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The Sisters Brothers

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The Sisters Brothers Kritik

The Sisters Brothers Kritik

The Sisters Brothers Kritik
0 Kommentare - 07.07.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Sisters Brothers" ist.
The Sisters Brothers

Bewertung: 2.5 / 5

Ein mächtiger Mann namens „Der Kommodore“gibt den Auftrag Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) zu ermorden. Diesen Auftrag sollen die Handlanger Eli (John C. Reilly) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix) durchführen. Die beiden ungleichen Brüder begeben sich auf den Weg nach Sacramento, wo sie den Aufenthaltsort von Warm vermuten. Doch die beiden beginnen mehr und mehr zu zweifeln und werden immer wieder von Bluttaten begleitet. Auch ihr Kontaktmann Jim Morris (Jake Gyllenhaal) ist Hermann auf den Fersen und scheint den Brüdern einen Schritt voraus zu sein.

Wortkarge Helden werden in Western in die unendliche Prärie geschickt, um sich mit schier endlosem Eifer der höheren Sache einer Moral hinzugeben. Das bedeutet, sie müssen ihr Leben zu lassen und würden dies auch ohne groß zu beanstanden tun, während der Zuschauer sich einem voyeuristischen Schießgewitter hingibt und dabei den Verfall und Fall dieser Helden nicht klar begreifen wird. Nun ist es ja so, daß die meisten dieser Geschichten ohnehin gut ausgehen. Was auch immer das heißen mag. Und letzten Endes ist der Western ein Feld, daß bis auf ganz wenige Ausnahmen auch auserzählt wurde. Daher soll es wohl auch erfrischend wirken, wenn Jacques Audiard mit The Sisters Brothers ein Werk schafft, daß dem Zuschauer so eine Art Antithese bieten soll. Denn man hat hier keine strahlenden Helden, sondern kalkulierte Killer. Und sie haben auch wirklich keine Lust ihren nächsten Auftrag entgegenzunehmen, aber müssen es tun, um irgendwie zu überleben. Dann wiederum reden sie, weil das der Kontrast ist, der in Western nur ganz selten mal zum Vorschein kommt und so weiter und so fort. Nein, es kann wahrlich anstrengend sein, den Figuren hierbei zuzuschauen, wie sie sich durch die Welt schlagen. Und das liegt schlicht und ergreifend daran, daß The Sisters Brothers einfach ein Problem damit hat, relevant zu sein.

Ja, mit der Logik eines auserzählten Genres kann man wohl kaum argumentieren. Das ist schon richtig, immerhin müsste man diese auch bei jedem anderen anwenden. Denn die Möglichkeit zur Erzählung ist doch stark limitiert und dennoch macht The Sisters Brothers den Eindruck, als wolle er den amerikanischen Gründermythos um Revolverhelden neu justieren. Sicherlich aus einer Zeit geboren, in der die Werte des amerikanischen Kontinents ohnehin einem Wechselbad der politischen Anstrengungen unterliegt. Ja, die Spaltung Amerikas kann man hier deutlich erkennen. Undurchsichtige Auftraggeber in Form von Kapitalisten. Patrioten und Revolverhelden, die mit der eigenen Vergangenheit hadern und dann die sozialen Ausreißer, die der alten Welt abgeschworen hat. Insofern kann man The Sisters Brothers wohl kaum den Vorwurf machen, er habe nichts zu sagen. Und dennoch fühlt man sich als Zuschauer immer wieder ein wenig vor den Kopf gestoßen, wenn es eben darum geht, etwas wirklich Relevantes zu erzählen und zu zeigen. Nur weil diese Kopfgeldjäger auf ihrer Jagd über das Leben sinnieren und manchmal auch absurden Nonsens von sich geben, soll der Zuschauer davon begeistert werden? Nein, das ist wirklich nicht so tiefsinnig, wie Audiard uns glauben machen will. Viel eher lebt der Film von Chemie. Chemie zwischen den Hauptdarstellern und letzten Endes der bitteren Erkenntnis, daß die Jagd nach dem Ende vielleicht doch nicht so erfüllend war, wie man erhofft hat. Und dann ist da noch das große Thema der Heimkehr. Ebenso zentral im amerikanischen Raum. Als wäre man je weg gewesen.

Denn The Sisters Brothers zeigt, auf wie Heimatverbunden man ist. Die Rückkehr zur Familie soll es sein und währenddessen unterhalten sich diese Figuren, wie eben Menschen im realen Leben, über Alltagsbanalitäten, die handlungstechnisch wenig Inhalt bereithalten. Damit verschafft der Film sich aber eine eigenartige Authentizität und man kann sagen, daß das durchaus gefällt. Und gerade wenn auch Charlie sich zum ersten Mal emotional zeigt, dann ist es aus rationalen Gesichtspunkten heraus nichts, was man groß zerheulen müsste. Ein Pferd stirbt und das ist dann wiederum die größte Tiefsinnigkeit, die man von solchen Figuren erwarten kann. Damit arbeitet man sich selbstverständlich auch erneut am Heldenmythos ab. Nicht nur nicht stumm, weil sie introvertiert sind und sich nicht in die Karten schauen lassen wollten, sondern gleichzeitig auch ein wenig sentimental. Sie verschieben ihre Probleme, sie verschieben den Pathos auf das, was eigentlich nicht patriotisch ist. Seit wann lamentieren Figuren in Western über den Tod von Pferden? Das wäre allenfalls Lucky Luke einfallen. Das Bild des Mannes wird hier ironisiert auf einem Level, wo sich Thor: Tag der Entscheidung (2017) durchaus mal eine Scheibe von hätte abschneiden können. Klar, Männlichkeit ist auch so ein Phänomen das nach und nach immer wieder mal diskutiert werden muss, aber hier ist Männlichkeit eigentlich nicht das, was man vom Western her kennt.

So richtig zum Punkt kommt der Film dann zum Finale. Da wird wohl allen Beteiligten klar, daß es so etwas wie Heilige Moral nicht wirklich gibt und auch Konflikte werden unter den zentralen Figuren schnell ad acta gelegt. Aber eben dann auch nicht genrekonform, sondern mit einem kurzen Gespräch. Die eigentlichen Feinde bleiben gesichtslos im Hintergrund und so sollen sie eine ebenso gesichtslose Masse an Menschen außerhalb der Norman zur Strecke bringen. Natürlich nicht persönlich, da steht dann schon ein Delegationsrecht im Raum. Und so kommt es zur unweigerlichen Konfrontation, die in anderen Western vermutlich den gesamten Film beansprucht hätten. Man muss sagen, daß das aber auch wirklich zu einem der Highlights in The Sisters Brothers gehört. Wie gesagt, es ist sicherlich richtig, daß der Gründermythos und auch die Helden vergangener Tage eine Konjunktur verlangen. Aber da fehlt es irgendwo auch an Unterhaltungswert.

Die Dekonstruktion veralteter Heldenmuster. Gut und Böse. Männlichkeit und Familie. Die Heimkehr ist das zentrale Motiv und Ansporn in The Sisters Brothers. Man kann das lieben, oder eben nicht. Bleiben tut jedenfalls nicht viel.

Trailer zu The Sisters Brothers

The Sisters Brothers Bewertung
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510

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