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The Accountant

Starker Dämpfer durch wirres Ende

The Accountant Kritik

3 Kommentar(e) - 10.11.2016 von luhp92
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von luhp92.
Filmkritik

The Accountant Bewertung: 3/5

Ich weiß gerade ehrlich gesagt nicht, wo ich diesen Kommentar am besten posten soll, um den Gesamteindruck größtmöglich zu erweitern. Hier? Im Zuletzt gesehen Thread? Unter den Kritiken von Moviejones, ZSSnake oder eli4s? Die Diskussionen zu "The Accountant" hier im Forum haben so viele Baustellen, wie der eigentliche Film selbst. Meine Meinung deckt sich mit jener von sid und positioniert sich zwischen der von Moviejones/ZSSnake und von eli4s. Daher werde ich jetzt auch nicht allzu viel schreiben, denn das meiste wurde schon gesagt.
Edit: "Nicht allzu viel schreiben"... welch Ironie! :D

Trailer zu The Accountant
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In den ersten 80-90 Minuten ist "The Accountant" eine ruhig und spannend erzählte Mischung aus Autismusdrama und Finanz-/Rachethriller mit dezent eingesetzten, aber brachialen Actionszenen. Wenn Krankheiten von der Gesellschaft bzw. den eigenen Eltern nicht ernstgenommen und stattdessen mit reaktionären "Heilmethoden" therapiert werden, sollte man sich nicht wundern, dass die entsprechenden Personen irgendwann auf die schiefe Bahn geraten. Der Autist Christian Wolff verfügt über eine mathematisch-analytische Inselbegabung und kennt sich mit Buchhaltung ebenso gut aus wie mit Waffen und Kampfkünsten. Er versteht keine Ironie, keinen Sarkasmus, hat Empathieprobleme und kann keine langfristigen Beziehungen zu Menschen aufbauen, auch wenn er es gerne würde. Ben Affleck wurde diese Rolle quasi auf den Leib geschrieben, mit seinem stoischen Spiel und seinen Anflügen eines Lächelns brilliert er in der Rolle und wirkt vollkommen glaubwürdig. Das Drehbuch vermag es sogar, aus der Autismus-Thematik mehrere schwarzhumorige Witze herauszukitzeln.

Seine Filmpartnerin wurde mit der liebenswürdigen Anna Kendrick besetzt, die zu Beginn noch verwirrt auf Wolffs Autismusstörung reagiert, schließlich aber einen Seelenverwandten in ihm entdeckt. Mit so viel emotionaler Nähe ist Wolff zwar überfordert, nichtsdestotrotz entschließt er sich dazu, sein Leben und seine Sicherheit für sie aufs Spiel zu setzen. Bedroht werden die beiden vom redegewandten und eiskalten Auftragskiller Jon Bernthal, den ich am liebsten sofort in das DCEU importieren würde, was ich dank seiner MCU-Beteiligung aber leider vergessen kann. In weiteren Nebenrollen sehen wir J.K. Simmons als Steuerfahnder des Finanzministeriums auf der Suche nach Wolff und John Lithgow als Boss der Firma, deren Finanzen von Wolff überprüft werden. Dieser unterliegt einem Drang nach abgeschlossenen Aufgaben, welcher hier hart auf die Probe gestellt wird, und Wolff zum Äußersten treibt.

  • "Und Sie sind Buchhalter?"
  • "Halbtags."

Wie oben erwähnt, folgt die Handlung in den ersten 80-90 Minuten einem ruhigen Erzählstil. An manchen Stellen werden Flashbacks zur Beleuchtung von Wolffs Charakter eingefügt, dies geschieht aber sinnvoll und nachvollziehbar, das Gesamtbild der Handlung bleibt stringent. Was dem perfekten Filmerlebnis jetzt noch fehlt, ist eine Auflösung, die alle offenen Handlungsstränge miteinander verknüpft. Nun, diese Auflösung entpuppt sich meiner Meinung nach als totales Fiasko. Innerhalb kürzester Zeit hetzt Regisseur O´Connor durch die Handlungsgegenwart und mehrere Flashbacks, erzählt irgendetwas über Geldveruntreuung, Aktien, Börsenspekulationen, einem Typen im Gefängnis, der Mafia und einer Schlägerei auf einer Beerdigung. Mein Kopf schwirrte danach voller Fragezeichen und ich hatte überhaupt keine Ahnung mehr, was hier überhaupt Sache war. Mit Hilfe des Wikipedia-Artikels konnte ich Vieles davon mittlerweile aufdröseln, Manches ergibt für mich aber weiterhin keinen Sinn oder wird nur unzureichend erklärt. Des Weiteren endet der finale Showdown wie finde ich in einem ziemlich platten Twist (so much Drama!) und auch der Handlungsstrang über J.K. Simmons Finanzagent bleibt auf unbefriedigende Weise unvollständig.

Natürlich möchte ich "The Accountant" niemandem mies machen und ich würde ihn tatsächlich auch weiterempfehlen, aber für mich erhalten die hervorragenden ersten 80-90 Minuten (9-10/10 Punkten) zumindest nach der Erstsichtung einen gehörigen Dämpfer. Durch einen besseren Schnitt bzw. durch eine klügere Anordnung der Flashbackszenen hätte O´Connor die Handlung bedeutend verständlicher gestalten können. Aufgrunddessen ergibt sich schließlich eine Gesamtbewertung von 6-6,5/10 Punkten.

P.S.: Hier als Spoiler markiert die Fragen, welche ich mir nach dem Film immer noch stelle:

  1. Warum wird Wolff überhaupt für die Finanzkontrolle engagiert, wenn der Finanzbetrug doch gar nicht auffallen soll?
  2. In welcher genauen Beziehung stehen Wolff und Simmons Finanzagent King zueinander? Warum lässt Wolff dem Agenten Informationen über seine Arbeit zukommen?
  3. Warum enthält King seiner Mitarbeiterin Medina bewusst Informationen über Wolff vor? Die Audiodatei über den Gambinomord muss sie sich ja von ihren alten Kollegen besorgen.
  4. Was hat es mit diesem Finanztypen auf sich, den Jon Bernthal zu Beginn erpresst?


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The Accountant Bewertung
Bewertung des Films
610
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3 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 10.11.2016 | 15:34 Uhr10.11.2016 | Kontakt
Jonesi

Allein das was du da entwirrt hast, hätte auch einen eigenen und vermutlich besseren Film abgegeben. Viel zu viel und zu kompliziert, vor allem weil das ja fast alles nur Backstory ist.


Nichtsdestotrotz danke auch für deinen Kommentar an anderer Stelle. Der ein oder andere Punkt macht jetzt etwas mehr Sinn! smile

luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 10.11.2016 | 14:54 Uhr10.11.2016 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2016 14:59 Uhr editiert.

Natürlich ist das Lesen eines Wikipediaartikels zum Verständnis der Handlung nicht Sinn der Sache und es macht aus "The Accountant" auch keinen besseren Film, aber ich finde es nahezu unerträglich, etwas in einem Film nicht verstanden zu haben. Ich musste den Artikel einfach lesen, um ein besseres Bild von der Handlung zu bekommen.


Zu den Fragen:
2. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist mir Folgendes klar geworden.

Affleck landet im Gefängnis, nachdem er auf der Beerdigung seiner Mutter eine Schlägerei angefangen hat. Im Gefängnis freundet er sich mit einem Mitglied der Gambino-Mafiafamilie an, welches dem FBI Informationen über die Mafia zukommen lässt. Simmons macht als Agent einen schlechten Job, lässt das Mafiamitglied frei, welches dann von den Mafiosi zu Tode gefoltert wird. Von Schuld zerfressen lässt Simmons das/ein Quartier (?) der Mafia überwachen. Affleck ist wütend wegen des Todes seines Freundes, bricht aus dem Gefängnis aus und tötet die Mafiosi in dem Quartier (die erste Szene des Films). Danach stößt Simmons zur Szenerie und wird von Affleck wegen seiner Vaterrolle verschont, dies hilft ihm aus seiner Schuld/Sinnkrise.
Affleck geht seinem Beruf als Buchhalter der Kriminellen nach und lässt Simmons unter dem Namen "The Accountant" Informationen über diese Kriminellen zukommen. Wahrscheinlich, weil er Simmons wegen seiner Vaterrolle respektiert und ihm wieder zu einem guten Agentenstatus verhelfen will. Mit den Informationen kann Simmons die Kriminellen dingfest machen. Kurz vor seiner Pension möchte Simmons wenigstens noch herausfinden, welcher Mensch sich hinter dem "Accountant" verbirgt. Dafür engagiert und erpresst er die neue Analytikerin Melinda. Ob Simmons Affleck gefangennehmen, ihn als eine Art Undercover-Agent einsetzen oder ihn nur kennenlernen will, kann ich nicht sagen. In der Endszene übernimmt jedenfalls Melinda die Aufgabe von Simmons und lässt sich von Affleck Informationen über die Kriminellen zukommen.


Den Plot über die Drogen und Waffen fand ich eigentlich ziemlich interessant. Hier wird vielleicht etwas überspitzt gezeigt, wie Menschen auf die schiefe Bahn geraten können, deren Krankheiten von der Gesellschaft oder der eigenen Familie nicht ernstgenommen werden. Nach den reaktionären Heilmethoden, die der Vater für richtig hält, ist es für mich kein Wunder, dass Affleck zu dem Menschen wurde, den wir hier sehen. Ich füge das mal in die Kritik ein.
Nichtsdestotrotz hätte man manche Szenen zum besseren Verständnis anders anordnen sollen. Der Simmons-Subplot hat letztendlich zwar nur die Aufgabe, Afflecks Charakter greifbarer zu machen, als solcher kann er aber sehr gut funktionieren. Zumindest dann, wenn er nicht so verwirrend in die Haupthandlung eingearbeitet worden wäre.

Bloodraven: "That face you make... look I so old to young eyes?"
Bran: "No. Of course not."
Bloodraven: "I do. Yes, I do. When 900 years old you reach, look as good you will not, hmm?"

eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 10.11.2016 | 12:32 Uhr10.11.2016 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2016 12:47 Uhr editiert.

Ich kann viele deiner Punkte nachvollziehen, auch wenn ich eben meine, dass das strukturelle Disaster sich komplett durchzieht und nicht auf die letzten Minuten beschränkt. Fängt schon damit an, dass die erste Szene als Hook verwendet wird, obwohl sie eigentlich nur Teil einer Nebenhandlung ist, die nie wirklich mit der Haupthandlung zusammenkommt.

Dieselben Fragen und weitere hatte ich mir wie unter der Moviejoneskritik noch zu lesen, selbst auch gestellt. Klar, könnte man jetzt einen Wikipediaartikel raussuchen, um die ein oder andere Antwort zusammenzukramen, aber das ist ja nicht Sinn und Zweck des Kinobesuchs.

Kurz zu deinen verbliebenen:

1. Keine Ahnung
2. So genau habe ich es nicht verstanden, weil wohl doch auch irgendwie ein Austausch stattfindet. Zentral dabei war für mich eigentlich das eine persönliche Aufeinandertreffen, als Affleck Simmons verschont, was ihm aus irgendeiner Sinnkrise geholfen hat - soweit ich das richtig interpretiere. Im Grunde nur die Backstory dazu, warum er (Simmons) heute das macht, was er macht. (Nämlich nichts wichtiges für die Handlung...)
3. Kann mich nicht erinnern. Weißt nicht. Vielleicht, damit sie mehr Screentime hat...
4. Weiß nicht...


Das ist ja auch mein Hauptargument: man wusste nicht, was für eine Geschichte man erzählt und hat so Unmengen an Szenen irgendwie zusammengeheftet ohne noch einen Überblick zu haben, ob und wie das alles zusammenhängt. Dazu will ich, auch gar nicht mehr viel sagen, da es an anderer Stelle ausführlicher nachzulesen ist...


Was ich noch sagen wollte: da sind Elemente für einen guten Film in diesem Chaos.
Wenn ich den Film gemacht hätte, hätte ich den J.K. Simmons Subplot, sowie alles mit Drogen, Waffen und Militär rausgenommen.
Einfach die Geschichte eines sozial unbeholfenen Buchhalters, der doch noch eine Beziehung zu einem Menschen (Kendrick) aufbaut, vor dem Hintergrund eines Familiendramas, in dem Vater und Mutter mit der Autismusstörung ihres Kindes nicht klarkommen und ihren Konflikt vor den Augen des Kindes austragen (Ehekrise, häusliche Gewalt und so weiter...). Das hätte für mich für eine Story ausgereicht, eine weit interessantere und vor allem glaubhaftere Story.