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Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot

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Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot Kritik

Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot Kritik

Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot Kritik
0 Kommentare - 10.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot" ist.
Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot

Bewertung: 3.5 / 5

Der jungen Grace (Samara Weaving) steht der schönste Tag ihres Lebens bevor, denn sie wird nun heiraten. Ihr zukünftiger Alex Le Domas (Mark OBrien) stammt aus der schwerreichen Familie der Le Domas. Eine Tradition in der Familie besagt, daß jedes neue Familienmitglied durch ein Spiel eingeführt werden soll. Grace zieht die Karte „Verstecken“ und muss sich nun im riesigen Anwesen verstecken. Doch schnell findet sie heraus, daß das ein eher andersgeartetes Spiel ist und es jetzt um Leben und Tod geht.

Die wohlhabende Familie, die ihren Stand daraus gewonnen hat, immer lukrativ zu heiraten und jedwede Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, ist das Paradoxon des Konservatismus. Besser gesagt des Neoliberalen Konservatismus. Die Familie und das Kapital. Eigentlich zwei Dinge, die sich nicht vereinen lassen. Jeder, der einen sogenannten Nine to Five-Job hat, dürfte das untermauern können. Und das Ironische daran ist, daß das System hier den Menschen übernommen hat. Gleichzeitig ist das System aber auch daran gelegen, daß es eine Art Fortpflanzung gibt, denn ohne Nahrung gibt es keinen Erhalt. Im Falle von Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot sieht man eine traditionsreiche und wohlhabende Dynastie, die schon lange jedwede Menschlichkeit verloren hat. Hier wird wortwörtlich über Leichen gegangen, um dem Vergnügen willen. Subtil ist das nicht und wird es auch nie sein. Wenn die Charaktere plötzlich Armbrüste und Mistgabeln zücken, um eine frischvermählte Braut durch das Anwesen zu jagen, dann ist das ein Klassenkonflikt. Warum sie das tun? Na, weil es Tradition ist und weil es eine höhere Instanz so vorgeschrieben hat. Mit ihrem Werk beweisen die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gilett, daß ihnen gar nicht an einer komplexen Weltanschauung gelegen ist. Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, daß es extrem angenehm ist, mal wieder einen Horrorfilm zu bekommen, der nicht glaubt, mit einem vermeintlichen Subtext über irgendwelche Mankos hinwegtäuschen zu können. Insofern ist dieser Film wohl Segen zu Fluch zugleich.

Trailer zu Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot

Allen voran gelingt es dem Film ganz gut, seine Hauptfigur Grace, nun ganz frisch Le Domas zu inszenieren. Zum einen liegt das daran, daß die von Samara Weaving gespielte Braut vor allem dadurch auffällt, daß sie eine Kämpfernatur ist. Man kann hier zwar nicht von Scream-Queen sprechen. Gleichwohl schafft der Film es in ihr einen starken Lernprozess zu zeigen, der sie immer zur genau richtigen Zeit im Film in einen Wandel bringt. Zu Beginn ist da der Schock, über die völlig absurde Wendung, des eigentlich als schönsten Tag ihres Lebens gedachten Abends. Dann ist da der Wille zu überleben und sich jeder Widrigkeit zu stellen. Wie sie das zu schaffen versucht, ist dann nicht einfach nur Talent, sondern zu einem großen Teil auch Glück. Und auch das ist erstaunlich, denn hier serviert der Film dann einen Realismus im Absurden, der aber zu jedem Zeitpunkt gewinnt. Man fiebert mit, wenn die junge Braut mit ihrem Kleid irgendwie stecken bleibt und hofft sehr, daß sie das einfach nur überleben wird. Zu guter Letzt, vielleicht auch ein wenig feministisch, ersteigt sie als gereifte Kämpfernatur, die jetzt wirklich jeden vermeintlichen Spaß mit einer knallharten versäht. Ab diesem Moment spätestens ist der Film sehr unterhaltsam, weil auch die gezeichnete Situation, wie auch die daraus resultierende Gewalt immer sehr überspitzt wirken. Dadurch entsteht eine angenehme Unterhaltung und eine Kreativität im Ableben. Ironischerweise etwas, was John Wick (2014) besonders groß machte. Nicht daß der Film in dieser Hinsicht so ballerartig daherkäme und tänzerische Einlagen parat hielte, dennoch ist alles in jedem Moment völlig überzeichnet, sodass der Film zu unterhalten weiß.

Selbst wenn dem Werk hier und da die Subtilität fehlt und die Autoren mit dem Holzhammer auf jeden gesellschaftlichen Missstand aufmerksam machen wollen, so ist doch ein Konzept durchaus spannend. Wenn man Andie MacDowell besetzt, in einem Film, der von Hochzeiten handelt, dann kann man eigentlich nicht anders als an den britischen Klassiker Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1994) zu denken. Die Wahl ihrer Besetzung wird da wohl auch kein Zufall sein. Doch warum gerade die Ehe. Die Ehe gilt wohl als eines der letzten Bollwerke das klassischen Konservatismus, weil sie eben auch mit dem Liberalismus vereinbar ist. Betrachtet man die faktischen Zahlen, dann lassen sich wohl konservative Menschen genauso gerne scheiden, wie es ideologisch offenere Menschen tun. Die Ehe ist hier im Film ganz stark präsent. Natürlich Deutungstechnisch relativ komplex, weil der Film eben ganz klar aufzeigt, daß die Ehe in den Tod führt. Das ist zwar nicht direkt so ausgedrückt, aber die einzige Schlußfolgerung, die man aus dem Werk direkt ziehen kann. Augen auf bei der Partnerwahl kann man da nur sagen. Doch wer nun glaubt, der Film übe damit einen zu starken Zynismus aus, der tut dem Werk wohl ein wenig unrecht, weil es nicht darum geht, die Ehe als Konzept grundsätzlich abzulehnen. Es geht viel mehr um Klassenfragen. Die Herkunft der Hauptfigur, die eben nicht aus einer wohlhabenden Familie stammt, oder diese gar noch hätte, steht hier auch im Konflikt mit den Machtverhältnissen, die sich durch die richtigen Verbindungen oder auch Vetternwirtschaft auftun. Natürlich spricht der Film das zu keinem Zeitpunkt so direkt aus, aber es wäre schwer zu glauben, daß das nicht grundsätzlich auch eine Rolle spiele.

Wenn man nach Problemen im Film suchte, dann wäre wohl eines, daß er mit Sicherheit zu vorhersehbar ist. Die gesamte Prämisse von Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot fußt darauf, daß es eine Eskalation geben muss, die man ja in dem Kontext auch einfach erwartet. Doch da gibt es dann kaum einen Wandel innerhalb der Geschichte. Ebenso so schade ist, daß man hier nicht auch ein wenig mit den einzelnen Ideologien spielt. So etwa die Reichen und deren Gefolgschaft. Gerade in den Hausdienern läge eine Menge Potenzial, daß der Film aber unerschöpft lässt. Dabei verlässt er sich eher auf eine stilsichere Inszenierung und teils glasklare Bilder, die er auch ziemlich gut einfängt. Daß man zugunsten der eigentlichen Wendung der Geschichte auch gewisse weibliche Stigmata von Zukunftsvorstellungen und Rollenverteilung in Kauf nimmt, ist halt einfach dem Konzept geschuldet. Und dennoch hat dieses minimalistische Konzept auch zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Ermüdungserscheinungen in Sachen Pacing. Der Film bleibt immer genauso flott, wie er sein muss und sorgt mitunter eben dann doch für den ein oder anderen Lacher.

Sicherlich wird man Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot nie in den Kreisen der ganz großen des Horrorkinos aufnehmen können. Dazu sind die eigentlichen Ideen zu unoriginell und auch die Geschichte bleibt sehr gradlinig. Auf der anderen Seite haben die Regisseure hier ein Händchen für ein teils kreatives Gemetzel, daß bedingt durch das sehr überdrehte Schauspiel innerhalb der Familie, aber auch durch Samara Weaving in der Hauptrolle zur schnellen Tour wird, die kaum Hänger aufkommen lässt.

Ready or Not - Auf die Plätze, fertig, tot Bewertung
Bewertung des Films
710

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