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Violent Night

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Violent Night Kritik

Violent Night Kritik

Violent Night Kritik
0 Kommentare - 09.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Violent Night" ist.
Violent Night

Bewertung: 3.5 / 5

An Heiligabend wird die wohlhabende Familie Lightstone von einer Truppe Söldnern um den selbsternannten Scrooge (John Leguizamo) überfallen. Ihr Ziel ist es, den Tresor der Familie zu plündern. Unterdessen gelangt der echte Weihnachtsmann (David Harbour) ebenfalls in das Haus und wollte eigentlich nur Geschenke abliefern. Zunächst möchte er sich aus den Streitigkeiten raushalten, doch die kleine Trudy Lighstone (Leah Brady) erweicht sein Herz und er versucht die Familie zu retten.

Die Mystik des Weihnachtsmanns, einem von der The Coca-Cola Company in aller Munde gebrachten Figur moderner Folklore, ist immer mit Magie verbunden. Damit das Unmögliche zu schaffen und damit die einfachsten Dinge im Leben zu brauchen, um glücklich zu sein. Auch im Kino findet der Weihnachtsmann seit jeher seinen Platz. Seien es Werk aus längst vergangene Tagen wie Das Wunder von Manhattan (1947) oder auch modernere Werke wie Santa Clause – Eine schöne Bescherung (1994). Dieser Weihnachtsmann entspricht einer neueren Tradition, die sich in einem Zynismus, einem wohlgemerkt berechtigten Zynismus über die Wandlung und Bedeutung des Weihnachtsfests hingibt. Und so sind es ganz unglückliche Umstände, wie der Weihnachtsmann hier in eine Orgie von Blut und Gewalt verstrickt wird, aus welcher gleichsam auch zu Beginn etwas anmutet, was man verdauen muss. Denn dieser Film, der sarkastisch wie zynisch über die Bedeutung von Weihnachten sinniert, bietet zu Beginn eine Art Humor, der nun wirklich aus der Zeit gefallen scheint und an dem man auch keinen Gefallen finden kann. Retraumatisierend wirkt es, wenn Santa aus seinem Schlitten auf eine Frau kotzt und sofort fühlt man sich zurückerinnert an grauenhafte Machwerke der Wayans-Geschwister wie etwa Scary Movie (2000). Gerade zu Beginn braucht Violent Night auch etwas, um überhaupt in Fahrt zu kommen. Denn die Etablierung, der doch großen Sippschaft der Lightstone-Familie ist mühselig.

Trailer zu Violent Night

Ebenso ist das der stellenweise erbärmliche Kitsch, mit dem Regisseur Tommy Wirkola irgendwie nicht recht weiß umzugehen. Denn tatsächlich bekommt man den Eindruck vermittelt, daß das eigentlich ironisch gemeint sein sollte, doch kommt es nie zu einer Brechung der Ironie. Die zerstörte Beziehung von Jason Lightstone und Linda Matthews wird dann zu einem Kernthema der Geschichte. Natürlich müssen sie wieder zusammenkommen, wie es sich eben Töchterchen Trudy wünscht, weil sonst ja echt alles doof ist. Nun muss man zugeben, daß dieser konservative Familienkitsch zumindest im starken Kontrast zum Konsum von Weihnachten gestellt wird. Dennoch wäre hier ein differenzierterer Blick und vielleicht sogar die ein oder andere ironische Brechung durch Gewalt sinnvoll gewesen, um dann als ach so brachialer und rebellischer Film am Ende des Tages auch glaubwürdig zu sein. Daß ist so alles schon ganz in Ordnung. Schließlich werden Mami und vor allem Papi ja als Menschen in Szene gesetzt, denen nicht besonders viel an Geld liegt. Nun kann man Geld aber auch nur verachten, wenn man je welches hatte. Ups, wieder der Zyniker in mir. Ja, daß will man eigentlich nicht und grundsätzlich hat Violent Night ja recht damit und die Botschaft funktioniert auch. Gerade wenn man diese Kreise kennt, in denen sich die Familie Lightstone bewegt, wie die Menschen dort ticken, dann ist das zwar satirisch überspitzt, allerdings traut man sich das auch nicht zu laut auszusprechen. Schließlich hat Corona ja bewiesen, daß der Habitus einiger Superreicher und Prominenter durchaus ins Simple und absolut minderbemittelte abdriften kann. Insofern geschenkt.

Viel interessanter ist der klare, offenliegende Zynismus von Santa selbst. Seine Darstellung hier, die perfekt von David Harbour in einem Alltagstrottel mündet, ist wohl die Antwort auf jede Weihnachtswerbung von Amazon, Coca-Cola und derlei Firmen. Die Motivation, dieser Figur ist eigentlich nicht mehr gegeben, weil sein Job nur noch aus der Konsumbefriedigung unzähliger Menschen besteht. Alle wünschen sie sich Kommerz und verstehen nicht, was Weihnachten bedeutet. Das führt ihn so tief an die nächste und wieder nächste Flasche, daß er kaum noch laufen kann. Harbour spielt das authentisch, weil man seiner Figur eben abkauft, daß sie schon etliche Jahre unterwegs ist. Santa Claus wird hier als Philanthrop verstanden, als waschechter Kommunist, der von einer profitgeilen Welt von den eigentlichen Belangen und der Bedeutung von Weihnachten entfernt wurde. Auch hier stolpert der Film so ein wenig über seine eigene Mythologie, weil nie ganz klar ist, inwiefern die Geburt Jesu überhaupt in dieses Konstrukt um Weihnachtsmann und Co. passt. Gleichsam ist es dann schon sehr unpraktisch, daß er gerade Menschen rettet, die zu den superreichen gehören und eigentlich aus ihren Fehlern nichts lernen. Mit Ausnahme natürlich derer, die sowieso schon nicht in diesen Kreis passen.

Insgesamt punktet der Film aber, indem er etliche Weihnachtsfilme zitiert. Von Stirb langsam (1988) über Schöne Bescherung (1989), bis hin zu Kevin – Allein zu Haus (1990) liefert Violent Night die ironische Abrechnung mit diesen Filmen. Insbesondere letzterer Film wird hier in einigen Momenten gar komplett rezitiert und greift wieder einmal die Frage auf, ob Kevins Umgang mit den Einbrechern wirklich noch lustig ist. Das ist ja eine ewige Debatte und Violent Night liefert dabei nicht nur die ironischerweise lustigsten Momente im Film, gleichsam sind sie auch unendlich brutal. Damit gelingt Wirkola etwas, was Chris Columbus einfach nicht gelingen wollte. Auch gelingt es dem Film, die Subkultur der Influencer relativ gekonnt aufs Korn zu nehmen. Klar ist das hier ausgedrücktes Klischee, doch wenn dieser narzisstische, völlig dämliche Sohn irgendeinen belanglosen Scheiß in sein Handy quatscht, dann fühlt man sich sehr an die Realität erinnert. Daß hier nicht die große Abrechnung mit unendlichen Toten in dieser Familie kommt, darf man ankreiden. Doch das zerstörte so ein wenig die Satire und ist vielleicht auch gar nicht der Punkt. Es geht nämlich nicht darum, Superreiche zu töten, sondern vorzuführen, wie banal, wie dekadent und wie narzisstisch diese Menschen teilweise sind. Klar trifft sowas auch nicht auf alle zu, doch in einer Welt, die immer häufiger Menschen heranzüchtet, die egozentrisch sind und von einem Staat in einen Wettbewerb geworfen und damit gegeneinander ausgespielt werden, trifft das wohl den Kern.

Mitunter weckt Violent Night böse Erinnerung an glücklicherweise tote Komik. Darüber hinaus ist der Film ein Zitatewerk, daß satirisch überspitzt die Feiertage aufgreift und persifliert. Vielleicht versinkt er dabei etwas zu sehr in Kitsch, doch kann er durch gutes Schauspiel, die ein oder andere Gewaltspitze und stellenweise gute Pointen darüber hinwegtrösten.

Violent Night Bewertung
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