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Matrix

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Matrix Kritik

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Matrix Kritik
0 Kommentare - 02.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Matrix" ist.
Matrix

Bewertung: 4 / 5

Der zurückgezogene Thomas A. Anderson (Keanu Reeves) arbeitet als Programmierer in einer erfolgreichen Softwarefirma. Doch er hat ein Geheimnis und so nimmt er als brillanter Hacker auch Aufträge an. Sein Leben erscheint ihm seltsam und er hat das Gefühl, daß etwas nicht stimmt. Als eines Tages der mysteriöse Morpheus (Laurence Fishburne) aufkreuzt und ihm eröffnet, daß sein gesamtes Leben nichts weiter als eine Computersimulation ist, muss er ebenfalls herausfinden, daß er als „Neo“ der Auserwählte in einem Kampf gegen eine Roboter-Übermacht ist.

Zum Ende der 1990er Jahre und vor dem Beginn des neuen Jahrtausends gab es im Kinoneben den üblichen Kandidaten für hohes Kritikerlob auch die kleinen Filme. Die kleinen, eher unerwarteten Werke waren Filme wie Pulp Fiction (1994), Scream – Schrei! (1996), Fight Club (1999) oder eben Matrix. Dabei war gerade Matrix einer dieser Filme, die sich komplett neu anfühlten und ein Filmerlebnis suggerierten, welches dem Auge nochmal ganz neue Perspektiven zu offenbaren schien. Da gab es durchaus einen Stil. Der ist zwar eigenwillig geblieben und sorgte auch nicht zuletzt in den Jahren darauf dafür, daß dieser wieder und wieder persifliert wurde, während das gesamte Werk eigentlich davon lebt, daß man die Figuren ernst nimmt. Abseits der Hollywood-Aufarbeitung war Matrix mehr als vielleicht jedes andere Werk jener Tage ein Zeitprodukt. Und dennoch erzählt der Film eine Geschichte, die sich so zeitlos anfühlt. Und das ist sie auch. Doch gerade, weil die Geschichte so zeitlos ist, ist sie eben auch nicht so bahnbrechend, wie sie vielleicht gerne wäre. Wir haben in Neo die perfekte Identifikationsfigur. Und das nicht ohne Grund. Denn klar ist, daß das Werk der Wachoswkis vor allem mit seiner Hauptfigur ein Klischee wiederbelebt, welches im Zuge der 1990er Jahre auch eine Renaissance feierte. Neo, der Auserwählte, der Mann, der die Welt retten soll und dabei so rein und tugendhaft ist, daß er eigentlich als Mensch wesentliche Charakteristika vermissen lässt. Das ist natürlich eine Anspielung auf jede Heldenfigur, die irgendwann mal irgendwas bedeutete und so findet sich Neo zwischen Gesellschaftskritik und religiösem Hoffen wieder. Das ist auch das Kernproblem, weil die Kerngeschichte, neben den inszenatorischen Kniffen, eben nicht so neu ist, wie sie wirken mag.

Dabei hängt gerade bei Matrix viel davon ab, wie man die Figuren empfindet. Da gibt es Coolness, gegen die das 80er-Jahre-Action-Trash-Kino um Slyvester Stallone, aber auch Dolph Lundgren alt aussieht. Denn nicht nur sind es durch die Lüfte fliegende Menschen in Latex- und Leder-Monturen, die hier für unsere Freiheit kämpfen, sondern auch Wesen, die so ein wenig unnahbar, ja fast steril herkommen. Was ist die Matrix? Ja, was ist die Matrix. Im Prinzip ist das nicht so komplex, doch wenn Laurence Fishburne mit Lederjacke und Sonnenbrille im Dunkeln vor Neo steht, dann ist das natürlich etwas ganz Mysteriöses. Wenngleich gerade die Sonnenbrille auch eine Anspielung auf John Carpenters Sie leben (1988) sein wird. Dann gibt es natürlich starke Zusammenhänge zu anderen Science-Fiction-Dystopien und man kommt nicht drumherum auch Vergleiche zu Werken wie Terminator (1984) anzustellen. Die Maschinen, die die Welt kontrollieren, der Auserwählte. Aber nicht nur hier schienen sich die Wachowski-Schwestern bedient zu haben. Auch insgesamt ist da vieles, was man schon kennt. Von George Orwell’s 1984, über Star Wars, über das Martial Arts-Kino, über philosophische Grundgedanken, über religiöse Thesen und noch vieles mehr. Der Fundus, aus dem Matrix schöpft, ist endlos. Dabei ist das an sich aber kein Problem. Denn wirklich innovativ zu sein, daß ist tatsächlich etwas, was dem Kino, oder generell jedem kreativen Medium sehr schwerfallen muss. Es gibt jede Geschichte schon einmal, und das kann man Matrix nun mal eigentlich nicht vorwerfen. Doch diese über stilisierte Gehüpfe und Getrete in der Dunkelheit schon. Denn es wirkt auch nach all den Jahren noch ein wenig albern.

Man muss den Machern hinter Matrix aber dennoch zum Gute halten, daß trotz all dieser Albernheiten in der Inszenierung und der wirklich klischiertesten aller Geschichten das Worldbuilding überdies sehr gut funktioniert. Dabei lassen sich die Macher extrem lange Zeit, ihre Geschichte zu etablieren. Es kommt dann zu einem Konflikt zwischen verständigen und unverständigen Zuschauern. So werden Menschen, die Matrix recht schnell aufgedröselt haben, schnell gelangweilt ob der immergleichen Exposition und der Erklärungen. Dem gegenüber stehen die, die Matrix nicht verstehen und auch mit dem Sprung von Zeiten und Realitäten keinerlei Verständnis gegenüber der Geschichte empfinden können. Dabei ist es bemerkenswert, wie gut verzahnt das Drehbuch der Wachowskis doch ist. Da finden sich die zu Eingangs bereits erwähnten Verweise und dann auch diese Schlußfolgerungen durch das Aufdröseln der Matrix, die dann im Endeffekt auch mehr denn je auf unsere heutige Welt anwendbar wird. Denn Matrix spricht ja das Trauma und die philosophische Grundfrage an, ob nun der Mensch, so wie er ist, einen freien Willen besitzt, ob die Wege im Leben wirklich unergründlich scheinen und noch weiteres. Gut, daß ist dann auch erstmal nicht so salopp, wie es anmuten mag, dennoch zeigt sich, daß Matrix in seinem Kern aktueller denn je ist.

Denn die Frage, wann das Individuum nun ist, wie es nun frei sein kann, wenn es eigentlich gar nicht versteht, daß es gefangen ist. Gerade dieser Ansatz ist ja erschreckend zeitgemäß. Wenngleich man sich von dieser „Die da oben“-Mentalität verabschieden sollte, ist dennoch die Frage richtig, wie viel Freiheit der Mensch sich eigentlich selber zugesteht. Denn was in totalitären Regimen auch in Deutschland ja erfolgreich bekämpft wurde, ist eine ganzheitliche, staatliche Überwachung. Nun, wenn man die Lehren der DDR, im Kontext mit Matrix auf die heutige Zeit überträgt, dann muss man zynisch auch feststellen, daß die SED vielleicht auch einfach gut daran getan hätte, ein soziales Netzwerk à la Facebook an den Start zu bringen. Das mag mitunter vielleicht ein geschmackloser Vergleich sein, und dennoch steckt da auch ein Fünkchen Wahrheit drin. Weil natürlich die Informationskultur, gerade auch im Hinblick mit Textnachrichten unter Freunden und Bekannten vergleichsweise offener ist, als eben im öffentlichen Raum. Dabei muss ja noch nicht einmal eine Art Zwangssituation entstehen, um sich möglichst nonkonform zu verhalten, sondern es reicht das Gefühl aus, anonym zu sein. Richtig knifflig wird es dann natürlich, wenn es gar keine staatlich, oder gemeinschaftswohlenthaltende Information zu beziehen gibt.

Schauspielerisch überzeugen viele Figuren dann vor allem, weil sie so greifbar und exzentrisch wirken. Morpheus als weiser, in sich gekehrter Lehrmeister. Carrie-Anne Moss als Trinity ist ebenfalls tough, wenngleich ihre Figur auch dadurch etwas blass bleibt. Über Keanu Reeves’s Schauspieltalent muss man vielleicht nicht reden, dennoch ist es hier noch halbwegs annehmbar. Das große Highlight hingegen ist und bleibt einfach Hugo Weaving. Denn sein Agent Smith ist vielleicht nicht unbedingt der tiefgründigste Charakter. Dafür erfährt man auch über ihn zu wenig im gesamten Film. Doch die Verbissenheit und der Stil, mit welchem er „Mr. Anderson“ verfolgt, ist schon magisch. Man spürt die gesamte Laufzeit über, daß da etwas steckt und dennoch kommt es nie zum Vorschein. Ähnlich wie auch eben das gesamte Werk von unglaublichen Hintergrundinformationen, die hier und da angedeutet werden, profitiert. Daher kann man auch nicht anders, als ihn so großartig zu finden. Überdies sind ja auch gerade diese Figuren es, die einen weiteren philosophischen Diskurs aufmachen. Denn abseits der Frage, was nun ein Mensch ist und wie er im Kontext der Realität einzuordnen ist, steht die Figur ja auch so ein wenig in dem Subtext um die Frage, was Menschlichkeit ausmacht. Auch die Annäherung um Mensch und Maschine wird hierdurch stark transportiert. Überdies sind es natürlich auch abseits großangelegter Slow-Motion-Szenen vor allem die Effekte und Ambitionen, die hier zu bewundern sind. Da kommen auch latente HR Giger Anspielungen auf, die somit auch klar auf Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979) verweisen. Und sie sind hier mindestens genauso wirkungsvoll, weil sie einerseits auch den Schöpfungsgedanken auf das rein materielle reduzieren, und dabei auch den menschlichen Aspekt dahinter so ein wenig fragwürdig wirken lassen.

Kämpfe über die physikalischen Gegebenheiten hinweg, daß Konzept einer sinnigeren Welt und die Frage nach dem Sein, machen Matrix zu einem der vielschichtigsten Blockbuster bis zu diesem Zeitpunkt gab. Das ist auch in Kombination mit den technischen Innovationen nach wie vor bemerkenswert, weil es unkopierbar ist. Doch auch wenn die Geschichte sich in neuen Territorien bewegen will, so sind es vor allem die Figuren, die dafür zu klischierte Rollen einnehmen. Das ist immer noch über dem Maß vom Durchschnitt und gerade die aktuelle Realität mit einer vermeintlichen zu Vergleichen funktioniert hier erschreckend gut. Auch schauspielerisch ist das überzeugend.

Matrix Bewertung
Bewertung des Films
810

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