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Flammendes Inferno

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Flammendes Inferno Kritik

Flammendes Inferno Kritik

Flammendes Inferno Kritik
0 Kommentare - 22.06.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Flammendes Inferno" ist.

Bewertung: 3 / 5

In San Francisco wird eine Feier zur Einweihung des höchsten Wolkenkratzers der Welt veranstaltet. Doch bald bricht ein großes Feuer aus, während sich die gesamte Prominenz der Stadt im 135. Stock versammelt und von den Flammen eingeschlossen wird. Unter ihnen sit auch der Architekt des Gebäudes Doug Roberts (Paul Newman), sowie der Chef der Feuerwehr Michael O’Hallorhan (Steve McQueen). Sie setzen alles daran, die Menschen vor Ort zu retten.

Erinnern sich Cineasten daran, wann sie das letzte Mal große Freude am Krawall empfanden? Es ist eine spannende Frage, die sich stellt, sobald das Spektakel die Massen erreicht. Eskapismus in Reinform und larger than Life kämpfen sich eindimensionale Figuren durch alles was knallt, alles was brennt und alles, was das Leben an seine oberflächlichen Grenzen führt. Nun ist Flammendes Inferno ein Symptom dieses Phänomens und entstammt aus einer Epoche, in der es wirklich schwer war, große Bilder produzieren. Oder sagen wir, daß es zumindest noch mit mehr Handwerk und Ideenreichtum verbunden war. Denn immerhin ist es oberflächlich betrachtet schon beeindrucken, was Regisseur John Guillermin da auf die Leinwand bringt. Große, gewaltige Feuer, weite Flure, Hubschrauber, Rauch und vieles mehr. Tatsächlich hält man sich hier auch nicht allzu lange mit moralischen Fragen auf. Vieles wird zu Beginn schnell etabliert und abgefrühstückt und dann geht es primär um den großen Knall. Klar, Philosophen könnten sicherlich auch einen intellektuelleren Zugang dazu finden und irgendwo zu einem Entschluss, einer tiefsinnigeren Aussage gelangen. Nun, so viel sei schon mal verraten, die gibt es auf jeden Fall im Film. Fraglich bleibt nur, ob man dazwischen nicht ein wenig gelangweilt wird, weil in der Tat trotz all dieser Bilder nicht allzu viel im Film passiert. Nein, das ist schlicht.

Verankert ist Flammendes Inferno trotz seiner offenkundigen Permanenz im Blockbuster, aber dennoch in New Hollywood, oder besser gesagt in einer Mischung aus dem Golden Age und diesem. Große Bilder, große Sprüche und große Taten. Der Auslöser des gesamten Dramas ist schnell gefunden und wird hier in stümperhafter Elektronik oder besser gesagt billigem Verbau von billigem Material gefunden. Die Schuld trägt ein zu gieriger Besitzer und dann müssen hunderte um ihr Überleben kämpfen. Nun ist das als Auslöser natürlich sehr einfach und sorgt schnell dafür, daß man Sympathien und Abneigungen im Film schnell an die Figuren verteilt hat. Moral ist hier das Stichwort und ein gewisser Idealismus ist dann auch nicht allzu fern. Flammendes Inferno will aber in erster Linie auch nicht als Politikum verstanden werden. Sonst wäre ja die Prämisse sicherlich deutlich ausgefeilter. In erster Instanz ist der Film also Unterhaltung, aber moderate. Im weiteren Verlauf nämlich geht es dann nicht darum zu klären, wo hier Schuld liegt oder was das systemisch bedeutet. Sondern es geht darum, wie man am effektivsten Leben rettet. Und damit steht John Guillermins Film natürlich in einer langen Tradition solidarische Werke und Produktionen. Hier geht es um den Zusammenhalt, Selbstlosigkeit und den Umgang mit Katastrophen. Erstaunlich dabei ist natürlich der Blick auf die Figuren. Obwohl es ein hysterisches Momentum darstellt, sind die Figuren hier zu keinem Zeitpunkt außer Kontrolle. Und zwar in dem Sinne, daß sie sich einer Katastrophe stellen und nie zweifeln oder sogar an ihre psychischen Grenzen geraten.

Nun muss man sagen, daß sich die Menschen in den 1970er Jahren vermutlich noch eher mit Krisen auskannten, als es heute der Fall ist. Das Leben wurde aber anders begriffen und hier zeichnet Flammendes Inferno vor allem heroische Menschen. Angst kennen sie nicht uns Verlust ist nur ein Kratzer. Nun fügt sich das aber auch ganz gut in den Film. Immerhin will Guillermin vor allem mit der Oberfläche Eindruck beim Zuschauer schinden. Es ist auffallend, daß eine Katastrophe die Menschen hier zusammenführt. Sie können unterschiedliche Interessen haben, oder Dinge vertreten, aber im Angesicht der Katastrophe stehen sie zusammen und nehmen Rollen ein. Nun kann man ähnliche Phänomene in jüngerer Zeit auch in der Realität feststellen und daher trifft Flammendes Inferno damit auch auf jeden Fall einen Nerv und kann damit als ehrlich dem Zuschauer gegenüber und den Figuren untereinander verstanden werden. Zumal es aus heutiger Perspektive fast schon erfrischen ist, daß die Figuren bis auf ganz oberflächliche Ausnahmen eigentlich keine Verwandtschaftsverhältnisse zueinander haben. Dadurch wird die Solidarität ehrlich, denn immerhin empfinden viele Menschen der Familie gegenüber eine Pflicht-Solidarität. Denn es ist schon etwas ganz anderes, ob man nun seine Familie rettet, oder eben fremde Menschen. Gerade im Hinblick auf den Kapitalismus ist das eben nicht selbstverständlich, natürlich ist das dann irgendwo pathetisch, wenn bestimmte Menschen hier ins Feuer rennen und Kinder retten. Natürlich ist Verbreitung von veralteten Rollenbildern, wenn Männer zuerst Kinder und Frauen in einen Hubschrauber hieven, um sie zu retten. Doch es ist eben hier auch ein fast animalischer, biologischer Kampf vorzufinden, nach welchem Männer schon allein ob ihrer Physis mehr ausrichten können. Also geht es hier auch nicht wirklich um Rollenbilder, sondern um eines der Kernmerkmale einer Solidargemeinschaft. Und das macht wirklich Freude.

Klar, es ist natürlich die Frage, ob ein genereller Reiz darin liegt, wenn alles knallt und brennt. Anarchisten mögen das sicherlich. Alle anderen werden den Film vielleicht als zu lang empfinden. Dennoch ist Flammendes Inferno auch abseits dieser Dinge ein recht straffes Werk, daß auch unterschwellig hin und wieder dein einen oder anderen gesellschaftlichen Kommentar vom Stapel lässt. Gerade in der Figur und Verkörperung durch O. J. Simpson wird das deutlich gemacht. Mag zwar auf einer Meta-Ebene schlecht gealtert sein, aber es ist eben am Ende des Tages auch nur eine Meta-Ebene und nicht der Film.

Groß aufgelegtes Solidarkino präsentiert Flammendes Inferno. Das rechtfertigt sich zwar nicht über die gesamte Laufzeit, hat aber dennoch einiges an Schauwerten zu bieten, die heute ihresgleichen suchen. Man kann damit große Freude haben, aber weltbewegend wird das dann auch nie.

Flammendes Inferno Bewertung
Bewertung des Films
610

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