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Dornröschen

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Dornröschen Kritik

Dornröschen Kritik

Dornröschen Kritik
3 Kommentare - 28.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Dornröschen" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Über Jahre hinweg versuchen König Stefan (Taylor Holmes) und seine Frau ein Kind zu bekommen. Doch all die Mühe ist vergebens. Als das glückliche Paar nun eines Tages doch ein Kind bekommt, wird dies im gesamten Königreich groß gefeiert. Nur die böse Hexe Malefiz (Eleanor Audley) wird nicht eingeladen, und so übt sie Rache an der Familie. Sie belegt die Prinzessin Aurora (Mary Costa) mit einem Fluch. An ihrem 16. Geburtstag, soll sie sich an einer Spindel stechen und sterben. Die drei Feen Flora (Verna Felton), Fauna (Barbara Jo Allen) und Sonnenschein (Barbara Luddy) schaffen es den Fluch einzudämmen, sodass die Schönheit nur in einen tiefen Schlaf verfällt.

Dornröschen ist vermutlich der Prototyp eines klassischen Disney-Werkes: Die Geschichte um eine böse Instanz, eine gute und reine Persönlichkeit und unterstützende Kräfte, die sich der Hauptfigur annehmen, ist das, was sich durch viele Werke klassischer Disney-Filme zieht. Aber nicht nur das, die Prägnanz, mit welcher diese Filme nicht nur das Kino in technischer Hinsicht revolutionierten, sondern auch auf inhaltlicher Ebene filmische Dramen bis heute beeinflussen. Dabei fällt auf, daß die Kernidee des von den Grimms aufgenommenem Märchens durchaus ein Stoff ist, den man nicht unbedingt als kindgerecht umschreiben würde und darin liegt neben der technischen Spielereien auch die große Brillianz von Dornröschen. Denn während andere verharmlosende Geschichten, von eigentlich als brutal entworfenen Geschichten, eben nur handzahm herüberkommen, so steckt auch im Subtext von diesem Film soviel mehr, weil er dem Zuschauer auch entsprechende Momente zutraut. So spielen auch Dornröschen stark mit Farben und Stereotypen, die Disney mit ihren Werken ja durchaus nicht unwesentlich mitprägten. Die Animationen wirken dabei teilweise schon stark an Schneewittchen und die Sieben Zwerge (1937) erinnernd, weil die Ausgangslage, sowie die generelle Entwicklung, aber auch die inszenatorischen Stilmittel ähnlich sind.

Da steckt dann durchaus auch dieser naive Gedanke nach Monarchie drin. Der gute, vertrottelte König, die wunderbar naive Prinzessin, der starke und beschützende Prinz. Ja, die Geschichte ist genau das, was man sich eben so vorstellen mag. Doch ist das nicht unbedingt nur Disneys Verschulden, wenn man etwaige Stigmen als negativ ansieht. Es ist die generelle Verklärung von Märchentropen, die sich über die moderne Geschichte erstreckt und damit auch in der Wertung der Kunst so ein Eigenleben entwickelt, daß es schwierig wird, nun überhaupt noch Schuldige zu suchen. Ebenso seltsam ist, daß der Film durchaus eine Geschichte hat, die sich in zwei Sätzen zusammenfassen ließe, und inhaltlich wird dann natürlich auch einiges ausgespart, wodurch zum Beispiel Dornröschen als Figur bei weitem nicht so greifbar wirkt, wie es andere Disney-Prinzessinen oder Figuren im Allgemeinen tun. Denn tatsächlich scheint sie zur Nebensache im eigenen Film erklärt worden zu sein. Und das spiegelt sich dann auch retrospektiv wider, weil man nie das Gefühl bekommt, man hätte irgendwas über die Figur erfahren. Das mag auch der Zeit geschuldet sein, weil die Figurenzeichnung zu diesen Tagen oftmals zu wüschen übrig ließ und da auch ganz klar patriarchale Strukturen zum Alltag gehörten. Doch das Werk leidet darunter.

Indes bleibt natürlich auch zu klären, inwieweit sich Dornröschen als Wertung eines reinen Filmes überhaupt anbietet. Denn auf analytischer Ebene befindet sich dort ein reiner Kampf zwischen Monarchen. Dann wird da mit Floskeln zwischen gut und böse gehadert, wodurch der Konservatismus hinter der Marke Disney natürlich beruhigt sein dürfte. So ganz aufgeht das natürlich nicht, schließlich lassen sich da auch unglaublich menschenverachtende und naive Aussagen treffen. So zum Beispiel, daß es dem Volk hier dürstet einen guten Herrscher zu haben. Diese Ideen und Ideologien kann man sicherlich noch weiterspinnen. Allerdings darf man sich auch von diesem Werk berieseln lassen, weil nämlich nicht nur das reine Handwerk einfach nach wie vor beeindruckend ist, sondern auch die Farbgebungen als solches, durchaus künstlerische Integrität aufweisen. So spielt Dornröschen mit einer Kombination aus purem Realismus, indem die Figuren sich klassischen Strukturen hingeben und Teil einer objektiv und greifbaren Welt ist. Doch dann kommen da diese albtraumhaften Szenerien, die in ihrer Drastik nicht nur das gesamte Momentum für sich vereinnahmen, sondern auch die pure Angst grandios widerspiegeln. Dabei erwachen Gegenstände zum Leben und sie werden greifbar, ohne daß das Werk an Glaubwürdigkeit einbüßen würde.

Es gibt da dann natürlich etliche Dinge, die man aus heutiger Sicht vielleicht besprechen könnte. Von der Figurenzeichnung, über die teilweise verherrlichte Monarchie, bis hin zu einer Fee, die auf ihr äußeres reduziert wird, ist alles dabei, was man eigentlich direkt mal in eine Überarbeitung schicken würde. Interessant ist zudem, daß Disney, einer der konservativsten Wertvermittler der Filmgeschichte, da so oft außen vor gelassen wird. Und dennoch findet der Film, abseits der farblosen Protagonistin, vor allem einen Gefallen an der bösen Malefiz, die tatsächlich eine Gravitas zu sich hat. Da geht es dann nicht um reine Nachvollziehbarkeit, dafür bleibt die Figur am Ende auch einfach zu schablonenhaft. Allerdings ist gerade ihr Auftreten und ihre Boshaftigkeit das, was am meisten fasziniert. Denn durch ihre Ausstrahlung bleibt sie dadurch im Gedächtnis. Man könnte dem Film sogar anrechnen, daß er durch die ungerechte und stereotype Behandlung zu Beginn ungewollt doch eine mehrdimensionale Figur damit kreiert.

Interessant ist zudem, daß der Film seinen Humor weitestgehend reduziert. Wo andere Werke noch eine Aufheiterung in Sachen Humor versuchten, lässt dieser Film weitestgehend den Comicrelief aus, um der Geschichte auch eine gewisse Tragik zu lassen. Das ist insofern auch beeindruckend, als daß es andere Disney-Filme durchaus taten.

In Dornröschen ist das Leben schön. Rollen waren nie vorgesehener als in diesem Werk und daran kranken viele dieser Geschichten, weil sie sich für etwaige geförderte Stigmen immer rechtfertigen müssen. Darüber hinaus ist das Werk natürlich handwerklich großartig und sucht darin seine wahre Kunst. Auch die Geschichte lässt sich schnell wegschauen, wodurch der Film sich auf das Nötigste reduziert und dadurch auch so anschaubar bleibt.

Dornröschen Bewertung
Bewertung des Films
710

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3 Kommentare
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Shred : : Moviejones-Fan
13.06.2022 13:36 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.13 | Posts: 1.562 | Reviews: 15 | Hüte: 88

@ProfessorX

natürlich sind viele Figuren der alten Filme sehr eindimensional. Prinzessinen mussten gerettet werden, Prinzen waren Schönlinge und eigentlich nur dazu da um das Happy End herbeizuführen. Letztendlich waren es damals verstärkt immer die Nebenfiguren die den eigentlichen Spass der Filme ausmachten, seien es die 7 Zwerge bei Schneewittchen, die Feen bei Dornröschen, die Mäuse bei Cinderella oder die Piraten bei Peter Pan. Aber genauso klischeehaft wie die Damsel in Distress in der alten Zeit hast du in den heutigen Filmen oft das toughe Mädel das versucht sich aus ihrer Klischeerolle rauszukämpfen, was schon wieder selbst ein Klischee geworden ist. Stereotypen in Disney Filmen bleiben weiterhin Bestand ;)

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
12.06.2022 19:52 Uhr | Editiert am 13.06.2022 - 15:34 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 735 | Reviews: 318 | Hüte: 29

@Shred

Ja, ich müsste zwecks Vergleich auch nochmal Schneewittchen sehen. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, daß sich beide Film sehr stark ähneln. Darüberhinaus finde ich, daß viele dieser älteren Disney-Filme tatsächlich noch recht simple Sturkturen aufweisen und eher auf anderen Ebenen interessant sind.

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Shred : : Moviejones-Fan
10.06.2022 10:52 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.13 | Posts: 1.562 | Reviews: 15 | Hüte: 88

Verspätet habe ich jetzt mal diese Kritik gelesen. Dornröschen ist für mich zu gut um schlecht zu sein aber irgendwie auch zu schlecht um als wirklich gut angesehen zu werden. Optisch weiss er zu gefallen, Malefiz ist faszinierend und wohl nicht zu Unrecht Disneys Vorzeige-Schurkin (bevor sie vom eigenen Konzern demontiert wurde). Humor liefern die Feen eigentlich genug, aber hier ist der erwähnte Knackpunkt von dir. Als Hauptfigur taugt Dornröschen tatsächlich gar nichts und sie ist einfach nur das Mädel das gerettet werden muss. Der Prinz hat hier zwar etwas mehr zu tun und ist charakterlich ausgereifter als bei Schneewittchen aber so richtig taugt auch er nicht als Heldenfigur. Diese Rolle kommt auch hier eher den Feen zu die damit sowohl die ersten Sidekicks sind die gleichzeitig auch die Heldenrollen ausfüllen müssen, weil alle anderen Charaktere einfach zuwenig Format aufweisen. Daher deckt sich deine Meinung über den Film schon sehr mit meiner.

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