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The Zone of Interest

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The Zone of Interest Kritik

The Zone of Interest Kritik

The Zone of Interest Kritik
0 Kommentare - 09.03.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Zone of Interest" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Die Familie Höß um Hedwig (Sandra Hüller) und Ehemann Rudolf (Christian Friedel) lebt ein idyllisches Leben mit ihren Kindern. Sie erwarten die Mutter von Hedwig. Doch Abseits ihres Grundstücks befindet sich das Vernichtungslager Auschwitz, daß von Rudolf geleitet wird.

Die systematische Ermordung der Juden im Dritten Reich ist etwas, über das äußert gestörte Gruppen an Menschen noch spekulieren. Tatsachen bestreiten, gerade wenn sie so offenkundig dokumentiert wurden, ist ein modernes Phänomen. „Ich glaube nicht an den Klimawandel“, „Ich glaube nicht an destabilisierte Länder“, „Ich glaube nicht an den Holocaust“, „Ich glaube, daß wir alles überwacht werden.“, „Ich glaube, daß die Impfung eigentlich dazu dient, uns zu chipen, um uns zu steuern“. Fakten negieren und relativeren gehört dieser Tage leider zum guten Tonus. Es ist eine Welt, in der die einfache Antwort, die drastische Antwort nicht mehr ausreicht und die Realität mit einem kollektiven Verdrängungsmechanismus beschönigt wird. Insofern ist The Zone of Interest ein zunächst spannendes Werk. Nicht, weil das gesagt auch zu hundert Prozent so auf den Film zuträfe. Allerdings ist es schon auffallend, wie stumpfsinnige Gewalt und das perverse Töten von Menschen und Alltagsbanalitäten hier in Kontrast gesetzt werden. Regisseur Jonathan Glazer zeichnet ein Bild einer Welt, die absurd, entmenschlicht und dennoch in dem Abhandeln von Konflikten zwischen Familienmitgliedern und dem Leben dort, so real wirken. Nicht real im Kontext des dritten Reichs, sondern auch real im Vergleich zum jetzigen Leben. Damit geht der Film natürlich einer These von Hannah Arendt nach, die Prozesse des Dritten Reichs im deutschen Volk jener Tage grandios analysierte.

Als Zuschauer ist man dann vielleicht angehalten, sich darüber zu echauffieren und im Prinzip verärgert The Zone of Interest auch damit, weil er dem Zuschauer sein abgestumpftes Ich, auch im Hinblick auf die Jetztzeit aufzeigt. Dahingehend funktioniert der Film von Glazer schon als Analyse des menschlichen Seins, sich Katastrophen schönzureden, sie gar zu mechanisieren und damit Teil eines maroden Systems zu sein. Nun ist es aber grundsätzlich ein Problem, daß man nicht so einfach auf unsere Welt übertragen kann. Der neoliberale Kapitalismus bietet mitunter zwar schon Nährboden für faschistoide Ideen, ist aber in seinem Wollen ganz anders. Jetzt wäre also die Frage, wie The Zone of Interest sich überhaupt auf unsere Zeit übertragen lässt. Nun, seichtere Ideen, oberflächliche Analogien lassen sich ja haufenweise finden. Man nähme jetzt nur mal die Ermordung von Menschen im Gaza-Streifen, oder auch den drastischen Umgang mit Flüchtigen auf dem Meer. Das Problem hierbei ist aber, daß man vorsichtig sein muss, welchen Vergleich man da zurate zieht, denn tatsächlich ist beides eher ganz, ganz oberflächlich mit dem zu vergleichen, was die Menschen in The Zone of Interest tun. Und dann bleibt die Frage, ob das Werk überhaupt irgendeine Relevanz aufweist, oder einfach nur ein weiterer Film über den Zweiten Weltkrieg darstellt. Der Bericht über einen banalen Job, ein banales Familienleben und ein Dasein in Trance, daß auf Verdrängung der Schuld und aus der Treue zur Pflicht eine Art paradoxes Problem des Menschen zentralisiert.

Nun ist The Zone of Interest natürlich ob seiner Thematik zunächst extrem emotional. Doch die große Kunst soll hier, laut Meinungen der weitläufigen Presse, liegt ja vor allem darin, daß der Film keine Bösartigkeit in diesem Sinne zeichnet. Nun, eine gewisse Wahrheit steckt darin, weil die Idee der durch Arendt geprägten Banalität des Bösen ja vor allem kapitalistische Aufstiegs-Phantasien angesprochen hat und damit eben auch zeigt, daß der Mensch das Kapital in dem Falle ja deutlich über die Menschlichkeit und vor allem das Mitgefühl stellt. Nun ist das Werk damit eindeutig kein unnützes Werk, weil es damit auch eine interessante Verbindung zur Nachkriegszeit und dem darauffolgenden Turbokapitalismus im Westen zeigt. Immerhin geben sich ja auch Funktionäre des Marktes, gerade heute als unglaublich nahbar. Dein Chef ist dein Freund. Eine Distanz gibt es nicht mehr, weil ihr per Du seid und einander von eurem langweiligen Leben berichtet. The Zone of Interest ist darin sehr bemüht, diesen Umstand herauszustellen, es gelingt ihm aber nicht. Es gelingt ihm kaum eine Parallele zur Gegenwart zu schaffen, wodurch der Film in seinem grundsätzlichen Vorhaben einfach nur als gescheitert betrachtet werden kann. Denn obwohl es das wahre Böse laut der genannten These nicht gibt, funktioniert eine Vermenschlichung der Nazis vor dem Hintergrund solcher Gräueltaten nicht. Es fällt schwer, daß einfach nur maschinell zu betrachten und als vermeintlichen Prozess einer Wirtschaft. Vielleicht ist das wiederum ein ganz persönliches Problem.

Nun kann man natürlich darüber streiten, ob es einen Unterschied machte, The Zone of Interest zu nüchtern oder zu wenig nüchtern zu betrachten. Tatsächlich funktioniert das Werk rein nüchtern betrachtet auch erstaunlich gut. Denn immerhin steht es konträr zu dem, was in Hollywood ja vor allem passiert. Es ist kein Kitsch, es ist nicht emotionalisiert, sondern nüchtern. Ob man durch eine solche Antithese aber wirklich einen intelligenten Diskurs schafft, oder dergleichen, sei mal dahingestellt. Tatsächlich sind da die Parallelen zur Gegenwart schon aufschlussreicher. Und ja, es ist ein ganz seltener Fall, den dieser Film hier darstellt. Denn de facto ist es kein schlechter Film, aber es ist ein Film, für den man einen ganz klaren und nüchternen Zugang braucht. Und insofern ist meine Meinung hier nebensächlich und vielleicht gefärbter, denn je. Es ist einfach nicht mein Film und leiden kann ich ihn auch nicht wirklich. Denn er liefert mir keinen Zugang, keine Erkenntnis und auch ansonsten nichts, an das ich mich klammern kann.

Kaum ein Film und dessen Bewertung waren jemals so persönlich, wie es The Zone of Interest ist. Es ist ein Film, der einen kaltlässt und damit entlarvt, oder der einen zum Nachdenken anregt. Irgendwie fragt man sich dann aber doch, ob das Experiment hier nicht nur einfach ein Experiment bleibt. Denn wirklich gefallen kann er nicht.

The Zone of Interest Bewertung
Bewertung des Films
510

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