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Shocker

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Shocker Kritik

Shocker Kritik

Shocker Kritik
0 Kommentare - 22.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Shocker" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Der psychopathische Fernsehtechniker Horace Pinker (Mitch Pileggi) bringt ganze Familien in L.A. um. Irgendwie jedoch, besteht zwischen ihm und dem Highschoolschüler Jonathan Parker (Peter Berg) eine Verbindung. Denn dieser kann die Verbrechen Pinkers in seinen Träumen voraussehen. Nun wird Pinker von Horace Adoptivvater Lt. Don Parker (Michael Murphy) gefasst und anschließend auf dem elektrischen Stuhl getötet. Doch damit endet der Schrecken nicht, denn Pinker hat irgendwie einen Weg gefunden, weiterzuleben.

Träume sind faszinierende Gedankenspiele. Man kennt das, man vertieft sich in den Schlaf und findet da plötzlich eine sehr surreal anmutende Gedankenwelt, die mal mehr, mal weniger sinnig erscheint und mal mehr, mal weniger in Erinnerung bleibt. Was Träume bedeuten können, daß wird in der Psychoanalyse lang und breit diskutiert. Was Träume sind, daß ist auch mehr noch eine These, als daß es wirklich feststünde. Doch Träume sind als Thema für Filme unglaublich spannend, weil sie den Gedanken an eine zweite Welt, an unterschiedliche Realitäten und die schlimmsten Ängste, die kaum begreifbar sind, in Bilder verwandeln. Ein Zustand, der vor allem Wes Cravens Nightmare – Mörderische Träume (1984) ausmachte und ihn bis heute zu einem der bedeutendsten Filme der Horrorgeschichte zählt. Craven hatte also sein Opus Magnum und der Zuschauer konnte einen gewissen Stil erkennen. Wenngleich es natürlich streitbar ist, ob der Film um Freddy Krueger, einem mordenden Hausmeister, wirklich Cravens bestes Werk ist. So kann man dennoch festhalten, daß dieser Film auch in gewissen Maßen stilprägend für den Regisseur sein sollte. Ein Beleg für diese Behauptung wäre ganz klar sein letzter Film in den 1980er Jahren Shocker. Ein Film über einen mordenden Fernsehmonteur. Wie Freddy hat er schlechte Sprüche gepachtet – Er zitiert Freddy an einer Stelle sogar. Wie Freddy findet er sich primär in surrealen Traumebenen, oder auf einer anderen Frequenz wieder und wie Freddy scheint er in irgendeiner Form mit überirdischem verbunden zu sein. Ja, dieser Horace Pinker passt ganz gut in den Stil eines Wes Craven.

Wann immer man über Shocker spricht, dann reden die meisten Leute immer über einen inkonsistenten Ton und ein an Lächerlichkeit nicht zu überbietendes Konzept, nach welchem ein mordender Elektriker, nicht ganz in das zuvor aufgemachte Drama passte. Nun ist Shocker sicherlich kein besonders gut gemachter Film. Craven hat hier den Anspruch, eine Mediensatire zu gestalten und inszeniert den Film im Zeichen seiner Zeit. Das heißt, daß grauenhafte Geistersequenzen und etwaige Spezialeffekte hier den Eindruck vermitteln, es handle sich mehr um eine Parodie, als um einen wirklichen Horrorfilm. Doch Cravens Werke zeichneten sich ja auch schon immer durch eine gewisse Überspitzung der Sachlage, wie auch das Miteinbringen seltsamer Ideen aus. In Shocker bekommt der Zuschauer Szenen serviert, die einen aus dem Lachen nicht mehr herausbringen werden. So begleitet der Zuschauer den Protagonisten Jonathan Parker auf dem Weg in den Kampf gegen Horace Pinker. Dabei spielt das surreale in Form von Träumen oder Vorstellungen immer wieder eine Rolle. Wenn Parker vor Pinker flieht, kommt es etwa zu so komödiantischen Einlagen wie einer Frequenzform von Pinker, die Jonathan Parker in einem Sessel ermorden möchte. Auch sein Schweben aus einem Fernseher heraus hat etwas total Absurdes. Doch die dort gezeigten Bilder erfüllen eben nicht den Zweck, den man sich vielleicht mit dem Horrorfilm mal ausgemalt hatte. Viel eher sorgt das für breites Gelächter. Doch auf der anderen Seite muss man sich auch fragen, ob es nicht genau solche Sequenzen sind, die diesen Film so einzigartig machen.

Und ganz frei von Ernst ist der Film dann auch nicht. So kommt es etwa auch zu einem brutalen Mord, der vielleicht gerade im Hinblick auf das, was die Ausgangslage sein soll, durchaus spannend ist. Natürlich rückt Craven wie üblich auch hier ganz junge Protagonisten in den Mittelpunkt. Und während man vielleicht bei dem ein oder anderen Slasher noch glauben konnte, daß die Hauptfiguren wirklich Jugendliche sind, so vermittelt Shocker wieder den Eindruck, man habe es hier auch mit ganz eindeutigen Erwachsenen zu tun. Ein Umstand, der wichtig ist. Denn Cravens Schaffen in Shocker zeichnet sich auch immer wieder durch einen Generationenkonflikt aus. Heranreifende, junge Erwachsene, die sich emanzipieren wollen und das auch hoffentlich schaffen, daß ist wohl der Sinn der Pubertät und Adoleszenz. Immer wieder stellt Craven hier die Frage, ob Jugendliche wirklich so verblödet sind, wie es den Anschein hat. Wenn man junge Menschen im Film inszeniert, dann hat das häufig etwas von sehr banalen und klassischen „Pubertätsschwierigkeiten". Doch Craven inszeniert seinen Jonathan Parker als einen jungen Mann, der wirklich mit allem recht hat, was er tut. Natürlich etwas unbeholfen, etwas hilflos und dennoch kommt man nicht umher zu sehen, daß dieser junge Mann leidet, weil er einen grauenhaften Mord gesehen hat. Er leidet ebenso, weil man ihn nicht ernst nimmt. Und natürlich muss man an der Stelle fragen, ob dieses Leid, die Fähigkeit, damit umzugehen und gegen jedwede höhere Instanz, in Form der Erwachsenen anzugehen, nicht auch etwas sehr Erwachsenes ist. Shocker nimmt Jugendliche ernst. Wenngleich auch hier wieder das übliche Stigma der Sexpraktizierenden Jugendlichen, die daher sterben müssen, die Frage aufwirft, inwieweit auch ein gewisser Konservatismus teil der Geschichte ist.

Doch darüber kann man hinwegsehen, weil Shocker auch in anderen Belangen eine damals noch recht brisante Frage in den Raum wirft. Wenn man ehrlich ist, dann spielt Rache hier zentral eine Rolle im Film. Denn dafür, daß Pinker viele Menschen und auch die Freundin von Jonathan Parker ermordet hat, soll er letztlich im Namen Gottes hingerichtet werden. Diese Blasphemie, die sich auch heute noch eine Menge Staaten erlauben, ist ja an Absurdität nicht zu überbieten. Im Namen Gottes Morden? Eben Blasphemie. Nun führt aber dieser Mord auch dazu, daß es Horace Pinker gelingt, sich durch irgendeine vermeintliche wissenschaftliche Erkenntnis in ein überirdisches Wesen zu verhandeln, daß dem Tod entkommt. Also sorgt der Tod unweigerlich hier auch für weitere Tode. In diesem Sinne ist der Kerngedanke von Shocker also, daß Rache niemals befriedigend ist, daß gleiches mit gleichem zu vergelten nirgendwo hinführt. Natürlich hat dann das Überirdische auch seinen Platz und gerade das Beten zu Satan sorgt ja ohnehin erst dafür, daß das funktionieren kann. Angereichert wird der Film dabei teils durch eben jene surreale und teils lächerlichen Sequenzen, wie auch Dialoge, die ein wenig albern daherkommen. Doch das passt zu jener Zeit und es passt zum Film. Gerade wenn ein Film, der ein solches Konzept verfolgt, dieses selbst durch seine wirklich herrlich schlechten Szenen vom Ernst so ein wenig enthebt, kann man ihn viel ernster nehmen.

Eines ist gewiss, wer Shocker sieht, der muss eine radikale Meinung zu ihm haben. Und zwar in dem Sinne, daß er entweder als Totalausfall gewertet wird, oder für einen persönlich zum absurden Kultfilm avancierte. Und irgendwie kann man sich wohl eher zu letzteren gesellen, weil der Film auch interessante, teils noch recht aktuelle Fragen in den Raum wirft und dabei tonal nicht aus der Reihe fällt. Natürlich orientiert sich Craven an sich selbst, doch er konnte das eben auch.

Shocker Bewertung
Bewertung des Films
710

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