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Dieses bescheuerte Herz

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Dieses bescheuerte Herz

Dieses bescheuerte Herz Kritik

Dieses bescheuerte Herz Kritik
0 Kommentare - 25.12.2020 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Dieses bescheuerte Herz" ist.
Dieses bescheuerte Herz

Bewertung: 2 / 5

Der verwöhnte Lenny Reinhard (Elyas MBarek) lässt sich von seinem Vater (Uwe Preuss) aushalten. Er hat keinen Job, ist überheblich, unberechenbar und lebt nur so in den Tag hinein. Irgendwann hat sein Vater die Faxen dicke und entschließt sich Lennys Kreditkarte zu sperren und trägt ihm auf, sich um den Herzkranken Jungen David (Philip Noah Schwarz) zu kümmern. Zusammen stellen sie eine Liste mit Dingen auf, die David schon immer erleben wollte.

Nimmt man die Geschichte als solche, so scheint sie doch recht ungewöhnlich, für das doch sehr nach Komödien lechzende deutsche Publikum zu sein. Der doch sehr dramatische Stoff fußt auf wahren Begebenheiten, oder zumindest dem, was Filme unter wahr verstehen. Ich möchte hier nicht zynisch erscheinen, gleichwohl habe ich diese doch sehr einzigartige Geschichte schon mehrere Male gesehen und finde sie nicht besonders originell.

Trailer zu Dieses bescheuerte Herz

Mit all dem im Hintergrund wage ich dann doch mich den positiven Aspekten des Films zu widmen. Die deutsche Filmlandschaft erfährt nur langsamen Aufstieg zur Brillianz und Genrefilme sind leider Gottes immer noch rar gesäht. Jeder Versuch in das Genrekino ist für mich eigentlich schon ein Applaus wert. Sei es auch nur ein minimaler Anteil des Films, so freue ich mich über jede Nicht-Komödie aus Deutschland. Weiterhin ist Elyas MBarek einfach ein toller Schauspieler. Man nimmt ihm dem Lebemann sofort ab. Der eigentliche Star für mich jedoch ist Nadine Wrietz als Betty Müller. Sie spielt eine, wenn auch sehr stereoptype, sehr gute Rolle. Wrietz schafft es die Sorgen und den Versuch einer Mutter, die nie genau weiß, wie lange ihr Kind noch leben wird, perfekt zu verkörpern.

Doch während Wrietz ihre Sache gut macht, so sind es die anderen Schauspielleistungen die ich doch stark ankreiden muss. Während ich zuvor sagte, daß man MBarek seine Rolle abnimmt, muss ich auf der anderen Seite aber auch sagen, daß sein Spiel wenig originell ist. Es mag dem katastrophalen Drehbuch geschuldet sein, aber ich sehe hier keinen Unterschied zwischen Lenny Reinhard und Zeki Müller. Beide leben nur in den Tag, beide müssen durch Junge Menschen resozialisiert werden und lernen das Leben zu schätzen. Das mag MBarek auf den Leib geschrieben sein, dennoch darf man sich an der Stelle gerne mehr zutrauen. Weiterhin habe ich große Probleme mit Philip Noah Schwarz als David. Es mag dem geschuldet sein, daß der Charakter krankheitsbedingt sozial abgeschottet ist, und sich somit eben nicht seines Alters entsprechend verhält. Dennoch empfand ich ihn zu hölzern, wenn es um das Ausdrücken von körperlichem Schmerz geht, zu aufdringlich wenn es um das Erreichen von Wünschen geht und viel zu infantil, wenn es so ziemlich um alles geht. Kurz um: Ich kaufe ihm zu keinem Zeitpunkt ab, daß er totkrank ist, was einfach ein großes Problem ist, wenn man den Film tragen muss.

Zwar traut sich der Film bestimmte Probleme Jugendlicher, oder Menschen generell anzusprechen. So gibt es etwa im Verlauf des Films eine Romanze zwischen David und dem Mädchen Sarah (Tesha Moon Krieg), daß unter einem Helfersyndrom zu leiden scheint und sich dahingehend eben in "hoffnungslose Fälle" wie David verliebt. Allerdings hätte man das eventuell auch zum Hauptthema des Films machen können, und nicht in einer von vielen Nebensächlichkeiten abarbeiten sollen. Und ach ja, irgendwie findet dann auch Rebell Lenny, der sich sonst nur mit seinen (das sei an dieser Stelle gesagt) oberpeinlichen, klischeehaften, Polohemdtragenden Hipster-Killern trifft, irgendwie die große Liebe. Auch muss man sich fragen, wieso Lenny überhaupt auf den Jungen aufpassen darf. Wie ist das gesetzlich geregelt, braucht es nicht jemanden, der irgendwie dafür qualifiziert ist?

Über allem steht die für deutsche Filme übliche Hochglanzoptik. Relativ Spartanische Szenen werden von der Kamera eingefangen, die wie so häufig eine Happy-End-Stimmung vermittelt.

Und zu dieser Schlußfolgerung kommt der Film dann letztlich auch, zwar gibt es hin und wieder Szenen, bei denen der an einer Sauerstoffflasche hängende David fast zu sterben droht, aber zum Ende fehlt es dem Film an letzter Konsequenz.

Denn ehrlich ist er damit nicht. Und es gibt durchaus bessere Geschichten zu diesem Thema. Gerade drei Jahre zuvor wurde der wirklich brilliante Bestseller Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green verfilmt, oder auch der oft verglichene Ziemlich beste Freunde. Also wozu brauche ich diesen Film? Natürlich hat er einige unterhaltsame Momente, natürlich sind auch einige schauspielerischen Leistungen zu berücksichtigen, dennoch lässt der Film viel zu viel Potential liegen, um ein doch sehr konventielles Finale zu schaffen, welches mich nur ergreift, weil eben Musik und Bild zusammen recht manipultaiv agieren. Doch Wahrheit erlangt man hier nicht, und man hat auch hinterher keinen besonders großen Erkenntnisgewinn. Schade, schade, schade

Dieses bescheuerte Herz Bewertung
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410
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