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Harry und Sally

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Harry und Sally Kritik

Harry und Sally Kritik

Harry und Sally Kritik
0 Kommentare - 25.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Harry und Sally" ist.

Bewertung: 4 / 5

Gerade vom College gekommen, lernt Harry (Billy Crystal) im Jahr 1977 Sally (Meg Ryan) kennen. Sie wurde ihm von einer Freundin als Mitfahrgelegenheit vermittelt und zusammen fahren sie von Chicago nach New York. Die Fahrt wird für die beiden noch länger, als die feststellen, daß sie einander überhaupt nicht sympathisch sind. Angekommen in der Metropole geht jeder seines Weges und damit sollte eigentlich alles vorbei sein. Doch fünf Jahre später treffen sich die beiden zufällig am Flughafen wieder. Beide sind glücklich vergeben und erst weitere fünf Jahre später begegnen sie sich in einem Buchladen wieder. Sie beschließen eine platonische Freundschaft einzugehen und das, obwohl Harry der Überzeugung ist, daß Männer und Frauen nie bloß Freunde sein können. Ihnen sei immer der Sex im Weg.

Es sind im Kern schon recht simple Gedanken, die Harry und Sally zu einem Klassiker gemacht haben. Die Frage nach der ewigen Liebe, mit der auch geistlosere Werke wie How I Met Your Mother (2005 bis 2014) seine Zuschauer doktrinisch verblödete, ist ja eine Frage, die das Leben im Allgemeinen im Atem hält. Wenngleich natürlich die reine Statistik gegen die Unendlichkeit spricht und auch ein gewisser Wandel nicht kollektiv stattfinden kann, so ist die Liebe als Institution – wenn auch in klassischer Hinsicht auf dem absteigenden Ast – immer noch so etwas, mit dem sich gewisse Institutionen wie Kirchen am Leben erhalten. Und natürlich mit Geld. Klar, viele von denen leben auch mal eine eindeutig falsche Liebe, aber das tut der Begeisterung ja auch zur Genüge Abbruch. Das heißt also, daß die Ausgangslage und wohin das Werk von Drehbuchautorin Nora Ephron unweigerlich führen wird, keineswegs etwas ist, wo man sich am Ende wundern sollte. Zumindest dürfte allen klar sein, daß die Figuren nur auf eine Art und Weise enden können. Gleichwohl ist das auch nicht schlimm, dennoch muss man sagen, daß Rob Reiner hier kein zeitloses Meisterwerk inszenierte. Zeitlos in jedem Fall, aber eben kein Meisterwerk. Und das ist schon wichtig, weil die letztliche Geschichte ja eigentlich nur eine Ansammlung von Banalitäten und Geschlechterstereotypen ist. Und Liebe wird hier für progressivere Geister zu konventionell gedacht. Da war man bei Fassbinder schon weiter.

Wenn es etwas gibt, daß unglaublich schwer zu erreichen ist und was tatsächlich auch nur ganz, ganz wenige Autoren schaffen, ist es die Manifestierung genialer Dialoge. Tarantino ist natürlich das Paradebeispiel. In seinen Filmen über zwielichtige Mörder, die auf dem Weg sind ein paar Jungs zu drangsalieren, wird im Fahrstuhl über Hamburger und Fußmassagen philosophiert. Nun kommt Ephrons Schreibe vielleicht nicht ganz daran. Wobei der Vergleich natürlich auch im Kern schon absurd scheint. Allerdings ist Harry und Sally ein Film der klaren Antworten, die für alle auf der Hand liegen, nur eben für die Hauptfiguren nicht. Das erweckt eine ähnliche Spannung, wie in einem Thriller, oder Slasher, weil man eigentlich ins Bild schreien möchte, daß die Figuren sich endlich umdrehen oder aufwachen sollen. Und da muss man sagen gelingt es Reiner einen hohen Stellenwert ins Banale zu legen, sodass die grundsätzliche Prämisse schon kaum noch stört. Wie er das schaffen konnte bleibt fraglich. Vermutlich ist es ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, begünstigt durch Dialoge, Inszenierung und die toll aufgelegten Darsteller. Dann serviert der Film den Zeitgeist der 1980er Jahre. Klar, auch das kann man heute kaum noch ertragen, weil es jeder Film und jede Serie so tut. Hierdurch entsteht aber eine gewisse Reife, die Harry und Sally unverkennbar als Zeitprodukt markiert, in welchem einfache Fragen noch einfach gehalten wurden und man nicht versuchte, die einfache Metapher zu verschachteln, um dem Zuschauer vorzugaukeln, er würde etwas Neues sehen.

Diese Natürlichkeit der Dinge, wird nicht zuletzt auch durch die beiden Hauptdarsteller getragen. Zwar erweckt Meg Ryan als Person hier schon den Eindruck, sie sei als gewöhnliche Frau nicht unbedingt als Maßstab anzubringen, doch das macht die Schauspielerin mit ihrem neurotischen Charme wieder wett. Unterdessen ist es angenehm in Billy Crystal einen Darsteller zu sehen, der wirklich das normale Leben ganz gut porträtieren kann. Keine Ahnung, ob man damit jetzt jemandem auf den Schlips getreten hat. Harry und Sally ist aber doch trotz seines konventionellen Themas eben nicht allzu konservativ. Das liegt zum einen daran, daß die Figuren eigentlich nicht allzu viel gemein haben und sich ständig zur Weißglut bringen. Zum anderen liegt der Skandal aber auch daran, daß Sexualität hier öffentlich wird. Nun ist das zunächst eine sehr schwierige Angelegenheit. Immerhin gehört Only-Fans und das in die Welt tragen des Schlafzimmers inzwischen zu jeder dritten Influencerin. Insofern liegt der Skandal hier gar nicht so sehr in der Sexualität, sondern eher darin, daß es kein Geschäftsmodell ist. Wenn Harry und Sally in einem Diner über Orgasmen philosophieren, dann ist das insofern skandalös, als das man sich das in den Staaten und vermutlich auch in großen Teilen Europas immer noch nicht erlauben könnte. Das ist natürlich einerseits traurig, zeigt aber auf der anderen Seite auch, wie gewagt das Werk dann doch ist.

Heute wird natürlich so ein wenig romantisiert und behauptet, Harry und Sally hätte zur damaligen Zeit einen neuen Standard für romantische Komödien gelegt. Nun, wenn man so in die Filmhistorie ab da blickt, dann muss man sagen, daß das wohl nicht der Fall war. Filme wie Schlaflos in Seattle (1993) oder Tatsächlich… Liebe (2003) haben ja ganz andere Pointen und Ideen. Nein, da bleibt Reiners Werk wohl wirklich unerreicht. Die grundsätzliche Frage im Film bleibt aber doch zweifelhaft. So wird behauptet, daß Männer und Frauen eben keine Freunde sein können, weil der Sex immer im Weg sei. Die Frage ist nun, wie man diese These anhand des Films deutet. Sobald die beiden nämlich wirklich Sex haben, sind sie ein Paar. Davor sind sie Freunde, die ein unstillbares Verlangen nacheinander haben. Insofern ist das vielleicht gar nicht so dumm, wenn man hier auf die zwischenmenschliche Ebene setzt. Wobei die Frage natürlich bleibt, ob sich nicht aus dauerndem Sex auch einfach nur eine gute Freundschaft entwickeln kann. Ob es wohl dazu Studien gibt? Na ja, ganz anderes Thema. Außerdem werden durch diese These ja auch Rollenbilder überhaupt wieder zum Ursprungspunkt der These werden.

Die Einstellung und Überwindung sozialer, konservativer Strukturen sollte man von Harry und Sally nicht erwarten. Dafür bestätigt er seine Klischees viel zu sehr. Dennoch ist es kein dummer Film, der hier präsentiert wird und irgendwie gelingt es Reiner durch seine schrulligen Figuren durchaus Sympathie für das Paar zu entwickeln. Bissige Dialoge gibt es obendrauf und so entsteht hier vielleicht eine der besten romantischen Komödien überhaupt.

Harry und Sally Bewertung
Bewertung des Films
810

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