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96 Hours

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96 Hours Kritik

96 Hours Kritik

96 Hours Kritik
0 Kommentare - 24.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "96 Hours" ist.

Bewertung: 3 / 5

Bryan Mills (Liam Neeson) führt ein schönes Leben. Als ehemaliger CIA-Agent ist er in den Ruhestand getreten und möchte nun mehr Zeit mit seiner jugendlichen Tochter Kim (Maggie Grace) verbringen. Diese ist im Begriff zusammen mit ihrer besten Freundin Amanda (Katie Cassidy) eine Europareise anzutreten. Bryan ist nur widerwillig einverstanden, weil er große Gefahr in der Welt sieht. Sein schlimmster Albtraum wird wahr, denn kurz nach ihrer Ankunft in Paris werden die beiden Mädchen von Mitgliedern des osteuropäischen Mädchenhändlerrings gekidnappt. Diese machen Mädchen zu Prostituierten. Kurzerhand macht sich Mills auf den Weg, seine Tochter zu retten.

Erinnert ihr euch noch daran? Die Tage, an denen Liam Neeson als Marke nicht indessen etabliert war, ein Actionheld zu sein, sondern ein seriöser Schauspieler? Es gibt einen Ursprung dieses Übels, wenngleich man natürlich über die Qualitäten dieser Actionfilme im Einzelnen urteilen muss, so muss man sich auch mit 96 Hours, trotz dessen, daß das Werk eine Art moderner Klassiker, oder Kultfilm geworden ist, rein filmisch damit beschäftigen, um dem Inhalt, nicht dem Status des Films gerecht zu werden. Und da fing tatsächlich mal alles relativ klein an. Mit einem Actionfilm, der eigentlich so aus der Hand der Skandinavier stammen könnte und für Frankreich, aber auch im direkten Vergleich mit den Staaten durchaus extrem hart daherkommt. Nun mag man von der Geschichte halten, was man möchte. Sie ist natürlich recht dünnhäutig und auch insgesamt hinterlässt 96 Hours eher den Eindruck, als wäre es ein sehr rasanter, aber nicht weitgehender Film in Sachen Inhalt. Viel zu bereden gibt es an der Stelle dennoch, wenngleich das Werk vielleicht nicht in allen Belangen etwas Positives hervorbringt, so muss man dem Film dennoch lassen, daß er diskutabel ist und damit als Kunstwerk schon ordentlich Zündstoff bietet. In seinen schwierigeren, ergo langweiligeren Momenten befasst sich 96 Hours mit einem banalen Plot und vor allem der Beginn, um die etablierte Familienstruktur hat doch etwas zu viel des Guten übrig. Ja, alle Frauen in diesem Film sind durchaus spannend, aber nicht im positiven Sinne.

Trailer zu 96 Hours

Nun ist es kein Geheimnis, daß Drehbuchautor Luc Besson ein kleines Frauenproblem hat. Wer daran Zweifel hegt, sollte sich unbedingt mal Das fünfte Element (1997) zu Gemüte führen, indem Besson seine pubertäre Honigbaumphantasie in Form der völlig naiven Leeloo in das Zentrum der Geschichte rückt. Hier gibt es ganze drei nicht unwesentliche Frauen, die für die Entstehung der Geschichte verantwortlich sind. Und alle drei, scheinen doch sehr problematisch, manche mehr und manche eben weniger. Fangen wir beim klischiertesten aller Klischees an, der nervigen Ex-Frau. Zu Beginn macht die Dame Leonore die üblichen Vorwürfe. Ihr Ex wäre nie zuhause gewesen, hätte sich nicht darum gekümmert, daß sie immer voller Angst war, weil er eben als Agent, oder was auch immer, keine Zeit für seine Familie hatte. Interessant an der Stelle ist, daß sie ihren Mann ja dann offensichtlich nur verlassen hat, weil sie Angst um ihn hatte, ergo er doch ein sehr guter Mann ist. Dann die Tochter, die gerne auf Reisen gehen würde und ihren Daddy dann anlügt, um doch ein wenig Spaß zu haben. Und zu guter Letzt, die junge Amanda, die sich an den erstbesten Typen schmeißt, denn sie mehr schlecht als recht zufällig am Flughafen trifft. All diese Ideen sind natürlich möglich. Es ist möglich, daß Menschen so sind. Doch das Problem ist ja noch nicht einmal nur, daß die Frauen hier eigentlich zu passiven und idiotischen Rollen degradiert werden, sondern auch das, daß der Film nur funktioniert, wenn man diese Art von Konstruktion der Geschichte von Anfang an in Kauf nimmt.

Eine globalisierte Welt, die noch dazu neben der strukturierten und in der vermeintlichen Echtheit stattfindende Vernetzung durch Handel und Transportwege stattfindet, findet ja auch seit einigen, wenigen Jahrzehnten eine ganz andere Form von Vernetzung. Nämlich das Neuland, in Form von Internet und derlei Dingen, indem man immer wieder an Informationen gelangt. Im Prinzip die Aufnahme von Informationen, so wie sie tatsächlich psychologisch abläuft, schon ironisch nahe an der Informationsaufnahme durch soziale Medien. Aber auch, ich schweife ab. Es ist aber wichtig in 96 Hours zunächst die moderne Welt aufzudröseln, weil das die Figur Bryan Mills so ein wenig erläutern kann. Mills ist ein Topagent, ein Mann, der im Krieg lebt, der von den Bedrohungen weiß, die die Welt hervorbringen kann und er steht eigentlich damit sinnbildlich, für das Internet oder die Globalisierung. Denn zum einen kennt er all diese Vorgänge der Gewalt, des Untergrundes und andere grauenhafte Dinge und auf der anderen Seite warnt er immer wieder davor, was passieren kann. Es spiegelt natürlich auch so ein wenig die vulnerable Zeit wider, in der wir uns im 21. Jahrhundert und im Westen sehr stark bewegen. Denn Menschen neigen heute aus unterschiedlichsten Gründen heraus, mehr psychische Krankheiten zu entwickeln, als noch vor fünfzig oder hundert Jahren. Die Gründe hierfür sind vielfältig und ich muss an der Stelle auch dazu sagen, daß es natürlich auch eine Frage der Diagnostik ist, die sich auch stark gewandelt hat und die eben gewisses Verhalten heute auch als krank definiert, wofür es vor fünfzig Jahren vielleicht noch kein Wort gab. Aber ja, Mills ist Repräsentant dieser Angst und damit spielt der Film eben auch gekonnt mit den Ängsten seiner Zuschauer, weil er diese natürlich auch durch die Entführung bestätigt.

Ein nicht unwesentliches Thema, vielleicht sogar das Kernthema des Films ist die Moral. Moral ist ein Konzept, ein Konstrukt, nach welchem der Mensch abwägt, welches Verhalten er von seinem Gegenüber erwartet und welches er selber von sich erwartet. Auch das führt zu psychischen Leiden, wenn die Erwartung nicht erfüllt wird. Aber wir schweifen wieder ab. In diesem Werk wird eine ganz eigene Form von Moral gezeichnet, nach welcher Folter und Mord legitim sind, um ein Leben zu retten. Niemand würde da widersprechen, zumindest nicht in den Bildern, die der Film präsentiert. Sobald man diese aber als Allegorien und Metaphern auf eine bestimmte höhere Ebene transportiert, nach welchem Figuren nur die Repräsentation gewisser Weltbilder sind, wird 96 Hours ein schwierigerer Film. Denn dann ist Rache ein die einzig logische Konsequenz und man darf zum Erhalt der Familie über jede Leiche gehen, die es gibt. Zugegeben, daß ist vielleicht ein bisschen zu viel für den Film, der in erster Linie warnen möchte. Doch es ist möglich, daß so zu lesen. Und dann wird der Film noch dazu knallhart. Zwar erreichen auch diese Actionsequenzen nicht das Level eines John Wick (2014), aber die Rohheit und Brutalität, die da gezeigt werden, sind zwar einerseits nicht schön anzusehen, auf der anderen Seite dann wiederum ehrlich und sie spielen eben gekonnt mit der Moral, wodurch sie auch herausfordernd sind.

Klar, ikonisch ist 96 Hours über die Jahre geworden. Das liegt vielleicht ein wenig an einem zu konstruierten Plot und gleichzeitig sorgt der Film für eine gewisse Härte, die man im amerikanischen Kino häufig vermisst. Ist ja auch in französisches Werk. Es ist mitunter sehr schweig sich das anzusehen und sorgt damit für eine gewisse Ehrlichkeit.

96 Hours Bewertung
Bewertung des Films
610

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