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Der fantastische Mr. Fox

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Der fantastische Mr. Fox Kritik

Der fantastische Mr. Fox Kritik

Der fantastische Mr. Fox Kritik
1 Kommentar - 29.11.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Der fantastische Mr. Fox" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Der gewiefte Mr. Fox (George Clooney) jagt wilde Hühner auf fremden Boden. Doch seiner Frau (Meryl Streep) gefällt das gar nicht, weil er sich so der Gefahr der fiesen Großbauern aussetzt, die nur darauf warten, den Fuchs zu erledigen. Zu Liebe seiner Frau und seines Sohnes Ash (Jason Schwartzman) gibt er seine Raubzüge dann auf und wird Zeitungskolumnist. Doch bald schon beschließt er zusammen mit seinem Freund Kylie (Wallace Wolodarsky) drei große Raubzüge durchzuziehen.

Mit jeder Menge Fragen nähert man sich den Werken von Wes Anderson immer wieder auf Neue an. Eigentlich könnte der Regisseur doch Everybodys Darling sein, weil seine Werke einen ganz anspruchsvollen Stil zu sich haben. Unddennoch versagen sie darin, Kritikern nicht mehr zu sein, als nur ein bloßer Spaß. Die Frage, die damit aufgeworfen wird, ist eigentlich zunächst doch recht abwegig, trifft im Kern aber klar auf Der fantastische Mr. Fox zu. Ist Anderson sein Anarchist? Klar, ist das eine gewagte These, doch dieser Film wird so vielleicht so weit wie es geht untermauern können. In diesem Werk findet sich alles, was ein bedeutsames Werk voller Schwere ausmacht. Zumindest an der Oberfläche. Es geht hier um langsame Kamerafahrten, lang andauernde Einstellungen und trübsalblasende Gesichter, die irgendetwas in sich tragen. Es hat den Hauch einer Melancholie, wenn dieser Mr. Fox sich mit seinen alltäglichen Problemen herumschlägt. Nicht etwa, weil er so traurig daherkommt. Doch man findet den Film immer wieder dabei, wie sich Charaktere in irgendeine Form von Dialogen verlieren, die in der nächsten Einstellung ad absurdum geführt werden. Da gibt es etwa einen Konflikt zwischen einem Jungen und seinem Cousin, der einfach alles kann und die eigene Person vor dem Vater in den Schatten stellt. Das sind vielleicht ganz banale Probleme zunächst, doch Anderson nimmt diesen Problemen die Schwere, die ihm gängige Dramen zusprechen würden und kann trotzdem durch die Trockenheit des Humors immer wieder dafür sorgen, daß das Werk als solches nicht seine Glaubwürdigkeit einbüßt.

Trailer zu Der fantastische Mr. Fox

Während sich der Regisseur im Zuge der 2010er mit Filmen wie Grand Budapest Hotel (2014) und Isle of Dogs – Ataris Reise (2018) vor allem schwereren und Preistauglicheren Themen widmete, ist die Geschichte von diesem Werk vor allem eine Männergeschichte. Und das liegt vor allem daran, daß dieser Mr. Fox inmitten einer schweren Midlifecrisis lebt. Zu Beginn lernt der Zuschauer ihn als gewieften und dynamischen Dieb kennen, der im Zuge der Ehe, seinen Biss verloren hat. Eines Abends entscheidet er sich, die Hühner der nahegelegenen Bauernhöfe zu stehlen. Diese juvenile Aktion wäre vermutlich keinerlei Rede wert, wenn es um ein anderes Werk ginge. Doch während Mr. Fox seine eigene Vergangenheit wiederentdeckt, sind es vor allem auch drei Fabrikbesitzer, die sich dort niedergelassen haben und ihr eigenes Vieh schützen wollen. Daraus entsteht der Kampf zwischen zwei Parteien, nämlich dem abenteuersuchendem Spießbürger und dem Kapital, ausgedrückt in Form von drei Fabrikbesitzern. Nun ist dieser Film auf den ersten Blick kein ausuferndes politisches Statement. Gleichwohl will das Werk damit aber sicherlich auf etwas hinaus und konfrontiert hier intelligent Problemverursacher mit dem Problem. Denn wenn man einen altgewordenen Rebellen betrachtet, dann kommen unweigerlich wieder Parallelen zur Babyboomer-Generation, denen man ja auch nachsagt, alle Probleme dieser Welt ausgesessen zu haben. Das mag vielleicht aber auch sehr weit hergeholt sein. Dennoch sucht Mr. Fox auch in einem der Subplots nach seinem eigenen Schwanz und insofern, kann das gar nicht eindeutiger verstanden werden.

Unterdessen baut der Film eine übliche Kinderkrankheit, ein, entstanden aus einem Missverständnis um die Dramenlehre. So gibt es eben einen Konflikt zwischen Vater und Sohn. Denn als der Cousin von Ash die Familie in ihrem Heim besucht, scheint Mr. Fox vor allem von Cousin Kristofferson begeistert zu sein. Ein ebenfalls recht infantiles Problem, daß seine Begründung natürlich in der Inszenierung eines vermeintlichen Kinderfilmes findet. Doch diese Momente stören, weil daraus eigentlich nur ein großer Kitsch resultieren kann. Diesen spart der Film dann glücklicherweise weitestgehend aus, aber dennoch sind solche Konflikte nun wirklich nichts, mit dem man noch jemanden konfrontieren sollte. Auf der anderen Seite lebt der Film weiterhin von seiner Symbolkraft, wenn etwa drei Bauern das Heim von Mr. Fox bedrohen, dann kommen zum einen Parallelen zum amerikanischen Verständnis von Selbsterhalt und Verteidigung der eigenen Werte auf. Doch das ist es nicht und auch ist dieser Film kein Plädoyer für Selbstjustiz. Viel eher steckt in dem Treiben der drei bösen Bauern auch eine Kritik am Umgang der Menschheit mit der eigenen Umwelt. Ein Thema, daß sich in späteren Werken von Anderson noch deutlicher herauskristallisieren sollte. Dabei lässt der Film kein gutes Haar an den Menschen, wenngleich er auch gut daran tut, nicht einfach den Spieß umzudrehen und sie zu animalisieren. Hier begegnet man sich glücklicherweise halbwegs auf Augenhöhe.

Interessant dabei ist vor allem, daß der Film dem Zuschauer schon einiges zumutet, indem er das Sterben von Hühnern, aber auch das Sterben einer Ratte Teil der Geschichte werden lässt. Das interessante dabei ist, daß der Film das immer mit einer Trockenheit und einer analytischen Kälte betrachtet, wodurch das Werk an Christopher Nolans erinnert. Doch gleichsam nie daran Zweifel hegt, daß das Gezeigte irgendjemanden schockieren könnte. Gleichsam scheint auch die gesamte Prämisse mit dem Umstand zu spielen, daß es sich bei Mr. Fox um ein wildes Tier handelt. Nicht indessen, daß die Figur in einer Welt lebt, die sie verachtet, sondern viel eher indessen, daß die Figur einen sozialen Stand hat, der sie ungreifbarer für die große Masse macht. Der Hauptgrund, das eigene Leben aufzugeben, war eine Schwangerschaft. Doch man spürt immer wieder bei dieser Figur, daß sie dort, wo sie ist, eigentlich nicht sein möchte und auch die Tatsache, daß es immer wieder die Frau ist, die vielleicht auch nicht die beste Beziehung zu ihrem Mann hat, ihn aber zurückholen kann, lässt den Zuschauer so ein wenig verwundert zurück. Dort möchte jemand ein Außenseiter sein und ein Leben leben, wie es früher mal war. Eben teils als Midlifecrisis gestempelt, aber nicht rein stumpfsinnig, weil es auch darum geht, die eigenen Werte nicht zu vergessen. Insofern ist der Film melancholisch und zynisch, weil es kein Zurück gibt.

Für eine gute Zeit, sorgt Der fantastische Mr. Fox durch trockenen Humor, der durch Situationskomik untermauert wird. Das spannende, ist wie komplex sich diese Hauptfigur auf die eigene Reise begibt, die auch ein wenig undurchsichtig anmutet und mehrere Ebenen zur Interpretation eröffnet. In seinen schwächsten Momenten ist dieser Film nur der Versuch, mit der eigenen Krise fertig zu werden und in seinen besten eine Flucht aus einem kaputten System und aus einem Leben, daß man sich mal ganz anders ausmalte.

Der fantastische Mr. Fox Bewertung
Bewertung des Films
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landtoday : : Moviejones-Fan
11.12.2022 02:44 Uhr
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