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Der Krieg des Charlie Wilson

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Der Krieg des Charlie Wilson Kritik

Der Krieg des Charlie Wilson Kritik

Der Krieg des Charlie Wilson Kritik
0 Kommentare - 09.09.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Der Krieg des Charlie Wilson" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Der Kongressabgeordnete Charlie Wilson (Tom Hanks) führt zwei Leben. Eines als Partyhengst, der mit Stripperinnen und Kokain in Kontakt nimmt und ein anderes, in welchem er sich für die Unterstützung von Afghanistan einsetzt, die gerade im Krieg mit der Sowjetunion stecken. Als Mitglied eines Komitees, daß zwischen der CIA und den Regierungsinstitutionen verhandelt, bekommt er Hilfe von einer der reichsten Frauen es Landes. Joanne Herring (Julia Roberts) hasst Kommunisten und verfügt über den nötigen Einfluss in höheren Kreisen. Also kann Wilson ungehindert Einfluss auf den Krieg nehmen, während im Hintergrund der FBI-Agent Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman) Einfluss auf das Geschehen nimmt.

Zwischen jungen und alten Menschen kommt es hin und wieder zu Konflikten. Sei es aufgrund der Attitüde, der Art oder einem gegenseitigen Desinteresse. Aus einer subjektiven Perspektive heraus, würde man aber vermutlich vor allem das allseits beliebte Wort Politikverdrossenheit in den Mund nehmen, was häufig den Zustand scheiternder Demokratien erklärt. Natürlich ein schwarzes Bild, daß man auch nicht beschwören will, doch es scheint auch so ein wenig was dran zu sein und zur wahren Legislaturrevolution wird es eher seltener noch kommen. Um Der Krieg des Charlie Wilson einzuordnen, muss man eigentlich verstehen, welche Menschen man dort vorfindet. Wenngleich der Generationenvergleich hier aufgrund des tatsächlichen Alters der Personen hinter den Figuren hinkt, ist es natürlich bezeichnend für den Zustand, den eine Gesellschaft im Jahr der Veröffentlichung des Films 2007 hatte. Da gibt es dann diesen Charlie Wilson, der wie so häufig über die Falschheit seiner bisherigen Existenz aufgeklärt werden muss. Am effektivsten schafft man sowas wohl mit wahren Schockkern und insofern mutet das Werk zu Beginn so ein wenig wie die bissigere Blaupause für Iron Man (2008) an. Gleichsam sind solche Resozialisierungswerke mühselig, weil sie mit einer Moral konfrontieren, die einfach zu einfach ist.

Dabei könnte Der Krieg des Charlie Wilson in gewisser Weise aktueller nicht sein. Als ein Produkt inmitten des Kalten Krieges, geht es darum, daß Amerika viel Geld locker macht, um eine Geheimoperation inmitten von Afghanistan von dortigen Widerstandskämpfern auszuführen. Ein Umsturz des sowjetischen Regimes durch das dort ansässige Volk ist das eigentliche Ziel und so gewinnt Mike Nichols letzte Regiearbeit eine erstaunliche Aktualität. Doch um das politische Wirrwarr aufzudröseln ist es natürlich auch nicht einfach zu werten und hier ein gut gegen böse Schema zu etablieren. Das macht der Film auch nicht und gerade an der Hauptfigur lässt sich dieser Umstand deutlich erklären. Doch an der Stelle ist natürlich die Frage, was genau erklärt der Film. Und diese lässt sich damit beantworten, daß die restliche Welt immer der Spielball der großen Nationen Russland und der USA sind. Das ist schon eine ganze Weile so und es hat bedingt durch die Geschichte, gerade auch die deutsche Geschichte sicherlich gute Gründe dafür gegeben, doch es sollte wohl einfach inzwischen anders sein. Um nun Charlie Wilson ein wenig näher zu beleuchten, benutzt der Film zu Beginn einiges an Zeit, um seinen Drang nach Macht und vor allem sein Verlangen nach Frauen immer wieder zum Thema zu machen. Da wird dann gelebt, ob das nun so gut bei der Presse ankommt, ist dann eine Frage, die auf Wilson zukommt. Und auch das ist ein spannender Aspekt, weil es irgendwie bezeichnend für das Verständnis von Menschen ist.

Denn tatsächlich geht es gewählten Volksvertretern auch immer darum, ein gewisses Bild nach außen zu werfen. Gerade Amerika hat ja in diesem Sinne eine gewisse Tradition. Doch bezeichnend ist das vor allem, weil der Mensch nun mal nicht so ist. Das heißt, daß dieser Charlie Wilson seinen eigenen Ansprüchen an sich, nämlich dem Machterhalt, nur dann gerecht werden kann, wenn er sich besser anpasst. Hier kommt also wieder das altbekannte Muster zum Einsatz, nach welchem der Neoliberalismus durch einen konformen Konservatismus ausgetrieben wird. Dann doch lieber das. Und gerade diese Wandlung, aber auch die gesamte darstellerische Leistung von Tom Hanks ist atemberaubend. Der Mann, der auch als Hollywoods Familienvater gehandelt wird, spielt hier eine bemerkenswerte Figur, weil er tatsächlich mal etwas sein kann, was man Hanks nach Filmen wie Philadelphia (1993), Forrest Gump (1994), Der Soldat James Ryan (1998) oder auch The Da Vinci Code – Sakrileg (2006) niemals zugetraut hätte. Er spielt einen moralisch fragwürdigen Charakter, der zwar eine Wandlung erlebt, aber trotz allem immer noch von seinen eigenen Dämonen geplagt wird. Das ist mitunter recht amüsant und gerade auch durch einen perfekt aufspielenden Philip Seymour Hoffman großartig. Auch Julia Roberts oder Amy Adams können durch ihr überspitztes Spiel den satirischen Charakter nur noch mehr untermauern.

Dadurch wird das gesamte Werk auch sehr spitzzüngig und ist nicht auf einfachen Slapstick ausgelegt. Viele der Witze sammeln sich vor allem in den Dialogen, die ziemlich treffend den Zustand dieser kaputten Welt um Charlie Wilson verdeutlichen. Dabei gelingt es Aaron Sorkin als Drehbuchautor auch, den schmalen Grat zwischen Komödie und Drama eben in eine niveauvolle Satire zu verwandeln. Und das ist auch nur gut so, weil der Film eben auch schreckhafte Bilder um wirklich leidende Menschen und deren Schicksale nicht ausspart. Gerade dann merkt man die Ruhe und der Film tut gut daran, diese Ruhe und diesen Schlag in der Magengrube auch nicht durch etwaige Comicreliefmomente zu entwerten. Gleichzeitig bemerkt man auch, daß die Intervenierung der USA in diesen Konflikt auch im späteren Verlauf der 1990er und 2000er Jahre zu einigen der größten Katastrophen und Schockmomente der jüngeren Geschichte führen sollte. Im Prinzip könnte man dem Film vorwerfen, ein Fass ohne Boden zu sein, weil er wenig Dinge erklärt, dafür aber vieles zeigt. Und normalerweise ist das ja auch ein Vorteil des Films und man sollte sich auch nicht dem Irrglauben verschreiben, daß nur weil man etwaige geopolitische Zusammenhänge nicht erklärt bekommt, daß der Film dadurch an Wert verliert. Im Prinzip ist hier Mitdenken zentral und dadurch wird der Film auf politischer Ebene noch mal deutlich wertiger. Nicht unbedingt, weil er so direkt wäre, aber klar, weil er zwischen den Zeilen so vieles passieren lässt.

Auch wenn sich Der Krieg des Charlie Wilson zu Teilen als moralische Instanz aufspielt, die man bei all der Bitternis und Unperfektheit der Menschen nicht braucht, so gelingt Mike Nichols mit seinem letzten Film vor allem ein Werk der besonderen schauspielerischen Leistungen, daß so anders daherkommt. Gleichsam ist der Film in einigen Momenten so bitterböse und analytisch gegenüber der Außenpolitik der Staaten, daß man über etwaige kleinere Probleme hinwegsehen kann.

Der Krieg des Charlie Wilson Bewertung
Bewertung des Films
710

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