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Der Mauretanier

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Dont harm the Iguana

The Mauritanian Kritik

The Mauritanian Kritik
2 Kommentare - 12.04.2021 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Der Mauretanier" ist.
The Mauritanian

Bewertung: 4 / 5

Bis zu den Golden Globe Nominierungen 2021 hatte ich vorher nie was über The Mauritanian gehört, aber da war sie plötzlich, die Nominierung Tahar Rahims als bester Hauptdarsteller. Da wurde ich hellhörig, und habe mir gleich den Trailer angeschaut und war seitdem total darauf fokussiert, diesen Film sehen zu müssen. Tahar Rahim ist einer der begnadetsten Darsteller seiner Generation und kann auf seinen schmächtigen Schultern jeden noch so mittelmäßigen Film enorm aufwerten. Wenn ich soweit gehen würde, so etwas wie eine Majestätsbeleidigung von mir geben zu wollen, würde ich sogar sagen, dass der einzige Grund Fatih Akins (seines Zeichens bester deutschsprachiger Regisseur der Jetzt-Zeit) Möchtegern-Epos und eigentlich wichtigsten Film "The Cut" zu sehen Tahar Rahim ist. Ganz zu schweigen, dass der Kerl mit Un Prophet sowieso ein riesiges Stein bei mir im Brett hat ;-)

Erzählt wird die Geschichte eines Guantamo-Häftlings, der ohne Anklage Jahrzehnte, eingesperrt und gefoltert ist, und sogar nach seinem Freispruch von der Obama-Regierung (!) einfach nicht entlassen wird.

Trailer zu The Mauritanian

Kevin MacDonald ist der Regisseur dieses politisch und pädagogisch so wichtigen Werkes. MacDonald ist erstmals seit sehr langer Zeit wieder auf der Höhe seines Schaffens und lässt ein paar seiner etwas mediocreren Filme wieder vergessen. Er macht nie einen Hehl daraus, dass die Möglichkeit besteht, dass der Mann schuldig sein könnte für die Sachen, derer man ihn "nicht beschuldigt", aber es geht ihm aber auch nicht um Schuld oder Unschuld sondern um ein Rechtssystem, das unterlaufen wird und völlig konträr zur Konstitution agiert. Das ist nicht immer leicht verständlich oder vom Ottonormalzuschauer auch so verdaubar, aber dafür deckt er sich mit der Creme-de-la-Creme des anspruchsvollen Schauspiels ein und lässt sie mit- und gegeneinander zu absoluter Höchstform auflaufen.

So ist the Mauritanian endlich wieder der absolute Glücksfall eines Polit-Thrillers beruhend auf wahren Ereignissen, der zum einen ungemein fesselnd inszeniert ist, zum anderen eben genau die richtigen Töne trifft und niemanden verteufelt (selbst die Folterer und Soldaten bekommen allesamt menschliche Gesichter zugeschustert), zwar belehrt aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt, und dann auch noch das Glück hat, 1A besetzt zu sein! Und wo Forest Whitaker damals für Der letzte König von Schottland zu Recht den Oscar bekam, -- ähm dazu jetzt mehr...

Ich halte Benedict Cumberbatch zwar für einen guten bis ziemlich guten Darsteller, aber eben nicht exzellent, er hat das Glück, diese unglaubliche Stimme zu haben und ein paar ikonische Rollen ziemlich gut ausgefüllt zu haben. Im ganzen Darsteller-Ensemble fällt er tatsächlich etwas ab.

Sogar der Dauerwitzbold Zachary Levy gelingt es quasi mühelos in seinen wenigen Leinwandminuten eine deutlich einnehmendere Darstellung hinzuzaubern. Zugegeben er spielt auch wirklich überraschend gut.

Die junge Anwältin wird mit ziemlich viel Verve von Shailene Woodley verkörpert, einer wirklich talentierten jungen Frau, der schon seit Jahren eine große Karriere vorausgesagt wird (vom Talent her auf jeden Fall), die aber mit ihrem eigenen Franchise so auf die Fresse geflogen ist, dass es jetzt ein bißchen fraglich erscheint, ob sie sich wieder in solche Höhen katapultieren kann.

Und über fast allem thront dann die großartige Jodie Foster, die hier gefühlt zum ersten Mal seit jahrzehnten wieder zeigen darf, dass sie eigentlich eine legitime Nachfolgerin von Merril Streep sein müsste. Wie sie mühelos alle anderen an die Wand spielt, und zu Stichwortgebern degradiert, wie kleinste Gesten und Nuancen Bände sprechen, dafür ist Schauspiel erfunden worden. Ganz ganz großes Kino und mein tausendfacher Dank. Jahre nachdem sie als Opfer einer Gerichtsverhandlung ihren ersten Oscar gewann ist sie jetzt als Anwältin an einer ähnlichen Stelle, nur doch Lichtjahre davon entfernt.

Aber dann ist da noch Tahar Rahim. Und es gibt eigentlich kein größeres Kompliment an diesen mann als zu sagen, dass er eben nicht gegen Foster untergeht oder an die Wand gepresst wird. Es ist absolut auf Augenhöhe.

Wenn man sich jetzt die männlichen Darsteller, die die großen Preise dieses Jahr ergattern werden anschaut, hat man folgendes (auf die Favoriten) eingegrenztes Bild:

Gary Oldman spielt auf Autopilot, wäre die gemütlichste Wahl einer mehrheitlich alten weissen Männerjury. Aber er ist auch der eigentlich schlechteste Anwärter dieses Jahr.

Riz Ahmed ist wie ich ja mehrfach schon sagte, mein absoluter Favorit auf die Craig Nachfolge als nächster Bond: Der Mann hat Charisma, kann schauspielern und sieht auch noch gut aus. Und dieses Jahr spielt er sich die Seele aus dem Leib als Musiker, der sein Gehör verliert. Eigentlich ist er der beste Darsteller von den drei Favoriten und würde den Preis auch verdienen, wenn da nicht

Chadwick Boseman wäre, ein sehr begnadeter Darsteller, der durchaus ziemlich gut spielt, un dzum Beispiel Gary Oldmans aktuelle Performance komplett in die Schranken weist, aber zum einen haben wir gerade eine ziemlich politisch aufgeheizte Stimmung in den USA und der gute Mann ist leider viel zu früh von uns gegangen, so dass ein posthumer Preis für den Mann im Rahmen des Okayen funktioniert.

Aber wie gesagt Riz Ahmed ist von den dreien eigentlich der beste Darsteller dieses Jahr.

Und dann ist da noch Tahar Rahim. Zumindest bei den Globes, warum der Film keine Berücksichtigung bei den Oscars gefunden hat,obwohl er sonst bei allen anderen Preisen ganz weit vorne mitspielt, warum daher auch Jodie Foster nicht nominiert wurde, kann ich nicht nachvollziehen, wenn man dem Feuilleton glauben schenkt, war das Thema den Juroren zu heikel, aber sei es drum. Rahim spielt Ahmed mit Leichtigkeit an die Wand. Punkt. Auch hier: Verdient ist Bosemans Preis nicht, da es ganz klar zwei meilenweit bessere Darsteller dieses Jahr gab, aber nachvollziehbar. Und zum anderen haben weder Engländer pakistanischer Herkunft oder Franzosen algerischer Herkunft eine starke Lobby - nirgendwo...

Der Film ist unabhängig von diesen ganzen wertlosen Prestige-Preis-Diskussionen allemal sehenswert.

8 Punkte

The Mauritanian Bewertung
Bewertung des Films
810
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2 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
12.04.2021 19:20 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.343 | Reviews: 157 | Hüte: 512

Gewinnen wird am Ende wahrscheinlich Chadwick Boseman.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
12.04.2021 10:54 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.298 | Reviews: 159 | Hüte: 488

Mal was zur Award Season, Empfehlung meinerseits !

Dünyayi Kurtaran Adam
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