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Don’t Worry Darling

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Dont Worry Darling Kritik

Don’t Worry Darling Kritik

Don’t Worry Darling Kritik
0 Kommentare - 26.09.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Don’t Worry Darling" ist.
Don’t Worry Darling

Bewertung: 4 / 5

Die junge Alice (Florence Pugh) bringt in den 1950er Jahren ihren Lebtag damit zu, zu Putzen, Kochen und Partys zu organisieren. Zusammen mit ihrem Mann Jack (Harry Styles) hat sie ein Haus in der Firmenstadt von Victory, in welchem die Männer an einem streng geheimen Projekt arbeiten. Auf die Bedürfnisse der Bewohner achtet der mysteriöse Victory-CEO Frank (Chris Pine), der scheinbar mit jedem Bewohner ein gutes Verhältnis pflegt. Er verlangt nur, daß die Bewohner bedingungslos zu Victory stehen. Und je länger Alice in der heilen Welt ihr Dasein fristet, desto mehr bekommt diese Risse.

Mit einer großen Bürde und sehr selbstbewusst geht Dont Worry Darling in die Kinos. Ein Film, der kreativ sein will. Ein Film, der etwas erzählen will und ein Film, der großes Schauspielkino liefern möchte. Nun ließ sich nach dem Material das Marketing durchaus einiges erkennen, daß auf eine gewisse Idee hinter der Konzeption hinausdeutet. Schließlich würde man sich schnell die wichtigen Fragen stellen und dazu übergehen, was dieser Film dem Zuschauer nun präsentieren möchte. Es steckt da eine gewisse Epoche hinter und tatsächlich erinnert dieser Film damit sogar an ein weiteres Werk, daß ziemlich genau ein Jahr vor Dont Worry Darling startete. Die Rede ist hier von Last Night in Soho (2021), in welcher sich die Hauptfigur in eine Traumwelt flüchtet, die ihr immer mehr so vorkommt, als sei sie gar nicht so romantisch und ideal, wie sie sich das immer ausgemalt hat. Ähnlich ist da auch dieser Film, der von der heilen Welt berichtet, in der eine junge Frau ihrem Alltag nachgeht und eigentlich die gesamte Existenz auf das funktionieren und gefallen ausrichtet. Nun kann man sagen, daß dieser Film damit eine sehr messerscharfe Analyse der Gesellschaft präsentiert. Und ohnehin hegt Regisseurin Olivia Wilde auch hin und wieder optische Zweifel an der Zeit und daß es sich nicht vielleicht sogar doch um die Gegenwart handelt. Auf der anderen Seite ist dieses Werk durchaus damit auch leicht zu entwirren.

Trailer zu Don’t Worry Darling

Nun heißt leicht entwirren auch nicht, daß es damit schlecht ist. Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht. Und es wäre falsch diesen Film nur auf die Geschichte zu reduzieren, weil Wilde hier durchaus auch künstlerisch einiges zu bieten hat. Häufig bombardieren Filme und insbesondere Horrorfilme, beziehungsweise Psychothriller den Zuschauer mit Bildern, die er nicht zuordnen kann. Da passieren dann Dinge, die über das rationale hinausgehen und dem Zuschauer unerklärlich bleiben. Dieser Film hingegen ist da etwas anders, weil er durchaus mit Bildern spielt, die sich zuordnen lassen, wenngleich Wilde hier immer wieder zwischen guter Theatralik und Symbiose wechselt. Ohnehin hat Dont Worry Darling etwas sehr Künstlerisches, weil es sehr viel mit Bildern, Lichtern und allgemein dem Medium Film spielt. Da ist sie also wieder, die altbekannte Regel Show, dont tell. Und dieses Mantra lässt dann auch verschmerzen, daß die Geschichte eben in ihrer Grundkonstellation durchaus nicht so kreativ anmutet, wie man vielleicht den Eindruck haben könnte. Doch die Kreativität zeigt sich eben nicht nur im Surrealem. So kann man etwa mehrmals sehen, wie die Frauen des Victory Projects ihre Männer zur Arbeit verabschieden. Auch dort wieder, perfekte Symmetrie und keinerlei Leben. Es ist fast schon ironisch, daß gerade in der Dynamik so viel Statik liegt und im Leben soviel Tod. Wilde serviert damit gekonnt einen Blick auf die moderne Welt und damit ist auch klar, daß diese gut siebzig Jahre zwischen Filmzeit und realer Zeit nur marginal etwas verändert haben. Der Film kann mitunter dabei sehr zynisch rüberkommen, was sich auch in den starken Dialogen widerspiegelt.

Wenn es eine Schauspielerin gibt, die in den letzten Jahren und in den kommenden Jahren für viel Aufsehen sorgte und noch sorgen wird, dann ist das Florence Pugh. Mit Lady Macbeth (2016), Midsommer (2019), Little Women (2019) oder auch Black Widow (2021) bewies die Schauspielerin, daß sie zu den wandlungsfähigsten Künstlerinnen ihrer Generation zählt. Und wenngleich ihr Spiel in Dont Worry Darling sehr starke Parallelen zu Ari Asters Horrorfilm aufweist, so gelingt es Pugh abermals, als latent labil anmutende Frau zu begeistern. Zudem bleibt die Schauspielerin nicht einfach auf einem Punkt, sondern entwickelt und wandelt sich situativ mit ihrer Figur im Verlauf der Geschichte weiter. Ebenso überzeugend eröffnet Chris Pine mit seiner Darstellung des undurchsichtigen Gründers des Victory Project neue Ebenen. Zum einen, weil Pine hier so unglaublich ruhig und diabolisch aufspielt, spürt man die Bedrohung, die über diesem Wohnviertel hausen, sehr gut. Zum anderen bietet er damit den perfekten Kontrast zu Pugh. Die gesamte Geschichte erinnert dabei auch sehr stark an George Orwells 1984 und kann mitunter sehr erdrückend wirken. Wenn man schauspielerisch nach einem Schwachpunkt suchte, dann würde man vermutlich bei Harry Styles fündig. Zwar ist sein Spiel solide und auch seine Wandlung wirkt dahingehend relativ logisch, doch wenn man genauer darüber nachdenkt, fällt auf, daß die Wahl eines Shia LaBeouf in jener Rolle durchaus mehr Wucht gehabt haben könnte. Styles hingegen wirkt in einigen Momenten recht zurückhaltend und überschattet zu keinem Moment seine Leinwandpartner.

Unweigerlich kommen im Film natürlich viele gesellschaftliche Fragen auf, die mal mehr, mal weniger subtil thematisiert werden. Während natürlich die Darstellung einer Männer-Domäne durchaus sehr klassisch und die Kritik an diesem Zustand sehr offen anmuten, so verbleit der Film auf anderen Ebenen wesentlich weniger subtil. Zum einen, wenn es darum geht, die Gesellschaft zu porträtieren und den Hang des Menschen zu einer Führungskraft, die es erlaubt, die eigenen Augen zu schließen. Auch das spiegelt in Zeiten von aufsteigenden Autokraten durchaus einen Trend wider. Man kann dabei nicht genau sagen, wie viel letztlich von der Geschichte und den Macherinnen intendiert gewesen sein muss, doch Dont Worry Darling ist in jedem Fall ein gesellschaftliches Pulverfass, daß zu explodieren droht. Denn der Film wühlt auch durchaus in liberalen Wunden, was sicherlich auch den Umstand erklärt, warum er bei amerikanischen Kritiker*innen teilweise sehr schlecht wegkommt. Denn Einkommensverhältnisse und Machtstrukturen werden hier perfekt vorgeführt und wird gezeigt, wie gerne man hier Verantwortung abgeben würde. Dabei ist zudem interessant, wie steril letztlich diese Welt wirkt, in die der Zuschauer geworfen wird. Natürlich ist das auch wieder ein Kontrast zur Realität und auch hier erinnert der Film sogar ganz stark an Matrix (1999). Beinahe grotesk simpel inszeniert Wilde hier einen Überwachungsstaat, der so nur aus einer Satire stammen kann, weil jedwede Subtilität verloren geht. Der Film ist dabei sehr brachial, aber auch gekonnt, weil er zwischen Deutungsebene in Bildsprache und Fakten in der Erzählung ganz klar trennt.

Dont Worry Darling bietet die Antwort, auf die Frage, die sich kaum jemand zu stellen traut. Wenngleich der Film sich vielleicht zu sehr in Geschlechterrollen verliert, bietet er eine bitterböse Analyse der Zeit, die auch nicht davor zurückschreckt, das liberale Amerika zu entlarven. Nun muss man dazu sagen, daß einem das immer noch mehr zusagt, als es Populisten tun, doch Wilde erkennt auch hier Fehler und liefert dazu einen tollen Cast, der nur durch wenige Ausfälle recht gut bleibt. Auch die Reminiszenzen an andere Werke wirken dabei eher kreativ, als nur geklaut und der Film funktioniert eben primär durch Bilder. Und damit grenzt er sich vom modernen Film glücklicherweise sehr ab.

Don’t Worry Darling Bewertung
Bewertung des Films
810

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