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Shrek - Der tollkühne Held

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Shrek - Der tollkühne Held Kritik

Shrek - Der tollkühne Held Kritik

Shrek - Der tollkühne Held Kritik
2 Kommentare - 11.12.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Shrek - Der tollkühne Held" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Der grüne Oger Shrek (Mike Myers) lebt einsam und glücklich abgeschieden in einem Sumpf. Doch eines Tages stört eine Gruppe von Waldtieren das einsame Leben. Der mächtige Fürst Lord Farquaad (John Lithgow) hat alle Märchenwesen aus Duloc vertrieben und in den Sumpf verfrachtet. Unter ihnen ist auch der plappernde Esel (Eddie Murphy). Zusammen mit ihm macht sich Shrek in der Hoffnung seine Mitbewohner so wieder loszuwerden auf den Weg, die hübsche Prinzessin Fiona (Cameron Diaz) zu retten.

Die Popkultur ist verwöhnt. Ein Zeitgeistprodukt jagt das nächste, während Fans sich diesen Heiligen Werken in so ziemlich allen Medien und Gegenständen widmen können, George Lucas sei Dank, kann nun jeder Fan zu vermutlich fast jedem Gegenstand auf Erden ein Star Wars-Utensil kaufen, daß daran erinnert und klarmacht, in welche Welt man gehört. So ist es mit vielen Dingen und Werken. In der modernen Filmkultur spielt die Figur des Shrek hingegen wohl kaum noch eine Rolle. Zu sperrig zum Klassiker, zu schwierig für Kult. Und dabei wundert es, gehörten die Filme um den grünen Oger doch seiner Zeit zu den erfolgreichsten Filmen ihrer Zunft. Das Konzept an sich ist ja auch genial, wenngleich man sich immer wieder auf gewisse Dinge einlassen muss, wenn man sich einem Film wie Shrek – Der tollkühne Held widmet. Dabei merkt man dem Film seinen Zeitgeist an. Was heutige Filme vor allem mit starkem Pop und Pop-Rap untermalen, ist in Shrek noch Indie-Rock, bis hin zu Neuinterpretationen von Klassikern. Allein daran erkennt man die Zeit und teilweise den guten Geschmack, denn ja, die Musik funktioniert. Der Film will als die brachiale Antwort auf Disney verstanden werden und wendet sich zunächst gegen Kitsch und das Verständnis, daß der Zuschauer über Film-Liebe entwickelt hat. Ebenso spielen Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und allgemeine Oberflächlichkeit auch eine nicht unwesentliche Rolle.

Trailer zu Shrek - Der tollkühne Held

Shrek – Der tollkühne Held berichtet von einer nach Segregation schreienden Hauptfigur, die sich nicht sehnlicher wünscht, als ihren Teil der Welt für sich zu haben und dann Ruhe zu bekommen. Natürlich könnte man diesen Film überinterpretieren und ihn als Botschaft der Neuen Rechten verklären. Doch dann müsste man den Film komplett außerhalb seines Kontextes betrachten. Und nein, der Film gehört da nicht hin. Viel eher ist es eine Hommage und Persiflage auf das, was unter Märchen versteht. Natürlich sind die Kerngeschichten, die man besonders durch die Gebrüder Grimm kennt ihn ihrer Auslegung doch vergleichsweise Handzahm in heutigen Interpretationen und liefern im filmischen Segment, gerade aufgrund der filmhistorischen Signifikanz von Werken wie Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) oder auch Cinderella (1950) genügend Angriffsfläche durch moderne Betrachtungsweise. Doch ebenso wie man Shrek – Der tollkühne Held als ein Produkt seiner Zeit betrachten sollte, muss man auch diese Filme im Kontext ihrer Zeit betrachten. Ein Talent, daß in Zeiten von Cancel Culture mehr und mehr verloren geht. Keine rosigen Aussichten und insgesamt will Shrek als Figur ja auch mit gängigen Klischees brechen, während der Film sie zum Finale hin durchaus ein wenig bedient. Doch darin liegt auch die Stärke von Shrek – Der tollkühne Held.

Das Grundthema des Films ist nicht etwa eine Heldenreise, indem ein Oger und ein Esel für einen kleinwüchsigen Thronanwärter eine Prinzessin vor einem Drachen retten. Auch hier, gerade an der Figur von Lord Farquaad könnte man den Film komplett Zerreißen, denn er will ja als Plädoyer gegen Oberflächlichkeit verstanden werden und produziert die Witze um die Figur vor allem anhand seiner Körpergröße und auch der Fragestellung um die Beschaffenheit seiner niederen Region. Ja, daß muss man nicht hinnehmen. Kann man aber, weil die letztliche Botschaft zwischen den Zeilen, entstanden aus der Liebesgeschichte zwischen Shrek und Fiona und vielleicht Esel und dem Drachen durchaus eine anregende Geschichte ist, die auch in heutiger Zeit, im Hinblick auf die Macht sozialer Medien und den Einfluss, den eben Medien auf unser Verständnis von Schönheit und Perfektion nehmen, eine absolut großartige ist. Shrek und Fiona sind als Botschaft auf den wahren Gehalt und Inhalt jeder Liebe zu verstehen. Es ist Kitsch, aber ja, selten sieht man einen Film der sich so zentral mit den Themen Liebe in Kombination mit innerer Schönheit befasst. Wenn irgendwelche Hollywoodstars in Filmen einander anschmachten und sich gegenseitig erzählen, daß es um das innere geht, dann muss man sich schon fragen, warum in Hollywood fast nur Menschen stattfinden und gerade im Liebesfilm auch, nur Leute, die eben den Maßstab nahezu tadelloser Schönheit erfüllen. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese Menschen für jeden anderen auch alle gleich hübsch sind oder überhaupt in den Sphären unendlicher Schönheit stattfinden. Doch werden Schauspieler eben auch immer wegen gewisser Erscheinungsbilder gecastet, es ist ein visuelles Medium und Studien belegen ja den Hang zur Perfektion im Film, insofern, als daß man sich wohler fühlt, wenn man diese Menschen ansieht. Eine Studie aus Rostock belegte etwa, daß die Mehrheit der Frauen, die im deutschen Film stattfinden, zum Beispiel schlank sind, in einer Partnerschaft mit einem Mann dargestellt werden und dabei nicht über fünfunddreißig Jahre alt sind. Klar ist das nicht Hollywood. Doch beklagen sich auch hier immer vor allem ältere und dann vor allem weibliche Schauspieler darüber, kaum noch Arbeit zu finden. Auch wenn man sich etwa eine Nicole Kidman ansieht, die jetzt durchaus nicht ihres Alters entsprechend aussieht, sollte sich die These doch belegen lassen. Zumal Hollywood ja ganz eindeutig ein Sexismusproblem hat und es dazu auch genügend Material gibt, daß das wohl belegt. Aber das führt jetzt auch zu weit.

Nun könnte man sich natürlich fragen, warum man daß nicht so lässt. Gewagter könnte ja sein, wenn man Fiona in ihrer Menschengestalt mit Shrek zusammenbringt. Doch es geht ja auch gerade darum, daß sie ihren Blick auf sich selbst wandelt. Dadurch nämlich, daß sie sich in die Gestalt verwandelt, die sie als abstoßend empfindet, kann sie erst zu sich selbst stehen und wenn man zu sich selbst stehen kann, kann man auch erst zu seinem Partner, sprich seiner Partnerin stehen. Es mag vielleicht wie etwas Pubertäres anmuten, doch die Frage, die Shrek – Der tollkühne Held damit auch aufmacht, ist die Frage wer man selbst letztlich sein will und war man ist. Das sind philosophische Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt. Zumal das keine festen, sondern sich stetig wandelnde und durch äußere Faktoren beeinflusste Zustände sind. Überdies siegt der Film vor allem auch in seinem Kernelement als schwarze Komödie, weil er sich die gängigen Klischees und den Kitsch aus Märchen herausfiltert und dabei gekonnt von einer Pointe in die nächste stolpert. Wenn etwa Pinocchio verkauft werden soll, weil alle Fabelwesen nun nicht mehr erwünscht sind, dann ist das Bösartigkeit nicht mehr zu überbieten, weil auch die einfache Wahrheit so offen daliegt und man doch diese Lügen aufgetischt bekommt. Shrek – Der tollkühne Held hat indes eben auch ein Händchen für kleinere, Nebenfiguren, die den Film und das Universum darum bereichern. Zumal der Film bedingt durch die Musik, aber auch den Mix aus Fantasy-Mittelalter und modernen Spielereien eine ganz eigene ungewohnte Welt kreiert. So etwa am Beispiel des Spiegels, der wie in einer Game Show die möglichen Ehefrauen für Lord Farquaad vorstellt. Das könnte man natürlich auch interpretieren und sich fragen, wie weit weg man denn wirklich so vom primitiv verklärten Mittelalter ist.

Um nochmal auf die vertriebenen Fabelwesen zurückzukommen, ist es natürlich so, daß man das durchaus als Rassismus-Parabel lesen kann und es vermutlich auch keine andere Begründung gibt. Schließlich lässt der Film kaum Raum um zu interpretieren und die Wesen sollen verschwinden, weil sie eben existieren. Man hat das hier sehr kindgerecht aufgegriffen, die Frage ist aber nur, was wäre passiert, wenn sie eben nicht vertrieben werden können? Und ab dem Punkt wird aus dem eigentlich als Kinderfilm deklarierten Shrek – Der tollkühne Held plötzlich alles andere, als nur ein Kinderfilm.

Es verwundert irgendwie, daß man heute verhältnismäßig wenig über Shrek – Der tollkühne Held redet. Es ist sicherlich kein Film, der frei von Fehlern ist und den man zu Teilen auch als etwas blöd beschreiben kann, wenn es um die Zeichnung des Schurken geht. Und dennoch steckt in diesem Werk eine phantastische Allegorie auf sehr ernste Themen und einige philosophische Fragen. Selten befassen sich Filme über Liebe mit dieser Form von Liebe und allein dafür sollte man diesen Film wesentlich mehr würdigen, als man es tut. Ansonsten ist er eben auch einfach lustig, weil er weiß, wie man Witze inszeniert und eben auch ein Gespür für sympathische Charaktere hat.

Shrek - Der tollkühne Held Bewertung
Bewertung des Films
910

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
14.12.2023 18:20 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 948 | Reviews: 1.106 | Hüte: 43

@luhp92

Auf jeden Fall, sehr stark mit meiner Kindheit verankert. Aber ich war tatsächlich ob der Qualität der ersten beiden Teile durchaus schockiert. Gerade dem ersten hätte ich auch beinahe eine 10 gegeben. Dafür ist der Film eben einfach zu gut gealtert ^^

Consider that a divorce!

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
14.12.2023 09:52 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 17.440 | Reviews: 180 | Hüte: 637

Mal wieder ein vortreffliches Review.

"Shrek" und "Shrek 2" gehören klar zu den Klassikern der Animationsfilme.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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