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Amerikanisches Idyll

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Der Film, von dem ich wünschte, dass ich ihn nie sah

Amerikanisches Idyll Kritik

Amerikanisches Idyll Kritik
9 Kommentare - 25.05.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Amerikanisches Idyll" ist.
Amerikanisches Idyll

Bewertung: 4 / 5

Ewan McGregor, den ich eigentlich immer ganz gerne sehe, übernimmt erstmals den Regieposten und inszeniert den mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman American Pastoral. Er spielt die Hauptrolle, zusammen mit Jennifer Connelly, in einem Film, der uns zwei Stunden lang vor Augen führt, dass man nicht unbedingt ein Schwein sein muss, um am Leben zu Grunde zu gehen. Die beiden spielen ein Ehepaar, das daran zu Grunde geht, dass sich ihre Tochter von ihnen entfremdet, sich radikalisiert, zur Terroristin wird und dann verschwindet. McGregor verdichtet die Handlung des Romans und streicht ganze Handlungsstränge oder Erklärungsansätze, nur um die Essenz der Handlung beizubehalten. Sicherlich blitzen hier wie da gewisse sozialkritische Elemente des Romans auf, doch all das kratzt nur noch an der Oberfläche.

Mit seinen knapp unter 2 Stunden Laufzeit hat der Film aber auch gar nicht die Möglichkeit, die gesamte Bandbreite des Romans abzudecken.

Trailer zu Amerikanisches Idyll

Anfangs wirkt die ganze Inszenierung auch noch zudem sehr konservativ in seiner Ideologie und sehr einseitig, was die Eltern angeht. Erst nach und nach zerbröckelt diese Fassade, und als Jennifer Connelly dann ihren ganz grossen Auftritt ungefähr zum Anfang der zweiten Halbzeit hat, werden schon gewisse Fragen in den Raum gestellt, die den Charakter der Protagonisten vielleicht in Frage stellen könnten. Doch bevor es soweit kommt, kriegt McGregor doch noch die Kurve und lässt ihn bis zum Ende die Rolle des gepeinigten Strahlemannes annehmen.

Als er dann endlich nach zwei Stunden unendlichen Leides gestorben ist - sein Tod bildet die Rahmendhandlung, also kein Spoiler - und es zur Beerdigung kommt, gelingt diesem höchstens durchschschnittlichen und extrem einseitig inszenierten Film, der viel versucht aber nicht viel filmtechnisch auf die Beine bringt, ein Finale hervorzubringen, das zwar dem Roman in keinster Weise gerecht wird, aber im Rahmen dieser Interpretation mehr als nur fabelhaft ist.

Und genau hier kommt die Unmöglichkeit einer subjektiven Kritik zum Tragen. Obwohl ich nüchtern betrachtet genau weiss, welches Potential hier liegen gelassen wurde, welche mannigfaltigen Themen hier hätten noch angesprochen werden können, wie viel kühner das ganze hätte doch inszeniert werden können, kann ich nicht umhin, dass mich die ganze gesehene Geschichte doch nicht loslässt.

Denn McGregor macht aus dem Romanhelden, der eigentlich die ganze Zeit über eine bürgerliche Fassade aufrecht zu erhalten in der Lage ist, und möglicherweise innerlich nur daran zu Grunde geht, der zudem auch noch diverse innere Dämonen hat und sich auch nicht immer richtig verhält (Der Kuss!), einen astreinen Strahlemann, der gar nichts falsch macht, und einfach nur durch seine unerschütterliche Naivität und Liebe zu seiner Tochter einfach vor die Hunde geht. Das ist insofern extrem bitter, da wir hier einen wirklichen Vorzeigesonnyboy haben, der alles richtig macht, der sogar sich in jener Zeit für die Rechte anderer stark macht, also einen durch und durch ehrlichen und sympatischen Mann haben, dem zusehends alles entgleitet, der daran zerbricht, dass seine Tochter ihn über Jahre innerlich tötet. So wird aus einem Jahrhundertroman ein zutiefst manipulatives Stück Melodram.

Und ebenjenes ist sehr bitter anzusehen und kaum erträglich, wenn man selbst Kinder hat, und daher kann ich diesen Film keinesfalls uneingeschränkt weiter empfehlen. ich gehe sogar so weit zu behaupten, ich wünschte ich hätte diesen Film nie gesehen.

Als Romanadaption ziemlich dünn, sehr gut geschauspielert, als Film höchstens durchschnittlich, dennoch hat mich der Film am Ende so zerstört, dass er doch subjektiv so manche Qualitäten haben muss.

Amerikanisches Idyll Bewertung
Bewertung des Films
810
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9 Kommentare
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
01.06.2020 15:13 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 543 | Reviews: 3 | Hüte: 76

@ MobyDick

Hm, das klingt in der Tat natürlich deutlich interessanter für die spätere Figurendynamik, allerdings kann ich auch verstehen, dass es McGregor wohl zu heikel war, das in einem Film zu zeigen. Da haben Schriftsteller natürlich mehr Spielraum dahingehend, wie weit man gehen kann.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
01.06.2020 14:51 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.724 | Reviews: 123 | Hüte: 417

PaulLeger

Jup, danach ist er so über sich selbst erschrocken, dass er künftig eine Barriere zwischen sich und seiner Tochter aufbaut, weshalb er sich später immer wieder Vorwürfe macht. Dies wird nie abschließend geklärt.

Dadurch ist die Figur im Roman auch ein Stück weit menschlicher, da fehlbarer. Im Film hingegen gibt es diesen Grauraum nicht.

Was aber dann auch dazu führt, dass man so unendlich mit dieser völlig unbescholtenen Figur mit leidet.

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
01.06.2020 14:43 Uhr | Editiert am 01.06.2020 - 14:43 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 543 | Reviews: 3 | Hüte: 76

@ MobyDick

Nachdem ich ihn nun gesehen habe, kann ich deine Gedanken nachvollziehen, wobei ich ihn trotz seiner offenkundigen Probleme nicht ganz so kritisch sehe, was wohl auch damit zusammenhängt, dass ich die Vorlage nicht gelesen habe. Klar hätte man den gesellschaftlichen Umbruch stärker in den Blick nehmen können, aber es ist denke ich legitim, dass McGregor sich stärker auf das Familiendrama konzentrieren wollte, bei der Übertragung eines Romans in einen Zweistundenfilm wird ohnehin immer was verloren gehen. Problematischer fand ich da, dass im Prinzip nur McGregors Figur voll ausgeleuchtet wird, während die Charakterisierungen von Mutter und Tochter etwas lückenhaft bleiben. Mit einer weniger talentierten Darstellerin als Connelly hätte der Film da auch Schiffbruch erleiden können.

Und ja, das Ende haut nochmal so richtig rein.

Noch eine Nachfrage zu dieser Passage:

und sich auch nicht immer richtig verhält (Der Kuss!),

Heißt das, im Roman küsst er seine Tochter auf den Mund?

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MobyDick : : Moviejones-Fan
27.05.2020 22:29 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.724 | Reviews: 123 | Hüte: 417

PaulLeger:

Doch doch, das glaube ich sofort. Na dann viel "Spass" victory

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
27.05.2020 19:23 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 543 | Reviews: 3 | Hüte: 76

@ MobyDick

Ob du es glaubst oder nicht, mit der Beschreibung hast du mein Interesse trotz impliziter Nichtempfehlung sogar noch erhöht wink

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MobyDick : : Moviejones-Fan
26.05.2020 12:09 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.724 | Reviews: 123 | Hüte: 417

PaulLeger

Stimmt, da habe ich es auch gesehen. Wenn du meine Kritik nicht gelesen hast, und jetzt wg der hohen Wertung mit höheren Erwartungen rangehst, lass mich dir meine quintessens nochmal hier reinkopieren, ohne zu spoilern:

"...diesem höchstens durchschschnittlichen und extrem einseitig inszenierten Film, der viel versucht aber nicht viel filmtechnisch auf die Beine bringt, ein Finale hervorzubringen, das zwar dem Roman in keinster Weise gerecht wird, aber im Rahmen dieser Interpretation mehr als nur fabelhaft ist.Und genau hier kommt die Unmöglichkeit einer subjektiven Kritik zum Tragen. Obwohl ich nüchtern betrachtet genau weiss, welches Potential hier liegen gelassen wurde, welche mannigfaltigen Themen hier hätten noch angesprochen werden können, wie viel kühner das ganze hätte doch inszeniert werden können, kann ich nicht umhin, dass mich die ganze gesehene Geschichte doch nicht loslässt."

Vielleicht hat es mich einfach komplett unvorbereitet erwischt, ich weiss es nicht. Aber ich möchte noch einmal sagen, dass ich den Film nicht wirklich weiter empfehlen möchte...

Und ja, die Connelly scheint irgendwie auf solche Stoffe zu stehen, wobei die beiden von dir genannten Filme doch besser als der hier sind.

MB80

Ja, das moniere ich ja auch. Andererseits kann man einem Film nicht wirklich ankreiden, wenn er andere Wege geht und seine Geschichte auch erzählen kann. Und ich habe zumindest das Gefühl, dass McGregor den Teilaspekt der Geschichte so erzählt hat, wie er es für richtig hielt. Also das wäre daher kein Grund, den Film nicht zu schauen. Dennoch begrüsse ich es, dass du ihn so bald nicht schauen willst wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
25.05.2020 23:47 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 543 | Reviews: 3 | Hüte: 76

Jennifer Connelly war für mich schon Grund genug den auf der Liste zu haben. Da er jetzt ja auf Prime verfügbar ist und Mobys Wertung vielversprechend klingt (Kritik les ich erst nach der Sichtung) werde ich ihn mir demnächst mal geben.

Btw, Connelly scheint auf "ich zieh dich runter"-Filme abonniert zu sein, "Requiem for a Dream" oder "Haus aus Sand und Nebel" waren in der Hinsicht ja auch nicht ohne.

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
25.05.2020 22:59 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.711 | Reviews: 31 | Hüte: 145

Hmmm, ich kenne das Buch überhaupt nicht, aber zumindest die Kollegen bei RottenTomatoes haben dem die rausgeschnittenen Handlungsstränge wohl sehr übel genommen.
Ob ich mir den zeitnah gebe würde ich eher bezweifeln :/

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
25.05.2020 14:32 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.724 | Reviews: 123 | Hüte: 417

Mal was anderes, wie gesagt, das ist schon etwas härtere Kost. ich glaube sublim77 hat ja immer wieder betont, dass er eigentlich keine Lust hat, in Filmen auch noch Leid zu sehen, wenn er sowas den ganzen lieben Tag in der Realität hat. Bei diesem Film bin ich voll auf seiner Seite. Diesen Film hätte ich wirklich nicht gebraucht. dann doch lieber den nächsten Statham Actioner zum abschalten.

Das ist so ein richtig beschissener: Ich Zieh dich runter Film!

Dünyayi Kurtaran Adam
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