich bezahle", meint Regisseur Sean Baker, "Nur bleibt diesen Gestrandeten keine andere Wahl als das Motel." Unauffällig und pragmatisch geht der Hausmeister Bobby seinen Pflichten nach und nimmt die vielen Streiche der Kinder gelassen hin. Baker konnte für diese Rolle Willem Dafoe gewinnen, einen der renommierten US Schauspieler, dessen Können sich gerade darin zeigt, dass er nicht zu spielen scheint. Ohne weiteres könnte er als einer der Laien durchgehen, die der Regisseur vor Ort angetroffen und ermutigt hat, mitzuwirken. Ein überzeugender schauspielerischer Balanceakt, der Dafoe zuletzt eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller einbrachte. Er verleiht dem Ganzen nicht nur einen professionellen Fokus, er hält auch in seiner Funktion als Hausmeister alles zusammen, was leicht auseinanderzudriften droht. Wenn Streit aufkommt, schreitet er ein und versucht, beide Seiten zu beruhigen. Auch hat er die schwierige Aufgabe, Geld von Menschen einzutreiben, die kaum zahlen können, und er muss die wenigen Touristen besänftigen, die sich noch hierher verirren. Einen Spannungsbogen kennt die Filmerzählung nicht. Als Moonees Mutter gegenüber ihrer Freundin Ashley (Mela Murder) aggressiv wird, nur weil diese ihr die kostenlosen Nahrungsmittel aus dem Diner verweigert, drückt sie damit ihre Verzweiflung aus. Moonee entlarvt schnell die Beschwichtigungen der herbeigerufenen Sozialarbeiter und weiss wie immer einen Ausweg, diesmal vor der Einlieferung in ein Heim. Sie rennt davon, rennt aus dem Bild hinaus und aus dem Film, während das Leben weitergeht in einer Endlosschleife im aussichtslosen Alltag.

The Florida Project Bewertung
Bewertung des Films
810
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