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Wanted

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Wanted Kritik

Wanted Kritik

Wanted Kritik
1 Kommentar - 07.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Wanted" ist.

Bewertung: 3 / 5

Der Büroarbeiter Wesley Gibson (James McAvoy) ist von seinem Job und Privatleben genervt. An seinem Arbeitsplatz wird er gemobbt, sein Konto ist leer und auch seine Freundin betrügt ihn. Eines Tages lernt er in einer Apotheke die mysteriöse Fox (Angelina Jolie) kennen und muss direkt um sein Leben fürchten. Er erfährt, daß die Person, die hinter ihm her ist, auch einst seinen Vater ermordet hat. Fox führt Wesley zu Sloan (Morgan Freeman) einem Anführer einer geheimen Bruderschaft von Auftragsmördern. Dieser bietet Wesley an, zu einem Auftragsmörder ausgebildet zu werden.

Die umwerfende Idiotie, mit der ein wildfremder Mann sich einer sektuiden Gruppe anschließt, um seinem Alltag zu entkommen, Befehle von einem Webstuhl entgegennimmt und irgendwie schockiert wird, wenn er „die Wahrheit“ über jene Organisation erfährt, ist im Prinzip die gesamte Geschichte von Wanted. Und man kann gar nicht anders, als sich zu fragen, was der gesamte Unsinn eigentlich soll. Sicherlich hat das Medium Comic keinen besonders guten Ruf, weil man ja solche Geschichten dann eben aus jenen Werken erwartet. Und das ist aber nur die halbe Wahrheit, weil nämlich dieser Film, so sagt man zumindest, nur sehr lose auf dem Werk von Autor Mark Millar basiert. An der Stelle ist das aber auch nicht weiter wichtig, weil der Rufschaden ja schon entstanden ist und auch die breite Masse sich sicherlich nicht weiter damit befassen wird. Zumal ja auch immer noch die Möglichkeit im Raum steht, daß das Ursprungswerk auch nicht sonderlich intelligenter ist. Für eine Adaption eines Stoffes ist dieses Werk in seinen besten Momenten ein hanebüchener B-Movie, mit unterforderten A-List-Stars aus Hollywood und einer Menge Blödsinn, der sich auch im Skript wiederfindet. Das beginnt bei Kleinigkeiten, wie der Tagtraumphantasie Fox, die hier natürlich sexualisiert wird, um sich dem „Normalo-Typen“ Wesley hinzugeben. Dummerweise verpasst der Film es, der Figur irgendeine Form von Tiefe zu geben und so haben wohl auch die Drehbuchautoren hinter dem Film gemerkt, daß das für eine halbwegs funktionierende Liebesbeziehung nicht mehr gut genug ist.

Trailer zu Wanted

Es entsteht da noch lange keine so a-sexuelle Spannung, wie etwa zwischen Neo und Trinity in Matrix (1999), aber wenn man nach einer Definition für passiv suchte, dann würde man in Wanted fündig. Und das Werk von den Wachowski-Schwestern ist tatsächlich ein gutes Beispiel, um einige Aspekte vom Film näher zu beleuchten. So gibt es hier gut eingesetzte Zeitlupensequenzen, das Spiel mit der Physik und übercoole und unnahbare Kämpfer, die sich stilistisch sehr stark an dem 1999er Klassiker orientieren. Nun ist das an der Stelle noch lange nicht so grotesk, wie in jenem Werk, weil Wanted von Anfang bis Ende eigentlich B-Movie-Ware ist und keinen Hehl daraus macht, daß dem so ist. Natürlich wird die Hauptfigur eben durch schicksalhafte Ereignisse an die Geschichte gebunden, weil es wieder um die Väter geht. Väter hier, Väter da. Ob da Therapeuten noch durchblicken, bleibt natürlich abzuwarten und derweil kitzelt der Film schon ein gewisses Interesse an seinem Dasein heraus, weil er eben in eine ganz andere Form von Blockbuster-Kategorie passt, wie man sie Jahre später kaum mehr kannte. Das große Glück hier liegt vor allem in den hirnrissigen und jedweden physikalischen Gesetzen sprengenden Actionsequenzen. So gelingt es Regisseur Timur Bekmambetov vor allem mit seinen Autoszenen dem Fast & Furious-Franchise Konkurrenz zu machen. So etwa, wenn Angelina Jolies Figur mit der Hauptfigur Wesley durch die Stadt fährt, oder auch, wenn ein Attentat ausgeführt werden soll, indem ein Auto einen Zeitlupensalto über ein anderes Auto macht. Das ist so herrlich blöd und in dieser Form fast schon einzigartig.

Allgemein spart der Film aber nicht an Brutalität, was dazu führt, daß einige Szenen eine besondere Intensität bekommen. Gerade wenn es um das Erstellen und Versorgen von Wunden geht, wird hier niemand geschont. So hat Wanted zwar das Problem, daß gerade die Ausbildungssequenzen um die Hauptfigur mit zu dem langweiligsten gehören, was das Werk zu bieten hat, und dennoch wird hier klar, daß man hier eine Vorlage von Mark Millar verfilmt. Der Autor, dessen Werke Kick-Ass, Nemesis oder auch The Secret Service sich unter anderem auch dadurch auszeichneten, daß sie eine vermeintlich überstilisierte Brutalität zu sich haben. Nun gelingt es Millar aber nie wirklich, den schmalen Grat zwischen comichafter Gewalt à la Quentin Tarantino und ernsthafter Brutalität zu meistern. Dafür fehlt es auch Wanted eben zu oft an ironischen Brechungen. Denn dieser Film will vor allem eines, nämlich seine eigene Geschichte in einer unendlichen Schwere verstanden wissen. Das bedeutet dann Pathos über Pathos. Und das verwundert an den meisten Stellen auch so, weil die Musik von Danny Elfman hier genau das suggeriert, während die Schauspieler allesamt eigentlich nicht sonderlich ausdrucksstark im Gedächtnis verbleiben. So ist Angelina Jolie absolut blass und auch die voyeuristische Nacktszene ändert daran bei weitem nichts. James McAvoy versucht sein bestes, seine Figur wie einen Unsympathen mit Kannten zu verkörpern, doch das dafür gegebene Drehbuch gibt ihm auch nicht viel. Morgan Freeman verkörpert eben Morgan Freeman. Terence Stamp und Common wandern auch noch durchs Bild und der heimliche Star ist eigentlich Thomas Kretschmann.

Seine Figur ist tatsächlich durch sein kerniges Auftreten und auch die Tatsache, daß der Zuschauer abseits dem Fakt, daß die Figur böse ist, eine Weile lang nichts weiter über jene erfährt. Das mündet zwar nicht in einer bahnbrechenden Wendung, ist aber im Hinblick auf das Schauspiel von Kretschmann durchaus unterhaltsam. Ganz seicht versucht Wanted derweil auch sozialkritische und gesellschaftlich übergreifende Themen der Überwachung und des Voyeurismus des normalen Individuums aufzugreifen. Nun befindet sich die Menschheit Jahre später an einem ganz anderen Punkt, doch wird deutlich, daß das nicht so angenehm ist, wenn etwa der eigene Vater den Sohn die ganze Zeit überwacht und auch beim Geschlechtsakt nicht wegsehen kann. Klar macht der Film das nicht so explizit, aber die Möglichkeit zu diesen teils sehr merkwürdigen Verbindungen einer Familie sind deutlich. Auch ist klar, daß das normale Leben der Hauptfigur hier nichts mehr zu bieten hat. So hat er einen Job, bei einer Chefin, die er hasst. Er hat eine Freundin, die mit seinem besten Freund schläft und Geld ist auch nie genug da. Die Sozialkritik schreibt sich somit eigentlich von selbst, ist aber de facto auch regelrecht stümperhaft, weil die Systemtische Kritik darin mündet, daß ein trostloses Leben nur darin münden kann, sich einer seltsamen Sekte anschließen. Der Film ist in seinen meisten Momenten auf in einer Tatsächlichkeit aber ohnehin nicht zu greifen und ohne einen ironischen Blick auf diesen Film, kann es nicht gehen. Daher wäre das Werk für all diejenigen, die es ernst nehmen, auch vermutlich entlarvend, während andere sich entweder ärgern würden, oder in großes Gelächter ausbrächen.

Im Hinblick auf das eigentliche Gimmick des Films, nämlich das seltsam anmutende schießen mit Pistolen, muss man sagen, daß es einfach nicht zünden will. Weder als Schauwert, noch als Konzept. Es sieht ziemlich absurd aus, wenn Wesley seine Pistolen zur Seite hält, um einen Treffer zu laden. Doch seis drum. Viel interessanter ist ja, wie sich ein alles überwachender Webstuhl um die Gefahren der Menschheit sorgt. Etwas unwirsch hingegen streut der Film noch eine Geschichte um eine gescheitere Beziehung hinein, in der sich die Freundin von Wesley mit seinem besten Freund begnügt. Nun soll das vermutlich als Auslöser für den Anschluß an eine Sekte dienen, ist aber vom Film aber auch nicht sonderlich gut aufgefangen und wirkt mit seinen mehrmaligen Einspielern im Film eher wie ein schlecht konstruierter Subplot.

Ehrlich, was verpasst hat man nicht, wenn man Wanted nicht gesehen hat. Die Sozialkritik ist zu einfach konstruiert und auch nicht sonderlich neu. Davon abgesehen macht das Werk aber vor allem dann Spaß, wenn man sich dem wirklich sinnlosen Treiben um einen alten Kult hingebt, weil daraus sehr seltsame Wertvorstellungen, die auch im Gesamtwerk total albern gezeichnet werden, hervorkommen und mitsamt der ebenso absurden Action gekonnt über die inhaltliche Schwäche hinwegtrösten können.

Wanted Bewertung
Bewertung des Films
610

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landtoday : : Moviejones-Fan
11.12.2022 02:43 Uhr
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