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Mosquito Coast - Reise in die Wildnis

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Mosquito Coast Kritik

Mosquito Coast - Reise in die Wildnis Kritik

Mosquito Coast - Reise in die Wildnis Kritik
0 Kommentare - 06.07.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Mosquito Coast - Reise in die Wildnis" ist.

Bewertung: 3 / 5

Allie Fox (Harrison Ford) ist ein exzentrischer Erfinder und hat von der amerikanischen Konsumgesellschaft die Nase voll. Also entscheidet er sich kurzerhand mitsamt Familie in den Dschungel Mittelamerikas auszuwandern. Von den einheimischen wird die Familie Fox herzlich aufgenommen und daher möchte sich Allie Fox mit einer Erfindung bedanken. Doch schon bald schwindet die Idylle und besonders Alles Frau Margot (Helen Mirren) und sein Sohn Charlie (River Phoenix) sind langsam genervt von Allie.

Vom Leben im neoliberalen Kapitalismus genug zu haben, ist eine nicht seltene Erkenntnis, wenn es um Sozialkritik und daraus resultierend eine Systemkritik geht. Es ist kein Geheimnis, daß in einem solchen System nicht alle ein großartiges Leben führen können und wahre Empathen vermutlich das ein oder andere Mal an den Punkt kommen, wo sie mit den eigenen Dämonen ringen. Ja, der Kapitaliasmus ist nicht unproblematisch, wird auch nicht unproblematisch betrachtet und scheint dennoch, vielleicht auch als feige Ausrede, das einzige zu sein, was halbwegs funktioniert. Natürlich geht das zulasten einiger und natürlich ist das in vielen Teilen auch a-moralisch zu verstehen und dennoch wird man sich wohl am ehesten damit arrangieren wollen, denn mit einem anderen System. Nun gibt es in der Kunstverwertung unzählige Werke, die sich bereits systemisch mit diesem Problem auseinandergesetzt haben. Man muss also kein Genie sein, um solch ein Werk in die Welt zu setzen. Und gleichwohl Peter Weir natürlich kein Kind von New Hollywood ist, schuf er mit Mosquito Coast ein Alternativszenario von sozialen Aussteigern, die sich nun in der ach so mystischen und unbekannten Welt herumschlagen. Nun ja, weit ab der Prämisse ist da eigentlich nicht viel geboten und das unausweichliche Scheitern dieses Vorhabens, erscheint doch fast wieder alternativlos und pessimistisch zu stimmen, wenn es darum geht, neue Ideen und Konzepte zu erdenken.

Erstaunlich ist, daß Mosquito Coast thematisch recht aktuell wirkt. Wie gesagt, es geht hier um Aussteiger, die eine neue Heimat suchen, weil vor allem Familienpatriarch Allie Fox genug vom tristen Leben in einer Konsumgesellschaft hat. Regisseur Weir erzählt recht langsam, wenn auch in erwartbar eine Geschichte, die mit all ihren Nuancen schon ein recht stimmiges Bild vom Amerika der 1980er Jahre abgibt. Der Grund für das Aussiedeln ist nämlich nicht nur darin zu finden, daß Fox und seine Familie vom Kapitalismus angewidert sind, sondern auch daran, daß da ein großer, alles vernichtender Konflikt tobt. Natürlich ist hier die Rede vom Kalten Krieg, der auch seine Spuren in der Welt hinterlassen sollte. Das Exzentrische tun im Dschungel, daß nicht zuletzt auch an das noch viel exzentrischer und schwerer wiegende Werk Fitzcarraldo (1982) erinnert, liefert auch nach Der einzige Zeuge (1985) einen Weir-Film, der sich mit einem alternativen Lebensstil befasst. War ersterer aber noch in seiner Ausführung etwas handzahm, was seinen Protagonisten angeht, so zeichnet Mosquito Coast einen recht komplexen Hauptcharakter, der eigentlich nie zum Sympathieträger aufsteigt. Und darin liegt ein großes Problem, denn wie soll man diese alternative Welt akzeptieren, wenn man die Menschen, die es propagieren, nicht akzeptieren kann.

In den Händen einen Charismatikers ist das deutlich einfacher zu schlucken und eine filmisch, sympathischere Alternative bietet auch Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück (2016). Natürlich kann an die Gegensätzlichkeit der einzelnen Lebensrealitäten gegenüberstellen, ohne mehr als eine von ihnen auch nur halbwegs präsentiert zu bekommen. Allerdings wirkt das auch etwas verkopft und behauptet. Ich brauche keine Erklärung, warum man sich letzten Endes für dieses Leben entscheidet, weil ich es als Metapher nicht greifen kann. Ich brauche aber eine stimmige Ausgangslage, damit ich den Film insgesamt kaufen kann. Und daran scheitert Mosquito Coast doch ein wenig, weil er genau da ansetzt, wo das Abwägen beider Welten schon längst gelaufen ist. Zumal er durch seinen folgenden Naturalismus auch den Anschein erweckt, als habe der Mensch selber keinen Platz in dieser Welt. Denn immerhin ist die Sympathie nicht beim Hauptcharakter. Nun kann das, trotz aller berechtigter Kritik, aber immerhin als große Aussage verstehen. Der Mensch ist halt einfach ein komplexes und manchmal unausstehliches Wesen. Insofern braucht man hier vielleicht auch diese Sympathie nicht. Dann hangelt man sich an einer Mischung und komplexen noch dazu, entlang. Hier Naturverbundenheit und Esoterik, da Kapital und Familie und so weiter und so fort. An Themen fehlt es dem Film jedenfalls in einem Belang.

Nun versucht sich Mosquito Coast zuweilen schon daran, eine weitläufige Diversität einzubauen. Und zwar nicht im Sinne von Hautfarben und Rassen, sondern im Sinne von Geschlechtern und Lebensphasen. Hier spielen Kinder, wie Frauen und auch eben Männer eine zentrale Rolle. Ob das in seiner Ausführung noch zeitgemäß ist, darf aber bezweifelt werden. Der Wille ist da. Und weiter geht es in die Untiefen der Psychologie, wenn sich Fox in seinem Pionierwahn immer weiter vom Menschen und vor allem seinen Mitmenschen entführt. Der Selbstzerstörungstrieb, der nicht nur die eigene Selbstzerstörung vorsieht, kommt dann zum Vorschein. In diesen Momenten ist der Film, trotz mangelndem Pacing durchaus am interessantesten.

Mehr ein soziales Experiment, denn ein Film, ist Mosquito Coast geworden. Schöne Bilder, traurige Menschen. Das Leben des Aussteigers, der im Wahn versinkt. Nicht gerade gänzlich originell, aber zumindest etwas, worüber es sich zu sprechen lohnt.

Mosquito Coast - Reise in die Wildnis Bewertung
Bewertung des Films
610

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