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Jenseits von Afrika

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Jenseits von Afrika Kritik

Jenseits von Afrika Kritik

Jenseits von Afrika Kritik
0 Kommentare - 23.08.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Jenseits von Afrika" ist.

Bewertung: 3 / 5

Nach ihrer Hochzeit wandert die reiche Dänin Karen Blixen nach Kenia aus. Dort baut sie 1914 eine Kaffeeplantage und ist zusehend unglücklich mit ihrer Hochzeit mit dem Baron Bror Blixen-Finecke (Klaus Maria Brandauer). Bald verliebt sich Karen in den Safari-Jäger Denys Finch Hatton (Robert Redford), während ein großer Krieg ausbricht.

Vor dem Hintergrund großer Tragödien findet Jenseits von Afrika seinen Platz, mit Themen, die nie miteinander korrelieren. Die wahre Geschichte der Karen Blixen führt die Frau im Jahr 1914 nach Kenia, um dort eine Kaffeeplantage zu leiten. Unterwegs verliebt sie sich in den Idealisten Denys Finch Hatton. Doch diese Zeit ist nicht einfach nur ein naives Wunderland, in welchem es abseits dessen keinerlei Probleme gab, sondern auch eine Abrechnung mit einem ganz anders gelagertem und nach wie vor aktuellen Thema unserer Zeit. Es geht hier indes um Ausbeutung. Denn nicht umsonst ist der gesellschaftliche Stand, oder noch banaler die Hautfarbe Thema der Geschichte. Die gutbetuchte Elite, die in ein Land kommt, um dieses auszubeuten. Das ist ein Thema, auch im Hinblick auf den Umgang mit Sklaverei oder den indigenen Amerikanern, welches man gerne nach hinten schiebt. Und daher mutet es auch in diesem Werk so seltsam an, daß gerade die politische Komponente zugunsten einer Liebesgeschichte in den Hintergrund gerückt wird. Nun hat der Film ein gutes Recht dies zu tun, und seinen Fokus so zu legen, wie er das tut. Auf der anderen Seite muss jeder für sich selbst entscheiden, was nun genug und was nicht genug ist. Denn tatsächlich hätte man mit dem Thema und vor dem Hintergrund und den freigeistigen, hinterfragenden Figuren auch direkt eine gelungene Analyse einer Gesellschaft aufzeigen können. Doch da fehlt so ein wenig der Mut.

Natürlich ist Blixen in ihrer Ausführung eine Frau, die ihrer Zeit komplett voraus ist. Die Ehe wird hier als das verstanden, als was man sie heute sowieso nur noch versteht. Eine Zweckvereinigung, die keinerlei Liebe mehr zulässt. Dann wiederum sind die Folgen dessen, die Flucht aus dem Konservatismus. Bei ihrer Ankunft in dem fremden Kontinent lernt sie den Freigeist Hatton kennen, von dem sie im Laufe der Geschichte einfach nicht mehr loskommt. Das ist dann zutiefst a-moralisch, weil ja auch die Pflichten und sozialen Stände einzelner Figuren nach wie vor wichtiger sind, als die eigentlichen Gefühle. In diesem Aspekt treibt es der Film aber zu lange auf die Spitze. Die Gefühle werden nicht erläutert, weil es da nichts zu erläutern gibt. Auf der anderen Seite verliert sich der Film in endlosen Einstellungen der Beiden und gleichsam scheint das daß Kernproblem zu sein. Nicht nur auf die Romanze bezogen, hat Pollack sich einen Narren daran gefressen, Unmengen an Bilder der weiten Landschaften zu zeichnen. Das kann natürlich schön sein und häufig ist es das auch. Doch man wird dabei auch das Gefühl nicht los, als käme die Erzählung als solche nur ins Straucheln und allgemein ist der Film dabei einfach auch zu lang. Denn zweieinhalb Stunden mit Verliebt. Geht nicht. Geht doch. Tod. Ende zusammenfassen zu können, ist dann tatsächlich doch etwas dürftig. Klar geht es im Film nicht darum, doch auch Dramen dürfen vor einem komplexen Hintergrund noch ein bisschen mehr wagen, als es hier der Fall ist.

In den Momenten, wenn dieser Film wirklich zu begeistern weiß, liegt dies vor allem daran, daß der Film seinen Schauspielern Raum dafür gibt. Robert Redford als charismatischer, durchdachter und taktisch agierender Held ist eine Augenweide. Dabei erinnert dieses Porträt auch ganz stark an die einfachen und simplen Strukturen der Hollywood-Fabrik vergangener Tage. Dort reichten Blicke und Charisma häufiger noch aus. Dann wiederum ist es vor allem Meryl Streep, die durch die tolle Figurenzeichnung, aber auch ihr reines Schauspiel überzeugen kann. Wenn man die eigenen Vorstellungen und Träume verstecken muss, hat das immer etwas vom ganz großen Leid. Und in dieser Sache ist dieser Film auch ehrlich, weil er die Figuren nicht zu sehr offenbaren kann und auch will. Das funktioniert dann in der Kombination der beiden ziemlich gut, weil die Figuren auch nie auf eine überdrehte Weise von Gefühlen sprechen. Kein übertriebener Ausbruch, kein melancholisches Gesabbel, sondern das, was die Liebe eben zumindest im Film ausmachen sollte: Subtilität, sprechen, ohne zu sprechen. „Show, dont Tell“ heißt das hier und es kommen vor allem die philosophischen, metaphysischen Aspekte der Verbundenheit auf den Plan, die dann zu einer wirklichen Wahrheit führen.

Klar spielen abseits der Hauptfiguren andere kaum eine Rolle. Klaus Maria Brandauer wäre an der Stelle noch am ehesten zu nennen und er vereint hier tatsächlich den cartoonigsten Schurken, den man sich in diesem Kontext nur ausmalen konnte. Reich und irgendwie unangenehm von sich selbst überzeugt. Auf der anderen Seite ist das natürlich auch gewollt, wenngleich man hier auch die systemische Kritik der finanziellen Macht zeigen möchte. Dadurch fördert der Film auch gleichzeitig die Begriffe der Freiheit und Emanzipation der Frau zutage, weil sie eben nicht nur durch sozialen Stigmata in eine Rolle gedrängt wird, sondern auch das System hier vermenschlicht und gleichzeitig antagonisiert wird. Das ist natürlich sehr schwer, daß dann wirklich schlecht zu finden. Dazu ist es einfach zu klar und dennoch sind diese Probleme auch nie so simpel, wie sie gemacht werden.

Insgesamt lässt sich über den Film sagen, daß er einfach zu simpel gestrickt wird. Das tut weh, weil gerade vor dem Hintergrund dieser Welt und dieser Zeit so viel passiert, was hochkomplex und auch beredenswert wäre. Doch davon gibt es keine Spur in Jenseits von Afrika. Wenn man das verschmerzen kann und sich nur auf die banalsten Dinge einlassen kann, dann sind die Figuren und deren Schauspieler kraftvoll und unaufgezwungen. Auf der anderen Seite sucht Pollack hier eine große Wahrheit in langen Bildaufnahmen, die er zwar nicht komplett findet, die aber mindestens den Bedeutungen verhelfen können. Das ist in sich stimmig und kann unterhalten.

Jenseits von Afrika Bewertung
Bewertung des Films
610

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