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Utøya 22. Juli

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72 Minuten Echtzeit

Utøya 22. Juli Kritik

Utøya 22. Juli Kritik
0 Kommentare - 19.09.2018 von CEl
In dieser Userkritik verrät euch CEl, wie gut "Utøya 22. Juli" ist.

Bewertung: 4 / 5

In Norwegen hat das Massaker an 69 Jugendlichen auf der Ferieninsel Utøya vom 22. Juli 2011 einen starken Eindruck hinterlassen, der bis heute traumatisch nachwirkt. Der norwegischen Regisseur Erik Poppe nahm dies zum Anlass, bereits wenige Jahre später einen Spielfilm über die damaligen Vorfälle zu drehen. Seine intensive filmische Schilderung lässt den Zuschauer zuweilen glauben, er habe eine authentische Dokumentation vor Augen.
In den ersten Einstellungen sind unscharfe Bilder der Überwachungskameras zu sehen, die am Vormittag des 22. Juli die Zündung einer Autobombe im Regierungsviertel von Oslo aufzeichneten. Acht Menschen hat die Tat in den Tod gerissen.
Wenig später fällt der Blick durch ein Birkenwäldchen auf ein Zeltlager, als beobachte jemand aus sicherem Versteck das Camp einer Jugendfreizeit. Die 19-jährige Kaja (Andrea Berntzen) tritt ins Bild und forthin folgt ihr die Kamera auf Schritt und Tritt. Sie sucht ihre jüngere Schwester Emilie (Elli Rhiannon Müller Osborne), die sich ins Zelt zurückgezogen hat und am liebsten wieder nach Hause möchte. Es gibt Streit zwischen den Schwestern und Kaja geht allein auf eine Barbeque-Party am Clubhaus.
Plötzlich fällt ein Schuss. Und noch einer. Die Jugendlichen rennen auseinander, wissen nicht, wohin, flüchten ins Clubhaus, Panik bricht aus. In diesem Moment könnte eintreten, was insgeheim zu befürchten war: Kinder, eng zusammengepfercht im Saal des Clubhauses, werden zu einem leichten Spiel für den Angreifer, der dort ein Blutbad anrichtet. Doch nichts passiert. Schüsse scheinen von verschiedenen Seiten zu kommen. Die Kinder wissen weder was geschieht, noch was sie tun sollen und ob es überhaupt nur ein Schütze ist oder mehrere? Immer wieder rennen einige vorbei und suchen Schutz im Wäldchen. Auch Kajas Freunde haben sich dort versteckt. Per Handy verständigen sie die Polizei. Derweil kommen die Schüsse näher. Vorsichtig kriecht Kaja zurück zu den Zelten. Alles ist ausgestorben. In ihrem Zelt ist niemand mehr. Nun ist sie ganz auf sich gestellt. Sie versucht, ein verletztes Mädchen (Solveig Koløen Birkeland) in den Wald zu ziehen. Es ist schwer verwundet und stirbt in Kajas Armen. Sie läuft zur Felsenküste, die Kamera immer auf ihren Fersen, kommt vorbei an Felsspalten, wo sich einige Jugendliche versteckt haben. Sie kauern nebeneinander, warten, frieren.
In einer einzigen Einstellung folgt die Handkamera von Martin Otterbeck der Protagonistin Kaja, 72 Minuten lang in Echtzeit, so lang, wie das grausame Massaker auf der Ferieninsel gedauert hat. Zuweilen sind die Aufnahmen verwackelt und unruhig, wie mit dem i-Phone gedreht und damit sehr nah an der Sichtweise und dem Erzählstil der Jugendlichen. Dies verleiht dem Film eine Intensität, die bis ins Innere der Personen reicht. Poppe verliess sich ausschliesslich auf Aussagen von Überlebenden und Tagebuchnotizen. Die wirklich erst 19-jährige Schauspielerin Andrea Berntzen scheint diese für ihre Rolle so weit verinnerlicht zu haben, als sei sie selbst dabei gewesen.
Nur ein einziges Mal erscheint der Todesschütze Anders Behring Breivik schemenhaft und bedrohlich oben an der Felswand. Er bleibt anonym und gestaltlos und schiesst auf alles, was sich unten am Ufer bewegt.
Als der deutsche Regisseur Sebastian Schipper 2015 auf der Berlinale seinen Film "Victoria" vorstellte, war dieser ebenfalls in nur einer Einstellung gedrehte Film eine kleine Sensation. Als Spielfilm blieb er ein ästhetisches Experiment. "Utøya 22. Juli" dagegen macht im Zusammenspiel mit der teilnehmenden Kamera die realen Ereignisse aus der Sicht der Beteiligten nachvollziehbar und überzeugt in seiner Balance zwischen Fiktion und Dokumentation.

Utøya 22. Juli Bewertung
Bewertung des Films
810
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