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Brokeback Mountain

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Brokeback Mountain Kritik

Brokeback Mountain Kritik

Brokeback Mountain Kritik
3 Kommentare - 30.01.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Brokeback Mountain" ist.

Bewertung: 4 / 5

Im Jahr 1961 werden die Cowboys Jack (Jake Gyllenhaal) und Ennis (Heath Ledger) auf dem Brokeback Mountain als Schafhirten engagiert. Die beiden kommen sich durch die anstrengende Arbeit, wie auch durch die Umweltbedingungen auf dem Berg näher und verlieben sich ineinander. Doch nach ihrem Auftrag und den geltenden Konventionen in Wyoming trennen sich die beiden wieder. In der Zwischenzeit heiratet Ennis die junge Alma (Michelle Williams), während Jack die Texanerin Lureen Newsome heiratet. Nach einigen Jahren verspürt Jack weiterhin Sehnsucht nach Ennis und möchte mit ihm ein neues Leben beginnen. Allerdings zwingt die Gesellschaft die beiden Männer ihre Gefühle nun auf dem Brokeback Mountain auszuleben.

Eigentlich ist es schon bezeichnend genug, daß ein Film über zwei schwule Cowboys in den 1960er Jahren angesiedelt ist, und in den späten 2000er Jahren vor hohes Aufsehen sorgt. Denn klar ist, daß Brokeback Mountain in die Kategorie Skandal-Filme gehört und sich dahingehend hitziger Debatten ausgesetzt sah. Ein naiver Teil im Wesen sagt sich dabei, daß das heute alles ein wenig lockerer ist und ja, man wird das Gefühl nicht los, daß da vielleicht sogar was dran sein könnte. Doch locker meint hier nicht, daß wie im Falle dieses Filmes die Künstler darum kämpfen müssen, den Film überhaupt an ein Studio zu bekommen. Schließlich sah sich der Film auch der reinen Kritik einer Darstellung von einer Homosexuellen Beziehung ausgesetzt. Daß das alleine manchen Menschen den letzten Atem raubt, ist ja eigentlich ein Trauerspiel der Menschheit. Darüber hinaus ist der Film eben nicht nur ein reiner Skandal-Film, der nur ob des vermeintlichen Skandals lebt. Gerade Filme und Serien der 2010er bis jetzt haben oftmals das Problem zu perfiden Gimmicks zu verkommen. Da wird dann mit vermeintlicher Diversität geworben, weil man ja hier einen hauptsächlich dunkelhäutigen Cast präsentiert, wie in Black Panther (2018), da ein Kuss zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen in einem Bruchteil einer Sekunde gezeigt wird, wie in Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019), oder ein genereller Gender-Swap umgesetzt wird, wie in Oceans 8 (2017) oder Ghostbusters (2016). Ein aktuelleres Beispiel bietet dazu der Pixar-Film Luca (2021), in welchem das Thema der sexuellen Orientierung, wie auch ausgrenzende, diffamierende Erfahrungen vom Film zentralisiert werden. Doch was viele diese Werke dabei einfach vergessen und Brokeback Mountain so von ihnen abhebt, ist, daß eine bloße Idee eben nicht ausreicht.

Zwar muss sich Ang Lees Film den Vorwurf gefallen lassen, ab einem gewissen Punkt vielleicht so gar nicht mehr mit der Handlung hinterherzukommen. So bauen sich nämlich die in oder andere Länge im Mittelteil auf, die in eher konventionellen Beziehungsproblemen münden. Oder auch, daß der Film es zu Beginn verpasst, die Charaktere vielleicht in dem ein oder anderem Moment ein wenig besser zu charakterisieren. Allerdings sind diese Dinge nebensächlich und die Geschichte kristallisiert sich als tatsächlich unaufdringliche, wenn gleich auch gewichtige Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen. Die Figuren Jack Twist und Ennis Del Mar werden so glaubwürdig und tiefgründig in Szene gesetzt, daß das eigentliche Grundmotiv der Liebe immer im Vordergrund steht. So schafft der Film es dieses, für einige, heikle Thema in Bilder zu fassen, bei denen man hier nicht das Gefühl hat, es geht nur um reine Provokation. So steht die Geschichte und die Erarbeitung der Charaktere im Vordergrund, anstatt ein politisches Statement. Der Unterschied zu misslungen Werken der 2010er Jahre ist dabei, daß die Geschichte die Charaktere macht und nicht die Charaktere die Geschichte.

Dazu wird die Romanze der Beiden auch großartig von Gyllenhaal und Ledger vorgetragen. Sowohl die sinnlichen Begegnungen, die nuancierten Momente der Gemeinsamkeit, aber auch das tragende Verlangen über die ganzen Jahre hinweg, wird zum einen durch den fulminanten Anfang des Filmes überdeutlich, aber auch das Schauspiel der beiden. So verfallen die beiden vielleicht in einigen Momenten etwas in klassische Beziehungsrollenmuster, finden sich aber trotzdem über die Zeit hinweg als eigenständige Personen wieder. Das besondere hierbei ist auch, daß Ang Lee es schafft aufgrund der starken Geschichte, fast auf den moralischen Zeigefinger zu verzichten. Er belehrt eben seine Zuschauer nicht, sondern erklärt. Und gerade ein solcher Film, der ein Pulverfass für einige Menschen darstellt, hätte leicht plakativ erzählen können, wie doof doch alle Intoleranten sind. Doch das tut er nicht, zumindest nicht mit der Holzhammermethode. Viel eher erklärt der Film, daß die Figuren trotz anderer Möglichkeiten und der ein oder anderen Beziehung zu Frauen, nicht voneinander loskommen. Und auch hier dürfen sich Michelle Williams und Anne Hathaway jedes Lob anhören, da sie ihren Figuren in Rahmen der Geschichte genug leben einhauchen und auch ihren Standpunkt mehr als nur deutlich machen können.

Allgemein ist auch die Inszenierung von Ang Lee über jeden Zweifel erhaben. Ob wunderschöne Berglandschaften, liebevolle Neckereien unter den Hauptfiguren, wahrhaftiger Sinnlichkeit in Form von Zuneigung, oder die Zeichnung einer Gesellschaft in den 1960er Jahren. Lee schafft es all diese Bilder mit einer großartigen Kamera durch Rodrigo Prieto einzufangen. Diese wirkt dabei so klar und fängt die fast schon majestätische Landschaft von Wyoming ein, weiß aber auch gewisse Szenen der Vorstellung der Zuschauer zu überlassen. Das Ganze wird dabei nur noch von der Musik durch Gustavo Santaolalla übertrumpft, der hier mit einfachen Gitarrenklängen und deren Wiederholung einen unverkennlichen, romantischen, aber auch tragisch schweren Soundtrack geschaffen hat. Und während die Geschichte sich entfaltet, gibt Lee keinen Anschein des Bedürfnisses nach bewusster Simplifizierung menschlicher Regung von sich und traut dem Zuschauer somit gleichsam zu, die Bilder und Momente für sich stehenzulassen und eigens interpretieren zu können.

Ohne Zweifel muss man feststellen, daß Brokeback Mountain einen guten Ruf genießt. Doch während viele Filme zu Unrecht einen guten Ruf genießen, gehört dieser Film in die Kategorie jener Filme, die diesem gerecht werden können. Das liegt zum einen an der einfühlsamen Inszenierung durch Ang Lee, aber auch an der großartig, unaufgeregten und nicht zu plakativen Geschichte zweier liebender der Menschen, die großartig von ihren Hauptdarstellern verkörpert werden. Insgesamt stimmt auch das Handwerk neben Lees Inszenierung und so ergeben Kamera, Inszenierung, aber auch Drehbuch ein starkes Bild, daß nur durch die manchmal strauchelnde Schreibe ins Wanken gerät.

Brokeback Mountain Bewertung
Bewertung des Films
810

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3 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
02.02.2022 18:45 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.200 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@ProfessorX

Das kommt noch hinzu, ja^^ Hut für das Review noch.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
02.02.2022 10:01 Uhr
1
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 719 | Reviews: 279 | Hüte: 28

@luhp92

Vor allem ist er Abseits dessen auch noch gut laughing

MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
01.02.2022 20:49 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.200 | Reviews: 164 | Hüte: 540

heart Nach wie vor ein wichtiger Film.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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