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Die Mumie

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Die Mumie Kritik

Die Mumie Kritik

Die Mumie Kritik
0 Kommentare - 28.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die Mumie" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Im Jahr 1719 vor Christus wird eine Liebe zwischen dem Hohepriester Imhotep (Arnold Vosloo) und der Geliebten des Pharao, Anck-Su-Namun (Patricia Velasquez) öffentlich. Imhotep verhängt einen furchtbaren Fluch und die beiden Liebenden werden lebendig mumifiziert und begraben. Knapp viertausend Jahre später wird der Söldner Rick OConnell (Brendan Fraser) im Beisein der Wissenschaftler Eve Carnahan (Rachel Weisz) und Jonathan Carnahan (John Hannah) Zeuge davon, wie eine Mumie versehentlich erweckt wird.

Der Abenteuerfilm hat keinen leichten Stand im modernen Hollywood. Die schier endlosen Möglichkeiten der technischen Projektionen in Kombination mit der absolut druckvollen Umgebung einer Hollywoodproduktion, die einen festen Zeitplan einzuhalten hat, steht in Konflikt mit dem, was man als realitätsnahe Umsetzung eines Films bezeichnet. Zum Ende des vergangenen Jahrtausends war das noch wesentlich anders. In vielerlei Hinsicht ist Die Mumie ein beeindruckendes Werk. Nicht unbedingt immer inhaltlich, dafür in jedem Fall vom Aufwand, der sich gemacht wurde, um tatsächlich einen unterhaltsamen Film in Szene zu setzen. Im Kern handelt dieser Film von einem klassischen Abenteuer. Zwei Wissenschaftler heuern einen Soldaten an und möchten eine sagenumwobene Stadt finden. Viel mehr ist da nicht und man sollte zu keinem Zeitpunkt erwarten, daß Die Mumie irgendwann weitaus komplexer würde. Denn das wird er zu keinem Zeitpunkt. Der Film liefert eine ganz schlichte Geschichte, mit wenig facettenreichen Figuren, die fast ausschließlich durch ihren Charme brillieren. Hin und wieder ist das Werk dabei vielleicht ein wenig zu banal und in manchen Momenten nicht wirklich gut gealtert. Gerade etwa, wenn es um die Darstellung der weiblichen Hauptfigur geht, entgegnet man ihr mit auferlegter Passivität und dem ein oder anderen chauvinistischen Kommentar in ihre Richtung. Die Frau weiß sich zu bestimmten Teilen selbst zu helfen. Das ist gut und vielleicht in der Zeit, in der der Film entstand auch mehr, als in anderen Werken. Auf der anderen Seite wird sie zum Ende zur Femme fatale, die eben doch vom strahlenden Helden gerettet werden muss.

Doch mit dieser Wertung sollte man nicht so vorschnell sein, wenn es um Die Mumie geht. Denn wenn man das tut, dann vergisst man einen entscheidenden Punkt in jeder Feminismusdebatte. Was letztlich Unabhängigkeit bedeutet und inwieweit nun wirklich jede Frau auch nach dem neoliberalen Zeitgeist unabhängig sein möchte, daß bleibt immer noch jeder Frau selbst überlassen. Es stimmt, daß dieser Film hier durchaus passive Stigmen befürwortet und die Frau anders darstellt, als den Mann. Auf der anderen Seite ist Rachel Weizs’s Eve Carnahan auch nicht nur passiv. Da gab es selbst im Abenteuerfilm schon schlimmeres. Man erinnere sich nur mal an den Klassiker Unter Piratenflagge (1935) von Michael Curtiz. Der Punkt hier ist schlicht und ergreifend, daß das Darstellertrio, daß zu den wichtigsten Figuren gehört, extrem charmant ist. Während Weisz einen gewissen Intellektualismus und eine Begeisterung für den Zuschauer transportiert, ist Brendan Fraser mit dieser seltsamen Mischung aus Überforderung und Kompetenz gesegnet. Klar bietet die Figur auch in ihrer Komplexität nicht viel mehr als einen charmanten Macho, doch Fraser gibt der Figur Charisma, welches er auch selber zu jedem Zeitpunkt im Film ausstrahlt. Dann wiederum ist da John Hannah als Jonathan Carnahan, der eigentlich der komplette Comicrelief ist. Doch während man in modernen Werken dem Zuschauer nicht mehr die Möglichkeit gibt, sich mit der Ernsthaftigkeit von Verlusten oder Gewalt oder anderen Dingen auseinandersetzen, weiß dieser Film genau, wann Hannahs Figur mal still sein sollte. Und das führt dazu, daß der gesamte Cast einfach positiv im Gedächtnis bleibt, ohne daß sie den Film negativ beeinflussen würden.

Früher machte man sich noch große Mühe, um lebendige, gut aussehende Sets zu bauen, mit denen die Schauspieler vor Ort interagieren konnten. Aus jener Tradition, die unter anderem auch dafür sorgte, daß Hollywood überhaupt zu dieser Größe aufsteigen konnte, stammt dieser Film. Es fällt eben doch auf, wenn Menschen durch grüne Leinwände laufen, oder durch echte Höhlen, in echten Wüsten, in echten Bibliotheken unterwegs sind, oder nicht? Und gerade bei dem Abenteuerfilm, bei dem so vieles davon abhängt, daß man vermeintlich exotische Regionen zu sehen bekommt, ist das wichtig. Daher funktioniert dieser Film eben auch in seinem Kernfeld. Da kommt es zu Schießereien. Es gibt Rätsel. Geheimnisse. Es ist eben ein klassischer Blockbuster, der zwar bedingt durch die etwas banale Geschichte auch einen sehr trashigen Charakter hat. Aber das macht nichts, weil der Film dann auch weiß, was er ist. Diese Suche nach der Identität, die so tiefgründig anmutet, ist für Filme ja ohnehin immer von Belang. Man kann eben nur Geschichten glauben, die man auch glauben kann. Daher sind auch Dialoge und die allgemeinen Attitüden der Figuren so passend zu dem, was auf der Leinwand passiert. Es ist eben etwas anderes, wenn ein Rick OConnell vor eine Mumie davonläuft und coole Sprüche bringt, als wenn ein Ego schlechte Pipi-Kacka-Witzchen erzählt, während er gleichsam in Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017) davon berichtet, daß er Star-Lords Mutter auch einen Tumor in den Kopf gesetzt hat. Tonaler Fail, anders kann man das nicht beschreiben.

Nicht selten kann ein inkonsistenter Ton, beziehungsweise ein ständiger Genrewechsel ein Todesurteil für einen Film bedeuten. Insgesamt ließe sich Die Mumie in diesem Fall zwischen Abenteuer-, Action-, Horror-, Fantasyfilm und zu Teilen Komödie kategorisieren. Das heißt also, daß hier durchaus eine Vielfalt geboten wird. Und daß Die Mumie dann auch so gar nichts mehr mit dem Originalfilm zu tun hat, ist bei weitem kein schlechtes Zeichen. Denn der Film erfindet sich zumindest neu. In gewisser Weise. Spätestens wenn etwa Meteoren vom Himmel fallen, dann hat der Film etwas geleistet. Das ist dann in der eigenen Filmhandlung durchaus sinnig, geht aber insgesamt nie über einen gewissen B-Movie-Charakter hinaus. Doch ohnehin ist Brendan Fraser ja auch der König der B-Movies, insofern passt das ja. Etwas seltsam hingegen mutet schon die Liebesbeziehung zwischen Rick OConnell und Evelyn Carnahan an, weil diese einerseits nur in ganz wenigen Szenen überhaupt ausgearbeitet wird und andererseits dann auch im Hinblick auf die eigentliche Geschichte wieder zur reinen Nebensache erklärt wird. Frei nach dem Motto „Ganz oder gar nicht" sollte man hier eigentlich verfahren. Doch auch dieser Umstand fällt nicht weiter auf, weil das Geschehen dafür, bedingt durch die ständige Reizüberflutung auf der Leinwand immer dynamisch bleibt. Langeweile kommt da sicherlich nur selten auf und allgemein hat dieses Werk einfach ein gutes Pacing.

Die Mumie ist sicherlich nicht mit seiner Vorlage zu vergleichen und in manchen Momenten besticht das recht simple Werk eben auch eher dadurch, daß es teils schlecht gealtert ist. Damit transferiert sich dieser Film auf eine Meta-Ebene, die aber trotzdem mit ganz offensichtlichen Vorteilen punkten kann. Cast, Timing und Pacing sitzen. Es macht Spaß, sich das anzusehen und ist einfach kurzweilig.

Die Mumie Bewertung
Bewertung des Films
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