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The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit

Der Sklaverei ein Ende!

The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit Kritik

2 Kommentar(e) - 23.01.2017 von Moviejones
Filmkritik

Bewertung: 3.5/5

Filme über die Sklaverei in den USA gibt es viele und selbst wenn das Thema nur eine Randnotiz wie in Vom Winde verweht ist, versetzt es jedem empathischen Menschen einen Stich. The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit reiht sich in die lange Filmhistorie des Themas ein, frisch nach dem 2014 dotierten 12 Years a Slave und zuletzt Free State of Jones mit Matthew McConaughey. Ein intensiver Film, ein Film, der die Bürde der Sklaven und die Auswirkungen des Aufstands aus dem Jahr 1831 drastisch wiedergibt. Eine weitere Nadel in einer offenen Wunde.

The Birth of a Nation Kritik

Nat Turner (Nate Parker) lebt als Sklave mit seiner Mutter, Großmutter und vielen anderen Schwarzen auf einer Südstaatenplantage. Der Zufall ermöglicht es ihm, als Junge das Lesen zu erlernen und im gleichen Atemzug wird er von der weißen Obrigkeit als tiefgläubiger Christ erzogen. Viele Jahre später predigt er unter der Aufsicht seines Herrn (Armie Hammer) auf angrenzenden Plantagen, vordergründig um nach dem Wunsch der Besitzer den Glauben der Sklaven an die gottgewollte Vormacht zu festigen. Was er dort sieht und in seinem eigenen Leben erleiden muss, gipfelt Anfang 1831 in einer offenen Revolte, die den Beginn einer neuen Ära kennzeichnen soll...

Wer sich ein bisschen mit der nordamerikanischen Geschichte auskennt, weiß, dass 1831 keine neue Nation aus der Taufe gehoben wurde und auch Sklaven noch viele Jahre lang als Entrechtete ihr Leben in den Südstaaten fristen mussten. Erst nach dem Ende des Sezessionskrieges im Jahr 1865 wurde die Sklaverei abgeschafft und dahingehend wirkt The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit wie ein dramatischer Weckruf, dem noch Jahrzehnte des Leids folgen sollten, der aber den unbändigen Wunsch der Sklaven wiederspiegelt, ihrem unmenschlichen Los zu entkommen.

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Der Film ist ein biografisches Drama über Turner, der die Sklaven befreien und als Christ Gottes Wort in die Welt tragen wollte. Nate Parker spielt die Hauptrolle mit der nötigen Empfindsamkeit und Innbrunst und ist sowohl als Prediger als auch Rädelsführer mit der Rolle verwachsen. Armie Hammer sieht man als strengen Herrn, der aber auch menschliche Züge zeigt, bei dem man beim Zuschauen zwischen Wohlwollen ("die Zeiten waren halt so") und Unverständnis pendelt. Die weiteren Nebenrollen sind mit Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley, Aja Naomi King und vielen anderen eindrucksvollen Gesichtern besetzt, so dass die Ära wirklich greifbar wird.

Wer 2004 die Stimmen zu Die Passion Christi mitbekommen hat, wird sich an einige Aufschreie erinnern, wie grausam doch der Bußgang von Gibson dargestellt wurde. Wir waren in Jerusalem nicht dabei, aber es ist anzunehmen, dass Jesus nicht beschwingt zur Stadtmauer gepilgert ist, sondern wirklich leiden musste. Und so nimmt auch The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit keine Rücksicht auf Zartbesaitete (die hiermit ausdrücklich gewarnt sind), denn der Film beschönigt weder Strafen noch Folter noch Hinrichtungsmethoden. Und das ist bei aller traurigen Erkenntnis ein wichtiger Aspekt, denn wie der Mensch mit dem Menschen umgeht, ist zutiefst beschämend.

Man mag sich über Sinn und Unsinn des Aufstands von Nat Turner und seiner Gefolgsleute streiten, doch im Nachhinein, besonders im gemütlichen Fauteuil ist es einfach zu werten. Eventuell war den Menschen die Aussicht ihrer Revolution im Kleinen bewusst, eventuell glaubten sie tatsächlich daran, im Jahr 1831 eine neue Epoche zu begründen. Die weiße Obrigkeit schlicht niederzumetzeln und eine ebenso blutige Rache der Überlegenen zu provozieren, wirkt unüberlegt und planlos, doch man kann sich den Leidensdruck nur annähernd ausmalen, den ein Mensch erlebt haben muss, der von heute auf morgen von einer friedfertigen Person zu einer rachsuchenden mutiert. Und so macht es der Film richtig: Das Zuschauen muss wehtun.

Alles in allem berührt The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit und schockiert in vielen Momenten. Viel Zeit der insgesamt ca. zwei Stunden wird für Nats Genese aufgewendet und viel Zeit nimmt sich der Film ebenfalls für die ihm nahestehenden Personen. Es ist fast etwas schade, dass gerade Hammers Rolle und so manche Mitstreiter zu wenig in ihrem Antrieb ausgearbeitet worden sind, doch eventuell wollte man so wenig spekulieren wie möglich und nah an der Realität bleiben. Inwiefern das gelungen ist, überlassen wir gerne den Historikern.



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The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit Bewertung
Bewertung des Films
710
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2 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
MobyDick
Moviejones-Fan
16.03.2017 | 12:36 Uhr16.03.2017 | Kontakt
Jonesi

Gehört hier vielleicht nicht in den Raum, daher bitte mit Vorsicht geniessen, aber ich denke, man sollte in diesem Kontext etwas zum Hintergrund des Films schreiben und warum der Film in den USA so sang- und klanglos untergegangen ist, obwohl im Vorfeld als heisser Oscar-Kandidat gehandelt:

Eine Schlüsselszene des Films ist wohl, dass eine Hauptfigur vergewaltigt wird und dies den Protagonisten dann umso entschlossener macht. In der Realität hat der Regisseur vor etwa 15 Jahren mit einem Vergewaltigungsvorwurf zu tun gehabt, welche zwar fallen gelassen wurde, wohl auch weil dem vermeintlichen Opfer häufiger Wechsel der Geschlechtspartner unterstellt wurde. Das Opfer hat dann vor ein paar Jahren Selbstmord begangen. Nate Parkers Umgang mit dieser Situation ist nirgendwo in den USA gut angekommen...

Grundsätzlich sollte der Film sicherlich unabhängig von so einer Hintergrundgeschichte betrachtet werden, daher auch von meiner Seite kein Boykottaufruf des Films, den ich sicherlich auch mal sehen werde. Aber ich finde gerade im Hinblick der Konsequenzen von damals und dem Umgang des Regisseurs mit dem Sujet sollte man dies schon erwähnen, so dass jeder für sich selbst eine Entscheidung fällen kann, ob er den Film betrachtet oder nicht...

Dünyayi Kurtaran Adam
MisfitsFilms
Marki Mork
Geschlecht | 15.03.2017 | 17:22 Uhr15.03.2017 | Kontakt
Jonesi

Auch heute noch gibt es Ecken in den USA, in welchen Waschsalons getrennt von Weißen und Schwarzen ist. Schon witzig, wie ein Land gegen weltweiten Rassismus kämpft, den es selbst nicht in den Griff bekommt.

Der Film selbst ist klasse. Im Hinblick auf die heutige Zeit in den USA aber leider noch dramatisch trauriger als er es eh schon ist

Auf der öffentlichen Toilette hört Dich niemand schreien ....