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Zwei An Einem Tag

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Besser nie als spät

Zwei An Einem Tag Kritik

Zwei An Einem Tag Kritik
0 Kommentare - 29.10.2011 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).

Bewertung: 3 / 5

Sie hätten fast miteinander geschlafen, damals am 15. Juli 1988. Aber eben nur fast. Emma und Dexter feierten ihren Abschluss am Edinburgh College, doch irgendwie klappte es nicht mit Lust und Leidenschaft. Aus der verhinderten Affäre entwickelte sich eine Freundschaft, die von Regisseurin Lone Scherfig fast 20 Jahre lang immer am 15. Juli auf den Prüfstand gestellt wird. Vielleicht wird ja doch noch mehr aus der grauen Büchermaus und dem smarten Schönling. Die Dänin machte aus David Nicholls' Bestseller Zwei An Einem Tag eine romantische Komödie mit pfiffigen Dialogen, die allerdings unter der fehlenden Chemie zwischen den Hauptdarstellern und einem rigiden Erzählkonzept leidet.

Anne Hathaway und Jim Sturgess spielen Emma und Dexter, die sich nicht entscheiden können, ob ihre Beziehung nur Freundschaft ist oder doch so etwas wie Liebe. Im Laufe der Jahre entfernen sie sich voneinander und kommen sich wieder näher. Sie verstehen sich mal blendend, mal sind sie sich völlig fremd. Sie sind intime Fremde, weil sie damals in Edinburgh zwar zusammen einschliefen, aber vorher und nachher keinen Sex hatten. Obwohl sie es gerne gewollt hätten. Dexter, weil er nichts anbrennen lässt, und Emma, weil sie Dexter schon immer heimlich anhimmelte. Doch der ist auf diesem Auge blind.

Zwei An Einem Tag ist die Geschichte eines Reifeprozesses in mehreren Stationen und eine Romanze, die vielleicht gar keine Romanze wird. Weil Emma und Dexter immer auf der Suche nach sich selbst sind und nie wissen, wen sie finden. Das wird vor allem von Jim Sturgess unheimlich glaubwürdig dargestellt. Der 30-jährige Londoner spielt sich geradezu in einen Rausch: Sein Dexter ist vielschichtig, unvorhersehbar, ein Ekel zwar, aber ein verletzliches, das keine Sympathien, aber Interesse weckt - und den Film an sich reißt.

Anne Hathaway steht daneben als Emma auf reichlich verlorenem Posten und bleibt blass. Das größte Problem dabei: Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt nicht, es fliegen keine Funken. Dadurch wird Zwei An Einem Tag zu einer recht frostigen Romcom, der die großen Gefühle fehlen.

Auch das interessante Konzept, mit dem David Nicholls in seinem Roman die Beziehung der beiden beschrieb, funktioniert im Film nicht. Der britische Autor, der auch das Drehbuch für den Film verantwortete, lässt Emma und Dexter jedes Jahr am gleichen Tag aufeinandertreffen. Wenn nicht die Jahreszahl eingeblendet und ein passender Popsong gespielt werden würde - man wäre verloren in Zeit und Raum, weil sich der Fokus ständig verschiebt.

Mal steht Dexter im Mittelpunkt, wie er Karriere als hyperaktiver TV-Moderator macht und sich mit Koks, Alkohol und ständigen Affären immer weiter von sich selbst entfernt. Dann wieder geht es um Emma, die Angst vor dem Glück hat, weil sie glaubt, es nur mit Dexter erleben zu können. Sie flüchtet sich - erst in Ironie, dann in eine Beziehung mit einem Komiker, der nicht lustig ist.

Immerhin funktioniert Zwei An Einem Tag als schickes Porträt der 90er- und frühen Nullerjahre und als Geschichte von Dexter, der sich einer immer rasanter und oberflächlicher werdenden Zeit anzupassen versucht. Emma hingegen bleibt nebensächlich, und ob die beiden irgendwann zusammen kommen und glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben, ist ziemlich egal. Was am Ende bleibt, sind ein paar Poesiealbumseinträge: Man solle doch bitteschön seine Chancen nutzen, bevor es zu spät ist. Die Liebe wohnt oft nebenan. Und: Auch Gänseblümchen können hübsch sein.

Zwei An Einem Tag bekommt 3 von 5 Hüten.


(Quelle: teleschau - der mediendienst | Andreas Fischer)

Zwei An Einem Tag Bewertung
Bewertung des Films
610

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