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Footloose

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Footloose Kritik

Footloose Kritik

Footloose Kritik
0 Kommentare - 22.06.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Footloose" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Ren McCormack (Kevin Bacon) ist ein enthusiastischer Tänzer und zieht mit seiner Mutter aus Chicago in die langweilige Kleinstadt Bomont. Dort wird das Wort von Reverend Shaw Moore (John Lithgow) extrem hochgehalten und er ist ein konservativer Mensch. Als ein paar Jugendliche nach einem Autounfall ums Leben kommen, sind Rockmusik, Alkohol und auch das Tanzen in Bomont verboten. Daher gerät Ren bald in Konflikt mit seinen Mitschülern und anderen Bewohnern. Doch gerade die Pfarrerstochter Ariel Moore (Lori Singer) und deren beste Freundin Rusty (Sarah Jessica Parker) sind von Ren fasziniert und freunden sich mit ihm an. Sie versuchen das Dorf wieder freier zu machen und alte Regeln aufzubrechen.

In einer Kleinstadt kann man das soziale Miteinander und die Regeln und Normen einer Gesellschaft immer mal ganz gut ablesen. Was gehört sich? Wie reagieren Menschen darauf? Und es gibt dann Unmengen an Fragen, die ob der Idylle vor Ort erst einmal zutage gefördert werden müssen. Footloose ist so ein Werk, daß im Vorort stattfindet. Ist ja in den 1980er Jahren auch ein beliebtes Thema gewesen, wie etwa Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986) unterstreicht. Doch man sollte nicht glauben, daß Herbert Ross hier wirklich zum Nachdenken anregen wollte. Klar, Footloose bietet sich definitiv an, über ihn zu sprechen. Gleichwohl wirkt alles ein wenig leicht und man kann auch nicht ernsthaft behaupten, daß das was man dort vorfindet, wirklich grandios oder zeitlos wäre. Wenn man einen Film braucht, der die 1980er Jahre so ein wenig beschreibt, dann kann man dieses Werk sicherlich zurate ziehen. Der Film ist inhaltlich groß, aber in seiner Ausführung durchaus ein wenig trashig geraten. Immerhin wirkt der Gedanke um ein Tanzverbot irgendwo absurd und einen Film über so ein Thema zu machen irgendwo auch. Nun kommt aber der Knackpunkt der ganzen Nummer, denn Footloose basiert auf wahren Begebenheiten. Zumindest in einigen Teilen, wie das nun genau aussah, mag ich an der Stelle nicht beantworten können. Aber ja, Footloose hat einen wahren Kern.

Und diesen wahren Kern hat das Werk nicht nur in der Geschichte, sondern auch dort, wo sich das Substantielle am Film befindet. Nehmen wir uns also zunächst mal das vor, was der Film definitiv vorgibt. Da gibt es diesen jungen, rebellischen Unruhestifter, der in eine kleine Stadt zieht. Diese ist bereits im Dunkeln am Kämpfen und man merkt sofort an, worauf Ross hier hinaus will. Er zeichnet einen Generationenkonflikt, der darüber hinaus auch brennende, gesellschaftliche Fragen in den Raum wirft. Besonders auffallend ist hierbei die Rolle von John Lithgow. Er verkörpert Reverend Shaw Moore, einen recht konservativen Mann. Ist natürlich bei der Profession auch irgendwo klar. Aber ja, immer wieder spricht er von Ordnung und Regeln innerhalb des Ortes und findet im Treiben der Jugend eigentlich das wahr gewordene Antichristentum. Sex, Drugs and Rock ’n’Roll waren natürlich schon immer die Feinde des Konservatismus und so ist verständlicherweise klar, daß Ren McCormack als Unruhestifter angesehen wird. Diese Bezeichnung wird zwar immer sehr vage bleiben, aber im Kontext der Geschichte, wie auch des Konservatismus beschreibt sie eigentlich eine Person, die an Werten und Normen kratzt. Und das Geniale an Footloose ist, daß der Film eigentlich Figuren erzählt, die für eine tiefere Ideologie stehen, als nur ein einfacher Konflikt. Und durch die Einbindung der Familie im Kern hebt Footloose diesen Konflikt auch auf eine sehr persönliche Ebene. Und diese Familie und die Macht, die Shaw Moore ausüben kann, ist wirklich bedrohlich. Als Prediger im eigentlichen Sinne, sagt er dem Fortschritt den Kampf an und man hat das Gefühl, daß der Film damit eine gesellschaftliche Ordnung zeichnet, die erschreckend aktuell ist.

Nun kann man leicht dem Irrglauben verfallen, Footloose handle einfach nur vom Tanzen. Das ist zwar nicht falsch, aber banalisiert worum es eigentlich im Kern steht. Denn Tanzen ist hier auch klar als Metapher zu verstehen und so wird auch klar, warum Shaw Moore seine Tochter davon abhalten will, an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen, den Ren McCormack ins Leben ruft. Das ist die pure Revolution, und zwar nicht nur im systemischen Sinne, sondern es spiegelt gleichermaßen auch den Sexualtrieb wider. Mag sein, daßs das nur in den Köpfen stattfindet und die Angst von Moore auch nur deshalb so groß ist, weil er einer der wenigen ist der bedingt durch sein Alter versteht, was mit Tanzen gemeint ist, aber der Film will klar darauf hinaus, daß eine Furcht vor Sex besteht und nicht vor den Fehlern oder negativen Erfahrungen, die mit Sex verbunden sein könnten. Insofern sagt der Film der Prüderie den Kampf an und man kann ihm da nur Applaudieren, daß er eine wirklich tolle Metapher gefunden hat, um das auszudrücken. Footloose ist vielleicht unbeholfen darin, wirklich gute Figuren zu zeichnen. Sie sind auch mehr Metaphern, ganz klar. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, dann bekommt man die pure Rebellion serviert, die sich auch in den jungen Menschen der 1980er Jahre wiederfindet. Das Traurige daran ist vielleicht, daß der Film in weiten Teilen dem modernen Amerika den Spiegel vorhält und man sich fragt, warum sich die Geschichte so im Kreis dreht. Also nicht die filmische, sondern die historische.
Der große, oberflächliche Charme in Footloose kommt natürlich durch das beschwingte und sinnliche Tanzen hervor. Musik, Kleidung und Lebensgefühl. Alles wirkt hier sehr einfach und entgegen jeder Katastrophe. Es ist Realitätsflucht in Reinform die sich in diesem Werk offenbart. Unaufdringlich, ein wenig naiv und sehr charmant. Soll man ihn dafür hassen? Nein, das geht nicht. Und klar, man kann jetzt wieder diesen absurden Spruch vom Stapel lassen, daß früher alles besser gewesen wäre. Allerdings muss man sagen, daß solch kritische und ideologiekritische Werke wie Footloose im heutigen Blockbuster wohl kaum noch abgehandelt würden. Wer das nicht glaubt, der muss sich einfach mal mit A Quiet Place (2018) oder Free Guy (2021) befassen. Früher war das Problem in der Familie, heute ist das Problem die Familie vor äußerem zu Schützen. Doch das will einfach niemand mehr.

Klar, Footloose ist filmisch, wie inhaltlich nicht gerade weltbewegend. Die Geschichte passt auf einen Teelöffel. Doch es zeigt sich auch hier wieder erneut, daß Geschichten in Filmen absolut irrelevant sind und es eigentlich um ganz andere Fragen gehen sollte. Diese sind hier systemischer, visueller, wie auch auditiver Natur und dadurch bleibt der Film schwungvoll und interessant.

Footloose Bewertung
Bewertung des Films
710

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