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Lachsfischen im Jemen

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Fischkitsch

Lachsfischen im Jemen Kritik

Lachsfischen im Jemen Kritik
1 Kommentar - 13.05.2012 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).

Bewertung: 2.5 / 5

Wie angelt man sich einen Zuschauer? Manche lockt schon ein schräger Titel, andere beißen bei einem Bestseller als Vorlage an und wieder andere lassen sich von populären Darstellern an Land beziehungsweise in den Kinosessel ziehen. In Lachsfischen im Jemen verbindet Regisseur Lasse Hallström alle drei Elemente zu einem äußerst vielversprechenden Köder - und haut die Zuschauer am Ende seines Films, der ebenso sehr romantische Komödie sein will wie Satire, konsequenterweise in die Pfanne.

Ichthyologe. Hinter dem sperrigen Wort verbirgt sich ein ebenso sperriger Charakter: Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) ist eine echte Kapazität in der Fischkunde, aber ein ziemlich zurückhaltender, zugeknöpfter Typ. Also nicht unbedingt der Erste, den man mit einem wahnwitzigen Projekt ohne große Erfolgschancen beauftragen würde. Trotzdem geschieht genau das: Eine Dame mit dem klingenden Namen Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) kontaktiert ihn im Auftrag ihres Arbeitgebers mit dem nicht weniger klingenden Namen Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked). Der Scheich sei seit seiner Studienzeit passionierter Fliegenfischer und wolle den Sport nun auch in seiner Heimat, dem Jemen, etablieren.

Ein unmögliches Vorhaben, weiß Alfred, und lehnt das Ansinnen rundheraus ab. Doch zu seinem Unglück hat mittlerweile die PR-Strategin des britischen Premierministers (Kristin Scott Thomas) von der Sache erfahren und ist äußerst angetan: Nach der letzten Militärpanne in Afghanistan braucht sie dringend eine positive Nachricht aus dem Nahen Osten. Und da die ziemlich rar gesät sind, muss Alfred eben für eine sorgen, ob er will oder nicht. Also stellt sich der verstockte Fischliebhaber gemeinsam mit Harriet den Problemen: Im Jemen gibt es zu viel Sonne, zu wenig Wasser und nicht einen einzigen Lachs, den man fischen könnte.

Die Ausgangslage allein sorgt schon für einige herrlich absurde Situationen, und Kitschganove Hallström (Chocolat …ein kleiner Biss genügt, 2000) hält sich in ihrer Inszenierung anfangs angenehm zurück, sodass sich der britische Humor der Vorlage von Paul Torday fein und frei entfalten kann. Daran haben natürlich auch die Schauspieler ihren Anteil: Ewan McGregor macht seinen Fischforscher witzig, aber nicht zur Witzfigur. Die stille Empörung, die er angesichts Harriets geballter fachlicher Inkompetenz empfindet, mit der zu arbeiten er gezwungen ist, bringt McGregor mit nuancierter Mimik ebenso zum Ausdruck wie seine fast schon verzweifelte Unbeholfenheit im zwischenmenschlichen Kontakt. Emily Blunt spielt ihre Harriet handfest, kompetent und freundlich; der leise Spott, den sie dem unwirschen Alfred angedeihen lässt, hat immer auch etwas Geduldiges. Allein Kristin Scott Thomas scheint durch einen anderen Film zu stöckeln als die Hauptfiguren: Sie trägt in ihrer Rolle als PR-Hexe so dick auf, dass die Stimmung ins Groteske kippt, wann immer sie auf der Leinwand zu sehen ist.

Mit dem Fortgang der Geschichte verliert Lasse Hallström zunehmend das Gleichgewicht: Je schrill-satirischer eine Szene aus dem Politikbetrieb erscheint, desto gefühliger wird der nächste Akt zwischen Alfred und Harriet. So balanciert der Film weniger zwischen romantischer Komödie und Politsatire, als er vielmehr zwischen den Genres hin- und herschwankt. Dazu kommt ein unangenehm undifferenziertes Araberbild: Jemeniten dürfen entweder als mystische Weise (der Scheich) auftreten oder als fanatische Irre (alle Anderen).

Irgendwann sind auch die komischen Momente nur noch albern - etwa, wenn Alfred einen jemenitischen Attentäter allen Ernstes mit einem gezielten Köderwurf zur Strecke bringt. Spätestens aber an der Stelle, an der ein fetter Lachs, völlig ironiefrei von Harfenklängen begleitet, in Zeitlupe aus dem Wasser springt, dürften auch die letzten Romantiker die Geduld mit der Fischfabel verlieren.

Lachsfischen im Jemen bekommt 2,5 von 5 Hüten.


(Quelle: teleschau - der mediendienst | Sabine Metzger)

Lachsfischen im Jemen Bewertung
Bewertung des Films
510
DVD & Blu-ray

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1 Kommentar
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bartacuda : : Mitternächtlicher Haijäger
19.11.2012 09:16 Uhr
0
Dabei seit: 03.03.10 | Posts: 4.290 | Reviews: 0 | Hüte: 308
Ja, ja, wieder einmal glaube ich, "teleschau" bekommt andere Filme zu sehen, als der Rest der Zuschauer. :-)
Vielleicht hatte Sabine auch nur einen schlechten Tag.

Das der Film "kitschige" Momente hat, darüber braucht man nicht zu streiten. Aber, ob diese störend sind oder sich eben einfach in die "schräge" Geschichte einfügen, soll jeder selbst entscheiden. Mehr als Durchschnitt ist er allemal.

Und zu ihrem letzten Absatz:
Irgendwann sind auch die komischen Momente nur noch albern - etwa, wenn Alfred einen jemenitischen Attentäter allen Ernstes mit einem gezielten Köderwurf zur Strecke bringt.

Wer sich auch nur ein bisschen mit dem Casting auskennt (Hier ist der Sport gemeint und nicht das Vorführen spätpubertärer Pseudotalente), dem erscheint diese Szene auch nicht unrealistischer als manch andere in anderen Filmen.

Wie an anderer Stelle gesagt, m.M.n. ein absolut sehenswerter "kleiner" Film.
... ... aber lass uns ganz offen sein, Du hast nie Wert gelegt auf meine Freundschaft!
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