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Knives Out - Mord ist Familiensache

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Userkritik von GierigeEnte

Knives Out - Mord ist Familiensache Kritik

Knives Out - Mord ist Familiensache Kritik
3 Kommentare - 01.05.2020 von GierigeEnte
In dieser Userkritik verrät euch GierigeEnte, wie gut "Knives Out - Mord ist Familiensache" ist.
Knives Out - Mord ist Familiensache

Bewertung: 3.5 / 5

Ich vermute Fremdeinwirkung.

Nach seinem Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi gibt es viele, die auf den zugehörigen Regisseur, Rian Johnson, nicht mehr gut zu sprechen sind. Meines Erachtens nicht zurecht, denn das Scheitern der Sequel-Trilogie liegt einerseits bei Disney begründet und bahnte sich andererseits mit dem höchstens mittelmäßigen Star Wars: Episode VII - Das Erwachen der Macht schon längst an. Die gewagten Ansätze in Johnsons Film - welche eine der wenigen, positiven Dinge der unnötigen Fortsetzungen darstellen - mit Hass zu überziehen, gleicht folglich mehr einem Ventil für enttäuschte Fans statt berechtigter Kritik. Ergänzend werden die vielen Hatekommentare dem Regisseur und seiner Kreativität schlicht nicht gerecht, was er insbesondere mit dem im Frühjahr 2020 erschienenen Knives Out unter Beweis stellt.
Mit seinem neuen Werk inszeniert Johnson einen Thriller, der mit seinen starken Charakteren nachhaltig zu begeistern weiß und vielfältig interessante Ideen bietet. Mit der verdienten Nominierung für das beste Originaldrehbuch bei den Oscars bleibt zu hoffen, dass dem Regisseur so sein unberechtigt schlechter Ruf nicht mehr lang anhaften wird, schließlich ist Knives Out ein starker Start in das Kinojahr 2020.

Trailer zu Knives Out - Mord ist Familiensache

Die Haushälterin des Krimiautors Harlan Thrombey (Christopher Plummer), Marta Cabrera (Ana de Armas), macht am Morgen, nach ihres Arbeitgeber 85. Geburtstages, eine schockierende Entdeckung: Der Familienvater liegt mit durchgeschnittener Kehle tot im Bett und hat allem Anschein nach Selbstmord begangen. Sein riesiges Vermögen, nach welchem seine große Familie schon länger giert, wird nun an einen Erben übergehen. Folglich vermutet der Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) Fremdeinwirkung als Todesursache Harlans, was bei dessen allesamt als schwierig zu bezeichnenden Verwandten nicht unwahrscheinlich scheint - sei es die exzentrische Joni Thrombey (Toni Collette), die strenge Linda Drysdale (Jamie Lee Curtis) oder der schmarotzende Hugh Drysdale (Chris Evans), alle haben ein passendes Motiv und sagen zudem in mehreren Punkten gezielt nicht die Wahrheit.

Schon die zugrunde liegende Prämisse hört sich ziemlich interessant an, als stamme sie aus einem der Detektivbücher, die ich als Kind liebend gern gelesen habe oder einem der vielen, gelungen Werke von Agatha Christie. In mehreren Punkten fühlt sich Knives Outq auch nach einem wunderbar spannenden "Whodunnit" an - und doch sind es vor allem die Abweichungen von typischen Genrestandards, die dem Film seine Klasse geben. Ich erinnere mich noch an die Diskussion, die ich mit Freunden darüber führte, ob der Film nun gezielt sein Genre unterwandert, oder nicht. Nun, diese Frage lässt sich am besten mit "Jain" beantworten, denn mit Sicherheit hält der Film einiges bereit, was ihn vom gewohnten Krimi differenziert. Darin liegt, abseits der amüsant charmanten Dialoge und der dominierenden Charakterzeichnung, auch die größte der Stärke des Streifens. Und doch sind es die Punkte, an welchen er zu den gewohnten Genreabläufen zurückkehrt, in denen er einige Schwächen offenbart.
Wie ich es am liebsten halte, beginne ich somit bei den Krtikpunkten: Vor allem das Ende muss hier bemängelt werden. Es wirkt beinah plump standarisiert, wie einfallslos der Film mit seiner an sich gelungenen, finalen Auflösung umgeht, wie plakativ er in einer Szene doch in Effekthascherei abdriftet und wie ernüchternd er in Krimiklischees verfällt. Warum der Film seine zuvor aufgebaute Kreativität für fünf enttäuschende, letzte Minuten wegwirft, ist mir schleierhaft. An dieser Stelle scheitern auch seine Bestrebungen, final mit Genrekonventionen zu brechen, weswegen man die eingangs gestellte Frage eben nur mit "Jain" beantworten kann. Und das ist schade, denn mit einem besseren Ende hätte der Film nicht nur eine höhere Punktzahl erreichen, sondern auch tatsächlich sein Genre unterwandern können.
Aber genug davon, auch bei den Charakteren schafft es der Film nicht, sein volles Potential auszuschöpfen. Die Zeichnung dieser ist ohne Frage mehr als begeisternd - und dennoch wäre noch mehr rauszuholen gewesen. Die Streitgespräche der Figuren sind so gut, die verschiedenen Macken der Personen so stark geschrieben, dass man sich ihnen ruhig noch dreißig weitere Minuten hätte widmen können, widmen sollen. Theoretisch hätte man den Krimipart weglassen sowie ein reines Kammerspiel über das Familiendrama drehen können und Knives Out wäre mindestens genauso gut geworden.

Nichtsdestotrotz schafft es der Film, mit seinen Verstrickungen und Verwicklungen rund um den (Selbst-) Mordfall, eine gelungene Spannung aufzubauen sowie immer wieder überraschende Momente zu inszenieren. Insbesondere hier weiß der Film seine kreative Cleverness auszuspielen und an Stellen erfrischend unkonventionell zu verfahren, sodass man als Zuschauer zu keinem Zeitpunkt mehr sicher sein kann, was folgen wird. Die Handlung ist insofern immerzu interessant und schafft es, wiederholend zu überrumpeln, ohne redundant zu werden. Ich selbst hatte eine Idee, wie der Film ausgehen könnte, die sich - wenngleich ich mit ihr auch sehr zufrieden gewesen wäre - als falsch herausstellte. Wie er auflöst, habe ich bereits bemängelt, doch an dem, was er auflöst, gibt es nichts auszusetzen: Seine Geschichte führt er schlau und stimmig zu einem kohärenten Finale, welches gut mit den bis dahin etablierten Charaktersituationen interagiert.
Wo wir gerade bei den handelnden Figuren sind: Obwohl man diesen, wie angesprochen, noch mehr Zeit hätte dedizieren können, sind sie wundervoll geschrieben und machen einen Großteil der Qualität des Filmes aus. Diese Vielfalt, dieser Einfallsreichtum hinter ihnen, die aus dem Leben gegriffenen, aber bewusst überzeichneten Stereotypen, die interessanten Hintergrundgeschichten, pointiert von einer Reihe grandioser Dialoge ... ja, warum Knives Out für das beste Originaldrehbuch oscarnominiert wurde, lässt sich schon nachvollziehen. Das Schöne ist, dass die ohnehin sehr starken Dialoge nicht nur herrlich anzuhören sind, sondern ergänzend nicht vor einer politischen, humanistischen Positionierung zurückschrecken und somit mehrere auch zwischenmenschlich interessante Ansätze bieten. Abseits dessen bereiten die erhitzten Zankereien zwischen den Zeitgenossen - auch wenn das im Üblichen kein sinnvolles Bewertungskriterium von Filmkunst ist - schlicht Freude, über die ausgefallenen Sprüche muss man sich einfach amüsieren. Sei es der fünfzehnjährige Aushilfsnazi, der Personen mit weniger menschenfeindlichen Ansichten als "linksgrünversiffte Gutmenschen" ... äh, "liberale Traumtänzer" bezeichnet oder der Detektiv, der seine Theorie anhand des Lochs in einem Donut erklärt.
Daran, dass die Gespräche so gut funktionieren, haben auch die vielen, bekannten Schauspieler einen großen Anteil, welche mit ihrer Darstellung den Film tragen. Die Riege der bekannten Gesichter, die sich durch Knives Out zieht, ist beeindruckend und so ist es nicht verwunderlich, dass das charismatische Zusammenspiel der Figuren perfekt funktioniert. Daniel Craig als Detektiv Benoit Blanc, Toni Collette als Joni Thrombey, Jamie Lee Curtis als Linda Drysdale, aber auch die weniger bekannten Namen wie Ana de Armas als Marta Cabrera liefern eine qualitative Performance ab, an der es nichts auszusetzen gibt.
Untermalt wird der Film von einem ausgefallen, absichtlich etwas überdrehten Soundtrack, der teils angenehm hintergründig und teils treffend pointierend wirkt. Er findet immer wieder die richtige Mischung aus Dramatik und Leichtfüßigkeit, wenngleich er an manchen Stellen ruhig etwas melancholischer hätte ausfallen können. Dennoch fungieren die sich oft auf Klaviermusik verlassenden Stücke tragend für sowohl die Geschichte, als auch die Bilder des Filmes.
Selbige zeichnen sich vor allem durch eine ruhige, konventionelle Kameraführung aus, die jedoch regelmäßig interessante Bildkompositionen bietet. Zudem ist der Schnitt beachtenswert kreativ, die Bildsprache aber nicht sonderlich subtil. Nichtsdestotrotz ist die Motivik hinter verschieden Szenen durchaus interessant, sodass der Film auch dahingehend einige Facetten bereithält.

Der FSK 12 Freigabe des Filmes kann ich mich insofern anschließen, dass der Film zwar die ein oder anderen Gewaltmomente zeigt, sie aber kaum ausspielt und das Schlimmste offscreen verlaufen lässt, wenngleich einige Momente trotzdem eine annehmbare Intensität erzeugen und so mit Sicherheit nicht ganz ohne sind. Auch vom Verständnis her sollten zwölfjährige mit Knives Out keine Probleme haben, weswegen auch ich den Film ab 12 freigeben würde (Brutalität: 9 von 10 für ab 12).

Wenn ich daraus nun ein Fazit ziehe, so ist Knives Out nicht nur ein guter Film, sondern auch ein gelungener Auftakt für das Filmjahr 2020 - "Kinojahr" lässt sich aus gegebenen Gründen ja nicht mehr wirklich sagen. Das soeben besprochene Werk ist der erste Film, den ich dieses Jahr im Kino gesehen habe und ließ mich zufrieden aus dem Saal spazieren. Mal sehen, ob ich das dieses Jahr überhaupt noch sagen kann - wenn nicht: Ein Meisterwerk gab es dieses Jahr immerhin schon, demnach bin ich erstmal nicht unzufrieden, aber dazu in einer späteren Review mehr.
Um mal bei Knives Out zu bleiben, trotz seiner Schwächen ein guter, zu empfehlender Film, den man durchaus gesehen haben kann. Als Thriller erhält er 8 Punkte, als Drama 7,5 Punkte und insgesamt

7 von 10 Punkten.

P.S.: Ich hoffe mal, das kleine Bisschen Werbung ist hier erlaubt und wirkt auf niemanden zu unsympathisch. Wem die Review gefallen hat, kann ja mal auf meiner eigenen Seite, Entenlog, vorbeischauen, auf der ich neue Kritiken immer ein paar Tage eher teile. ^.^

Knives Out - Mord ist Familiensache Bewertung
Bewertung des Films
710
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3 Kommentare
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GierigeEnte : : Entenlog
01.05.2020 14:33 Uhr | Editiert am 01.05.2020 - 16:41 Uhr
0
Dabei seit: 25.01.20 | Posts: 135 | Reviews: 12 | Hüte: 9

@Raven13

Vielen lieben Dank!

Die übernächste Review klärt Dich auf. ;)

"Mir gegenüber im Nachteil zu sein, ist ein Vorteil, den ich Dir gegenüber behalten will."

https://entenlog.wordpress.com

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
01.05.2020 14:17 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 2.581 | Reviews: 27 | Hüte: 272

@ GierigeEnte

Nette Kritik! Ein echt toller Filmauftakt im Jahr 2020.

"Ein Meisterwerk gab es dieses Jahr immerhin schon, demnach bin ich erstmal nicht unzufrieden, aber dazu in einer späteren Review mehr."

Da bin ich mal gespannt, welcher Film sich dahinter verbirgt. smile

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GierigeEnte : : Entenlog
01.05.2020 11:49 Uhr
0
Dabei seit: 25.01.20 | Posts: 135 | Reviews: 12 | Hüte: 9

Damit ist dann auch die erste Kritik für Filme von 2020 durch, weitere werden folgen.

Danke an alle Leser! smile

"Mir gegenüber im Nachteil zu sein, ist ein Vorteil, den ich Dir gegenüber behalten will."

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