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Pearl

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Pearl Kritik

Pearl Kritik

Pearl Kritik
0 Kommentare - 24.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Pearl" ist.
Pearl

Bewertung: 3.5 / 5

Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahr 1918 herrscht die spanische Grippe. Die junge Farmerin Pearl (Mia Goth) lebt inmitten von Texas, während ihr Mann im Krieg dient. Zu Hause pflegt sie ihren gebrechlichen Vater (Matthew Sunderland) und ihre missbräuchliche Mutter Ruth (Tandi Wright). Doch eigentlich träumt sie von größerem und hält sich auch für etwas Besseres, der sie in einen verstörenden Blutrausch führt.

Nachdem Ti West im Jahr 2022 eine clevere, recht freizügige und intelligent analytische Hommage an den Klassiker Blutgericht in Texas (1974) schuf, dauerte es verhältnismäßig kurz, bis mit Pearl ein weiterer Film in diesem Franchise folgte. Ungewöhnlich, ein Slasher, der zur Zeit der spanischen Grippe angesiedelt wird und wiederum auch ungewöhnlich ist, daß man dort einen Zusammenhang zu den 1970er Jahren sucht. Doch so ist es nun und Pearl ist eben stilistisch unverkennbar. Ein Werk, daß vor allem dann Probleme hat, wenn es darum geht, die Spannung aufrechtzuerhalten. Die getriebene Figur der Pearl lebt ein tristes Dasein auf dem Land. Ein kranker Vater, eine emotional übergriffige Mutter und nur eine Kuh, die mal keine Widerworte gibt. Eigentlich träumt sie davon, ein Star zu werden. Ähnliches fand sich ja bereits in X (2022) und daher ist es auch nicht verwunderlich, daß Ti West hier versucht, seine Antagonisten aus dem Vorgänger, der eigentlich der Nachfolger ist, zu durchleuchten. Das ist schon typisch für unsere Zeit irgendwo. Doch das große Problem bei all der Tragik ist, daß Pearl erstaunlich lange braucht, um in Fahrt zu kommen.

Trailer zu Pearl

Dabei ist das an sich schon eine nette Idee. Auch hier findet sich natürlich wieder Anspielungen auf das Kino wieder, weshalb Pearl vermutlich bei einigen Kritikern sehr gut wegkommt. Besonders ist der oben genannte Tobe Hooper-Film natürlich zu nennen, doch man kommt nicht umher auch das ein oder andere filmische Zitat zu Nightmare – Mörderische Träume (1984) zu finden. In der Welt von Pearl, die mit dem Ausgangsjahr 1918 schon einmal eine sehr interessante Perspektive wählt, ist gerade die spanische Grippe an allen Ecken und Fronten zu sehen. Besser gesagt deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Und natürlich muss man das, wie Mia Goth auch selbst bestätigte als Kommentar auf die Anfänge der COVID-19-Pandemie begriffen. Man ist angehalten, nicht das Haus zu verlassen. Alle sollen Masken tragen und diejenigen schützen, die besonders vulnerabel sind. Interessant ist ja, daß man generell quasi über hundert Jahre in die Vergangenheit geht, um die Gegenwart zu erklären. Die Frage, die sich dann stellt, ist, warum West und Goth das in ihrem Drehbuch taten. Und darauf die Antwort zu finden, ist vielleicht schwer. Doch die naheliegendste These ist, daß die Macher hier zeigen wollten, wie wenig Menschen aus der Vergangenheit lernen und wie wenig fortschrittlich man doch letzten Endes ist.

Dazu gesellt sich mit der Titelfigur Pearl auch immer wieder ein gewisser Narzissmus. Sie sei ein Star, schon immer gewesen. Andere würden sie nicht verstehen und sobald sie scheitert, kann es nur einen Ausweg geben. Da muss man sagen, ist der Film verhältnismäßig schon sehr platt, weil man eben in jedem Moment damit rechnen muss, daß das unweigerlich darauf hinauslaufen wird. Doch die Verbindungen, die der Film dabei zur Gegenwart schafft, gehen natürlich über die Pandemie hinaus. West ist ein intelligenter Filmemacher, der vor allem hier die TikTok-Generation und den Irrglauben bloße Existenz sei Berechtigung ein Star zu sein, aufs Korn nimmt. Man kann nicht anders, als in Pearl auch eine Art Influencerin zu sehen, die ihre eigene Herkunft verleugnet und sich nach Außen perfekt darstellt. Dabei spielt Sexualität quasi nur noch untergeordnet eine Rolle und ist nicht so zentral wie etwa in X. Kontrastreich wird hier aber dennoch gearbeitet. So etwa über die Bilder, die ein idyllisches Landleben suggerieren und damit gleichermaßen, eben weil es eigentlich für die Figuren so furchtbar ist, den amerikanischen Traum konterkarieren. Denn nicht umsonst handelt es sich ja bei der Familie von Pearl um deutsche Einwanderer. Wenn es dann am helllichten Tage zur Sache geht, ist das zwar auch nicht so intelligent, wie sich Midsommar (2019) dafür hielt, aber West setzt hier bewusst auf total skurrile Bilder.

Optisch ist Pearl irgendwo auch eine Augenweide. Die ihren Reiz aus der völligen Absurdität der Sache gewinnt. Dazu ist die Analyse der Gesellschaft vor dem Hinblick der Realität durchaus treffsicher, wenngleich auch satirisch überspitzt. Tonal erinnert der Film da bisweilen ein wenig an die Holzhammer-Satiren Dont Look Up (2021) und so ziemlich alles, was Taika Waititi gemacht hat. Nur ist dabei am Ende des Tages ein intelligenterer Film bei rumgekommen. Und es sind dann kleinere Momente, die man kaum erklären kann, in denen sich das Talent von West zeigt. Er analysiert schon ganz gut, stellt eine Liebe zum Film dar und entlarvt dabei gekonnt, die Naivität, mit der man sich in Amerika dem landgegebenen Traum nähert. Zuweilen vielleicht etwas zu zahm. Aber ok.

Eine interessante Mischung möchte man Pearl nennen, der sich vor allem auf nicht offenkundigen Ebenen zum Glücksgriff gemausert hat. Schauspielerisch großartig, minimalistisch gedacht und mitunter sogar recht witzig. Die richtige Mischung wurde hier definitiv gewählt.

Pearl Bewertung
Bewertung des Films
710

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