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Dreamgirls

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Dreamgirls Kritik

Dreamgirls Kritik

Dreamgirls Kritik
0 Kommentare - 16.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Dreamgirls" ist.

Bewertung: 3 / 5

Detroit in den frühen 1960er Jahren. Der Autoverkäufer und Eventmanager Curtis Taylor Jr. (Jamie Foxx) entdeckt bei einem lokalen Talentwettbewerb eine Girlgroup namens „The Dremettes“. Diese bestehen aus Deena Jones (Beyoncé Knowles), Lorrell Robinson (Anika Noni Rose) und Effie White (Jennifer Hudson). Die Damen hoffen auf den großen Durchbruch, doch treten zunächst als Backup-Sängerinnen für den berühmten Rockstar James „Thunder“ Early (Eddie Murphy) auf. Seine anzügliche Ader sorgt für Unmut in den prüden Staaten und er fällt nach und nach wieder in die Tiefe. Dennoch nutzen die Damen eine Chance, die sich ihnen eröffnet.

Wo fangen wir an? Es ist schwer, sich Dreamgirls anzunähern und zu erläutern, worum es sich eigentlich bei dem Film handelt. Klar, offenkundig ein weiteres Musical, daß vom Aufstieg, vom zufälligen Talent und von Einzigartigkeit berichtet. Doch diese einzigartigen Leben, hat der Zuschauer gerade auch in jedem Bio-Pic über eine Band, oder einen Musiker zur Genüge gesehen. Es ist auserzählt, war es im Jahr 2006 vielleicht noch nicht. Aber ja, mit den Jahren reifen Filme vielleicht wie ein guter Wein, andere verfaulen gewiss aber auch. Es sind viele Ecken und Kannten, die Dreamgirls bedient. Aufstieg zum Star, innere Konflikte unter den Mitgliedern, Sex, Liebe, Macht, Verträge, mafiöse Verbindungen und so weiter und so fort. So ganz klar ist nicht, was Dreamgirls eigentlich zwischen den Zeilen erzählen möchte. Denn er kommt, ähnlich wie moderne Hollywood-Filme nach MeToo häufig zu dem Schluß, daß man einfach den bösen Chef im System herausnimmt und dann hat man den Konflikt gelöst, besser gesagt, es kann dann so weitergehen, wie bisher. Das ist schon extrem schlicht gedacht und zeigt sich auch wieder an der Figur von Jamie Foxx. Dieser spielt seinen Curtis Taylor Jr. zwar recht gut, aber es ist von Anfang ebenso klar, worauf das hinauslaufen wird, selbst wenn man es nicht so gerne glauben möchte.

Dreamgirls konterkariert Tragik mit Glanz, da werden dann Konflikte und Manipulationen teil der Geschichte, die natürlich wie so häufig den pervertierten Kapitalismus dekonstruieren wollen. Zugegeben, daß funktioniert auch recht gut, weil man dann eben auch herausstellt, daß dieser vor der eigenen Familie und den Freunden keinen Halt mehr macht. Häufig ist das eben der Kampf zwischen Konservatismus und Neoliberalismus, den viele immer noch nicht so ganz verstanden haben. Aber ja, hier sieht man das vor allem dann, wenn C. C. White verstoßen wird. Indessen wird der Exzess, den die machthungrigen Männer und Damen hier ausleben, immer größer. Sofern man Exzess überhaupt noch steigern kann. Dabei stellt sich in Dreamgirls aber immer wieder ein Thema in den Vordergrund. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn es nicht so wäre. Aber ja, die Hautfarbe der Figuren und die Tatsache, daß es sich hierbei um afroamerikanische Sängerinnen handelt, ist immens wichtig, um den Film zu verstehen. Das mag der Film vielleicht selber nicht so herausstellen, aber ja, wenn man einen Film über den Aufstieg von dunkelhäutigen Menschen erzählt, dann schwingt eben ein rassistisches System immer wieder mit. Dann kommen eben auch im Film die klügsten und ehrlichsten Zeilen zutage, wenn man feststellt, daß die Unterhaltungsindustrie eben weiß geprägt ist.

Hin und wieder gibt es dann auch Ausflüge ins Rise-and-Fall-Genre, indem man zum einen natürlich die klassische Struktur dessen aufgreift. Machen ja die meisten solcher Filme und andererseits aber auch den Hang zur Kriminalität andeutet. Nun ist Dreamgirls vielleicht dabei nicht unglaublich brutal. Doch Macht und Exzesse erfordern auch hier ihre Opfer. Und ja, nicht jeder geht aus der Nummer noch lebend heraus. Insgesamt fehlt aber etwas in Dreamgirls. Die Geschichte ist klar, das Verlangen der Figuren ebenso. Doch man hat den Eindruck, als ziehe man sich ganz schnell durch die Geschichte. Kaum Zeit bleibt, um wahrhaftige Charaktermomente zu schaffen. Zwar bleibt Eddie Murphy im Gedächtnis, doch was genau seine Figur eigentlich will, abgesehen von Kampf in einer bestimmten sozialen Schicht, bleibt offen. Obwohl so viel mit Herz und Seele argumentiert wird, hat der Film unglaubliche Probleme damit, überhaupt selbst etwas davon zu haben. Natürlich, weil die dargestellte Welt irgendwo auch eine kalte ist und der Kontrast aus Glamour und Glanz im Vergleich zur knallharten Geschäftswelt dargestellt werden soll. Doch irgendwie ist das komisch, ein Scorsese gelingt das mit Werken wie The Wolf of Wall Street (2013) ja auch immer wieder.

Die systemischen Fragen, so etwa der Krieg der Schwarzen untereinander, könnte interessant sein. Dafür muss man natürlich Schwarze als eine eigenständige Gruppe begreifen. Doch auch hier scheitert der Film so ein wenig, weil er nie über gängige Klischees hinausgeht und zu oberflächlich bleibt. Viele können sich sicherlich denken, wie das gemeint ist und ja, man muss auch nicht alles aus erzählen. Doch man wäre hier in Sachen Drastik durchaus etwas mehr in der Lage gewesen, systemische Probleme offenzulegen. Nicht umsonst besagen Statistiken, daß Gewalt in „diesen Kreisen“ eben eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Natürlich würde das aber auch so ein wenig an Hollywood kratzen. Denn die einen können ja nicht perfekt leben, während die anderen leiden und dann funktioniert auch der Balsam, daß Musicals häufig sein wollen, nicht mehr.

Nette Unterhaltung ist Dreamgirls dennoch ob all seiner Probleme. Es ist eben eines von vielen Musicals, daß seinen Fokus leider falsch legt, obwohl er ja Probleme anspricht und erkennt. Leider zu wenig. Was verbleibt ist ein netter Unterhaltungsfilm, der aber nie darüber hinausgeht.

Dreamgirls Bewertung
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610

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