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Rendezvous mit einer Leiche

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Rendezvous mit einer Leiche Kritik

Rendezvous mit einer Leiche Kritik

Rendezvous mit einer Leiche Kritik
0 Kommentare - 13.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Rendezvous mit einer Leiche" ist.

Bewertung: 3 / 5

Die verwitwete Emily Boynton (Piper Laurie) findet heraus, daß ihr verstorbener Mann kurz vor seinem Tod sein Testament ändern ließ. Demnach hätte von der Hinterlassenschaft des Gefängnisdirektors nicht nur Emily profitiert, sondern auch seine drei Kinder. Nun erpresst Boynton den Anwalt der Familie Jefferson Cope (David Soul), um die erste Fassung des Testaments zu beglaubigen. Zusammen mit ihren drei Stiefkindern und ihrer eigenen Tochter Gionevra (Amber Bezer) reist die herrische Witwe nach Palästina. Auf der Überfahrt treffen sie erneut auf Cope, der eine Affäre mit Emilys Schwiegertochter hat und der Familie nachgereist ist. Auch die Parlamentsabgeordnete Lady Westholme (Lauren Bacall) hat mit der Familie Boynton zu tun. Doch auch der Meisterdetektiv Hercule Poirot (Peter Ustinov) befindet sich an Bord.

Mord ist faszinierend. Nicht, weil man das Bedürfnis verspürt, unbedingt jemandem das Leben zu nehmen, doch die Kunst darf diese ambivalente Haltung, nach derer uns ein Mord überhaupt dazu bringt, uns für etwas zu interessieren, einnehmen. Insofern steht der Krimi als Genre auch in der Tradition des klassischen Theaters, des Amphitheaters, das schon vor tausenden von Jahren durch Gewalt zu unterhalten wusste. Ob Krimis, die eigentlich eine zutiefst menschliche Eigenschaft, nämlich die der Wahrheitsfindung aufweisen und Mordspiele, die der Unterhaltung, aber auch wohl ein wenig der Faszination an Gewalt dienten, zu vergleichen sind, daß sei mal dahingestellt. Tatsächlich hat aber der Krimi wohl eine unendlich lange Tradition, wenn es darum geht, für Unterhaltung zu sorgen. Der Krimi in Filmform hat ebenfalls eine lange, zwar bei weitem nicht so lange, Tradition und es ist klar, daß gute Krimis eben schon den Zuschauer anlocken. Dummerweise, um jetzt eher so mäßig brillant – wie, Achtung: Spoiler, auch dieser Film – eine Herleitung zu schaffen, gelingt es diesem Werk Rendezvous mit einer Leiche aber auch nicht, diese zu schaffen, sodass man sich für das, was da auf der Leinwand passiere, noch interessieren würde. Nicht falsch verstehen, viele Filmreihen haben das Problem, sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr weiterzuentwickeln, insofern ist es fast schon unsinnig über Fortsetzungen zu sprechen, aber das Problem bleibt halt bestehen.

Tja, und was das Problem ist, ist ganz simpel zu erklären. Es sind vor allem altbewährte Muster, die das Werk Rendezvous mit einer Leiche auszeichnen, wodurch der Film zwar seinen Vorgängern irgendwie treu bleibt, aber nicht darüber hinauskommt, an sich relativ unnötig zu sein. Es ist ein Film, der eben wieder von der Upperclass berichtet, der wieder einen Mord hervorbringt, der wieder wartet, bis dieser geschieht, der wieder vereinzelt die Genialität seines Ermittlers zur Schau stellt, wodurch das Werk ein wenig unzugänglich wird, weil man dem nur schwer folgen kann oder will. Gut, zugegeben, in Das Böse unter der Sonne (1982) gelang das noch deutlich schwerer, aber auch dieser Film bleibt in seinen Schlussfolgerungen beim Mitraten und Mitdenken eher so beiläufig und man fokussiert sich hier eher auf das Ensemble um Ustinov, Lauren Bacall, Piper Laurie, David Soul, Carrie Fisher und Jenny Seagrove. Das ist unterhaltsam und wird wahrscheinlich selten nicht unterhaltsam sein. Aber auf der anderen Seite muss man sagen, daß diese Adaption schlicht und ergreifend zu platt all ihre Themen abhandelt. Es ist sonnenklar, was passieren muss. Zwar nicht unbedingt, wer dafür verantwortlich ist, zumindest zunächst nicht, doch weiter führt das auch nicht. Rendezvous mit einer Leiche fehlt es ganz klar an tiefschürfenden Ereignissen. Es fehlt ihm an Ambivalenzen und es fehlt ihm auch daran begreiflich zu machen, warum den Zuschauer dieser Fall nun interessieren soll. Kurz um, der Film wirkt eben wie eine weitere Fortsetzung.

Es ist tatsächlich auch so ein wenig der Regie geschuldet, daß Rendezvous mit einer Leiche so beiläufig wirkt. Kaum eine Szene, die Michel Winner inszeniert, hat eine große Tragweite. Zwar ist es jetzt nicht so, als schadete Winners Inszenierung dem Film, dennoch weiß er nicht, wie man Spannung und einen Fokus auf Dinge legt und damit den Zuschauer fesselt. Interessant sind ein bis zwei Shots aber durchaus, weil die Kamera teils absurdeste Winkel wählt und teilweise zwischen Beinen hindurch Bilder erklärt. Ob das Kunst oder Parodie ist, weiß man nicht recht zu sagen, aber es sorgt durchaus dafür, daß man zumindest mal schmunzeln muss. Wie auch in den vorherigen Verfilmungen wird Poirot als Figur eigentlich relativ passiv in den Plot geworfen. Das sorgt schon für das ein oder andere Problem, ist aber in diesem Fall sogar noch schwieriger, weil die Figur kaum eine persönliche Verbindung zu den Geschehnissen hat. Man muss es natürlich auch nicht wie Branagh machen und eine Origin-Geschichte zu einem bekloppten Bart machen, doch ein wenig mehr persönliche Verbindung und eine Bewegung aus der eigenen Komfortzone würden zumindest beim vierten Mal nicht schaden. Auch das mag natürlich so ein wenig der Vorlage geschuldet sein, doch hier fehlt einfach jede Emotionalität, weil man sich auch nicht mehr wirklich dafür interessiert, was mit den Figuren passiert. Und das ist durchaus ein Problem, weil alles so ein wenig eine Facette von etwas bleibt. Die einen wollen Geld, die anderen Liebe, die nächsten Rache und so weiter und so fort. Das ist irgendwie sehr salopp.

Nun ist die Frage, ob denn diese oberflächlichen Schauwerte vor irgendwelchen Kulissen funktionieren. Ja, klar, daß tun sie auf jeden Fall. Und auch die Schauspieler geben dabei ihr Bestes. Man muss leider sagen, daß diese Filme aber bedingt durch ihre Oberflächlichkeiten fast immer Mogelpackungen bleiben. Es sind halt Ensemble-Filme. Doch sowohl der Geschichte als auch der Inszenierung fehlen der Biss, der Schlag in die Magengrube und viele weitere Dinge, die einen großen Film eben so ausmachen. Hier erzählt man eben nur weiter, anstatt etwas zu erzählen.

Natürlich, bei aller Kritik kann man Rendezvous mit einer Leiche definitiv noch „wegschauen“. Doch das ist hier bloße Unterhaltung, die fast jedwede Substanz vermissen lässt. Sicherlich hat der Film damit auch einen gewissen Charme, weil früher vieles im Geschäft eben einfacher gedacht war und man tatsächlich noch große Anstrengungen auf sich nahm, doch inhaltlich wird zu viel wieder erzählt und eigentlich nichts gewagt.

Rendezvous mit einer Leiche Bewertung
Bewertung des Films
610

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