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Napola - Elite für den Führer

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Napola – Elite für den Führer Kritik

Napola - Elite für den Führer Kritik

Napola - Elite für den Führer Kritik
0 Kommentare - 19.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Napola - Elite für den Führer" ist.

Bewertung: 3 / 5

Berlin, im Jahr 1942. Der siebzehnjährige Friedrich (Max Riemelt) ist Sportler und wird von Heinrich Vogler (Devid Striesow) beobachtet, der junge Männer für die Napola Allenstein ausbildet. Dort werden nur die besten der besten ausgebildet. Zunächst ist der Alltag vor Ort ziemlich hart, doch in Albrecht Stein (Tom Schilling), dem Sohn des Gauleiters Heinrich Stein (Justus von Dohnányi) findet Friedrich einen Freund.

Ironisch irgendwo, daß sogenannte Nationalsozialstiche Erziehungsanstalten im Film bis dato kaum Erwähnung fanden, obwohl man doch immer wieder über die schwelende Gefahr der propagandistischen Indoktrinierung auf junge Menschen spricht. Sie seien für so was zugänglicher, was mitunter stimmen kann, wenn man bedenkt, daß das Hirn einfach noch ein paar Jahre wächst. So kann man also sagen, daß Napola – Elite für den Führer vielleicht irgendwo Beispiellos ist. Wenn man nicht gerade den eher humoristischen Jojo Rabbit (2019) in diese Spate miteinbezieht. Doch der Blick auf den Nationalsozialismus ist damit auch gleichsam ein anderer, weil man natürlich aus einer anderen Perspektive, mit anderen Kernelement heraufschaut. Und so muss man sagen, daß es sich letzten Endes bei diesem Film von Dennis Gansel um einen Schulfilm handelt, der die Kameradschaft und die Gruppenbildung in den Mittelpunkt rückt. Nun ist klar, daß das irgendwo schon Kino für die Schulbank ist. Natürlich würden Nazis das hier wohl Propaganda schimpfen, ist es nicht. Wenngleich der Film schon eher gefällig daherkommt, denn er möchte ja darauf hinaus, daß die Nazis schlecht sind. Wer allerdings darauf noch eine Antwort brauchte, nachdem Werke wie Der Soldat James Ryan (1998) oder Der Pianist (2002) bereits erschienen waren, nun, dem ist auch mit Napola – Elite für den Führer sicherlich nicht mehr zu helfen.

Im Mittelpunkt vom Film steht nicht aber die Mannbildung und das Heranzüchten neuer Kinder, die man in den Tod schicken kann. Das ist platt gesagt ein Nebeneffekt vom Film. Viel eher geht es um einen Generationenkonflikt, hier ausgedrückt in einer Vater-Sohn-Beziehung. Natürlich kommt das etwas plump daher, weil der Effekt dieser Wandlung jedem klar sein sollte und auch das Verständnis von Mann und Nicht-Mann im Dritten Reich eben sehr klar und einfach war. Was ich damit meine ist, daß die Konflikte eben nicht wirklich tiefsinnig sind, weil die Figuren irgendwo einem klaren Klischee entsprechen, nach welchem sie eben bestimmte Verhaltensmuster einnehmen, die man gesellschaftlichen Gruppen eben zuordnet. Ja, ganz weit weg vom eigentlichen Ziel, doch es ist wichtig, um den Film zu begreifen. Im Endeffekt ist es eben ein Schulfilm, der nicht davon handelt, daß Menschen etwas lernen, sondern das Menschen sich als Teil einer Aufgabe sehen und bloß nicht hinterfragen. Dabei mausert sich die Figur von Tom Schilling natürlich irgendwo zum Publikumsliebling, ist ja auch klar, er ist der Intellektuelle antiautoritäre. Die Ebene, die für tatsächlich junge Menschen, oder generell für alle als Metapher noch am subtilsten daherkommt, ist das Auflehnen gegen jede Form von Autorität. Heute spricht man diese Gedankengänge ja jungen Menschen gerne ab, wenngleich das System in dem man sich heute befindet, aber auch extrem anpassbar ist. Wer dafür einen Beleg braucht, findet ihn in den Fridays for Future-Demos.

In seinen besten Momenten möchte Napola – Elite für den Führer die analytische Antithese zu Der Club der toten Dichter (1989) verstanden werden. Auch hier spielen Gedichte mitunter mal eine Rolle. Wenngleich das auch nur als Hommage verstanden werden könnte. Unterdessen kann man sagen, daß der Film in manchen Belangen schon über das Ziel hinausgeht. Ob solche Einrichtungen nun wirklich Tode in den eigenen Reihen am laufenden Band in Kauf nehmen, darf bezweifelt werden. Denn solange eine gewisse Mehrheit zumindest leben kann, oder gar profitiert, kann jedes System in seiner Form überleben. So auch beim Faschismus. Faschismus und Nationalsozialmus greifen ja vor allem eine Kerngruppe an und eben nicht die breite Mehrheit. So was passiert dann eher stückweise. Die Frage ist aber auch, übergeordnet, abgesondert vom Faschismus, wer denn eigentlich die generelle Zielgruppe von Napola – Elite für den Führer sein soll. Denn Erwachsenen ist das vermutlich zu plump gedacht. Wenngleich es noch stumpfsinniger geht, wenn man mal Der Untergang (2004) betrachtet. Aber ja, eine Analyse eines gesamten Systems kann der Film nicht vornehmen. Zu seiner Verteidigung vielleicht, das will er und muss er auch nicht. Und so gesehen verbleibt der Film viel eher bei Klischees eines Jugendfilms. Mitsamt dem kurzen schmachten nach einer Dame, Streiche spielen und so weiter und so fort. Warum diese Vermenschlichung in Form von Jungenklischees dann wiederum stattfinden, ist zunächst eigenartig. Doch der Film will ja den Wandel klarmachen und zunächst auch zeigen, warum die Figuren doch eher erfreut sind, an diesem trostlosen Ort. So gesehen hat das schon seine Funktion.

Natürlich wählt Gansel die Entwicklung fortlaufender Entmenschlichung für seine Figuren. Was zunächst noch nach klassischen Schulthemen wie Wettstreitereien, der ein oder anderen Liebe und eben Freundschaft aussah, wird immer mehr die Begegnung mit der Realität. Damit wirft der Film grundsätzlich schon die Frage auf, ob Krieg nicht etwas Kindisches hat. Ohne das jetzt beantworten zu wollen, oder gar zu können, ist die Frage allerdings berechtigt. Eine gewisse Naivität gehört irgendwo dazu. Dabei steht nirgendwo eine Überraschung im Vordergrund, weil natürlich auch von vorneherein klar ist, wie das für alle Beteiligten enden muss.

In Napola – Elite für den Führer wird ein Problem vor allem jüngeren Menschen erklärbar und vielleicht nahegebracht. Wie Propaganda und das Auflehnen in einem totalitären Regime funktionieren, ist hier nur marginal Teil der Geschichte. Was bleibt ist ein Film, der in allem richtig liegt, aber damit auch keine wirkliche Erkenntnis bringt. Er ist unterhaltsam für kurze Zeit und adäquat gemacht.

Napola - Elite für den Führer Bewertung
Bewertung des Films
610

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