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The Tree of Life

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Bilderfluten, Symbolfluten und eine tragische Familiengeschichte

The Tree of Life Kritik

The Tree of Life Kritik
0 Kommentare - 24.07.2011 von Nothlia
In dieser Userkritik verrät euch Nothlia, wie gut "The Tree of Life" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Regisseur Terrence Mallick hat es mit nur einer Hand voll Filmen geschafft, sich selbst etwas Mystisches zu geben und sich zu einer der interessantesten Figuren im Filmgeschäft zu machen. Auch sein neuer Film [i]The Tree of Life[/i] warf durch hallendes Kritikerecho, positiven Eindrücken von allen Seiten, dem Gewinn des Jurypreises in Cannes und nicht zuletzt den ersten Bewegtbildern in Form von eindrucksvollen Trailern und Teasern beinahe unausweichliche Schatten voraus. Zeit, sich selbst eine Meinung zu bilden. Um es vorweg zu nehmen: Der Film hat bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen ([i]Auftritt Zweitstimme: Tadaaa …)[/i].   Die [b]Handlung des Films[/b] zusammen zu fassen, scheint mir schon nicht ganz so einfach ([i]Handlung, ha![/i]). Die offiziellen Inhaltsangaben, die Angaben der Kinobetreiber und auch Wikipedia sind da doch eher lapidar in ihren Beschreibungen. Eine ganze Reihe der dort dargestellten Informationen werden im Film nicht explizit geliefert. Dazu später mehr.   Wie auch immer, ganz klar ist, dass der Film mit einem biblischen Zitat und einem Lichtblitz beginnt [i](Nichts geht über ein schmuckes Zitat zum Einstieg …)[/i]. Dann eine ganze Abfolge an Bildern, in der eine Frau (Jessica Chastain) ein Telegramm mit tragischem Inhalt erhält, ihr Mann (Brad Pitt) und sie gegen und mit ihrer Trauer umgehen müssen und, zu einem deutlich späteren Zeitpunkt, ein weiterer Mann (Sean Penn) offenbar durch dieses Ereignis immer noch stark geprägt ist. Schrittweise können wir zusammensetzen, um was es geht: Jack O’Brien (Sean Penn) kämpft immer noch mit seiner Vergangenheit, den Widerspruch seiner Eltern (Chastain und Pitt) und den Verlust seines Bruder, der mit 19 Jahren im Krieg fiel [i](wahrscheinlich …)[/i]. Als der erwachsene Jack aus dem Fenster einen gerade gepflanzten Baum erblickt, folgt eine Sequenz über die Entstehung des Universums und der Erde [i](Nicht die philosophischen Fragen aus dem Off vergessen!)[/i].   Danach sind wir im eigentlichen Kernkonflikt des Films [i](Spekulation …)[/i]: Die Familie O’Brien und die Geburten ihrer drei Söhne, der Konflikt zwischen Jack (Hunter McCracken) und seinem strengen Vater, seiner liebevollen Mutter und seinen jüngeren Brüdern (Laramie Eppler und Tye Sheridan). Und natürlich der Konflikt mit sich selbst.   Als erster Beurteilungspunkt sollte jetzt die [b]Story[/b] folgen, aber auch das ist nicht so ganz einfach [i](Ansichtssache …)[/i]. In rascher Bildfolge mit kaum Handlung, aber haufenweise direkten und indirekten Informationen wird Jacks jetzige Situation, die Herkunft der Mutter, die Wirkung des Todes auf die Eltern, die Entstehung im Allgemeinen und der erste Abschnitt von Jacks Vergangenheit präsentiert ([i]Ein 138-Minuten-Trailer für einen Zehn-Stunden-Film könnte man auch sagen[/i]). Als Zuschauer wird man hier sehr gefordert. Auf der einen Seite als passiver Konsument die Bilderflut zu genießen und gleichzeitig die dargebrachten Informationen zusammen zu setzen. Nehmen wir ein paar Beispiele, die in diversen Inhaltsangaben zum Film als Fakt angegeben werden. Dass der erwachsene Jack Architekt ist, wird an keiner Stelle deutlich gemacht. Der Zuschauer hat einige Informationen, die darauf hindeuten. Dass die Stadt, in der er als Erwachsener lebt, Houston sein soll, erschließt sich allenfalls denjenigen, die Houston kennen. Ist aber genauso unwichtig wie der spießige Vorort, in dem er aufwächst, in Waco, Texas, sein soll. Der Zuschauer kann allenfalls vermuten, in welcher amerikanischen Region der Film spielt.   Der eigentliche [b]Kernpart[/b] wird allerdings ganz grandios erzählt. Die Familiendramatik und die Zusammenhänge sind wunderbar durchdacht und wirken unglaublich realistisch. Dieser Teil ist die ganz große Stärke des Films. Das Ende wiederum ist was für eingefleischte Philosophen ([i]und welche, die es sein wollen ...[/i]).   Mallick [b]inszeniert[/b] seinen Film auf eine harte, schnelle, ungewohnte Weise. Ohne viel Handlung im eigentlichen Sinne, wenig Dialog, schnelle, durchkomponierte Bilder, alles ganz perfekt gesetzt und tatsächlich mit einer Art Takt versehen ([i]wenn man denn mitkommt bei der ganzen Hektik[/i]). Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass er auch zu viel wollte und gerade am Anfang und am Ende zu symbolüberfrachtet, zu bildüberladen seine Geschichte erzählen will ([i]der ganze pseudointellektuelle Quark[/i]). Und er driftet am Anfang scharf an der spirituellen Kante entlang ([i]oder auch dämliches Religionsbla[/i]), was zwar relativiert wird, aber einfach manchmal wie ein weiterer Klotz am Bein der Geschichte wirkt.   [b]Dialoge[/b] und [b]Monologe[/b] gehen vollkommen in dem Werk auf, wenngleich spärlich gesät. Aber kein Wort scheint zu viel oder überflüssig ([i]Die Fragen aus dem Off?[/i]), wenngleich auch hier auf der spirituellen Kante mitbalanciert wird. Besondere Erwähnung sollte hier aber ein anderer Aspekt der Kommunikation finden: Körpersprache und Mimik. Die ist in [i]Tree of Life[/i] nämlich ganz besonders stark und umfangreich genutzt. Und funktioniert ([i]weitgehend[/i]).   Dass das so gut funktioniert und die [b]Figuren[/b] so ausgefüllt werden können, liegt an den durchgängig guten bis sehr guten [b]schauspielerischen Leistungen[/b]. Sean Penn ist wie eigentlich immer enorm ausdrucksstark auch ohne Worte – hier im wahrsten Sinne. Auch Chastain und Pitt ([i]Nur, was macht er da die ganze Zeit mit seiner Unterlippe?[/i]) spielen hervorragend. Aber überragend: Die Kinderdarsteller. Das ist wirklich authentisch, das ist wirklich großes Schauspiel. Die Figuren mit so viel Leben zu füllen ist eine wirklich bemerkenswerte Leistung.   Gerade [i]Tree of Life[/i] lebt natürlich durch und mit seinen [b]Bildern[/b]. Und die sind wirklich mindestens ebenso beeindruckend wie einfallsreich ([i]wie in einer Doku zwischendurch[/i]). Die [b]Kameraarbeit[/b] ist wirklich exzellent, variantenreich, verschiedene Shots und Tempi, selbst an sich ausdrucksstark. Ohne hätte dieser Film auch deutlich verloren. Ebenso der [b]Schnitt[/b], der oft schnell und hart ist, kurze, schnelle Szenenwechsel, Szene um Szene, dann wieder eine langsamere Überblende, so dass der Zuschauer dann doch mitkommen kann. Das ist schon wirklich gut gemacht.   Das ganze wird dann entsprechend [b]musikalisch[/b] untermalt, wobei mir einiges zu kirchlich daherkommt. Aber insgesamt passt es schon recht gut in das Gesamtkonzept, die Musik bewegt sich mit der Story, den Monologen und den Figuren mit – die besagte Kante ([i]stürzt es ab, stürzt es ab[/i]).   Was bleibt [b]insgesamt[/b] ([i]ja, das ist hier die Frage[/i])? Wie auch schon bei [i]Der schmale Grat[/i] wird Mallick im Laufe seines neuen Films eine Menge Zuschauer verlieren. Im Kinosaal waren bei weitem nicht alle begeistert – einer hat nach dem Film allerdings tatsächlich geweint ([i]jaaaa, DAS war ...[/i]). Ist es ein guter Film? Meiner Ansicht nach ja ([i]geht so ... na gut. Abtritt Zweitstimme[/i]). Ist es ein herausragender Film? Nein, eher nicht. Mallick konnte nicht widerstehen und hat [i]Tree of Life[/i] mit zu viel Symbolik und spirituellem Kram vollgestopft. Um die wirklich gelungene Familiendramatik will der Film dann doch irgendwie zu viel, durch die Anhäufung wirkt es am Anfang und Ende ein wenig wie ein Strom an Infodump, dem man sich als Zuschauer nicht permanent aussetzen kann und will. Es wäre auch daher keine große Überraschung, sollte es eine deutlich längere Fassung des Films geben.   [b]Fazit[/b]: Ein Film mit vielen genialen Momenten, einer beeindruckenden Kerngeschichte – toll gespielt – und jeder Menge faszinierenden Bildern. Doch Mallick will zu viel, spürbar. Es bleiben [b]9/10 Punkte[/b].

The Tree of Life Bewertung
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