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mother!

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Die größte Geschichte aller Zeiten?

mother! Kritik

mother! Kritik
0 Kommentare - 11.08.2018 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "mother!" ist.
mother!

Bewertung: 3 / 5

Eine Frau erwacht in ihrem Bett, sie greift nach hinten und ihr Mann liegt nicht mehr neben ihr. So beginnt „mother!“, Darren Aronofskys „umstrittenes“ - wenn man es nett ausdrücken will – Werk über – wortwörtlich - Gott und die Welt. Die Frau, erfahren wir, lebt mit ihrem Mann, einem angesehenen Autor, in einem dauerhaft renovierungsbedürftigen Landhaus. Eines Tages erscheint ein Fremder an der Tür. Er behauptet, er habe das Landhaus mit einem Bed & Breakfast verwechselt. Dem Autoren ist er allerdings auf Anhieb sympathisch und so beschließt dieser, gegen den Willen seiner Frau, den Mann aufzunehmen. Kurze Zeit später gesellt sich der Rest der Familie des Fremden dazu und das Idyll des Landhauses wird durch einen Brudermord endgültig vernichtet...

Trailer zu mother!

Eigentlich müsste man Aronofsky ja einigen Respekt zukommen lassen, denn immerhin ist er einer der letzten kompromisslosen Autorenfilmer Hollywoods, der meist bei Zuschauern und Kritikern gut ankommt und die Fahne des „erwachsenen“ Films mit A-List Besetzung hochhält. Doppelt respektieren müsste man daneben auch, dass er bereit ist, seinem Publikum mit einer am Mainstream vorbeigehenden Inszenierung vor den Kopf zu stoßen. Das ist durchaus mutig und zeugt von einem gewissen Innovationsgeist, den das amerikanische Kino im Moment dringend gebrauchen kann. Aufmerksame Leser werden es natürlich bereits erwarten, die letzten Säze implizieren ein großes aber, hier kommt es: ABER...

Mit einer solchen Einstellung ist gerne mal eine ganz große Portion Größenwahn verbunden, die man in „mother!“ nicht lange suchen muss. So geht in seinem neuesten Werk auf der einen Ebene um die ganz großen Fragen des Lebens: Gott, Mutter Natur und die vermaledeite Menschheit. Ziemlich unverschleiert zeichnet Aronofsky die Bibelgeschichte nach, vom Ersten Buch Mose bis zu den Offenbarungen des Johannes. Anfangs macht er dies durchaus abstrakt und angenehm zurückhaltend, doch spätestens mit der Ankunft von Kain und Abel dürfte auch dem letzten Zuschauer, der in der Schule im Religionsunterricht auch nur fünf Minuten aufgepasst hat, auffallen, wie der Hase läuft. Es scheint fast, als würde Aronofsky seinem Publikum entweder nicht trauen (aber die sperrige Inszenierung lässt vermuten, dass ihn eigentlich nicht kümmert, ob sein Publikum den Film entschlüsselt), er der Welt seine Genialität mitteilen wollen, oder er ist vielleicht... einfach nicht besonders clever. Drei Alternativen, alle nicht besonders aufmunternd.

Das erklärt aber immer noch nicht den Vorwurf des Größenwahns, ich weiß. Deswegen müssen wir auf die zweite Ebene zu sprechen kommen: liest man in den Film etwas Selbstreferenz hinein, könnte man ihn nämlich entdecken: Javier Bardems Charakter ist nicht nur Gott, er ist auf simpelster Storyebene auch Autor. Und so finden hier zwei Archetypen zusammen, die man, mit Blick auf Aronofskys frühere Arbeiten, eigentlich nur als Avatare für den Regisseur sehen kann, der sich schon öfter mit den persönlichen Kosten der Kunst auseinandergesetzt hat. Die rekursive Natur der Handlung, die der Film leider bereits in seiner ersten Einstellung verrät, wird so zur allegorischen Schöpfungs- und Rezeptions- und Schöpfungsgeschichte (etc. pp.), der sich der Filmemacher immer wieder unterwirft. Die Mutter als Muse gebiert das Kind, das von der Masse vereinnahmt wird, während die Eltern nur entsetzt zuschauen können – parallel dazu steht der Künstler, der sein Werk in die Öffentlichkeit gibt und mitansehen muss, wie es von der Welt missverstanden wird bzw. ein Eigenleben entwickelt. Und so wie Gott am Ende die Welt wieder erschafft (denn was ist ein Gott ohne den Menschen?), so begibt sich der Filmemacher immer wieder in die gleiche Situation (denn was ist ein Kunstwerk ohne sein Publikum?). Das verleiht der etwas dumpfen Geschichte über die „größte Geschichte aller Zeiten“ eine zusätzliche Ebene, die einerseits willkommen ist, die andererseits leider auch auf eine gewisse Selbstverliebtheit schließen lässt.

Rein technisch kann man einem Regisseur auf Darren Aronofskys Niveau natürlich wenig vorwerfen. Sein konstanter Einsatz von Handkameratechniken mit Konzentration auf Nahaufnahmen und Halbtotale sorgen für eine (angenehme) Desorientierung, die den Zuschauer in den Kopf der Mutter versetzt und ihn an ihrer Perspektive teilhaben lässt. Das ist formal stimmig und sorgt für angenehme Assoziationen an das Kino der 70er, ohne altbacken zu wirken. Dem geneigten Horrorfan werden ein paar Zitate auffallen (am Offensichtlichsten: die Glühbirne aus „Tanz der Teufel“ - Fans wissen Bescheid), die aber wenig zum Gesamtbild beitragen.

Schauspielersich ist „mother!“ vorzüglich besetzt und dementsprechend gespielt. Einzig Jennifer Lawrence macht einen etwas blassen Eindruck, hat aber als Spielball des Geschehens auch die passivste aller Rollen abgekriegt. Das macht sie zu einer hervorragenden Projektionsfläche – wenn einem sowas gefällt. Alle anderen werden sie wohl eher als Vakuum in der Mitte des Films ansehen...

Am Publikum vorbei und auf das Ego des Regisseurs bezogen: „mother!“ ist ein sperriger Film, der nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht unbedingt gut ist. Wer mit Aronofskys Attitüde konform geht, wird auch hier nicht viel auszusetzen haben, wer mit ihm nichts anfangen kann, wird den Film hassen. Wer Aronofsky hingegen ambivalent gegenübersteht, darf auf „mother!“ zeigen, um seine Qualitäten und Schwächen ganz praktisch nur an einem Werk veranschaulichen zu können.

mother! Bewertung
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610
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