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La Flor

Kritik Details Trailer Galerie News
800 Minuten Liebe zum Film

La Flor Kritik

La Flor Kritik
3 Kommentare - 31.03.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "La Flor" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Als ich bei der "Konkurrenz" eine Kritik zu La Flor las, die den Film überschwänglich lobte, ihm die volle Punktzahl gab und gar nicht mehr aufhören konnte, den Film zu preisen, wollte ich den auch unbedingt sehen. Trotz der monumentalen Laufzeit von über 800 Minuten! Wo der Regisseur auch noch festlegte, wie der Film in wievielen Pausen zu welchen Zeiten unterbrochen werden durfte (man durfte nur 2 Pausen machen)! Wo ich den Trailer auch noch zudem ziemlich beschissen fand! Aber so eine Hommage ans Kino durfte ich mir einfach nicht entgehen lassen, oder? Der Film kommt auf Blu-Ray raus und ich hole mir dieses Monstrum also für 30 EUR und freue mich wie Bolle! Und siehe da: Ein Zitat dieser Konkurrenzseite prangt Dick und fett auf dem Cover.

Also dann, auf ans Eingemachte. Und genau daran geht es dann auch. Um es für die Kurzleser so kurz wie möglich zu machen: Der Film ist extrem sperrig, er nimmt sich ausgiebig Zeit, um scheinbar Nichts zu erzählen, er ist weder zeitgemäß, noch versucht er halbwegs das heutige Cineplex-Publikum auch nur anzusprechen. Die Action-Szenen, so es sie gibt, sind lächerlich, und alles, was er darstellen will oder zumindest vorgibt sein zu wollen, unterläuft er mit schelmischer Garstigkeit. Und ganz wichtig, man muss sich auf dieses Monstrum einlassen. Erst dann, und wirklich erst dann, kann man diesen Film irgendwie würdigen, Spaß wird man irgendwie weniger damit haben. Punkte? Mainstreampublikum: 2-3 Punkte. Aber keine Sorge, das wird nicht meine Wertung sein!

Im Folgenden werde ich die jeweiligen Episoden kurz ansprechen, besprechen, bewerten, und dann einen Durchschnitt bilden. Ich werde der Einfachheit halber keinen laufzeitgewichteten Durchschnitt bilden, sondern einfach jedes Kapitel gleich gewichten. Dieses Ergebnis wird aber auch nicht das Ergebnis sein, denn anschließend werde ich das Gesamtwerk würdigen und ein Finales Ergebnis abgeben - oder doch nicht ;)

La Flor sind im Prinzip 6 Filme auf einmal, die der Regisseur so anordnet, dass er eine gewisse Aussage tätigen wird - oder mehrere, oder keine - und mit der er jeweils immer eine Hommage an ein spezifisches Genre oder eine Filmära tätigt. So weit so gut. Abgefahren wird es mit der Tatsache, dass er bereits in der Rahmenhandlung als Regisseur zu uns spricht und uns preisgibt, dass keine Geschichte endet, sondern dass quasi mittendrin die nächste Geschichte anfängt. Allen Geschichten ist allenfalls laut Aussage des Regisseurs gemein, dass die 4 weiblichen Hauptpersonen jeglicher Episoden immer von den gleichen 4 Darstellerinnen gespielt werden.

Film 1: "B-Movie"

Dieser Film wird mit dem grosskotzigen Statement eingeleitet: "Ein Film wie die Amerikaner sie früher zu Hauff gedreht haben und mittlerweile vergessen haben, wie es geht!"
Eine vollmundige Ansage!
Es handelt sich dann tatsächlich um einen recht kurz gehaltenen B-Horror-Mumien-Film mit starker weiblicher Besetzung. Der Film kennt tatsächlich die Genre-Regeln, weiß wann wo welcher Charakter welchen fatalen Fehler machen muss, weiß wann welcher vermeintlich gute Charakter das Geheimnis lüftet, aber plötzlich selbst der Gier verfällt und so weiter.
Hinzu kommt, wie üblich bei Katzenhorror, den der Film auch noch streift, eine ganz klare feministische Botschaft.
Doch das sieht man alles erst, wenn man sich ein bisschen mit der Materie und dem vorliegenden Film beschäftigt hat. Was man nämlich oberflächlich sieht ist folgendes:
Ein zäher in die Länge gezogener, sehr billig anmutender Film, der immer dann, wenn es spannend wird, aus Kostengründen einfach wegblendet.
Hinzu kommt, dass der Film wirklich subversiv zwar alle Genreregeln geradezu sklavisch befolgt, sie aber jedes Mal komplett aufbricht, indem die Inszenierung sich bewusst konträr zur Story aufstellt. Dialoge sind zum Beispiel bewusst unspannend und langweilig gehalten oder sind einfach mal abstrus abgehakt. Es scheint fast, als wäre die gar nicht so versteckte Anklage gegen den alltäglichen Machismo wichtiger als der Film selbst.
Ach ja, und gerade als so etwas wie Spannung aufkommen will, das bereits angekündigte abrupte Ende. Hehe, denkt sich der Regisseur!
Ganz ehrlich, das alles ist so billig und selbstverliebt, dass ich mich hier schon gefragt habe, warum ich zum Teufel 30 EUR für so einen Scheiss ausgegeben habe. Trotz der versteckten nennen wir sie mal Qualitäten würde ich bis hierhin mit Wohlwollen gerade mal 3 Punkte verteilen.
Und wirklich wenig bis gar kein Interesse weiter zu schauen! Aber hey, es sind noch über 630 Minuten über. Auf gehts! Yay...

Film 2 : Musical (Oh Fuck! Da muss ich jetzt wohl durch!)

Ich hab schon manch ein Musical gesehen, die meisten sind ja Melodramen oder heitere Komödien. Der vorliegende Film nimmt sich das Melodram an sich vor.
Und wieder: Er kennt alle Genreregeln und wendet sie auch an, aber gleichzeitig demontiert er das komplette Genre mit solch einer unglaublichen Präzision, dass ich wirklich sprachlos bin. Das melodramatische wird so eiskalt pervertiert, mit solch einer inbrünstigen Freude an der kompletten Zerstörung des Genres, dass ich während dem Schauen gar nicht mehr aus dem Lächeln rauskomme.
Zudem gelingt es dem Film auch noch gekonnt, eine kriminell abstruse und gleichzeitig gute Kreuzung mit dem Genre des Sektenhorrors hinzukriegen.
Das was hier vorliegt ist eine meisterhafte, gallige, garstige, lustige, absolute Demontage des melodramatischen Musicals, der zudem auch noch die Eier hat, diesen Zynismus in einem derbe zynischen und gleichzeitig extrem emotionalen Gänsehautduett eskalieren zu lassen.
Also, das können sie, die Südamerikaner.
Und trotz dem offenen Ende kann es hierfür nur glatte 10 Punkte geben.
Ich bin so geflashed, dass ich gleich weiter mache - Fehler?

Film 3: Agententhriller

Der mit Abstand längste Film mit 6 Stunden Laufzeit!
Oberflächlich haben wir 4 Agentinnen, die aufs Kreuz gelegt wurden, und nun auf der Flucht sind, inkl. Extensiver Rückblenden, welche jeder Agentin eine Hintergrundgeschichte verpasst.
Am Anfang ist die ganze Angelegenheit arg zäh, später jedoch wird das alles extrem fesselnd und entfaltet eine ungeheure Wucht, und der Spannungsbogen endet wieder auf dem absoluten Höhepunkt, denn gerade in der finalen Eskalation wird wieder einmal einfach weggeblendet.
Das Ganze ist diesmal wie ein Roman ( oder für die Postmodernler unter euch ein Tarantino-Film - Augenroll) in diverse Kapitel unterteilt, was in dieser Erzählart irgendwie perfekt passt.
Es gibt den einen Erzähler, die Stimme aus dem Off, welchen wir zuerst für den Regisseur halten könnten, zumal er sich auch einen Zwischen-Cameo-Auftritt gönnt, aber selbst diese Erwartungshaltung wird einem zerstört, als es plötzlich mehrere Erzählstimmen verschiedenen Geschlechts gibt.
Überraschenderweise ist dieser Film hauptsächlich auf französisch gedreht - kleine Nebenbemerkung am Rande: Da der Film im Original mit Untertiteln vorliegt, war ich auf 14 Stunden spanisch eingestellt gewesen, doch dem ist nicht so. Film 3 sind quasi 6 Stunden französisch, und selbst das wird immer durchbrochen: Da diese Agentenstory in der ganzen Welt spielt, werden mal kurz auch ganze Episoden auf deutsch, englisch, russisch, teilweise Chinesisch usw gedreht. Und die Erzählstimmen aus dem Off sind dann natürlich nach wie vor auf spanisch.
Dass der Film auf französisch gedreht ist, hat natürlich auch seinen Grund, denn im Prinzip handelt es sich hierbei inszenatorisch auch um eine Hommage ans französische Kino zwischen grob 1950-1980, was man an der Kleidung, ganzen Einstellungen und der Fokussierung auf die Protagonistinnen erkennen kann.
Obwohl der Film also extrem viele Metaebenen bedient, bleibt er dennoch fest in seinem Genre verwurzelt und bedient auch die einfachsten Tropen, inkl. Einem feisten Überschurken und der Spiegelung der Helden mit einer Killertruppe, welche ebenfalls aus 4 Top-Agentinnen besteht etc.
Und das absolute Prunkstück dieses Films ist, dass es sich tatsächlich um die absolute und in meinen Augen auch Finale Dekonstruktion des kompletten Genres "Agentenfilm" handelt, inkl. Solchen Ausflügen in andere Subgenres wie Guerillafilm oder Antikriegsfilm. Das ist in seiner Ausarbeitung und Vorführung irgendwann Gänsehaut pur und man kommt gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, wieviel hier in 6 Stunden gepackt werden können.
Natürlich bekommt auch ein James Bond (inklusive namentlicher Erwähnung) zwar auch sein Fett weg, aber das Hauptaugenmerk liegt eindeutig eher bei den kritischeren und intelligenteren Agentenfilmen (a la Le Carre als Beispiel), wo die Entmenschlichung durch das bestehende System doch in jeglicher Form durch exerziert wird. Das ist tatsächlich sozusagen das letzte Wort zum Genre.
Doch es ist nicht alles Gold was glänzt: Trotz allem Aufwand, der betrieben wird (Dreh an Originalschauplätzen rund um die Welt, Spiel mit verschiedenen Zeitebenen, inhaltlicher Anspruch gepaart mit Pulp Fiction), kommt man nicht umhin, dem Film ganz klar die billige Machart anzusehen, und dass der Regisseur auch ganz klar kein Action-Regisseur ist. Zum einen kann man die teilweise unbeholfenen Action-Einlagen auch als ironische Brechung abtun, zum anderen als weitere Hommage an so einige Filme oder franco-belgische Comics abtun, aber letztendlich ist es im Grunde genommen trotz aller Liebe einfach auch eine Budgetfrage!
Hinzu kommt, dass der Film anfängt, viele inhaltlich relevante Faktoren nur noch zu erzählen, anstatt zu zeigen. Auch dies sicherlich zum einen eine Budgetfrage, aber zum anderen ganz klar eine bewusste Entscheidung: So wird der mehrstimmigen Erzählung extrem viel Platz eingeräumt, sich zu entfalten und wirklich zu glänzen. Teilweise ist es so, als würde man ein extrem blumiges südländisches Buch lesen, und man wird regelrecht von Informationen und Metaphern (inkl sehr starker Symbolik) erschlagen. Und was mindestens genauso wichtig sein dürfte: Die Darstellerinnen dürfen ihr Antlitz stundenlang quasi als Stillleben vor die Kamera halten, und werden so in den (zumindest vom Regisseur so intendiert) Status einer Leinwandgöttin erhoben.
Dieser Film ist ein sehr zwiespältiges Erlebnis, so dass ich hier eine sehr breit Spanne zwischen 6 und 10 Punkten ansetze, je nachdem welcher Zuschauer welche Präferenzen hat. Ich persönlich fand Film 2 stringenter und besser, aber Film 3 ist auf seine Art mindestens genauso final.

Film 4: Der Film der Meta-Ebenen, Film-im-Film, Regisseur auf Sinnsuche

Anfangs wirkt dieser Film wie eine der leichtesten Übungen: Ein Regisseur dreht nun schon seit 6 Jahren mit den gleichen 4 Darstellerinnen und findet irgendwie kein Ende. Zudem hat er die Schnauze voll von seinen Darstellerinnen und geht kurz entschlossen mit einem kleinen Männerteam dazu über, mal kurz ein paar Bäume zu filmen.
Klingt erstmal recht Meta und ist es auch (schließlich hat ja Fellini auch die Krisen eines Regisseurs salonfähig gemacht!), teilweise ist das Ganze auch recht lustig gestaltet und die Dynamik dessen, wie der Regisseur zunehmend in den Wahnsinn abzugleiten scheint, ist auch wunderbar eingefangen. Vor allem, wie sein kleines Männerteam ebenfalls plötzlich in den gleichen Strudel gerät, und wie sich die Machtverhältnisse teilweise verschieben.
Mit den Bäumen haben wir auch ein Element, was von Monthy Python bis zu den ursprünglichsten Hexen- und Waldhorrorstories reicht. Und der Regisseur bedient alles davon und so viel mehr!
Und spätestens wenn aus der Regisseur Geschichte dann eine paranormale Detektivgeschichte in Form von Briefen wird, lässt der Film alle bisher gekannten Genrebegrenzungen hinter sich: Er wird zu einer Giallo- Geschichte (ohne Blut?!?), er wird zu einer Haunted-AsylumGeschichte, er wird zu einer Casanova-Geschichte, und er hat - obwohl ein typisch offen gehaltenes - ziemlich eindeutiges Horror-Film-Finale.
Obwohl die 4 Hauptdarstellerinen in diesen 4 Stunden kaum auftauchen und praktisch nicht präsent sind, geschweige denn überhaupt noch mitspielen, wird gerade dieser Film plötzlich seltsamerweise zu einem extrem intensiven und intimen Portrait eben jener. Und Urplötzlich ergibt es auch komplett Sinn, warum die ersten drei Filme gar kein Ende hatten. Alles steckt irgendwie zusammen in einer Art Spinnen-Netz? All das wird hier irgendwie grandios erklärt, ohne es tatsächlich zu erklären.
Alles an diesem Film ist Meta, gleichzeitig ist der Detektivplot und die finale Auflösung auch sehr final und ein sehr intimes Spiel -auch mit dem Zuschauer. Im Grunde genommen könnte man dies auch als Ende ansehen. Doch anscheinend gibt es da noch zwei Filme?
Irgendwie würde ich hier je nach persönlichem Zugang etwas zwischen 6-8 Punkten geben.
Ich muss zugeben, dass ich mittlerweile ziemlich erschlagen bin. Noch weitere 2 Filme? Ok, dann mal los...

Film 5: schwarz-weiß-Stummfilm über ein Picknick

Hier spielen die 4 Hauptdarstellerinnen, die auch schon im 4. Film kaum aufgetaucht sind, gar nicht mit. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um eine Hommage an die leichtgängigen französischen Filme mit starker weiblicher Note, wo es um leichte Romanzen geht. Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei um ein simples Remake von Jean Renoirs Landpartie, wobei die Darsteller sogar teilweise so bebarted sind wie die Vorlage. Doch da ist deutlich mehr im Spiel als das, wie sollte es auch anders sein. Unterfüttert wird das Ganze durch diverse Nebenelemente, die gewisse Krimiplots oder eine andere Art von Homeinvasion suggerieren (allerdings eher im Stil eines Hanneke als eines Roth) doch letztendlich löst sich "alles" in "Wohlgefallen" auf.
Interessanterweise (nennen wir es mal so) ist der komplette Film ohne Ton abgehalten, nur während der "Sexszene" werden (wieder einmal) französische Toneinsprengsel reingeworfen - ich kann ehrlich nicht sagen, woher sie stammen, vielleicht sogar aus Renoirs Film oder gar aus den stummen Spielszenen nun der Ton? Aber: Das ist dann auch wirklich zu deutlich! Ich meine, wer es bis hierhin durchgehalten hat, wird das auch so verstehen.
Stilistisch ist das alles eine natürliche Weiterentwicklung des bisher Gesehenen und mit dem Element des eleganten Komplett-Stummfilms (komischerweise ohne Texttafeleinblendungen oder musikalischer Untermalung) auch quasi eine Komplettierung der Liebeserkläung an das gesamte Kino. Und zum Glück ist das Ding auch wirklich recht kurz gehalten.
Ich persönlich fand das ziemlich prätentiös, zumal der Regisseur in seiner eigenen kleinen Rahmenhandlung auch noch ein letztes Mal das Wort ergreifen musste. Hier hätte ich es nicht schlecht gefunden, wenn er sich direkt vor dem sechsten und letzten Film bei uns gemeldet hätte!
Hmm auch hier je nach Gemengelage des Zuschauers: 2-7 Punkte. Wie ihr seht - wenn ihr überhaupt noch mitlest!- die Schere geht immer weiter auseinander, so ähnlich wie das Reich-Arm-Gefälle in der realen Welt?

Film 6: Das Hohelied auf die Frau

Letztlich haben wir einen sehr kurz gehaltenen Stummfilm mit musikalischer Untermalung und Texttafeleinblendungen (Ah, es geht also doch!), allerdings in Farbe und durch einen Schleier gefilmt, das nicht von ungefähr auch teilweise an ein Spinnennetz erinnert, so dass man nichts genau erkennen kann.
Es handelt sich hierbei um ein Hohelied auf die Frauen im Allgemeinen und die 4 Hauptdarstellerinnen im Speziellen, die " endlich" seit Film 3 wieder den kompletten Film über zu sehen sind. Auf der anderen Seite spiegelt der Film aber auch wider, was damals -spätestens mit Geburt einer Nation - auch salonfähig war: die populäre Niedermachung des Anderen, in diesem Fall werden die Ureinwohner Amerikas kategorisch als die Wilden tituliert. Das ist heutzutage möglicherweise kontrovers, aber als Film, der zitiert ist das nur Konsequent und richtig, es so darzustellen, wie es damals FALSCH dargestellt wurde.
Gleichzeitig ist dieser Film eine logische und finale Weiterentwicklung rückwärtiger Art, denn von Film zu Film wurde immer weniger direkt gesprochen ab Film 3, bis schließlich gar nicht mehr gesprochen wird.
Im Grunde genommen ist so eine riesige Hommage an über 100 Jahre Kino zufriedenstellend zu Ende geführt worden?
Ich sage: Ganz sicher nicht! Warum?
Nachdem der komplette Film quasi ohne nackte Haut auskam, ziehen die Darstellerinnen ausgerechnet nun in diesem letzten Film wirklich minutenlang blank. Klar, ich verstehe schon, dass hier der Schleier über Kamera liegt und man daher auch hier wieder den Zuschauer "foppt" und dass das diesmal "Kunst" sein soll, und nicht voyeuristisch. Zumal ja wieder einmal Erwartungen unterlaufen werden, da es nicht dort statt findet, wo man es üblicherweise erwarten würde (Catpeople-Horror, Melodram oder Agentenfilm) sondern im betulichen Stummfilm der Film-Ur-Zeit. Doch genau hier läuft der Film in meinen Augen in eine Falle: Denn dass die Frauen überhaupt so lange und ausgiebig "der Kunst Willen" blank ziehen "müssen", um die Erwartungen zu unterlaufen, ist heuchlerisch und voyeuristisch, vor allem in solch ausgedehnten Posen! Ich bin mir sicher, eine Regisseurin wäre nicht auf diese Idee gekommen! Nicht falsch verstehen, ich habe rein gar nichts gegen irgendwelche Nacktszenen, aber wie alles in einem Film sollten diese auch handlungstechnisch begründet sein - Pornos mal ausgenommen - oder wenn es provozieren oder Erwartungen unterlaufen soll, auch gerne irgendwie unpassend eingestreut werden ( wie zB der Sekundenbruchteilpenisbin Fight Club oder Nacktkampf in Borat während einer Politveranstaltung), aber dann am Ende so einen "Zärtliche Cousinen" Einsprengsel zu machen und die Darstellerinnen und den Feuilleton davon auch noch zu überzeugen, das wäre im Namen der Kunst, ist in meinen Augen gerade bei so einem Mammut von Film doch sehr sehr ärgerlich!
Daher hier eine Riesenabwertung und nur 1-7 Punkte

Sonstiges: Abspann und Rahmenhandlung

Der Abspann dauert über eine halbe Stunde, und die komplette Crew wird geehrt. Gerade weil er so lange dauerte, habe ich ausgeharrt ob noch was kommt: Spart euch diese Lebenszeit ;)
Die Rahmenhandlung des erklärenden zwischendurch immer mal wieder kehrenden Regisseurs ist wirklich ganz nett und teilweise recht humoristisch und auflockernd gehalten.

Theoretische Durchschnittswertung der oberen Werte:

Unterwert: (3+10+6+6+2+1):6=4,7 knapp 5 Punkte

Oberwert: (3+10+10+8+7+7):6=7,5 knapp 8 Punkte

Mittelwert: (3+10+8+7+4,5+4):6=6 Punkte

Also irgendwas zwischen 5 - 8 Punkten?
Und was sage ich subjektiv dazu?

Subjektive Einwertung:

Ganz ehrlich, dieses Monstrum hat mir nicht durchgängig gefallen!

Der Regisseur hat gefühlt inszenatorisch nicht das Handwerkzeug, alle Genres, die er bedienen möchte, auszufüllen. Er kennt alle Genreregeln, er weiß wie man eine Spannungskurve generiert, aber bildlich fehlt was. Möglicherweise liegt das am Budget oder daran, dass es in Argentinien eben keine Blockbuster gibt, ich kann das nicht so recht beurteilen. Aber es ist teilweise eklatant, wie Inhalt und Vision auseinanderbrechen.

Außerdem hat der Film EIN Stilelement, welches er quasi ununterbrochen einsetzt, welches zwar bei 1-2 Filmen wirklich sehr gut funktioniert, aber zunehmend irgendwann auch wie ein One-Trick-Pony wirken kann: Das ist das Spiel mit der Unschärfe. Ja klar, das ist auch ein inhaltliches Stilelement, und ja das hat auch die eine oder andere hintersinnige Bedeutung, aber ähnlich wie einen manche Regisseure mit der Zeit mit ihren immer gleichen Manierismen eher nerven können (zugegeben ein bisschen übertrieben) so kann dies irgendwann auch störend empfunden werden. Der Fairness halber sollte man trotzdem erwähnen, dass man sich trotzdem recht schnell daran gewöhnt und es als gegeben ansehen kann und es schon in diversen Situationen auch phänomenal passend ist - nur halt nicht immer.

Dann ist da dieser bereits angesprochene sexuelle Aspekt, der ganz sicher ein anderes Ziel verfolgt, als bei mir angekommen. Und das werden 90% der Leute so sehen wie der Regisseur es intendiert. Das ändert aber nichts an meiner Wahrnehmung, dass das extrem eklatant nach hinten losging. Und da kann eine Schauspielerin noch so offensichtlich schwanger gewesen sein.

Der Film ist zu jedem Zeitpunkt sperrig, schwer zugänglich und überheblich. Und er ist extrem lang! Hinzu kommt die Regisseursvorgabe, wie der Film zu schauen ist. Dies hat seinen Grund: Denn wenn man sich den Film in dieser extremen Dosis gibt, gewöhnt man sich an den Stil und kann den Rest des Films vermeintlich besser "ertragen". Ich lasse das mal so stehen.

Dennoch, der Regisseur liefert hier ein Werk ab, an dem er 10 Jahre lang gearbeitet hat, mit den gleichen 4 Hauptdarstellerinnen, die in diesen 10 Jahren auch einige Veränderungen durchgemacht haben. (Insofern ist Film 4 ja auch megameta)
Er hat wahrscheinlich nicht durchgängig so die Mittel zur Verfügung gehabt und musste sich das richtig einteilen. Insofern ist das Ergebnis schon ein Ereignis an sich.

Hinzu kommt, dass er tatsächlich die gesamte Kinogeschichte irgendwie würdigt, persifliert, demontiert, und das immer mit einem wunderbar hintersinnig rabenschwarz intellektuellen Humor, das es mir selbst in den langweiligsten Passagen teilweise ein Vergnügen war.

Außerdem betreibt er hintersinnig in all seinen Filmen auch quasi eine versteckte Anklage an ein Schubladendenken der derzeitigen Filmindustrie, und regt uns an, immer mal die Grenzen zu sprengen und über den Tellerrand zu schauen, Genregrenzen auszuloten und diese sinnvoll zu ergänzen. B-Horror mit weiblicher Stärkung, Melodram mit Sekten-Horror-Thriller, Agentenfilm mit allem Möglichen, Meta-Filmemacher-Film mit Groteske und Paranormaler-Detektivgeschichte, Renoir mit Hanneke, Stummfilm mit Erotikfilm. Und ob es mir in dem einen oder einen Fall passt oder nicht, der Mann weiß, was er tut.

Diesen Film zu schauen ist dennoch ein bisschen so gewesen als wäre ich wieder im Deutschunterricht und wir hätten zur "Belohnung" den jungen Werther schauen dürfen. Es war gefühlt mehr Verpflichtung als Spaß.

Wenn man mal zwei Beispiele eines sehr langen Films für das breite Publikum mit Message mal als kurzen abschließenden Vergleich anschaut: Ciminos Heavens Gate ist thematisch überladen und hat ein starkes Anliegen, doch der Film ist sehr sperrig und verliert nach der Katastrophe komplett seinen Fokus. Bertoluccis 1900 ist ein 5 Stunden Epos über die Befähigung zum Aufstieg des Faschismus Anfang des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus, der aber an Einseitigkeit und irgendwann auch Einsilbigkeit kaum zu überbieten ist, und schließlich nur noch als der Film in Erinnerung bleibt, in dem sich Depardieu und De Niro gegenseitig 5 Stunden lang einen runter geholt haben, während Sutherland Senior als Faschist kleine Kinder und Katzen vernascht und getötet hat. La Flor hingegen beschreibt sein Anliegen gekonnt, erweitert den Horizont aber gleichzeitig und bietet auch Lösungsansätze sowie Gedankenanstösse en Masse an. Wenn schon großes langes sperriges Kino, das den Intellekt mit anspricht, dann so!

Wer sich irgendwie als filmfreak ansieht, der alles filmisch Relevante in sich aufsaugt, kommt einfach um diesen Film nicht herum!

Würde ich den Film jedem Filminteressierten empfehlen? Definitiv nein! Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wem ich aus der Community hier 14 teilweise quälend lange Std., die sich durchaus lohnen können, empfehlen kann. Daher verweise ich bitte auf den Absatz über diesen!

Und wie gut ist der Film nun als Gesamtkonstrukt subjektiv für mich?

Nun ja, manchmal ist das Gesamtwerk mehr als nur die Summe der Einzelteile. Der Film ist einzigartig und monumental in seiner Machart. Er ist zwar mit Kapitel 4 für mich inhaltlich beendet, aber die beiden Epiloge vervollständigen ihn, selbst der bittere Nachgeschmack bei mir mag gewollt sein, und ich bin auf seine Finte reingefallen, ganz ausschließen mag ich das nicht, da er schon sehr intelligent ist!

Und wenn der Film gut ist, dann ist er richtig gut, so gut, dass ich dann sagen möchte, dass er definitiv ist.

Also alles in allem gebe ich dem Gesamtfilm 9 Punkte.

Er ist aber definitiv kein Film, den ich ich persönlich als einen der besten Filme aller usw. ansetzen würde. Dafür läuft er außer Konkurrenz.

Und letztlich: würde ich wieder die 30 EUR dafür ausgeben? Die DVD Version langt eigentlich völlig, für höher auflösend ist der Film eigentlich zu schäbig, nur der Preisunterschied zwischen DVD und Blu-Ray ist dann doch zu gering. Aber ja, das Geld würde ich definitiv in die Hand nehmen, denn ich finde so ein liebevoller Aufwand gehört gewürdigt!

Und während ich also gefühlt Monate darauf gewartet habe, dass der Film in der MJ Datenbank auftaucht, hier und da andere deutlich kürzere Reviews mit gleicher Wertung geschrieben habe, muss ich auch noch sagen, dass ich mittlerweile auch wieder Lust bekommen habe, den Film wieder zu schauen, vor allem Filme 2 bis 4, also auch hier wieder eine sehr positive Randnotiz und ein Beleg dafür, dass sich der Kauf für mich auf jeden Fall gelohnt hat.

Ich kann gar nicht mehr aufhören zu schreiben, also : SCHLUSS!

Jetzt ist es an euch, ob ihr euch auch selbst ein Bild machen wollt :)

9 Punkte

La Flor Bewertung
Bewertung des Films
910
DVD & Blu-ray
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3 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
01.04.2020 08:19 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.552 | Reviews: 112 | Hüte: 393

Luhp92:

Hier wie drüben danke für die Hüte laughing

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
31.03.2020 19:16 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.876 | Reviews: 142 | Hüte: 450

@MobyDick

Das längste Review für einen äußerst langen Film^^

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
31.03.2020 17:37 Uhr
1
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.552 | Reviews: 112 | Hüte: 393

Mein wahrscheinlich längstes Review

Dünyayi Kurtaran Adam
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