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Rheingold

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Rheingold Kritik

Rheingold Kritik

Rheingold Kritik
0 Kommentare - 20.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Rheingold" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Giwar Hajabi (Emilio Sakraya) flüchtet Mitte der 1980er-Jahre mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland. Dort muss er sich von ganz unten nach oben hocharbeiten und gerät dabei immer wieder mit den Werten seiner eigenen Familie, seinen Träumen und dem Gesetz in Konflikt. Vom Kleinkriminellen steigt er in der Gunst mächtiger Männer ebenso zu einem dieser auf und findet sich immer wieder in neuen, gefährlichen Situationen wieder.

Eine gute Geschichte allein macht noch lange keinen guten Film. Man denke nur daran, wie das wäre, wenn ein Werk ohne jedwedes Handwerk auskäme und sich dann selbst kreieren würde. Kunst braucht jemanden, der als Medium zwischen den Welten des Künstlers und des Kunstwertenden fungiert. Das, was Kunst zur Kunst macht, ist nicht erlernbar, wenngleich es durchaus etwas gibt, was man erlernen kann. Das Handwerk. Man nehme dazu nur mal ein Beispiel. Es entsteht ein Film, über eine Liebe zwischen zwei Frauen oder dergleichen. Die Geschichte ist eventuell durchtränkt von Tiefen, Höhen, Schicksalsschlägen, dem Tod und vielen kleineren Dingen, die im Drehbuch so ihren Weg finden. Dann liegt es an der Regie, diese Geschichte zu interpretieren, vielleicht mit Kamera, Bildern, Symbolik, Forshadowing und vielen kleinen Dingen, die das Werk von anderen abheben kann. Das kann etwa die Törtchenmetapher vom jungen Noodles in Es war einmal in Amerika (1984) sein. Das kann das kleine Mädchen in Schindlers Liste (1993). Das kann ein Mysterium sein, daß die Charaktere in kleine Nuancen führt. Kurz um, es können endlos viele Dinge sein, die einen Film von einer Dokumentation abheben. Dazu arbeiten Regisseure mit Lichtern. Mit Bildern, mit Musik, die sie von Situation zu Situation abwandeln und anpassen. Mal steht die Kamera auf dem Kopf. Mal setzt Musik zur Spannung ein und so weiter und so fort. Warum dieser Umstand nun für Rheingold so wichtig ist, sieht man daran, daß hier jemand am Werk war, der so ein wenig Arbeitsfaul wirkt. Denn Fatih Akins Inszenierung, die durch die Geschichte in Kriegsgebiete, die deutsche Unterwelt, teils heftige Brutalität, vermeintliche Liebe und vieles weiteres geführt wird, ist absolut nichtssagend. Wann immer etwas passiert, in jedem Gespräch und in allem Stattfinden im Film blickt Akins Film durch eine Kamera, die sich kaum mit den Figuren bewegt, die keinerlei Präsenz aufweist und somit auch keinerlei Spannung erzeugt. Komplette Figurenbeziehungen bleiben auf der Strecke. Das gesamte Werk wirkt fast dokumentarisch abgefilmt, ohne dabei irgendwelche Ambitionen in künstlerischer Hinsicht aufzuweisen.

Trailer zu Rheingold

Höret, höret, liebe Moral. Du bist mein Freund. Mein ganz eigenes Verständnis der Welt, während ich Nasepopelnd mein Kreuz bei der nächsten Wahl wieder so banal setze und mich dann darüber echauffiere, daß nicht alles so läuft, wie es eben besser wäre. Als wäre es eine Tat, die mich von jeder Schuld befreit. Man sieht da einen Film, eine Geschichte, über einen Rapper. Der ist schon irgendwie krass und der macht böse Dinge. Ok, genug des Sarkasmusses. Es ist erstaunlich, daß man einen Akin-Film dermaßen in der deutschen Kritik stehend verteidigen muss. Normalerweise würde ich diese Kritik nicht als Aufhänger verwenden, um einen Diskurs zu führen. Doch das ist in dem Falle beispiellos und wichtig, um zu verstehen, warum Rheingold ein Film ist, der von Menschen zelebriert wird, die keineswegs irgendeine Ambivalenz in sich zulassen. Wann immer man was von diesem Film gehört hat, dann erstreckt sich die vermeintliche Kritik darüber, daß das schon ein ganz netter Film sei, aber die Figur ja gar nicht moralisch integer wäre. Sie täte böses und würde dafür kein Stück gerügt, würde nicht geläutert und verstünde nicht, wann es Grenzen gibt. Nun verfrachte man das Szenario um Rheingold mal in die USA und mache daraus einen Film à la GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990), The Wolf of Wall Street (2013) oder ganz besonders auch Straight Outta Compton (2015). In all diesen Filmen sieht man moralisch ambivalente Charaktere, die sich alles nehmen, dafür über Leichen gehen und trotzdem als Helden stilisiert werden. In diese Kerbe schlägt Rheingold so ein wenig und zeigt, wenn auch zum Ende hin ein versöhnliches, konservatives Allerheil versorgt wird, daß Figuren, die nicht rein gut oder böse sind, auch stattfinden können.

Und dieser Film musste passieren. Ähnlich wie schon Der goldene Handschuh (2019) mal passieren musste, ist Rheingold auch ein Film, der mit teils heftigen Szenen, dem sozialen Brennpunkt, Gewalt, Tod, Sex und vielem mehr schockiert, was man so auch eher weniger aus Deutschland erwartet. Akin legt dabei den Finger in die Wunde und serviert dazu einen Film, der auch in seiner Wertung relativ kompliziert zu fassen ist. Da kommt es zu Dialogen, die wirklich nur ein vierzehnjähriger mit erstem Schamhaar so schreiben würde. Da gehen Figuren aneinander vorbei und sagen „Jo Dicka, was machst du hier?“ und dann gibt es plötzlich Schlägereien. So ähnlich verläuft auch ein Überfall auf einen Goldtransporter und spätestens ab dem Zeitpunkt fragt man sich, ob das alles nun doch ein wirklich überzogenes Märchen ist, oder der Realität entspringt. Der gesamte Film zeigt eine eigenartige Absurdität, die durch eine ebenso eigenartige Faszination zu einem bemerkenswerten Film aus Deutschland führt. Natürlich können das andere besser. Und trotzdem, wenn Rheingold versucht Figuren zu zeichnen und so ein wenig als die deutsche Antwort auf Hollywood-Klassiker daherkommt, dann hat das schon was zu sich. Selbst wenn die meisten Figuren neben Xatar keinen wirklichen Appeal haben.

Spannend ist zudem, daß Rap als Musik wirklich nur marginal Platz findet im Film. Doch wenn Emilio Sakraya da seinen Lines runterrattert, dann hat das schon einen gewissen Flow, der verstehen lässt, warum Xatar so großen Anklang, trotz des Images findet. Es ist schön, daß sich der Film eben nicht wie in Best-of der bekanntesten Lieder des Künstlers anfühlt. Ein Umstand, der vor allem die amerikanischen Genre-Kollegen Bohemian Rhapsody (2018) und Rocketman (2019) so ein wenig mehr zu Werbematerial, denn zu Filmen verkommen ließ. Zudem ist dieser Film auch nicht als übliche American Dream-Geschichte, um einen jungen Mann, der von ganz unten nach ganz oben gelang, zu verstehen. Sicher, der Film bedient irgendwo schon so einen rührseligen und konservativen Charakter zum Ende. Doch der Weg dorthin, ist eher Genreuntypisch, weil die Figur eben auch im Vergleich zu anderen Ikonen eben aus einem gut gebildeten Haushalt kommt. Wenn der eigene Vater eigentlich Musikprofessor und Komponist ist, der sich mit Klassik abgibt, dann ist der Kontrast zum Milieu des Gangster-Raps, der auch hier tatsächlich etwas von Gangstern hat, sehr weit. Es ist eben eine Geschichte, wie sie eigentlich nur das Kino schreiben kann und dennoch ist sie es nicht und gerade deshalb ist sie so interessant und vielschichtig in gewisser Weise.

Zudem muss man Emilio Sakraya in den höchsten Tönen loben. Man bekommt ja eigentlich, durch die eigenen Klischees zunächst eher den Eindruck, als habe so eine Rolle immer etwas Infantiles und die Stilisierung der Figur würde auf eine Weise getragen, bei der man einem relativ jungen Schauspieler nicht mehr abkauft, daß das nicht einfach nur eine klischierte Darstellung von Rollenstereotypen ist. Doch Sakraya gibt der Figur soviel Charisma und kann zwischen ernsten, leichten, ironischen, wie auch schmerzlichen Momenten immer wieder einfach hin- und herwechseln.

In fähigeren Händen als denen seines Regisseurs wäre Rheingold sicherlich eine Perle des deutschen Kinos geworden. So verleibt der Film auf einem guten Level, daß zwischen Emotionen wie Witz und Schmerz, absurden Momenten, einem gewissen anarchischen Grundton und großem Schauspiel spielend leicht hin- und herwechselt.

Rheingold Bewertung
Bewertung des Films
710

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